Es gibt Rekorde, auf die man stolz sein kann, auf andere weniger. Mittlerweile geht die Entwicklung dahin, dass die Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen in ihrer Premierensaison auch in einer wenig rühmlichen Rubrik gleich einmal Maßstäbe setzt. Stichwort Trainerwechsel. Seit diesem Wochenende steht der Zähler bereits bei sieben. Die Sportvg Feuerbach und der Türkische SV Herrenberg sind die beiden nächsten Vereine, bei denen für den Amtsinhaber vorzeitig Schluss ist, wenngleich aus zwei ganz unterschiedlichen Gründen. Aus rein sportlicher Sicht hat sich derweil der Tabellenführer TSV Plattenhardt auch von seinem Angstgegner nicht vom Kurs „Landesliga“ abbringen lassen, fällt in den Derbysieg-Freudenkelch des TV Echterdingen II ein dicker Wermutstropfen und wird der SV Vaihingen zum Opfer einer faustdicken Überraschung des Spieltags.
SV Bonlanden – Sportvg Feuerbach
Die größte Schlagzeile schreibt allerdings die Sportvg Feuerbach, die wie berichtet ihren Trainer Rocco Cesarano entlassen hat – das Aus für den mit bald acht Amtsjahren dienstältesten Coach in der Staffel. Am Sonntag durften sich nun erstmals die Nachfolger versuchen, die Talkrabben-Urgesteine Jochen Weber und Kai Marquardt, Letzterer zugleich Spielleiter. Die beiden ehemaligen Landesliga-Spieler haben unter anderem bereits die eigene zweite Mannschaft trainiert. Das aktuelle Ergebnis? Der Einstand an der Seitenlinie ohne eine einzige Trainingseinheit ging für das neue Duo mit einer 2:3-Niederlage beim SV Bonlanden daneben. Dennoch: „Der Auftritt war gut“, sagt Marquardt, „vor allem hat die Mannschaft gezeigt, dass sie will und lebt“. Das mache Hoffnung.
Ausgefallen ist aufgrund der Feuerbacher Ereignisse das Treffen der beiden Trainerkumpel Cesarano und Carmine Napolitano. Der Bonlandener Coach bedauert die Entlassung seines Freundes. „Schade, er hat in Feuerbach gute Arbeit geleistet; ich widme Rocco den Sieg“, sagt Napolitano, der durch eine erneut „hohe Effizienz im Abschluss“ mit seinem Team den dritten Dreier in Serie holte. Der 18-jährige Arbnor Krasniqi nutzte bei seinem Startelf-Debüt gleich die erste Chance zur Führung. Zudem trafen für die Gastgeber Dawid Lebkuchen und Agonis Berisha.
Vor der ultimativen Hürde in ihren tabellarischen Aufholjagd-Ambitionen stehen die Bonlandener nun am nächsten Sonntag. Dann geht es für sie ins Filderstädter Derby zum Spitzenreiter und Erzrivalen TSV Plattenhardt. Jener setzte einstweilen unbeirrt seinen Titelkurs fort, dem vorab etwas mulmigen Gefühl zum Trotz. Gegner TSV Münster, Neckartalstraße? Elfeinhalb Jahre war es her, dass die Weilerhau-Kicker dort letztmals gewonnen hatten. Oktober 2013. Seither war es in fünf Punktspielanläufen an besagter Stätte ein jedes Mal mehr oder weniger schief gegangen (2:5, 2:2, 0:1, 2:2, 3:3). Diesmal allerdings nicht. Diesmal nahm der Favorit mit einem 4:2 die Punkte mit und blickt nun mit Spannung auf die folgenden Aufgaben. Wie gesagt: erst Bonlanden, dann Croatia, dann Echterdingen. Drei Prüfungen gegen Spitzenplatz-Mitbewerber - und vielleicht schon eine vorentscheidende Phase im Kampf um den Aufstieg?
„Könnte so sein. In jedem Fall sehr wichtige Spiele“, sagt der Trainer Slobodan Markovic, der sein Team aktuell lobt. „Diszipliniert gespielt. Alle haben zusammen sehr gut gearbeitet“, sagt er. Irritieren ließen sich die Seinen auch nicht durch die Pannen bei den beiden Gegentreffern. Beim ersten versprang Markovics Bruder Nemanja der Ball, beim zweiten hoppelte die Kugel unglücklich von Luka Gyselincks’ Fuß ins eigene Tor.
