Peng. Das ging schnell. Gerade einmal drei Wochen ist die neue Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen alt, da ist auch schon der erste Trainerrauswurf perfekt. Der Titelfavorit TSV Plattenhardt hat sich mit sofortiger Wirkung von Sascha Blessing getrennt und stellt damit das rein sportliche Geschehen des aktuellen Spieltags in den Hintergrund. Dabei hatte auch dieses durchaus etwas zu bieten. Von einem Feuerbacher Trainer, der sich über seinen Kapitän ärgert, über einen überraschenden SV Bonlanden bis zum gerade mal 19-jährigen Derby-Matchwinner mit Bundesliga-Erfahrung. Und, nicht zu vergessen: zudem einen erneuten Wechsel an der Tabellenspitze. Erster ist nun der VfL Oberjettingen.
Die Kicker aus dem Kreis Böblingen stehen damit da, wo am Ende der TSV Plattenhardt stehen will. Wobei im Weilerhau wie erwähnt nun allerdings erst einmal ein anderes Thema Schlagzeilen macht. Eine missratene aktuelle Woche hat auf Filderstadts Höhen die Zündschnur ans Pulverfass gelegt. Abpfiff für den Trainer Blessing, nachdem in den Verantwortlichen die Befürchtung gewachsen war, dass es womöglich auch in dieser Saison wieder nicht gelingen wird, die PS des namhaft bestückten Kaders auf den Platz zu bringen. „Vielleicht hatten wir uns das auch alle ein Stück weit zu leicht vorgestellt, dass das mit dem ein oder anderen guten Spieler ein gewisser Selbstläufer wird“, sagt der Abteilungsleiter Sascha Krammer. Stattdessen war dann schon in der vergangenen Saison die am Ende große Enttäuschung. Nur Platz drei, Aufstieg verpasst. Seinerzeit verbunden mit der Erkenntnis, dass die beste individuelle Klasse nicht zwangsläufig auch die beste Mannschaft ergibt.
Und diesmal? Da wurde Blessing schließlich der jüngste Donnerstag zum Verhängnis. Nur vier Tage nach dem Liga-1:3 in Vaihingen stolperte sein Team, wenn auch nur mit rotationsbedingter Zweitbesetzung, in eine Pokalblamage. Die Plattenhardter unterlagen mit dem gleichen Ergebnis beim Kreisliga-A-Aufsteiger MTV Stuttgart II.
„Der Sascha ist ein ganz feiner Kerl. Aber auf unser Spiel wollte der Funke irgendwie nicht so überspringen“, sagt Krammer. Versuchen wolle man es nun mit einem neuen Impuls. Dieser heißt Slobodan Markovic. Ein abschließendes Gespräch steht zwar noch aus, doch der bisherige Co-Trainer, einst Profikicker in Serbien und Ungarn, soll dauerhaft übernehmen. Der aktuelle Einstand des 36-Jährigen verlief freilich mau. Ohne die Eckpfeiler Fatih Özkahraman (Aufbautraining), Pierre Eiberger (Hochzeitsgast in Italien) und Emre Göcer (Urlaub) reichte es gegen den TSV Münster nur zu einem 0:0, sehr zur Freude des Gästetrainers Stefan Schuon. Der sagt: „Wir haben kämpferisch und läuferisch alles reingeschmissen. Für uns ist der eine Punkt wie ein Sieg.“
Und Blessing? Der hatte inzwischen zwar zwei, drei Tage, Dinge sacken zu lassen – mit dem Verständnis dafür, daraus macht er keinen Hehl, tut er sich jedoch schwer. „Vor gut einer Woche waren wir noch Tabellenführer, da kommt so etwas schon überraschend“, sagt er. Seiner Meinung nach „hat der Verein nicht die richtige Entscheidung getroffen“. Ein personeller Verjüngungsprozess, wie vor dieser Saison initiiert, brauche halt etwas Zeit. Eine Zeit, die für ihn in Plattenhardt 14 Monate nach Antritt seiner dort ersten Cheftrainerstation nun aber abgelaufen ist.
