Gipfelduell-Sieg, Herbstmeistertitel, zudem das bereits sichere Überwintern auf Platz eins – die Fußballer des TSV Plattenhardt sind der große Gewinner des letzten Hinrunden-Spieltags in der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Auch, weil von den drei schärfsten Verfolgern gleichzeitig ein jeder Punkte liegen gelassen hat. Die beiden hitzigen Aufreger kommen derweil abseits von Tabelle und Toren: zum einem mit einem Doppelplatzverweis und einer Traineranklage eben im Aufstiegsmitanwärterduell zwischen der Spvgg Cannstatt und Croatia Stuttgart, zum anderen mit der mutmaßlichen Spuckattacke eines Bonlandener Spielers, der damit auf einem unrühmlichen Rekordkurs steuert.
TSV Plattenhardt – Spvgg Holzgerlingen
Freilich, was am Sonntag vor allem die Blicke auf sich zog, war die Begegnung im Weilerhau, der sportliche Showdown von Saisonhälfte eins. Und hierzu lässt sich aus Sicht des TSV Plattenhardt sagen: Egal, über welche Hindernisse die anderen gestrauchelt oder auch nicht gestrauchelt sind, für das eigene Team ist es top gelaufen. Mit einem 3:1 gegen die Spvgg Holzgerlingen haben die Filderstädter den Gipfelangriff ihres Gegners abgewehrt. Damit führen sie das Klassement weiterhin an, nun mit vier Punkten Vorsprung. Der Titelfavorit also auf Kurs, auch wenn es sich mit dem Euphoriepegel seines Trainers Slobodan Markovic dabei nach wie vor in etwa so verhält, als hätte man ihm gerade 90 Minuten lang das Standbild am Fernseher vorgeführt. Seine unveränderte Devise lautet: immer schön auf dem Teppich bleiben. „Wir haben auch am nächsten Wochenende noch ein schweres Spiel“, sagt Markovic, nämlich dann zum fußballerischen Jahresausklang beim Türkischen SV Herrenberg. „Erst danach kann ich sagen, ob ich zufrieden bin oder nicht.“
Einstweilen hieß der Matchwinner Ekrem Servi. Vor der spitzenwürdigen Kulisse von rund 400 Zuschauern schlug der 21-Jährige erst eine Musterflanke zum Führungstor von Kevin Pein, dann brachte er die Seinen selbst vorentscheidend ein zweites Mal in Front. Nach einem Missverständnis in der Gästeabwehr war er eine Viertelstunde vor Schluss lauernd zur Stelle. So sehr man aufseiten des Kontrahenten schließlich haderte, Markovic sieht darin einen nicht unverdienten Lohn. „Holzgerlingen hat gezeigt, dass sie Qualität haben. Wir mussten sehr viel arbeiten. Aber das hat die Mannschaft gut gemacht“, bilanziert der Coach.
Zugleich beantwortete seine Elf die Frage, welches Pfund schwerer wiegt: das der besten Abwehr oder jenes des besten Angriffs der Liga? Bisher hatte der Gegner im Schnitt pro Begegnung knapp viermal eingenetzt. Diesmal aber hatte dessen Torfabrik Pause. Den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer steuerten die Plattenhardter selber bei. Luka Gyselincks verlängerte unglücklich per Kopf ins eigene Netz.
Spvgg Cannstatt – Croatia Stuttgart
Dass die Holzgerlinger trotz der Niederlage nach wie vor Zweiter sind, haben sie der Spvgg Cannstatt zu verdanken. Jene verpasste mit einem 2:2 gegen Croatia Stuttgart die Chance, im Klassement vorbeizuziehen. Doch treibt dies den Cannstatter Trainer Andreas Contino weniger um als die Begleitumstände einer adrenalingeschwängerten Partie. Deren unschöner Höhepunkt: zwei Platzverweise in der Nachspielzeit. Nach einem Gerangel sah der Gastgeber-Torjäger Behar Hasanaj Gelb-Rot, sein ihn im Disput stoßender Kontrahent Ivan Juric glatt Rot. Wobei Contino seinem Akteur dabei „nichts vorwerfen will“. Im Gegenteil. „Ich selbst wäre nicht so besonnen geblieben. Mir wären die Sicherungen wahrscheinlich anders durchgeknallt“, sagt er.
