Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen Neues Vaihinger Traumduo nimmt Revanche für ein Debakel

Eine Szene mit Symbolcharakter: Der Vaihinger Torjäger Fabijan Krpan zieht das Tempo an, der Plattenhardter Abwehrroutinier Emre Göcer liegt am Boden. Am Ende stand es 3:1. Foto: Günter Bergmann

Der Titelfavorit TSV Plattenhardt muss am Schwarzbach seine erste Saisonniederlage hinnehmen. Derweil erwischen bei der Konkurrenz zwei Torhüter Sahnetage, knabbert der ABV Stuttgart an einem Schockerlebnis und gibt ein Ex- Drittliga-Profi sein Debüt.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Zumindest in einem Punkt waren sich am Ende alle einig: eine Hitzeschlacht. Die einen haben sie an diesem dritten Spieltag der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen besser überstanden, die anderen schlechter. Zu den Gewinnern gehört der SV Vaihingen, dessen vermuteter neuer Traumsturm just gegen den Titelfavoriten erstmals in dieser noch jungen Saison auftrumpfte. Auf der Verlierseite stehen hingegen der damit von der Tabellenspitze gestürzte TSV Plattenhardt sowie ein geschockter ABV Stuttgart. Bei jenem gilt es nicht nur fürs Trainerteam, zuvor „noch nie Erlebtes“ zu verdauen.

 

Neuer Erster ist der SV Deckenpfronn – wie überhaupt das Klassement durchaus Bemerkenswertes aufzeigt. Auch auf den Folgeplätzen zwei bis vier haben sich Kreis-Böblingen-Mannschaften einsortiert. Klar, zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts mit finaler Aussagekraft. Aber bereits eine Tendenz? Eine erste Warnstufe fürs Stuttgart-Filder-Establishment? Laufen dessen Vertreter Gefahr, dass ihnen die neu hinzugekommene Konkurrenz eine lange Nase dreht?

SV Vaihingen – TSV Plattenhardt

Nun, im Fall des TSV Plattenhardt ist es wie gesagt erst einmal ein altbekannter Gegner, der zum Stolperstein geworden ist. In der vergangenen Saison hatten die Filderstädter den SV Vaihingen noch zweimal aus dem Stadion geschossen. Die damaligen Ergebnisse: ein 4:1 sowie sage und schreibe 9:3. Diesmal aber schlug der Kontrahent vom Schwarzbach zurück. Stunde der Revanche. „Eine sehr, sehr unnötige Niederlage“, klagt der Trainer Sascha Blessing, nachdem es diesmal mit einem Auswärts-1:3 zu Ungunsten seines Teams ausgegangen ist.

Zum Verhängnis wurden dem Titelanwärter zwei Faktoren. Erstens: ein bissiger Gegner, der Blessings Kicker vor allem in Durchgang eins zu Fehlern zwang. Zweitens: ein Gegner, der zudem mit der besseren Chancenverwertung aufwartete. Und das hatte wiederum vor allem mit zwei Akteuren zu tun. Neuer Vaihinger Paradesturm? So hatten sich nicht wenige im Verein erwartungsfroh die Hände gerieben, als kurz vor Saisonbeginn der überraschende Doch-Verbleib des Topscorers Fabijan Krpan feststand. An diesem Sonntag sind der Youngster sowie der USA-Rückkehrer David Hug nun erstmals im Startelf-Duett den Vorschusslorbeeren gerecht geworden.

Drei Gastgeber-Tore, und dreimal hießen die Torschützen Krpan respektive Hug. Den Auftakt machte Letztgenannter mit einem satten Volleyschuss. „Man hat gesehen, dass das zwei Spieler sind, denen man als Gegner nicht viele Möglichkeiten geben darf“, sagt der Vaihinger Coach Jeremiah Geywitz. Sonst scheppert es. Wobei Geywitz überhaupt voll des Lobes für die Seinen ist. Seine Beobachtung: „Die ganze Mannschaft hat mit Leidenschaft viel investiert.“ Darunter als Einwechselspieler und Kaderrückkehrer auch der Kapitän Max Schilling. Der Routinier, laut Geywitz „unser Kopf und mit wichtigster Spieler“, hatte wegen seiner Hochzeit einige Wochen langt pausiert.