Sportvg Feuerbach – SV Bonlanden
Dem designierten Neu-Cheftrainer Markovic steht derweil gleich eine brisante Prüfung bevor. Am Freitagabend (18 Uhr) geht es ins Filderstädter Derby beim SV Bonlanden, welchen man bislang als eine der Überraschungen bezeichnen kann. Wie hatten nicht wenige geunkt, nachdem dem amtierenden Vizemeister über den Sommer ein beträchtlicher Teil seines Stammpersonals weggelaufen war? Drohte gar der Absturz von der Tabellenspitze in den Tabellenkeller? Nun, nach vier Spieltagen, lautet der Zwischenstand: drei Siege, ein Remis, null Niederlagen. Am Sonntag stürmten die Schwarz-Weißen mal eben die sonstige Heimfestung der Sportvg Feuerbach mit einem 5:2 – wonach sich der Trainer Mario Kienle eine kleine Spitze der Genugtuung nicht verkneifen mag: „Viele Kritiker hatten uns so etwas wohl nicht zugetraut.“
Freilich, er selbst eigentlich auch nicht – zumindest nicht so schnell. Doch sieht so aus, als bewältigten Kienle und die Seinen den nötig gewordenen großen Umbruch im Eilverfahren. „Wunderschön herausgespielte Tore“ erkannte der Coach und ahnt: „Da wächst was zusammen.“ Auch mit Hilfe eines kurzfristigen weiteren Neuzugangs. Jener, Agonis Berisha, trug sich bei seinem Kicker-Comeback prompt in die Schützenliste ein. Hinter sich hat der 24-Jährige eine fast zweijährige Fußballpause. Einst stürmte er für die Nachbarn TV Echterdingen, Bernhausen und den kommenden Gegner Plattenhardt – ehe er sich zwischenzeitlich lieber mit den Fäusten als den Füßen versuchte, nämlich als Boxer. Kienles Einschätzung: „Läuferisch muss er noch nachholen, aber ich bin sicher, dass er uns viel Freude bereiten wird.“
Freude, die in Feuerbach gerade deutlich weniger ist. Für die unterlegenen Gastgeber war es ihrerseits die dritte Niederlage in Serie. Zum Vergleich: In der vorigen Saison hatten sie während der gesamten Hinrunde nur einmal verloren. Nun aber ist es wie verhext. „Viertes Spiel, zum vierten Mal erster Schuss auf unser Tor – und drin“, klagt der Trainer Rocco Cesarano. „Wir betreiben viel Aufwand und stehen am Ende erneut mit leeren Händen da.“
Ob es mit daran lag, dass ihm einige Leistungsträger fehlten? Eines taugte jedenfalls zum Ärgernis. So habe der Kapitän Harun Kalkat erst im Abschlusstraining mitgeteilt, dass er nun für zehn Tage im Urlaub ist. „Klar, es ist Amateurfußball“, sagt Cesarano, „aber so etwas nervt mich dann schon.“
Spvgg Cannstatt – VfL Herrenberg
Aufpassen müssen die Feuerbacher nun, im Klassement nicht frühzeitig die eigentlich angepeilten vorderen Plätze aus den Augen zu verlieren. Zumal, von der Konkurrenz startet offenbar manch einer gerade durch. Zum Beispiel die Spvgg Cannstatt. Die lässt mit einem 5:2 gegen den bislang ungeschlagenen VfL Herrenberg aufhorchen. Und das sogar ohne Trainer. Während Andreas Contino sich im Ägypten-Urlaub auf dem Laufenden halten ließ, sah der als Interimscoach fungierende Spielleiter Thomas Ipowitz ein starkes Aufbäumen seiner Elf.
Dass diese nach zwei Abwehrpannen früh 0:2 hinten lag? „Das hat uns schon ein bisschen geschockt“, sagt Ipowitz, „aber dann hat es unsere Mentalität in der zweiten Hälfte ausgemacht.“ Und ein glückliches Händchen bei den Wechseln. Der Torjäger Behar Hasanaj, der zunächst leicht angeschlagen ausgesetzt hatte, und Fabio Maringolo kamen nach der Pause auf den Platz. Das Ergebnis: Beide kippten mit ihren Treffern die Partie, flankiert von der Cannstatter Hoffnung, damit nun überhaupt im Rollen zu sein. „Vielleicht ist in den Köpfen der Mannschaft angekommen, dass es mit Halbgas nicht geht“, sagt Ipowitz, während Contino aus dem Dunstkreis von Pyramiden und Nil selbstbewusste Grüße gen Heimat schickt. Er ist überzeugt: „War nur eine Frage der Zeit. Jetzt wird es nur noch aufwärts gehen.“
Türkischer SV Herrenberg – SV Vaihingen
Ebenso auf Kurs „aufwärts“ steuert indes der SV Vaihingen. Jener überzeugte nach seiner 3:1-Kür vor Wochenfrist gegen Plattenhardt nun auch beim Pflichtprogramm. Duplizität der Ereignisse mit dem 3:0 beim noch punktlosen Türkischen SV Herrenberg: erneut drei Tore, erneut die gleichen Torschützen. Zweimal Fabijan Krpan, einmal David Hug – das am Schwarzbach erhoffte Duo infernale wird seinen Vorschusslorbeeren mehr und mehr gerecht. Auch wenn der Trainer Jeremiah Geywitz keinen allzu großen individuellen Hype betreiben mag und relativiert: „Die zwei machen es sehr gut und sind im Abschluss eiskalt, aber da gehört natürlich eine ganze Mannschaft dazu.“
Zum Richtungsweiser könnten nun bereits die beiden nächsten Spiele werden, gegen Deckenpfronn und in Holzgerlingen. „Entscheidet man die für sich, wäre man schon mal gut positioniert“, weiß Geywitz.