Dass es für die gastgebenden Münsterer am Ende dennoch für keine weitere Überraschung reichte? Der Markovic-Gegenüber Stefan Schuon sieht es so: „Keine Frage, das Ergebnis geht in Ordnung. Die Plattenhardter haben eine geile Truppe.“ Zusatz, nicht ohne Stolz aufs eigene Aufgebot: „Wir haben gegen diese beste Mannschaft der Liga alles reingeworfen und ihr alles abverlangt.“ Und das trotz gewaltiger personeller Probleme. Ein gutes halbes Dutzend eigentlicher Stammkräfte fehlte Schuon verletzt, darunter der Kapitän Daniel Weiß, der Ersatzkapitän Marco Kreidl (Muskelbündelriss) und weiterhin der Torjäger Abdoulie Nyassi (Aufbautraining nach Knieoperation). In der Not kam in Antonio Stajdohar ein A-Jugendlicher zu seinem Liga-Einstand.
VfL Herrenberg – Spvgg Cannstatt
Die Plattenhardter indes haben unverändert acht Punkte Vorsprung auf ihre schärfsten Verfolger. Diese heißen Spvgg Cannstatt und Croatia Stuttgart, beide an diesem Sonntag ebenfalls mit Siegen. Zumindest die Cannstatter verblüfften damit ihren Trainer, hatte Christopher Eisenhardt in Anbetracht der Vorzeichen doch Ungutes geschwant. Nicht nur, dass die Seinen zwei zuletzt bittere Niederlagen als Rucksack mit ins schwere Auswärtsspiel zum VfL Herrenberg trugen. Zudem galt auch für Eisenhardt: SOS in puncto Aufstellung. Ausfälle zuhauf, vor allem in der Abwehr, die der Coach notgedrungen komplett neu gestalten musste. Eine Folge: Der Routinier Markus Lurz feierte ein Blitzcomeback. Gerade noch im Flieger zurück aus China, wo er einen mehrwöchigen beruflichen Aufenthalt hatte, nun schon wieder in kurzen Hosen und Trikot.
Umso bemerkenswerter das Ergebnis: Mit ihrem 2:1 demonstrierten die Cannstatter, dass man sie dennoch besser von keiner Rechnung streichen sollte. „In so einer Situation eine solche Reaktion zu zeigen, zeigt, welch guten Charakter die Mannschaft hat“, sagt Eisenhardt. Und welch guten Unterschiedsspieler an vorderster Front. Zum Matchwinner avancierte einmal mehr Behar Hasanaj. Den einen Treffer der Gäste bereitete er vor, den anderen erzielte er nach einer starken Einzelleistung selbst.
Croatia Stuttgart – SV Oberjesingen
Während Hasanaj damit auf dem von ihm gewohnten Ballermann-Level bleibt, hat bei Croatia Stuttgart einer dorthin zurückgefunden: Beim 6:1 des Tabellendritten im Aufsteigerduell mit dem SV Oberjesingen wurde David Vukovic per Toredoppelpack zum Türöffner – für den Youngster das Ende einer Durststrecke. In der vergangenen Kreisliga-A-Meistersaison war er mit 41 Saisontoren noch der Knipser vom Dienst gewesen. In diesem Spieljahr nun? Steht die Vukovic-Trefferausbeute gerade mal bei sechs. Zuletzt hatte der 23-Jährige teils nicht einmal mehr zur Startformation gehört.
„Er hatte eine kleine Krise“, sagt der Trainer Mirko Sapina, „seine jetzigen Treffer freuen mich sehr für ihn“. Eine Krise mit beruflichem Hintergrund – Vukovic arbeitet im Schichtdienst und macht zudem gerade seine Meisterschule. So musste er die ein oder andere Trainingseinheit sausen lassen. Hinzu kam aber auch, dass ihn sein neuer Coach Sapina bislang eher in einer veränderten Rolle sah: Flügel statt Sturmmitte. Bis zu diesem Sonntag, als ein Stammspieler-Quintett fehlte, weil es als Zuschauer beim kroatischen Nations-League-Spiel in Paris weilte. Dieser Umstand verhalf Vukovic zurück auf seine Lieblingsposition – und auch zu einem Umdenken bei seinem Trainer? Mal schauen.
