Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen Perhanidis’ Sahnetag, Echterdinger Trainerausstieg und ein Verfolger mit Feldspieler im Tor

Tabellenführung gefestigt, vor allem dank eines Spielers: Aristidis Perhanidis (Zweiter von links) kam beim 4:1-Sieg des TSV Plattenhardt auf vier Torbeteiligungen. Foto: Günter Bergmann

Während der TSV Plattenhardt seine Tabellenführung festigt, endet eine fast halbjährige Serie und herrscht beim SV Bonlanden Torhüter-Tohuwabohu. Im Abstiegskampf gelingt einer Mannschaft dank eines Saisonpremierentors ein Befreiungsschlag.

Der Spitzenreiter TSV Plattenhardt mit einer Abfuhr für den Seriengewinner der vergangenen Monate, der Verfolger Croatia Stuttgart mit dem Krachertor des Wochenendes, der Verfolger SV Bonlanden mit einem Feldspieler im Tor – das sind die Highlight-News des 25. Spieltags der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen aus der oberen Tabellenhälfte. Derweil wird in der unteren die Lage für einige Mannschaften immer prekärer. Der TSV Münster ist beim Einstand seines neuen Trainers Andreas Contino auf den Relegationsplatz abgerutscht. Und für die Sportvg Feuerbach nimmt das Schreckensszenario Kreisliga A immer konkretere Züge an.

 

TSV Plattenhardt – TV Echterdingen II

Landesliga – so heißt dagegen das Ziel des TSV Plattenhardt. Und dorthin ist den Filderstädtern am Sonntag der nächste Schritt gelungen. Mit einem 4:1 gegen den TV Echterdingen II hat der Klassenprimus eine weitere klare Ansage in Richtung all jener gemacht, die auf eine neue Spannung im Titelrennen gehofft hatten. „Drei sehr wichtige Punkte gegen einen gut organisierten und diszipliniert spielenden Gegner“, sagt der Trainer Slobodan Markovic, auch im Wissen, dass die Seinen nun nahezu alle Aufgaben aus den Top sieben des Klassements abgearbeitet haben. Einzige Ausnahme: Am 18. Mai wird noch das Auswärtsduell bei der Spvgg Cannstatt anstehen.

Insofern scheint der Weg zum Aufstieg bereitet. Die Mannschaft muss ihn nur noch konzentriert weitergehen. Und zumindest einer glänzt dabei schon jetzt mit meisterlicher Form. Aristidis Perhanidis erwischte im Derby einen Sahnetag. Seine Bilanz: drei Tore vorbereitet, eines selbst erzielt. „Für ihn freut es mich sehr“, sagt Markovic „er findet gerade seinen Rhythmus. Er ist on fire.“ So war es für die Gastgeber zu verkraften, dass ihr Spielmacher Pierre Eiberger erneut beruflich bedingt fehlte. Der Routinier stößt erst an diesem Dienstag wieder zum Kader.

Demgegenüber gingen die Echterdinger zum ersten Mal seit fünfeinhalb Monaten wieder als Verlierer vom Platz. Die bislang letzte Niederlage des Aufsteigers hatte vom 27. Oktober datiert, damals ein 3:4 gegen den SV Vaihingen. Seither hatte der Klassenneuling beeindruckende neun Siege und drei Unentschieden eingefahren. Zum aktuellen Serienende sagt der Trainer Martin Kittelberger: „Verdient. Plattenhardt ist für mich das absolut beste Team der Liga – aber von den Umständen trotzdem ärgerlich für uns.“ Für Unmut sorgte auf Gästeseiten vor allem das zweite Gegentor in der Nachspielzeit von Hälfte eins. „Ein klares Handspiel“, moniert Kittelberger zu der Szene, in der Ekrem Servi den Ball nach einer messerscharf getretenen Perhanidis-Ecke über die Linie beförderte.