TSV Musberg – TV Echterdingen II
Einstweilen sind in der Staffel nur noch vier Mannschaften unbesiegt, darunter eben die Holzgerlinger – und, wer hätte es gedacht, auch ein Aufsteiger. Nach drei Unentschieden gelang dem TV Echterdingen II am Sonntag sein erster Sieg. Und welche Begegnung wäre dabei passender gewesen als diese, nämlich das Derby beim TSV Musberg. „Saucool“, sagt denn auch ein strahlender Trainer Martin Kittelberger mit Blick auf den eigenen 3:0-Erfolg, „Alle, die bei uns auf dem Platz standen, haben geliefert.“ Insbesondere einer. Dorde Smiljic erzielte bereits seine Saisontreffer Nummer drei und vier. Erst hämmerte der Neue einen Freistoß mit Karacho ins Netz, dann versenkte er die Kugel auch aus dem Spiel heraus sehenswert.
Schon jetzt ist für Kittelberger klar: „Er ist ein Spieler, den wir zu unserer Ersten entwickeln wollen.“ Potenzial bringt der 19-Jährige reichlich mit, bewiesen auch schon auf höherklassiger Bühne. Bis vor eineinhalb Jahren kickte er für den SSV Reutlingen in der Junioren-Bundesliga. Dann zwangen ihn wachstumsbedingte Rückenprobleme zu einem fußballerischen Sabbatjahr.
Freilich, nicht allein Musberger Pech, dass dieses inzwischen beendet ist. Zur Schlappe kam auch ein eigener Beitrag hinzu. So sehr die Echterdinger powerten, so blutleer wirkte die Vorstellung der Gastgeber. Oder, um es mit deren Coach Denis Kühnle zu sagen: „ Schludrig, ungenau, nicht griffig genug. Es tut weh, dass wir dieses Spiel so hergeschenkt haben.“
SV Oberjesingen – Croatia Stuttgart
Einen Auswärtssieg landete unterdessen auch der zweite Aufsteiger aus dem Bezirk Stuttgart. Croatia Stuttgart behauptete sich im Neulingsduell beim SV Oberjesingen mit 2:1. Und auch im Fall der Kroaten avancierte ein Doppelpacker zum Matchwinner. Der Unterschied zu Echterdingen: kein Youngster, sondern ein Routinier. Duje Tokic (30) klärte mit einem Schlenzer über den Keeper hinweg sowie einem Linksschuss in den Dreiangel die Verhältnisse. Wiedergutmachungsarbeit somit nach der 0:4-Panne in Musberg. „Darauf hat die Mannschaft insgesamt eine gute Reaktion gezeigt“, sagt der Trainer Mirko Sapina, der nun das Ende der Urlauberwelle herbeisehnt. Aktuell standen ihm lediglich 13 Spieler zur Verfügung. Der 14. kam verspätet direkt aus dem Bett: Ante Ljubic hatte kränkelnd verschlafen.
Dagegen zum ersten Mal wieder dabei war der eigentliche Topscorer David Vukovic – auch er nach Urlaubspause. In der vorigen Meistersaison haben Vukovic und Tokic die Dinge im Duett gerockt. Zusammen erzielten sie in der Kreisliga A 75 (!) Saisontore.
TSV Rohr – VfL Oberjettingen
Dort rauschten Vukovic, Tokic und Co. alles überragend zum Titel – während aktuell nun eine Mannschaft ganz vorne steht, die dort wohl keiner erwartet hatte. Der VfL Oberjettingen ist neuer Erster, fand bei seinem 4:0 auf fremdem Platz im TSV Rohr aber auch einen Gegner, der es ihm einfach machte. Entsprechend „ziemlich sauer“ ist dessen Trainer Klaus Kämmerer. „Wir hatten genau auf die Oberjettinger Spielweise mit langen Bällen hingewiesen“, sagt er. Half jedoch nichts. Über den Haufen geworfen waren die guten Vorsätze, es diesmal besser zu machen, nach nicht einmal 100 Sekunden. Ecke, missratener Klärungsversuch von Miguel Accardi, Elfmeter. Von da an ging erneut viel schief und gilt es nun erst einmal zu verdauen.
