Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen Kabinen-Eklat vor dem Gipfelduell: Torjäger gehen aufeinander los

Droht einem der beiden gar der Abpfiff? Die Plattenhardter Torjäger Fatih Özkahraman und Aristidis Perhanidis (von links). Foto: Günter Bergmann

Eine handgreifliche Auseinandersetzung überschattet die gefestigte Tabellenführung des TSV Plattenhardt. Derweil legen Croatia Stuttgart und der SV Vaihingen in ihren Kadern mit einstigen Junioren-Bundesligaspielern nach. Und andernorts ist der nächste Trainerwechsel perfekt.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Trainerwechsel Nummer drei der Saison, ein nachträglicher Neuzugang mit Bundesliga-Erfahrung sowie zwei Torjäger, zwischen denen die Fäuste fliegen – auch rund um den aktuellen zwölften Spieltag präsentiert sich die neue Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen als Quell der schlagzeilenträchtigen Ereignisse. Tabellenerster bleibt der TSV Plattenhardt, der eine Woche vor dem Gipfelduell mit der ebenso weiterhin von Sieg zu Sieg eilenden Spvgg Cannstatt nun allerdings ein internes Problem lösen muss.

 

TSV Rohr – TSV Plattenhardt

Rein sportlich läuft es für die Kicker des TSV Plattenhardt gerade wunschgemäß. Seitdem der vorherige „Co“ Slobodan Markovic im September den Cheftrainerposten übernommen hat, werden die Filderstädter mehr und mehr ihrer zugedachten Favoritenrolle gerecht. Mit dem 7:1 vom Sonntag beim TSV Rohr steht die Bilanz unter dem Coach bei sieben Siegen, zwei Unentschieden und nach wie vor null Niederlagen. Also alles paletti, könnte man meinen. Irrtum jedoch. Ergebnis und Tabelle rücken diesmal in den Hintergrund. Für erhöhten Pulsschlag sorgt etwas anderes – nämlich ein krachender Zoff zwischen den zwei Topangreifern der eigenen Mannschaft.

Ring frei für Fatih Özkahraman und Aristidis Perhanidis. Zu scheppern begann es zwischen den beiden bereits auf dem Rasen. Der Auslöser: eine eigensinnige Aktion von Perhanidis kurz vor der Halbzeitpause, als dieser selbst den Abschluss suchte, statt den Ball auf den besser postierten Özkahraman zu spielen – worüber sich Letzterer merklich aufregte. Eskaliert ist die Situation dann in der Kabine. Markovic will zwar keine Details nach Außen tragen, bestätigt aber „eine handgreifliche Auseinandersetzung“. Ohrenzeugen berichten, es sei so laut zugegangen, dass die Wände gewackelt hätten. Nun bleibt abzuwarten, welches Nachspiel die Angelegenheit bekommt. Das richtige Beben könnte erst noch folgen, wenn man Markovics Ausführungen lauscht. Jener sagt: „Das ist jetzt eine disziplinarische Frage, in der der Verein entscheiden muss.“ Er selbst hält es „für eher unwahrscheinlich“, dass es mit beiden Streithähnen weitergehen kann.

Heißt demnach, dass einer aus dem Kader fliegt? Schwer vorstellbar im Fall Özkahramans, handelt es sich bei ihm doch um den amtierenden Torschützenkönig und Kapitän. Steht also Perhanidis, der andere Knipser, vor dem Aus? Der Plattenhardter Fußballchef Sascha Krammer kündigt an, sich bis zum nächsten Training „erst einmal ein Bild verschaffen“ zu wollen.

Einstweilen, allein auf den Fußball bezogen, hat sich Özkahraman stark zurückgemeldet. Nach einer längeren Verletzungspause erst zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startformation, schnürte der Routinier einen Toredreierpack. Anerkennung am Ende auch vom Gegner. „Von uns selbst war es gar kein so schlechter Auftritt. Aber spätestens nach ihrem vierten Treffer haben die Plattenhardter ihre Klasse gezeigt“, sagt der Rohrer Trainer Klaus Kämmerer. Anders als beim unglücklichen Pokal-Viertrundenaus vom Donnerstagabend (2:4 nach Elfmeterschießen beim SV Vaihingen) waren die Seinen letztlich chancenlos. Unerfreuliches dabei auch für sie aus der Offensivabteilung: Für den gerade erst genesenen Fabian Rück war früh erneut Schluss – in seinem Fall nicht zwistbedingt, sondern wegen eines Muskelfaserrisses.