Der Grund? Vor allem auf Hasanaj habe es ein überhaupt „provokant und sehr aggressiv auftretender“ Gegner schon zuvor abgesehen gehabt. Continos Vorwurfliste: „Fouls, Beleidigungen, sogar ein Kopfstoß, den der Schiedsrichter nicht mitbekommen hat.“ Kurzum: Der eigene Unmut war am Ende groß – das Unverständnis der anderen Seite über die Anschuldigungen allerdings ebenso. In Croatia-Reihen hegt man eher den Verdacht, dass da einer von Versäumnissen seines eigenen Aufgebots ablenken will. Der Contino-Gegenüber Mirko Sapina sieht es so: „Ein hitziges Spiel mit vielen Zweikämpfen, ja – aber alles im sportlichen Rahmen. Unruhe kam in erster Linie von der Cannstatter Bank.“
So könnte man es an dieser Stelle fast vergessen: ach ja, Fußball gespielt wurde an der Hofener Straße auch. Das Geschehen im Zeitraffer: Zunächst legte der zuletzt gebeutelte kroatische Aufsteiger durch Tore von Duje Tokic und Marin Vucemilovic überraschend vor – so viel zum Thema Krise, nachdem Sapinas Kicker allein in den beiden vorangegangenen Punktspielen elf Gegentreffer geschluckt hatten (1:5 und 1:6). Dann antworteten Fabio Maringolo und Claudio Caruso mit einem Cannstatter Doppelpack – für den eigentlichen Verteidiger Maringolo bereits sein Saisontor Nummer fünf.
TSV Musberg – SV Bonlanden
In puncto vom Platz geflogener Spieler macht indes eine andere Begegnung Konkurrenz. Auch zwischen dem TSV Musberg und dem SV Bonlanden waren es schließlich nur noch Zehn gegen Zehn. Während der Gelb-Rot-Marschbefehl des Musbergers Marlon Soll dabei unter der Rubrik „Kommt dann halt mal vor“ abgehakt werden kann, steht bei den Gästen noch ein Nachspiel bevor: Ihr Kicker Art Gashi sah Rot, als die Partie bereits beendet war. Eine Zugabe, die die Bonlandener Freude über den tabellarisch wichtigen 2:1-Auswärtssieg trübt. Zumal in Anbetracht des Grunds. So soll Gashi seinen Gegenspieler Gideon Weller angespuckt haben. So jedenfalls notierte es die Schiedsrichterin. Und so ergibt sich im Fall des Übeltäters eine allmählich rekordverdächtige Bilanz, die seinen Trainer aufhorchen lässt.
In seiner dritten Saison für die Schwarz-Weißen ist es der bereits sechste Platzverweis Gashis. Die Bilanz des 21-Jährigen, der einst vom Verbandsligisten TSG Tübingen auf die Filder kam: zweimal Rot, viermal Gelb-Rot. Kommentar seines Coachs Carmine Napolitano: „Darüber werden wir sprechen müssen.“
Ein Stück weit in den Hintergrund rückte damit die zumindest kämpferisch gute Bonlandener Leistung auf einem schwer bespielbaren Rasen. Den letztlich entscheidenden Unterschied benennt Napolitanos Musberger Amtskollege Denis Kühnle: „Uns fehlen im Angriff gerade Kaltschnäuzigkeit und Selbstvertrauen, dem Gegner nicht.“ Symptomatisch für ihn eine Szene, als die Seinen nach einer Freistoßflanke von Ruben Pinheiro Martins die Kugel im Getümmel mehrfach vor ihren Füßen liegen hatten. Der Ausgleich? Nein. Stattdessen machte ein von Agonis Berisha verwandelter Elfmeter nach Foul an ihm selbst für die Gäste alles klar – und ebenso stattdessen verabschieden sich die Musberger nun bedröppelt vorzeitig in die Winterpause. Mit der aktuell vierten Niederlage in Serie ist für sie bereits Schluss, nurmehr einen Punkt über der Abstiegszone. Ihr eigentliches Abschlussspiel 2024 am kommenden Sonntag ist wie berichtet abgesagt. Ein Todesfall im Team des Kontrahenten SV Vaihingen erschüttert nicht nur dessen Verein, sondern die Staffel insgesamt.