TSV Münster – Sportvg Feuerbach

Für den zweiten Favoritensturz des Spieltags zeichnet unterdessen eine Mannschaft verantwortlich, die darin mittlerweile schon Übung hat. Bereits in seinem ersten Jahr nach dem Aufstieg hatte der TSV Münster manch Großem zugesetzt – und vor Wochenfrist dann die Spvgg Cannstatt auf deren Platz mit 3:1 düpiert. Nun folgte vonseiten des Außenseiters gleich der nächste Streich, diesmal mit einem 1:0 gegen die Sportvg Feuerbach. Ein bisheriges Abschneiden, das selbst den Trainer staunen lässt. „Sechs Punkte aus diesen beiden Spielen – das haben wir so nicht auf dem Zettel gehabt“, sagt Stefan Schuon. Es ist eine sechsfache unverhoffte Basis fürs freilich unveränderte Alleinziel Klassenverbleib. In Anbetracht von in dieser Saison bis zu sieben möglichen Direktabsteigern gibt sich Schuon keinen Illusionen hin: „Für uns geht es um nackte Überleben in der Liga.“

Zum Matchwinner wurde wie schon in der Woche zuvor Abdoulie Nyassi, Zugang aus Untertürkheim. Der 20-Meter-Schuss des 28-Jährigen passte maßgenau. „Technisch versiert, gutes Tempo, permanent auch rückwärts mit am Arbeiten“, beschreibt Schuon seinen Neuen – während es seinem Gegenüber Rocco Cesarano die Laune verhagelte. Jener nimmt in seinen nach der Begegnung angetretenen Nordsee-Kurzurlaub reichlich Nervenballast mit.

Cesaranos Spielkommentar: „Ein gebrauchter Tag. Desolat und beschämend von uns in der ersten Hälfte.“ In der zweiten, als seine Elf dann besser in die Gänge kam, reichte es lediglich noch zu einem Pfostenschuss. Dessen Schütze stellte den einzigen Lichtblick klar: Es war der zuletzt schmerzlich vermisste Torjäger Marin Pranjic, dem Cesarano nach Verletzungs- und Urlaubspause in der Not zu einem Joker-Kaltstart verhalf. Die Zahl seiner zuvor mit dem Team absolvierten Trainingseinheiten: null.

SV Bonlanden – SV Oberjesingen

Dass Joker auch prompt stechen können, zeigt hingegen das Beispiel SV Bonlanden. Beim amtierenden Vizemeister schickte der Trainer Mario Kienle nach dem Seitenwechsel Alex-Daniel Vasiu und Polykarpos Deliannidis neu auf den Platz. Und, siehe da: Beide trafen. Nicht nur das: Die Schwarz-Weißen machten aus einem 0:1-Pausenrückstand gegen den Aufsteiger SV Oberjesingen noch ein 4:1. Nach einer „ersten Halbzeit zum Vergessen haben wir Ball und Gegner laufen lassen“, konstatiert Kienle, wobei zur Wahrheit ebenso gehört: Hätte nicht einer der Seinen einen Sahnetag erwischt, hätte wohl auch das nichts mehr genutzt. Herausragender Akteur war der Torhüter Luca Wiedmann, der mehrfach einen höheren Rückstand verhinderte. Für Kienle eine Bestätigung: „Wir haben halt einen super Torwart. Er ist in der Bezirksliga mit der Beste.“

TV Echterdingen II – Spvgg Cannstatt

Wobei: Wollte man den Keeper des Spieltags nominieren, ergab sich für Wiedmann ernste Konkurrenz. Auch beim Filder-Nachbarn TV Echterdingen II wuchs ein Mann über sich hinaus. Richtig, auch dort zwischen den Pfosten. Für den Aufsteiger hielt Philipp Kittelberger, was zu halten war, und noch einiges mehr. Gehörigen Anteil hatte er damit, dass seine Mannschaft als Ligadebütant weiterhin ungeschlagen ist. Drittes Spiel, zum dritten Mal im Rückstand – und zum dritten Mal am Ende noch ein Remis. Diesmal trotzten Kittelberger und die Seinen der Spvgg Cannstatt ein 2:2 ab.

Für finalen Echterdinger Jubel sorgte indes ein Teamkollege, nämlich Nick Schneider, und zwar gleich zweifach. Erst, indem er per Abstauber zum späten Ausgleich traf. Dann, als er in der Nachspielzeit bei einer Cannstatter Großchance den Ball noch von der Torlinie kratzte. Perfekt damit Schneiders Topcomeback. Hinter sich hat der 24-Jährige eine mehrmonatige Leidenszeit in Folge eines mehrfachen Bänderrisses im Sprunggelenk.