Am Ende half es den Gelb-Schwarzen auch nicht, dass ihre beiden wohl größten Talente eine Doppelschicht fuhren. Gyoel Toth und der zwischenzeitliche Elfmeter-Ausgleichstorschütze Dorde Smiljic hatten tags zuvor schon zur Startelf der ersten Mannschaft gehört. Fix ist wie berichtet bereits, dass beide zur nächsten Saison ganz aufrücken. Die sonstigen Planungen laufen gerade, auch in puncto Trainerposten. Klar hierbei: Das bisherige Echterdinger Dreigestirn wird gesprengt. Christian Schuldt hört aus zeitlichen Gründen auf. Ob Kittelberger und Markus Müller weitermachen, ist noch offen. „Wir sind am Überlegen, ob wir erneut ein derartiges Konstrukt hinkriegen oder eine andere Lösung installieren“, sagt Kittelberger, der mit fünfeinhalb Amtsjahren dienstältester Coach der Staffel ist.

Spvgg Cannstatt – TSV Rohr

Allemal eine enge Kiste bleibt es unterdessen im Rennen um Platz zwei, sprich die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation. Die relativ besten Chancen hat dabei nach wie vor die Spvgg Cannstatt, können die Neckarstädter doch noch einmal öfter punkten als ihre direkte Konkurrenz. Das vor Wochenfrist wegen einer Bombenentschärfung auf der Waldau ausgefallene Spiel beim ABV Stuttgart ist mittlerweile neu angesetzt. Der Termin: Dienstag, 13. Mai.

Einstweilen tat es auch ein glanzloser Auftritt, um die Pflicht zu erfüllen. Gegen den Tabellenvorletzten TSV Rohr verbuchten die Cannstatter einen 3:2-Heimsieg. Das Manko: „Wir haben es uns selbst unnötig schwer gemacht“, sagt der Trainer Christopher Eisenhardt. Stichwort Chancenverwertung. Gemessen an der Anzahl der Möglichkeiten waren Claudio Carusos Saisontreffer Nummer zwölf und 13 sowie ein direkt verwandelter Freistoß von Markus Lurz eine recht geringe Ausbeute. Zumal gegen einen Gegner, der personell auf dem Zahnfleisch kriecht.

Die Gäste brachten gerade mal noch zwölf Spieler zusammen. Alle anderen: verletzt, krank, beruflich verhindert. „Unter diesen Voraussetzungen hat es die Mannschaft klasse gemacht“, sagt der Rohrer Trainer Klaus Kämmerer, der nun in den nächsten Tagen ausloten will, wie eine Zukunft im Verein aussehen könnte. Für diesen Mittwoch ist ein „Sondierungsgespräch“ mit dem neuen Fußballabteilungsleiter Steffen Fuchs anberaumt. Der 44-Jährige, bisher treuer Fan, aber ohne offizielle Funktion an der Dürrlewangstraße, hat seinen Job soeben übernommen. Letzterer war nach dem Rücktritt des Vorgängers Holger Schroeder seit Januar vakant.

Freilich: Eine Zusage Kämmerers auch für die Kreisliga A, die praktisch nicht mehr zu vermeiden ist, wäre nach Verlauf und internen Begleitumständen dieser Saison eine dicke Überraschung. Vorerst nächstes Problem: Für den kommenden Spieltag ist in puncto Personal vollends SOS. Ausgegangen waren die Rohrer von einer Begegnung bereits am Gründonnerstag, nachdem ihr Gegner TSV Musberg wegen einer entsprechenden Vorverlegung angefragt hatte. Dass die Partie nun doch erst am Karsamstag stattfindet, kollidiert laut Kämmerer mit den mittlerweile getätigten Kurzurlaubsplänen einiger seiner Spieler.