Rein sportlich lässt das drohende Szenario mit sieben Direktabsteigern bangen, auch beim TSV Münster, der beim Vorletzten SV Oberjesingen drei Punkte eingeplant hatte. Doch es kam anders. „Dafür darf man nicht solch einen Chancenwucher betreiben, wie wir es gemacht haben“, sagt ein verärgerter Trainer Stefan Schuon. Fünf „1000-prozentige Möglichkeiten“, unter anderem von Oliver Olenschuk aus vier Metern vor dem leeren Tor, habe man meist kläglich versemmelt. Da müsse man sich nicht wundern, dass letztlich eine 1:3-Niederlage steht.
Besser hatte der Fehlschütze Olenschuk sein Visier in der „ausgeglichenen ersten Hälfte“ eingestellt und noch zum 1:1 getroffen. Nach Wiederbeginn waren die Gäste am Drücker, aber wie gesagt ohne Erfolg. Schuons Ausblick: „Wir sind froh, wenn bald Winterpause ist. Wir sind aktuell schwer gebeutelt.“ Aktuell standen in der Not vier A-Jugendspieler im Münster-Aufgebot.
TSV Rohr – TV Echterdingen II
Noch tiefer im Keller steckt der TSV Rohr nach der 0:3-Niederlage gegen den Aufsteiger TV Echterdingen II. Laut dem Rohrer Coach Klaus Kämmerer, der krank passen musste und seine Infos von seinem spielenden Co-Trainer Giampiero Lapeschi eingeholt hat, haben sich die Muster der vergangenen Wochen wiederholt. „Viel Aufwand, wenig Ertrag und dann wieder reine Kopfsache“, sagt Kämmerer. Letzteres trat nach der Gästeführung von Ziad Masoud ein. „Erneut ein Gegentor unmittelbar nach Wiederanpfiff, und erneut geht die Verunsicherung um“, bedauert Kämmerer.
Die Gäste hätten es dann gut runtergespielt und „anders als noch vor der Pause vor allem im letzten Drittel konzentrierter und genauer zu Ende gebracht“, sagt der Echterdinger Trainer Martin Kittelberger. Dorde Smiljic mit Saisontreffer Nummer 13 und Jakob Wörne, der bereits die Führung durch eine willensstarke Einzelaktion vorbereitet hat, sorgten für klare Verhältnisse. Inklusive des von Stammheimer Seite abgesagten Spiels (3:0-Wertung) schaut die Echterdinger Verbandsliga-Reserve nun auf drei Siege in Serie zurück. „Die haben uns gut getan, bei der engen Tabelle“, sagt Kittelberger.
VfL Oberjettingen – SC Stammheim
Bleibt noch eben jener SC Stammheim, der Tabellenletzte – der diesmal wieder antrat, aber auch diesmal ohne das ersehnte Erfolgserlebnis blieb. „Am Ende steht dann wieder eine brutale 3:7-Niederlage“, sagt der Trainer Jusuf Karabegovic kopfschüttelnd. Dabei führte sein punktloses Team in der Partie beim VfL Oberjettingen durch Tore von Arlind Tuzi und Kaiwan Schulze erstmals in dieser Spielzeit mit 2:0. Auch bis zur 80. Minute waren die Nord-Stuttgarter beim Stand von 3:3 noch auf „Erste-Saison-Punkt-Kurs“. „Den hätte die Mannschaft auch verdient gehabt“, sagt Karabegovic. Doch dann habe der Schiedsrichter entscheidend Einfluss genommen. Er zeigte Christian Schwierskott nach der ersten für den Coach schon nicht nachvollziehbaren gelben Karte eine weitere – die Gäste waren somit in Unterzahl.
