Zehnter Spieltag und wieder ein neuer Tabellenführer. Nach einer 0:4-Pleite ist der vierwöchige Aufenthalt am Platz an der Sonne für die Spvgg Holzgerlingen vorbei. Abgelöst wurde diese vom TSV Plattenhardt, der an den ersten beiden Spieltagen bereits über der Liga thronte. Ablösung ist auch das Stichwort beim SV Bonlanden: Mario Kienle ist nicht mehr Coach des ehemaligen Oberligisten. Derweil gab es einen Schockmoment in der Partie der beiden aufstrebenden Teams der vergangenen Wochen.
Nach Sascha Blessing beim TSV Plattenhardt also nun Trainerentlassung Nummer zwei der aktuellen Spielzeit beim SV Bonlanden. Ausgerechnet bei dem Club, der jahrelang auf dem Anleiterposten für Kontinuität bekannt war. Nach zig Jahren mit Klaus Kämmerer übernahm Anfang des Jahres erst Ex-Spieler Timo Stehle, auf ihn folgte im Sommer Mario Kienle. Er schien der richtiger Mann zu sein, um nach dem großen Aderlass eine neue Mannschaft aufzubauen. Mit zehn Punkten nach vier Spieltagen deutete auch vieles daraufhin, doch dann war die Tendenz fallend – aus fünf Spielen wurde nur ein Punkt geholt. Doch nicht sportliche Gründe seien für die Trennung verantwortlich gewesen, sagt Bonlandens Abteilungsleiter Panagiotis Arsos, dem der Schritt sehr schwer gefallen sei, schließlich habe er Kienle auchverpflichtet. „Vielmehr wollte es mit der Mannschaft nicht zusammenlaufen, weshalb wir uns in beiderseitigem Einvernehmen getrennt haben“, beteuert Arsos. Eine viel zitierte Trennungsfloskel, die aber im aktuellen Fall wohl zutrifft. Denn auch Kienle sagt: „Irgendwie ist der Funke auf die Mannschaft einfach nicht übergesprungen. Es hat halt nicht gepasst.“ Und weil er das gemerkt hat, habe er auch das Gespräch mit der Abteilungsleitung gesucht. Letztlich sei man gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, gibt sich Kienle sehr gelassen. Vorübergehend hat nun der 31-jährige Jonathan Baur als Interimsspielertrainer übernommen. Die Bestrebungen, in Ruhe nach einem neuen Trainer Ausschau zu halten, seien da, konstatiert Arsos, was aber nicht bedeuten würde, dass Baur auch zur Dauerlösungr werden könne.
Ein erstes Bewerbungsschreiben hat der Sportlehrer Baur durch den 4:1-Sieg über den SV Vaihingen abgegeben – und selbst ein Tor erzielt. Die Beendigung der eigenen Durststrecke sieht Arsos aber nicht in Zusammenhang mit dem Trainerwechsel. Die Mannschaft habe zwar gebrannt und war engagiert, aber das sei sie auch unter Mario Kienle gewesen. Entscheidend für den Abteilungschef aber: „Dieses Mal wurden die Chancen verwertet.“ Neben Baur traf noch Ricardo Pinto Lino, Agonis Berisha schnürte den Doppelpack. Und was war mit den Vaihingern, bei denen ihr Torjäger Fabijan Krpan für den Ehrentreffer sorgte? „Nicht viel“, sagt deren Spielleiter Benjamin Schiffer, „wir haben unsere PS einfach nicht auf den Platz bekommen“.
Wie gesagt, der TSV Plattenhardt lieferte die erste Trainerentlassung der Saison. Die TSV-Belegschaft schien damals vom gewünschten Titelkurs abzukommen, seit diesem Spieltag ist man aber wieder voll auf diesem. Durch den 1:0-Erfolg beim VfL Oberjettingen haben Blessings Nachfolger Slobodan Markovic und die Seinen die Tabellenführung zurückerobert. „Meine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass wir genau in diesem Rhythmus weitermachen und nicht nachlassen“, sagte der Trainer Slobodan Markovic, der schon nach 14 Minuten das Tor des Tages durch Aristidis Perhanidis bejubeln durfte. Später in der Begegnung scheiterten die Gäste noch zweimal am Pfosten und der VfL-Keeper Nicolas Ruß hielt einen Foulelfmeter vom zwölf Minuten vorher eingewechselten Plattenhardter Torjäger Fatih Özkahraman. Dieser kam nach langer Verletzungspause (Entzündung im Hüftbeuger) zu seinem dritten Kurzeinsatz in dieser Saison.