Türkischer SV Herrenberg – Croatia Stuttgart

Ähnliche Not bei Croatia Stuttgart: Auch dem Tabellenvierten gehen im Hinblick aufs Osterwochenende die Kicker aus. „Ich weiß noch gar nicht, wie wir da auflaufen sollen“, stöhnt der Trainer Mirko Sapina in Anbetracht mehrerer Heimatreisender. Es ist eine Sorge, die das aktuelle 2:0 beim Türkischen SV Herrenberg überlagert. Jenes, mit immerhin noch halbwegs gefüllter Kapelle, geht auf das Konto von vor allem zwei Akteuren. Zum einen einmal mehr von Duje Tokic. Der Ballvirtuose zeigte, dass er sich auch aufs Brachiale versteht: Zur Führung seiner Mannschaft drosch er einen Freistoß aus knapp 30 Metern in den Winkel. „Satt getroffen, mit Karacho links oben rein“, lobt Sapina.

Zweitens war da dann noch sein Keeper: Mirko Perkovic verhinderte in den Schlussminuten zweimal den möglichen Ausgleich des Gegners, ehe der eingewechselte David Vukovic bei einem Konter alles klar machte.

SV Deckenpfronn – SV Bonlanden

Dass es im Kasten auch schlechter laufen kann, zeigt das Beispiel SV Bonlanden. Nicht, weil dessen Schlussmann gepatzt hätte. Doch trieb allein die Besetzung dieser Position den Verantwortlichen den Schweiß auf die Stirn. Torhüter-Tohuwabohu in Schwarz-Weiß. Beim 1:1 in Deckenpfronn stand für den Filderclub schließlich ein eigentlicher Feldspieler zwischen den Pfosten. Jannis Imme kam zu einem Auftritt, den er so schnell nicht vergessen dürfte.

Die Vorgeschichte? Keeper Nummer zwei, Jonas Aisslinger, auf Geschäftsreise. Keeper Nummer eins, Luca Wiedmann, kurzfristig privat verhindert. So musste für die Gäste zwei Stunden vor dem Anpfiff eine Erste-Hilfe-Maßnahme her. Diese hieß Daniel Rafeh, währte aber nur kurz. Der 24-Jährige ließ sich beim Spiel der zweiten Mannschaft in Echterdingen zur Halbzeit auswechseln, sprang ins wartende Auto und eilte zum nächsten Einsatzort – an dem es ihn nach lediglich 25 Spielminuten knüppeldick erwischte. Ein Zweikampf, ein Zusammenprall, Verdacht auf Achillessehnenanriss. Damit war plötzlich Imme im Spiel. Ehe er so recht wusste, wie ihm geschah, in einer Premierenrolle mit Handschuhen. „Von der Bank war er der, dem ich es am meisten zugetraut habe“, sagt Jonathan Baur, der diesmal als Spielertrainer fungierte. Er vertrat seinerseits den familiär in Italien weilenden Chefcoach Carmine Napolitano.

Zum turbulenten Geschehen passte es, dass beide Treffer spät in den jeweiligen Nachspielzeiten fielen – für Bonlanden durch Agonis Berisha per indirektem Freistoß mit elf Gegenspielern auf oder kurz vor der Torlinie, für nach der Pause überlegene Gastgeber durch den Ex-Calcio-Verbandsliga-Akteur Alexander Wetsch. „Ein bisschen bitter, aber hoch verdient“, räumt Baur ein. Und im Übrigen ohne Imme-Abwehrchance.

SV Vaihingen – SC Stammheim

In der Tabelle bleiben die Bonlandener dennoch Sechster, knapp vor dem SV Vaihingen, der das Schlusslicht SC Stammheim letztlich noch standesgemäß mit 6:2 abfertigte – allerdings nach einiger Mühe in Hälfte eins. Vierfacher Torschütze war wie schon beim Hinspiel-9:0 Fabijan Krpan. Der 20-Jährige baute damit seine Führung in der Schützenliste der Staffel aus. Insgesamt steht er nun bei 31 Treffern. Das Tor des Spiels blieb allerdings Nick Rudloff vorbehalten, der aus 20 Metern in den Dreiangel traf.