Doch was war passiert? Schwierskott habe den Ball an der Außenlinie geführt und der Linienrichter, ein Oberjettinger Betreuer, die Fahne gehoben. Der Stammheimer habe zu diesem daraufhin gesagt: „Hey, fair bleiben“. Anschließend hätten sich die beiden friedlich abgeklatscht. „Der Schiedsrichter hat das als Unsportlichkeit gedeutet und meinen Spieler vom Platz gestellt“, sagt Karabegovic.“ Dieser ging aber nicht alleine. Auch der Coach sah die Ampelkarte, weil er seinen Ärger kundtat. Die Stammheimer Unruhe nutzten dann die Gastgeber aus – unter anderem schnürte der Torjäger Yannick Ruß noch einen Dreierpack.
Die Statistik zum 17. Spieltag
SV Oberjesingen – TSV Münster 3:1. Tore: 1:0 Metzger (18.), 1:1 Olenschuk (22.), 2:1 Vogtmann (69.), 3:1 Metzger (90.). Besonderes: –
TSV Musberg – SV Bonlanden 1:2. Tore: 0:1 Covic (30.), 0:2 Berisha (74., Foulelfmeter), 1:2 Uhlmann (75.). Besonderes: Gelb-Rot für Stoll (Musberg, 71.); rote Karte für Gashi (Bonlanden, nach dem Spiel/Gegenspieler angespuckt)
Spvgg Cannstatt – Croatia Stuttgart 2:2. Tore: 0:1 Duje Tokic (8.), 0:2 Vucemilovic (41.), 1:2 Maringolo (45.+4), 2:2 Caruso (46.). Besonderes: rote Karte für Juric (Croatia, 90.+2/Gegenspieler gestoßen); Gelb-Rot für Hasanaj (Cannstatt, 90.+2)
TSV Rohr – TV Echterdingen II 0:3. Tore: 0:1 Masoud (47.), 0:2 Smiljic (60.), 0:3 Wörne (86.). Besonderes: –
ABV Stuttgart – VfL Herrenberg ausgef. Tore: – . Besonderes: Spielabsage wegen vereister Stellen auf dem Platz
VfL Oberjettingen – SC Stammheim 7:3. Tore: 0:1 Tuzi (14.), 0:2 Schulze (25.), 1:2 Karakum (31.), 2:2 Leidner (45.+1), 2:3 Kuka (53.), 3:3 Kravoscanec (71.), 4:3 Yannick Ruß (83.), 5:3 Yannick Ruß (84.), 6:3 Schaible (90.), 7:3 Yannick Ruß (90.+2). Besonderes: Gelb-Rot für Schwierskott (Stammheim, 80.) und Trainer Karabegovic (Stammheim, 80.)
Türkischer SV Herrenberg – SV Deckenpfronn 2:1. Tore: 1:0 Köse (66., Foulelfmeter), 1:1 Schwarz (81.), 2:1 Ömer Kilic (84.). Besonderes: –
TSV Plattenhardt – Spvgg Holzgerlingen 3:1. Tore: 1:0 Pein (48.), 1:1 Gyselincks (72., Eigentor), 2:1 Servi (80.), 3:1 Zugac (90.+2). Besonderes: –
Sportvg Feuerbach – SV Vaihingen ausgef. Tore: – . Besonderes: Spielabsage wegen eines Todesfalls im Vaihinger Mannschaftskreis