Ungläubige Blicke demgegenüber bei den Gästen. „Wir hatten diesen letzten Ball schon drin gesehen“, stöhnt deren Trainer Andreas Contino. Freilich, den Schlüsselmoment der Begegnung, der diese kippen ließ, hatte auch er schon weit zuvor erkannt. Wegen Ballwegschlagens war sein Spieler Al Baraa Al Hariri kurz vor dem Pausenpfiff mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Hieß: bei gefühlten 45 Grad tatsächliche 45 Minuten in Unterzahl. Ein Handicap, das ebenso schwer wog wie der Umstand, dass der Vorjahresvierte nun noch zwei Monate lang ohne seinen Abwehrchef auskommen muss. Markus Lurz weilt beruflich in Amerika.

Gleichzeitig nährt eine Personalie in Cannstatt aber auch Hoffnungen: Am Sonntag mischte erstmals der Sommereinsteiger Marcel Avdic auf dem Rasen mit. Als Contino-Kumpel, als neuer spielender Co-Trainer – und als Ex-Profi in der Bezirksliga. Einst kickte der heute 33-Jährige für Unterhaching und Offenbach in der dritten Liga.

TSV Musberg – Croatia Stuttgart

Dass es verhängnisvoll sein kann, sich unter Backofen-Temperaturen zur Zehn zu reduzieren, bekam unterdessen auch noch eine zweiter Starter der Staffel zu spüren. Der Aufsteiger Croatia Stuttgart bezahlte für einen Aussetzer seines Akteurs David Barisic doppelt: Der Sünder selbst kassierte nach einem Fruststoß gegen die Brust seines Gegenspielers Kasim Minhas den roten Marschbefehl – worauf sein geschwächtes Team beim TSV Musberg nach bis dahin ausgeglichenem Verlauf mit 0:4 unterging.

„Eine ärgerliche Undiszipliniertheit. Das war der Knackpunkt des Spiels“, sagt der Trainer Mirko Sapina. Erst recht ob der Tatsache, dass die Seinen eh schon mit nur halb geladenem Akku im Einsatz waren. „Wir haben inzwischen zwar wieder fast den kompletten Kader beisammen“, weiß Sapina, ausgeklammert nur den lädierten Mate Bresic (Kreuzbandriss). Aber: „Das körperliche Niveau ist nach unseren vielen Urlaubsfehlzeiten nicht so, dass sich damit in dieser Liga noch ein Spiel drehen lässt.“ Eine Etage höher sind die Anforderungen hierzu halt andere als bisher. Wonach man bei den Kroaten nun mit einer neuen Erfahrung klar kommen muss: Hatten sie zuvor seit Mai 2023 von 32 Punktspielen 31 gewonnen und kein einziges verloren, bedeutet das aktuelle Ergebnis bereits die zweite deftige Klatsche in der gerade erst begonnenen neuen Saison.

Saisonerfolg Nummer eins dagegen für den Gegner Musberg, der die Hilfe dankend annahm, auch bei dann drei der vier eigenen Treffer. Beim ersten lenkten die Gäste einen Flankenball von Elischa Zug unglücklich ins eigene Netz. Und beim dritten und vierten patzte deren Schlussmann Mirko Perkovic. Dem Siegercoach Denis Kühnle waren die Umstände freilich egal. Sein Fazit: „Endlich haben sich unsere Jungs für den betriebenen Aufwand mal belohnt.“

VfL Oberjettingen – ABV Stuttgart

Eben dies schienen auch die Kollegen vom ABV Stuttgart zu tun. Der Unterschied in ihrem Fall: Es blieb beim trügerischen Schein – ehe für sie aus einem vermeintlichen tollen Fußballnachmittag noch ein rabenschwarzer wurde. Oder, um es mit dem Co-Trainer Alexander Schreck zu sagen: etwas, „das bei uns so noch keiner erlebt hat“.

Im Auswärtsspiel beim VfL Oberjettingen steuerten die Degerlocher bis zur 82. Spielminute klar auf Siegkurs. 3:1-Führung, weitere gute Chancen. Eine Begegnung, die, so Schreck, „viel Spaß gemacht hat“. Dann kamen acht irre Minuten, und statt Spaß war nur noch Fassungslosigkeit. Acht Minuten, vier Gegentore, Endstand 3:5. „Das hatte was von Auflösungserscheinungen. Am Ende hat es sich schlimmer angefühlt, als ob wir durchgängig dominiert worden wären“, sagt Schreck. Den K. o. verpasste den Seinen schließlich der aktuelle Liga-Knipser vom Dienst, Yannick Ruß, der nun bereits bei sieben Saisontoren steht. Zur Randnotiz geriet somit der Einstand eines kurzfristigen weiteren Neuzugangs, des eigenen Angreifers Theo Jaspert (29, SG Baienfurt II, früher Landesliga beim ASC Neuenheim).