Der Trainer Jeremiah Geywitz ist nur bedingt zufrieden. „Wir haben den Gegner mit zu vielen vergebenen Chancen aufgebaut. Gegen stärkere Kontrahenten rächt sich so etwas – daraus müssen wir lernen“, sagt er. Für die Gäste betrieb zweimal Arlind Tuzi Ergebniskosmetik. Bei ihnen stellt sich allmählich die Frage nach dem 200er-Negativrekord. Momentan steht ihr Gegentorzähler bei 155. Neun Spieltage stehen noch aus.

TSV Musberg – ABV Stuttgart

Während für die Stammheimer das Kapitel Bezirksliga im Juni enden wird, hat der TSV Musberg erst einmal Luft geholt. Mit ihrem 1:0-Sieg im Abstiegsduell gegen den ABV Stuttgart verbessert sich die Mannschaft des Trainergespanns Denis Kühnle/Dominik Mayer auf den elften Tabellenplatz, der zur Rettung reichen würde. „Wir hätten eigentlich viel früher treffen müssen, aber wir sind geduldig geblieben und haben dann doch noch verdientermaßen zugeschlagen“, sagt Kühnle, dessen Mannschaft nun weitere Schlüsselspiele bevorstehen. Unter den drei nächsten Gegnern befinden sich die Ebenso-Wackelkandidaten Rohr und Münster. Am Sonntag wurde Dennis Zschorsch zum Matchwinner. Der 34-Jährige erzielte zehn Minuten nach seiner Einwechslung seinen wichtigen ersten Saisontreffer.

Bei den Gästen aus Degerloch sah der Abteilungsleiter Günther Otto ein „ausgeglichenes Spiel auf Augenhöhe“, in dem seine Mannschaft zwei große Chancen durch Nicolas Gutzentat hatte, um selbst in Führung zu gehen. Einmal vertändelte er den Ball, einmal scheiterte er am Musberger Torwart Marius Balle. Auch für den ABV folgt eine Alles-oder-nichts-Aufgabe. „Das Heimspiel gegen Oberjesingen am Samstag ist für uns entscheidend wichtig; das wird die Richtung vorgeben“, weiß Otto.

Spvgg Holzgerlingen – TSV Münster

Unterdessen ist der TSV Münster auf den Relegationsplatz gerutscht. Zum Einstand des Trainers Andreas Contino blieben die Hoffnungen auf einen Auswärtscoup unerfüllt: Der Nachfolger von Stefan Schuon unterlag mit den Seinen beim Tabellenzweiten Holzgerlingen mit 2:4. Gleichwohl zieht er ein positives Fazit. „Wir haben mit 100 Prozent Charakter und Moral ein Signal an die Liga gesandt. Wir sind im Rennen um den Klassenverbleib definitiv nicht abzuschreiben“, sagt Contino. Ärgern musste er sich über eine verschlafene Anfangsviertelstunde und zwei eigene vergebene Hochkaräter vor der Pause: Marvin Haller scheiterte an der Latte, und der Versuch von Kapitän Daniel Weiß wurde vom Gegner von der Linie gekratzt.

Sportvg Feuerbach – VfL Herrenberg

Nun schon mächtige neun Punkte Abstand sind es dagegen für die Sportvg Feuerbach zu jenem Rang, der eine Rettungschance über die Abstiegsrelegation brächte. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Herrenberg lässt die von den Nord-Stuttgartern erhoffte Wende unter dem ebenfalls neuen Trainergespann Kai Marquardt/Jochen Weber unverändert auf sich warten. Bitter: Obendrein sah Moise Nyamuisi wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte.

Zum Verhängnis wurden den Feuerbachern die daraus resultierende Unterzahl sowie der eigene Chancenwucher. „Wir hätten zur Pause 3:1 führen müssen“, klagt Marquardt. Doch gelang Holly Bokilo nur der Treffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Bei zwei weiteren hochprozentigen Gelegenheiten scheiterte der 32-Jährige.

Zum ersten Mal seit Einführung des aktuellen Ligasystems vor 47 Jahren nur noch Kreisliga A? Die Gefahr für die „Talkrabben“ nimmt weiter zu.

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