1:6 in Herrenberg, 0:4 am Sonntag – macht zehn Gegentore in nur zwei Spielen. Dass beim Beinaheabsteiger von zuletzt viel Arbeit warten würde, hatte Kämmerer gewusst. Dass so viel, eher nicht, wie er offen eingesteht.
ABV Stuttgart – SC Stammheim
Ein Umschwung soll in den beiden folgenden Begegnungen mit dem ABV Stuttgart gelingen, erst am Donnerstag im Pokal, dann am nächsten Sonntag in der Liga. Wobei allerdings die Degerlocher es sind, die mit Rückenwind antreten. Sie gewannen einstweilen das Kellerduell zweier noch punktloser Teams gegen den SC Stammheim mit 3:1. „Gegen einen Gegner, den man auch schlagen muss, wenn man in der Bezirksliga bleiben will“, wie der Co-Trainer Alexander Schreck konstatiert.
Die Erlösung für die Gastgeber kam mit zwei späten Treffern. Mit jeweils zwei Torbeteiligungen glänzten der Kapitän Leon Pachonick sowie der Neuzugang Theo Jaspert. Sehr zur Enttäuschung auf der anderen Seite. Während Schreck von einem „verdienten Sieg“ spricht, hatte sein Gegenüber Jusuf Karabegovic eine etwas andere Wahrnehmung. „Das war mindestens 50:50, in der zweiten Hälfte sogar mehr für uns.“ Bitter aus seiner Sicht: Das vermeintlich eigene Führungstor von Can-Ali Karakaya kassierte der Schiedsrichter umstritten wegen Abseits ein.
Keine Sorge indes für Karabegovic in einem Punkt: Er selbst sitzt beim erwartet schweren Stammheimer Neuaufbau weiter fest im Sattel. Platz eins auf der diesjährigen Trainerrauswurfliste der Liga hat sich nun ein anderer gesichert. Siehe Plattenhardt.
Die Statistik zum 4. Spieltag
SV Deckenpfronn – Spvgg Holzgerlingen 1:5. Tore: 0:1 Hamm (35.), 0:2 Hamm (45.), 1:2 Wolf (58., Foulelfmeter), 1:3 Conforti (62.), 1:4 Hamm (80.), 1:5 Quaranta (85.) . Besonderes: –
Sportvg Feuerbach – SV Bonlanden 2:5. Tore: 0:1 Leb-kuchen (8.), 1:1 Limani (15.), 1:2 Berisha (30.), 1:3 Baur (52.), 2:3 Müller (69.), 2:4 Vasiu (73.), 2:5 Christiansen (87., Foulelfmeter). Besonderes: –
SV Oberjesingen – Croatia Stuttgart 1:2. Tore: 0:1 Duje Tokic (7.), 0:2 Duje Tokic (55.), 1:2 Metzger (89., Foulelfmeter). Besonderes: –
TSV Musberg – TV Echterdingen II 0:3. Tore: 0:1 Smiljic (21.), 0:2 Smiljic (45.), 0:3 Masoud (61.). Besonderes: –
Spvgg Cannstatt – VfL Herrenberg 5:2. Tore: 0:1 Frej (12.), 0:2 Franguere (13.), 1:2 Karakus (22.), 2:2 Schulz (30.), 3:2 Hasanaj (57.), 4:2 Maringolo (64.), 5:2 Karakus (71.). Besonderes: –
TSV Rohr – VfL Oberjettingen 0:4. Tore: 0:1 Kravoscanec (2., Foulelfmeter), 0:2 Zeeb (31.), 0:3 Seeger (43.), 0:4 Yannick Ruß (53.). Besonderes: –
ABV Stuttgart – SC Stammheim 3:1. Tore: 1:0 Pachonick (3.), 1:1 Tuzi (16.), 2:1 Kauderer (82.), 3:1 Friese (90.+3). Besonderes: –
Türkischer SV Herrenberg – SV Vaihingen 0:3. Tore: 0:1 Krpan (62.), 0:2 Krpan (73.), 0:3 Hug (90.+3). Besonderes: –
TSV Plattenhardt – TSV Münster 0:0. Tore: – . Besonderes: –