Spvgg Cannstatt – Sportvg Feuerbach

An der Tabellenspitze steht nun ein erstes großes Duell bevor. Aus dem Trio, das sich vom Rest der Konkurrenz ein Stück weit abgesetzt hat, werden am nächsten Sonntag der Erste Plattenhardt und der Dritte Spvgg Cannstatt direkt aufeinandertreffen, die Gäste vom Neckar dann ihrerseits mit eindrucksvollen Zahlen. Für sie bedeutet das aktuelle 3:0 gegen die Sportvg Feuerbach den siebten Punktspielsieg in Serie. Ein Lauf, der nach dem 3:8-Debakel vom fünften Spieltag in Oberjettingen begonnen hat. Sieht so aus, als wäre dem Trainer Andreas Contino mit seiner damaligen Blitz-und-Donner-Reaktion eine Initialzündung gelungen. Wobei: „Die vergangenen sechs Spiele waren auch Pflichtaufgaben, die man mit dem Potenzial, das wir haben, gewinnen muss“, sagt er. Nebensache, ob eher rauschend oder glanzlos, so wie dieses Mal. Nebensache ebenfalls, dass eine Cannstatter B-Formation drei Tage zuvor im Pokalwettbewerb beim A-Kreisligisten SG Weilimdorf Schiffbruch erlitt (1:2).

Aktuell führten Fabio Maringolo, Behar Hasanaj und Daniel Fichte die Cannstatter mit ihren Treffern zu einem Arbeitserfolg, den der Contino-Gegenüber Rocco Cesarano so einordnet: „Der Gegner hat aus wenig viel gemacht – in der Summe verdient.“ Demgegenüber, so seine Erkenntnis, „hatten wir nicht das Werkzeug zur Verfügung, das nötig gewesen wäre, um etwas zu holen“. Anders formuliert: Die bisher weitgehende Feuerbacher Pleiten-Pech-und Pannen-Saison findet ihre Fortsetzung. Gleich mehrere Begebenheiten fügten sich hierzu wie Puzzleteile passend ein. Vom Ausfall beider etatmäßigen Keeper, wonach der 19-jährige Eyyup Bekler aus Team zwei zwischen die Pfosten musste. Über zwei weitere neue Einträge auf der eh schon langen Verletztenliste, namentlich Amir Limani und Rodrigo Dos Santos. Bis hin zum bereits dritten verschossenen Elfmeter des Spieljahrs – und, quasi als i-Tüpfelchen, einem laut Cesarano „ganz doof“ ausgelösten Platzverweis. Sein Stürmer Marin Pranjic sah Gelb-Rot, weil er erst die Ausführung eines gegnerischen Freistoßes behinderte und dann meckerte.

TSV Münster – Croatia Stuttgart

Aus ortsinterner Feuerbacher Warte läuft dem schwächelnden Tabellenfünften der vergangenen Saison somit zunehmend ein anderer den Rang ab: Der Aufsteiger Croatia Stuttgart, bislang ebenfalls am Braun-Sportpark beheimatet, startet nach anfänglichen Problemen immer besser durch. Mit dem aktuellen 3:1 beim TSV Münster ist es für den Ligarückkehrer bereits Platz sieben – und das noch mit dem Nachholspiel gegen Rohr (7. November) in der Hinterhand. „Wirklich Fußball spielen konnte man auf diesem Geläuf nicht, aber wir haben gezeigt, dass wir uns auch aufs Kämpfen verstehen“, lobt der Trainer Mirko Sapina seine Elf. Herausragendes Beispiel: Mario Mamusa. Der Mittelfeldmann eroberte in seiner besten Szene den Ball, schüttelte bei einem 50-Meter-Sololauf alle Gegenspieler wie lästige Fliegen ab und netzte auch noch kühl ein.

Für Sapina kein Zweifel: das Tor des Spieltags – flankiert vom Comeback des Moments. Inzwischen wieder dabei ist bei den Kroaten Dominik Kajinic. Der ehemalige Junioren-Bundesligakicker des VfB Stuttgart und des 1. FC Kaiserslautern hatte sich nach der vergangenen Aufstiegssaison eigentlich verabschiedet. Sein Motto: Ausbildung statt Fußball. Für jenen schien die Zeit nicht mehr zu reichen. Bis jetzt. „Wir haben noch einmal mit ihm gesprochen und ihn überredet“, sagt Sapina, für den am Sonntag nur zwei Wermutstropfen blieben. Der eine: Sein Verteidiger Nenad Stevanovic sah in der Schlussphase für eine Notbremse Rot. Der andere: Sein Torjäger Duje Tokic schied mit Adduktorenproblemen aus.