TV Echterdingen II – TSV Musberg
Jedenfalls hält der Croatia-Lauf an, ebenso wie jener des Mitaufsteigers TV Echterdingen II. Letzterer genießt das süße Derby-Glück, den Stadtnachbarn TSV Musberg nun zum zweiten Mal in dieser Saison in die Schranken gewiesen zu haben, nach dem 3:0 aus dem Hinspiel diesmal mit 2:1. „Das tut natürlich gut“, sagt der Trainer Martin Kittelberger. Freilich: Der Heimerfolg, den der Innenverteidiger Patrik Sapina in fachfremd stürmischer Rolle mit zwei Torbeteiligungen einleitete, wird durch eine Begebenheit getrübt. In der Nachspielzeit sah Johannes Kienzle die rote Karte. Der Vorwurf: Beleidigung eines Gegenspielers – welcher allerdings, so die Echterdinger Beobachtung, zuvor Kienzle angespuckt haben soll.
„Eine ganz blöde Geschichte. Da habe ich in fünf Jahren hier kein einziges Mal glatt Rot in meinem Team, und nun gleich zweimal in zwei Spielen“, stellt Kittelberger bedröppelt fest. Am Spieltag zuvor hatte es bereits Ziad Masoud erwischt. Und so wird die Personaldecke allmählich dünn. Zumal obendrein in Lennart Reichertz der nächste Langzeitverletzte zu beklagen ist. Die Diagnose: wie schon beim Teamkollegen Simon Gubisch ein Kreuzbandriss.
Demgegenüber rühren die Musberger Sorgen von der Ergebnisseite her. Niederlage Nummer sieben aus den vergangenen acht Spielen, weiterhin Abstiegszone. „Es war ein packendes Derby. Aber wir belohnen uns für allen Aufwand gerade einfach nicht mit Punkten“, konstatiert der Gästetrainer Denis Kühnle, für den es wie seinen Partner Dominik Mayer ein Wiedersehen an alter Wirkungsstätte war. Beide haben eine Echterdinger Vergangenheit. Kühnles Hadern: „Der Fußballgott ist momentan nicht auf unserer Seite.“ Immerhin, was Mut macht: Die Schwergewichtsgegner werden die Musberger mit dem Nachholspiel an diesem Dienstagabend (19.30 Uhr) in Vaihingen dann fast alle hinter sich haben, jene aus den eigenen Tabellenregionen kommen noch.
Wer dann jeweils im eigenen Tor stehen wird, ist dabei abzuwarten. Aktuell war es Nico Drysch – bereits der fünfte Keeper, der für den Filderclub in dieser Saison zum Einsatz kommt. Den 27-Jährigen hatten die Musberger mangels sonstiger Alternativen kurzfristig aus dem Fußball-Ruhestand zurückgeholt. Die eigentliche Nummer eins Pascal Runge fällt mit einem vor Wochenfrist erlittenen Bänderriss bis auf Weiteres aus.
SV Vaihingen – Türkischer SV Herrenberg
Der anstehende Gegner SV Vaihingen erlebte unterdessen einen schwarzen Nachmittag. Er kassierte im Heimspiel gegen den abstiegsbedrohten Türkischen SV Herrenberg eine 0:6-Packung – für den Gäste-Spielertrainer Samet Durak ein tolles Abschiedsgeschenk. Dieser sagte nach der Partie aus beruflichen Gründen „tschüss“. Anfang des Jahres hat er sich selbstständig gemacht und gemerkt, „dass es zeitlich schwierig für mich wird“. Dem Verein hat er angeboten, in Notfällen noch die Kickstiefel zu schnüren. Sein Nachfolger ist der Spielleiter Gaetano Intemperante.
Dass die Aussicht auf einen neuen Übungsleiter dem türkischen Team aus Herrenberg Beine gemacht hat, das glaubt Jeremiah Geywitz indes nicht. Vielmehr sieht der Vaihinger Trainer die Gründe für die unerwartete Pleite bei seiner Mannschaft. „Wir gerieten bereits in der ersten Minute in Rückstand und haben im weiteren Verlauf durch individuelle Fehler, teilweise auch Slapstickeinlagen, den Gästen beim Toreschießen geholfen“, sagt Geywitz. Insgesamt habe man einen gebrauchten Tag gehabt, der im Kampf um Platz zwei einen „enormen Nackenschlag“ bedeute.
SC Stammheim – ABV Stuttgart
Derweil macht der ABV Stuttgart im Rennen um den Klassenverbleib weiter Boden gut – auch wenn die Degerlocher bei ihrem 2:1-Sieg beim punktlosen Schlusslicht SC Stammheim nur knapp an einer Blamage vorbeigeschrammt sind. „Hauptsache gewonnen“, sagt der Kapitän Leon Pachonick. Für ihn und die Seinen war es im fünften Spiel im Jahr 2025 bereits der vierte Sieg, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt nur noch einen Zähler.