VfL Herrenberg – TSV Rohr

Mit mehr Gegentoren erwischte es unter den Stuttgart-Filder-Clubs nur noch den TSV Rohr. Der hielt beim VfL Herrenberg eine knappe Hälfte lang gut mit, ja, hatte sogar mehr vom Spiel. Dann aber brachen die Dämme, bis zum 1:6, flankiert von einer nüchternen Erkenntnis des Trainers. „Wir wollten vielleicht eine kleine Überraschung schaffen, haben aber vom Gegner klar die Grenzen aufgezeigt bekommen“, sagt Klaus Kämmerer. In den bisherigen Trend passt dies indes genau so wie das 1:3 des noch punktlosen SC Stammheim gegen den neuen Spitzenreiter Deckenpfronn. Nicht nur in der Tabelle, auch in den direkten Duellen haben die Böblingen-Teams bislang überwiegend die Nase vorn. Deren zwölf gab es an den ersten drei Spieltagen – siebenmal mit Böblinger und nur dreimal mit Stuttgarter Gewinnern. Das Gute aus Sicht von TSV Plattenhardt, Spvgg Cannstatt, TSV Rohr und Co: 31 weitere Spieltage bleiben noch, Dinge umzukehren.

Die Statistik zum 3. Spieltag

TV Echterdingen II – Spvgg Cannstatt 2:2. Tore: 0:1 Hasanaj (19.), 0:2 Fichte (23.), 1:2 Grassi (65.), 2:2 Schneider (89.). Besonderes: Gelb-Rot für Al Hariri (Cannstatt, 45.+2)

SC Stammheim – SV Deckenpfronn 1:3. Tore: 0:1 Kimmerle (32.), 0:2 Wunsch (52.), 0:3 Mergel (72.), 1:3 Palenfo (88.). Besonderes: –

TSV Musberg – Croatia Stutttgart 4:0. Tore: 1:0 Stajduhar (56., Eigentor), 2:0 Lukas Zug (66.), 3:0 Elischa Zug (70.), 4:0 Rath (88.). Besonderes: rote Karte für Barisic (Croatia, 42./Gegenspieler umgestoßen)

SV Bonlanden – SV Oberjesingen 4:1. Tore: 0:1 Özkan (45.+1), 1:1 Vasiu (64.), 2:1 Adam (68.), 3:1 Deliannidis (90.), 4:1 Lebkuchen (90.+4). Besonderes: –

TSV Münster – Sportvg Feuerbach 1:0. Tore: 1:0 Nyassi (19.). Besonderes: Gelb-Rot für Kreis (Münster, 90.+2)

SV Vaihingen – TSV Plattenhardt 3:1. Tore: 1:0 Hug (28.), 1:1 Markovic (41., Foulelfmeter), 2:1 Krpan (43.), 3:1 Krpan (73.). Besonderes: Spielbeginn mit 30-minütiger Verspätung, nachdem schon das Vorspiel der zweiten Mannschaften wegen eines fehlenden Schiedsrichters später angepfiffen worden war

Spvgg Holzgerlingen – Türkischer SV Herrenberg 6:3. Tore: 1:0 Quaranta (11., Foulelfmeter), 2:0 Quaranta (14.), 3:0 Kislat (29.), 4:0 Hamm (33.), 4:1 Köse (38.), 5:1 Wagner (45.+1), 5:2 Miftar (62.), 5:3 Köse (79., Foulelfmeter), 6:3 Kislat (83.). Besonderes: –

VfL Oberjettingen – ABV Stuttgart 5:3. Tore: 0:1 Ströbele (6.), 0:2 Köberle (34., Foulelfmeter), 1:2 Seeger (39.), 1:3 Gutzentat (57.), 2:3 Flister (82.), 3:3 Yannick Ruß (85.), 4:3 Flister (87.), 5:3 Yannick Ruß (88.). Besonderes: –

VfL Herrenberg – TSV Rohr 6:1. Tore: 1:0 Marvin Kennke (38.), 2:0 Egeler (40.), 3:0 Vegelin (49.), 4:0 Özcan (61.), 5:0 Egeler (66.), 5:1 Petri (84.), 6:1 Egeler (88.). Besonderes: Gelb-Rot für Schmidt (Rohr, 84.)

Weitere Themen

Weitere Artikel zu SV Vaihingen TSV Münster