TV Echterdingen II – SV Vaihingen

In puncto namhafter personeller Nachschlag erhalten Sapinas Mannen indes Konkurrenz. Auch der Tabellennachbar SV Vaihingen pimpt seinen Kader auf. Sein aktueller Späteinsteiger heißt Nick Rudloff, bringt ebenfalls Bundesliga-Erfahrung aus dem Nachwuchsbereich mit (Stuttgarter Kickers) und kickte zuletzt in der Verbandsliga für die Männer von Calcio Leinfelden-Echterdingen – bis den heute 22-Jährigen vor zwei Jahren ein Kreuzbandriss langfristig ausbremste. Am Schwarzbach ist er für einen nun neuen fußballerischen Anlauf eher zufällig gelandet, über dort einige von ihm engagierte Kumpels. Aktuell, beim 4:3-Auswärtssieg gegen den TV Echterdingen II, war der Rechtsverteidiger als Einwechselspieler erstmals dabei.

Freilich: Zu den spielentscheidenden Figuren avancierten andere. In der zweiten Hälfte schlug einmal mehr das Vaihinger stürmende „Duo infernale“ zu. Zweimal Fabijan Krpan, der hiernach bei bereits 18 Saisontreffern steht, einmal David Hug. „Die ersten 45 Minuten von uns waren leblos. Ich war sehr angefressen – meine Sonntage stelle ich mir anders vor“, sagt der Trainer Jeremiah Geywitz in Anbetracht eines zwischenzeitlichen 0:2- und 1:3-Rückstands seiner Mannschaft. Die Beschwichtigung folgte danach – dies wiederum zur Enttäuschung der Gastgeber. Deren Coach Martin Kittelberger erkennt „bittere Umstände“. „Zuletzt zwei gute Spiele von uns, aber wir stehen mit null Punkten da“, konstatiert er. Schon beim 2:3 in Holzgerlingen hatte nur ein Tick gefehlt.

Hadern lassen auf gelb-schwarzer Seite vor allem zwei der Gegentore: Beim ersten senkte sich ein eigentlich als Flanke gedachter Ball von Jonathan Stehle in den Dreiangel – ein wahrhaftiger Sonntagsschuss. Und beim vierten hatten sie dann auch in Echterdingen das leidige Dauerbrenner-Thema der großen Fußballbühne: Ist es ein strafbares Handspiel, wenn ein Spieler aus zwei Metern Entfernung angeschossen wird? Der Schiedsrichter urteilte: ja. „Was will man da machen“, merkt Kittelberger ohnmächtig an.

TSV Musberg – SV Oberjesingen

Diese Standardsituation verpasste den Echterdingern letztlich den Knock-out – während im Spiel der Ortskollegen des TSV Musberg gleichfalls ein ruhender Ball die Verhältnisse klärte. Über weite Strecken mühten sich die Musberger gegen den Tabellenvorletzten SV Oberjesingen erfolglos ab. „Der Gegner hat es uns extrem schwer gemacht“, sagt der Trainer Denis Kühnle. Dann schritt Julien Kappeler zum Eckstoß, Nick Uhlmann hielt den Kopf hin, und am Turnerweg war doch noch alles gut. 1:0, drei weitere Punkte, zu denen auch der Mann zwischen den Pfosten einen nicht unerheblichen Beitrag leistete. Nachdem die bisherige Nummer eins Pascal Runge zuletzt wegen eines Lehrgangs gefehlt hatte, durfte erneut Marius Balle ran. Kühnles Leistungsbewertung: „Da war eine Weltklassparade dabei.“

Letztere verhinderte einen wenigstens Teilerfolg des neu aufgestellten Gegners. Die Gäste hatten sich vor dem Spieltag nach Votum der Mannschaft von ihrem Aufstiegstrainer André Gonsior getrennt. Auf der Kommandobrücke sind nun der bisherige Assistent Dennis Özkan sowie der Spielerroutinier Patric Hauser.

SC Stammheim – SV Bonlanden

In der Staffel ist es der dritte Trainerwechsel der Saison, nach Plattenhardt und dem SV Bonlanden. Beim Letztgenannten gab Carmine Napolitano seinen Einstand. Und auch wenn es ein eher verkrampfter wurde, am Ende stand immerhin eine 4:0-Pflichterfüllung. Aufatmen beim amtierenden Vizemeister, nachdem der Sieg auf dem Platz des punktlosen Schlusslichts SC Stammheim lange auf wackligen Füßen war. „Es gab Phasen im Spiel, in denen wir viel unserem Torhüter zu verdanken hatten“, sagt Napolitano. Jener, Luca Wiedmann, wendete mit einigen Paraden die drohende Blamage ab.