Die Tore für die Gäste erzielten Pachonick selbst sowie der Winterzugang Alen Neskic. Für den zwischenzeitlichen Ausgleich sorgte Ruslans Purins. Und bei dem bis zum Schluss engen Spielstand hätten „wir uns nicht beklagen dürfen, wenn noch der Ausgleich gefallen wäre“, konstatiert Pachonick, dem der Auftritt des Gegners trotz deren tabellarischer Perspektivlosigkeit beeindruckt hat. „Sie haben alles auf den Platz gebracht, was sie haben. Respekt“, sagt er.
VfL Oberjettingen – TSV Rohr
Zusammen mit den Stammheimern bewegt sich der Vorletzte TSV Rohr nach seiner 1:4-Niederlage beim VfL Oberjettingen immer mehr Richtung Kreisliga A. Wobei: „Ein gutes Spiel von uns mit einem falschen Ergebnis“, bedauert der Rohrer Coach Klaus Kämmerer. Sein Team habe sich zahlreiche Chancen erarbeitet, belohne sich aber nicht. Beispiel gefällig. Zu Beginn scheiterten Bastian Malchow an der Latte und Kai Hauner im Eins-gegen-Eins am Gästetorhüter. Samir Ramic traf dann doch – aber ins eigene Netz. Symptomatisch für die aktuelle Rohrer Situation, dazu war das Selbsttor laut Kämmerer auch noch eines aus der Kategorie „Tor des Monats“. Gleiches gelte für den Ausgleich von Marcel Kousol. „Vom Sechzehnereck in den Winkel zentriert, herrlich.“
Auf die Herrlichkeit folgten aber verhängnisvolle neun Minuten – Oberjettingen markierte in dieser Phase den entscheidenden Dreierpack. Danach habe sein Team die Partie wieder beherrscht, aber erneut glasklare Möglichkeiten versemmelt, sagt Kämmerer. Letztlich gingen nicht nur die Punkte verloren, sondern auch Kai Hauner: Er zog sich einen Bänderriss im Sprunggelenk zu.
Die Statistik zum 22. Spieltag
TV Echterdingen II – TSV Musberg 2:1. Tore: 1:0 Smiljic (6.), 2:0 Sapina (25.), 2:1 Wiederoder (45.). Besonderes: rote Karte für Kienzle (Echterdingen, 90.+2/Gegenspielerbeleidigung)
SV Bonlanden – Sportvg Feuerbach 3:2. Tore: 1:0 Krasniqi (17.), 2:0 Lebkuchen (21.), 2:1 Bokilo (29.), 3:1 Berisha (33.), 3:2 Pranjic (85.). Besonderes: –
Croatia Stuttgart – SV Oberjesingen 6:1. Tore: 1:0 Vukovic (15.), 2:0 Vukovic (32.), 2:1 Semirano (51.), 3:1 Duje Tokic (54.), 4:1 Kajinic (67.), 5:1 Knespel (73., Eigentor), 6:1 Nikic (86.). Besonderes: –
VfL Oberjettingen – TSV Rohr 4:1. Tore: 1:0 Ramic (19., Eigentor), 1:1 Kousol (23.), 2:1 Kravoscanec (54.), 3:1 Carle (62.), 4:1 Kravoscanec (62.). Besonderes: –
SC Stammheim – ABV Stuttgart 1:2. Tore: 0:1 Pachonick (10.), 1:1 Purins (24.), 1:2 Neskic (30.). Besonderes: –
Spvgg Holzgerlingen – SV Deckenpfronn 1:1. Tore: 1:0 Hamm (36.), 1:1 Heldmayer (55.). Besonderes: –
SV Vaihingen – Türkischer SV Herrenberg 0:6. Tore: 0:1 Kizilagil (1.), 0:2 Miftar (14., Foulelfmeter), 0:3 Kizilagil (41.), 0:4 Miftar (58.), 0:5 Miftar (73.), 0:6 Muhammed Kilic (88.). Besonderes: –
TSV Münster – TSV Plattenhardt 2:4. Tore: 1:0 Rifki Djelassi (4.), 1:1 Perhanidis (11.), 1:2 Servi (17.), 2:2 Gyselincks (43., Eigentor), 2:3 Pein (52.), 2:4 Moll (90.). Besonderes: –
VfL Herrenberg – Spvgg Cannstatt 1:2. Tore: 0:1 Bauer (32.), 0:2 Hasanaj (41.), 1:2 Franke (42.). Besonderes: –