Zu verdanken haben die Plattenhardter ihre neuerliche Poleposition dem Aufsteiger Croatia Stuttgart. Dieser fühlt sich Woche für Woche mehr wohl in der neuen sportlichen Umgebung. Mit zuletzt sechs Spielen in Serie ohne Niederlage haben sich die Kroaten so langsam in Richtung vorderes Tabellendrittel gearbeitet und noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Der bisherige Saisonhöhepunkt war am Sonntag das 4:0 gegen den bisherigen Spitzenreiter Spvgg Holzgerlingen. „Wir haben sie offensiv und defensiv absolut dominiert, das war ein sehr beeindruckender Auftritt“, sagte der Trainer Mirko Sapina. Die Tore für die Gastgeber erzielten Mario Mamusa, Dominik Kajinic, Duje Tokic und Davis Barisic, wobei der Coach speziell beim 4:0 des Letztgenannten zwei Minuten vor Schluss ins Schwärmen geriet: Barisic nahm das Leder aus 55 Metern hinter der Mittellinie volley und überraschte den zu weit vor seinem Tor stehen Gästekeeper Finnegan Krohmer eiskalt. „Das war kein Tor des Monats, sondern eines des Jahrhunderts“, sagt Sapina begeistert.
Im Nacken sitzt dem neuen Tabellenführer nach dem 2:1-Heimsieg über den TSV Musberg die Spvgg Cannstatt. Wobei Fußball kurz vor Schluss zur absoluten Nebensache wurde. Was war passiert? Musbergs Kasim Minhas bekam Atemnot, brach plötzlich zusammen, war einige Sekunden bewusstlos und wurde anschließend per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Dort sei er noch, sagt Musbergs Trainer Denis Kühnle, „sein Zustand zum Glück stabil“. Dementsprechend war den Cannstattern trotz des 2:1-Sieges nicht zum Feiern zumute. „Die Gesundheit des Spielers ist natürlich wichtiger als alles andere“, sagt der Cannstatter Coach Andreas Contino betroffen, der selbst als Ersthelfer mit anpackte. Zuvor hatten die Seinen im Aufeinandertreffen einen Blitzstart hingelegt. Nach knapp 30 Sekunden bediente Mehmet Karakus seinen Kapitän Marco Schulz und dieser chippte das Spielgerät über Schlussmann Pascal Runge zum frühen Gastgeber-Jubel in die Maschen. Zehn Minuten später legte Karakus nach und Kühnle musste eingestehen: „Den Anfang der Partie haben wir komplett verpennt und insgesamt hatten wir keinen glücklichen Tag.“ Zwar gelang Thierry-Derrice Jumbam nach 24 Minuten das Anschlusstor, aber in der Folge haderte der Musberger Coach mit dem Unparteiischen Timo Paukner. Bei einer klaren Elfmeterentscheidung habe dieser auf Abseits entschieden, „was absolut keines war“, schimpft er. Eine weitere kritische Handaktion im Cannstatter Strafraum blieb ebenso ungeahndet wie ein hartes Einsteigen gegen Jumbam. Auch Letzterer benötigte einen Krankenwagen, wurde mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch und Schmerzen an der Niere ins Krankenhaus eingeliefert. Insgesamt wäre aus Kühnles Sicht ein „Remis in Ordnung“ gewesen, sein Gegenüber Contino hat aber seine Mannschaft als „verdienten Sieger“ ausgemacht. Immerhin: Einigkeit herrschte über den Zustand der Spielfläche. „Gepflegter Fußball war auf dem Rasen unmöglich“, sagen die beiden Trainer unisono.
Neben Croatia schwimmt sich auch der zweite Aufsteiger immer mehr frei. Beim TV Echterdingen II ist mittlerweile genug an Vorarbeit geleistet, um am Saisonende die Unentschieden-Könige der Liga zu sein, nun hat der Aufsteiger auf „Dreier“ umgeschwenkt. Nach sechs Punkteteilungen in den ersten acht Spielen haben die Schützlinge von Trainer Martin Kittelberger nun mit dem 4:1 gegen den SV Deckenpfronn den dritten Sieg, den zweiten hintereinander, eingefahren. Die Tore gingen auf das Konto von Johannes Kienzle (2), Jakob Wörne und Dorde Smiljic, wobei der Mann des Tages ganz klar Jakob Wörne war. Der Mittelfeldmann traf nicht nur selbst zum 3:1, er legte daneben auch noch alle drei erfolgreichen Abschlüsse der Mitspieler mustergültig auf. „Unsere Offensive ist ganz klar das Prunkstück. Da habe ich jede Woche die Qual der Wahl, wenn wir komplett sind“, sagte ein zufriedener Martin Kittelberger.