Wobei: nicht nur er. Hinzu kamen ein feines Füßchen des Kapitäns Jonathan Baur, der zwei Freistöße direkt verwandelte, einmal rechts oben in den Winkel, einmal links oben in den Winkel, sowie zwei Jokertore des eingewechselten Ryan Christiansen. Positiv zudem, zumindest für für die Bonlandener: Der Abwehrchef Tobias Scharnreithner steht nun doch weiter zur Verfügung. Sein studienbedingter Umzug nach Wien hat sich zerschlagen.

ABV Stuttgart – Türkischer SV Herrenberg

Im Klassement bringt der „Dreier“ etwas Luft zur Abstiegszone, wenn auch nicht viel. Denn nach jetzigem Stand würde das befürchtete Schreckensszenario Wirklichkeit: Sieben Mannschaften müssten direkt absteigen, der Elfte in die Relegation – eine Folge der Situation in der übergeordneten Landesliga, wo aktuell gleich vier Kreis-Böblingen-Teams die Kellerplätze belegen.

Umso schwerer wiegt das 2:4 des ABV Stuttgart gegen den direkten Konkurrenten Türkischer SV Herrenberg. Hiernach trennen die Degerlocher bereits acht Zähler vom rettenden Ufer. Noch kein Grund zur Panik. Schließlich „ist die Saison zum Glück noch lang“, wie der Kapitän Leon Pachonick weiß. Für Sorgenfalten aber schon. Diese wölbten sich aktuell schon nach wenigen Spielminuten. Der Anfang vom Ende: ein Handelfmeter, den Marvin Egunjobi mit einer unglücklichen Abwehraktion verursachte. „Ziemlich blöd gelaufen“, findet Pachonick. Aber: Unter dieser Rubrik war diesmal, siehe oben, ja sogar der Tabellenführer dabei. Wenn auch in einer anderen handgreiflichen Form.

Die Statistik zum 12. Spieltag

TV Echterdingen II – SV Vaihingen 3:4. Tore: 1:0 Masoud (13.), 2:0 Masoud (17.), 2:1 Stehle (22.), 3:1 Wörne (44.), 3:2 Krpan (45.), 3:3 Hug (51.), 3:4 Krpan (75.). Besonderes: Winkler (Echterdingen) wehrt Handelfmeter von Krpan ab (74.), der im Nachschuss trifft

SC Stammheim – SV Bonlanden 0:4. Tore: 0:1 Baur (13.), 0:2 Christiansen (74.), 0:3 Baur (83.), 0:4 Christiansen (90.+1). Besonderes: Kuka (Stammheim) schießt Foulelfmeter am Tor vorbei (87.)

TSV Münster – Croatia Stuttgart 1:3. Tore: 0:1 Kajinic (34., Foulelfmeter), 0:2 Mamusa (62.), 1:2 Coskun (71.), 1:3 Vuce-milovic (80.). Besonderes: rote Karte für Stevanovic (Croatia, 85./Notbremse)

TSV Musberg – SV Oberjesingen 1:0. Tore: 1:0 Uhlmann (63.). Besonderes: Gelb-Rot für Metzger (Oberjesingen, 87.)

Spvgg Cannstatt – Sportvg Feuerbach 3:0. Tore: 1:0 Maringolo (9.), 2:0 Hasanaj (44.), 3:0 Fichte (69.). Besonderes: Gelb-Rot für Pranjic (Feuerbach, 68.); Spajic (Cannstatt) wehrt Foulelfmeter von Sensoy ab (88.)

TSV Rohr – TSV Plattenhardt 1:7. Tore: 0:1 Özkahraman (8.), 1:1 Petri (10.), 1:2 Nemanja Markovic (13.), 1:3 Servi (23.), 1:4 Özkahraman (51.), 1:5 Özkahraman (56.), 1:6 Perhanidis (67.), 1:7 Hornung (75.). Besonderes: –

ABV Stuttgart – Türkischer SV Herrenberg 2:4. Tore: 0:1 Köse (4., Handelfmeter), 0:2 Oguz Yüksel (12.), 1:2 Roth (28.), 1:3 Miftar (63.), 2:3 Kauderer (75.), 2:4 Ömer Kilic (90.+3). Besonderes: –

VfL Oberjettingen – SV Deckenpfronn 1:3. Tore: 0:1 Wunsch (48.), 02 Völler (51.), 0:3 Kimmerle (83.), 1:3 Yannick Ruß (89., Foulelfmeter). Besonderes: –

VfL Herrenberg – Spvgg Holzgerlingen 2:3. Tore: 1:0 Egeler (8.), 1:1 Quaranta (42.), 1:2 Quaranta (53., Foulelfmeter), 2:2 Kennke (80.), 2:3 Hatt (89.). Besonderes: –

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