Im Tabellenkeller ging es an diesem Spieltag indes milde für das Schlusslicht SC Stammheim zu. „Nur“ mit 2:3 verlor das Team von Trainer Jusuf Karabegovic sein Heimspiel gegen den TSV Münster. Die bislang glimpflichste Niederlage. Gleichwohl laut Münsters Coach Stefan Schuon der Sieg seiner Truppe nicht gefährdet war. „66 Minuten lang bis zum Stand von 3:0 haben wir zwar nicht besonders, aber anständig gespielt, hatten alles im Griff“, sagt Schuon. Eine Unkonzentriertheit und vielleicht auch ein Stück Überheblichkeit hätten die Partie dann noch etwas spannend gemacht. Stammheims Lejs Kuka schnürte zwar den Doppelpack, sein zweiter Streich folgte aber erst in der Schlussminute. Bei den Gästen machte Mario Radic „ein starkes Spiel“, lobt sein Coach. In seinem ersten aktiven Jahr und bei seinem zweiten Startelfeinsatz bereitete er die Führung von Oliver Olenschuk vor und vollstreckte einmal selbst. Für das dritte Tor zeichnete Marvin Haller verantwortlich.
Durchatmen indes bei dem Ex-Langzeit-Coach des SV Bonlanden Klaus Kämmerer. Nach zwei Niederlagen gelang diesem mit dem TSV Rohr „ein ganz wichtiger Sieg“, sagt er. Genauer gesagt mit 3:2 zuhause gegen den SV Oberjettingen, was den Sprung auf den Relegationsplatz bedeutet. Der Grund für den Sieg ist für Kämmerer simpel: „Alle Spieler waren dieses Mal 90 Minuten lang bereit, alles zu geben.“ Selbst ein Rückstand warf das Team nicht aus der Bahn. Doppelpacker Azez Koriesh, darunter ein erfolgreicher Drehschuss aus 16 Metern, sowie Lionel Schmidt machten den dritten Saisonsieg perfekt.
In der selben Region wie Rohr sind auch der ABV Stuttgart und überraschend auch die Sportvg Feuerbach unterwegs. Dabei haben die Degerlocher für ihre Verhältnisse beim 5:2-Heimsieg gegen die Talkrabben ein wahres Offensivfeuerwerk abgebrannt. Bislang waren die Bestleistungen in dieser Saison jeweils drei Treffer gegen das Schlusslicht SC Stammheim und gegen den VfL Oberjettingen. „Wir haben uns selbst die Augen gerieben, weil wir nicht glauben konnten, was da passiert“, sagte der Co-Trainer Alexander Schreck, nachdem sein Team durch Tore von Jan Bzullak und Niclas Gutzentat schon nach drei Minuten mit 2:0 führte. Danach traf noch Blessing Omoregie mit einem Dreierpack, allerdings sah der Torjäger dann auch 20 Minuten vor Schluss wegen wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot .
Lediglich vier Zähler aus den vergangenen neun Punktspielen heißt es nun für Feuerbach, das die vier der zurückliegenden fünf Spielzeiten in den Top fünf des Klassements beendet hatte. Die Lage wird immer bedrohlicher. „Für uns geht es nur noch um den reinen Klassenverbleib und sonst um gar nichts mehr“, sagt der Trainer Rocco Cesarano, der die Heimbegegnung gegen den TSV Rohr am Sonntag bereits als „Endspiel“ für seine Mannschaft deklariert. Tayfun Inal sorgte kurz vor der Pause mit einem verwandelten Foulelfmeter für das 1:3 und ein Eigentor des ABV brachte die Talkrabben sogar mit noch 40 ausstehenden Minuten auf 2:3 heran. Für die endgültige Wende reichte es aber nicht mehr. „Die Tabelle lügt nicht. So langsam ist es keine Frage von Glück oder Pech mehr, sondern eine Qualitätsfrage in unserer Mannschaft“, sagt Cesarano zur schwierigen Situation.