Fußball-Bezirksliga Stuttgart Sechs Stück zu Ostern – Bernhausener demontieren auch den Tabellenführer

Und wieder ist der Ball drin. Werner Hottmann überwindet den Plattenhardter Torhüter Kristian Grbic zum 3:1 für den TSV Bernhausen. Foto: Günter Bergmann

Die Fleinsbachkicker setzen ihren tollen Lauf im Spitzenspiel fort und verpassen dem TSV Plattenhardt eine 6:1-Abreibung – wonach der Gästetrainer Sascha Blessing eine erste Konsequenz zieht. Kippt das Titelrennen nun überhaupt?

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Eine Viertelstunde vor Schluss begannen die Ersten unter den Plattenhardter Zuschauern zu rechnen: Sollte sogar auch noch die Tabellenführung verloren sein? Zumindest in diesem Punkt wusste einer unter ihnen zu beruhigen. Das Vereinsurgestein Armin Gebhardt erwies sich als zahlenkundiger Fachmann: Nein, drei Tore Vorsprung sind fürs Erste geblieben. Das stellte an einem denkwürdigen Derby-Abend auf Gästeseiten dann allerdings auch keinen Trost mehr dar. Zur Aufhellung einer gänzlich in den Keller gerauschten Stimmung hätte es wohl selbst nicht mehr geholfen, wäre nach dem Abpfiff der Osterhase persönlich in der Kabine erschienen, um dort Geschenke zu verteilen.

 

6:1! Was für ein Spiel! Sechs Tore für den TSV Bernhausen, nur eines für den TSV Plattenhardt. Wann in der Geschichte der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga ist ein Spitzenreiter schon einmal derart geschreddert worden wie an diesem Donnerstag? Statt zum Krimi geriet das Gipfeltreffen zu einer Demonstration des Herausforderers. 90 Minuten rauschende Entschlossenheit überrollten zumindest 45 Minuten kollektives Versagen. Während hüben dem Trainer Roko Agatic das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht gehen wollte, mühte sich drüben sein Gegenüber Sascha Blessing, in Worte zu fassen, was schwer zu fassen war. „Wir wussten eigentlich, was uns hier erwartet“, sagte er. Und dennoch: „Die geistige Fitness und die Bereitschaft haben gefehlt.“

Das Erfolgskonzept: „Jung und wild“

Spieltempo, Spielwitz, Zweikampfführung, mannschaftliche Geschlossenheit – am Ende war es für die Seinen eine Niederlage in allen Bereichen. Und zudem eine Schlappe im Alters- und Konzeptvergleich. Bestätigt sehen dürfen sich die Bernhausener mit ihrem Jugend-forsch-Konstrukt. Oder, um es verkürzt mit Agatic zu sagen: „Jung und wild.“ Unter ihm hat sich innerhalb kurzer Zeit ein bemerkenswerter Wandel vollzogen: In der Landesliga mangels personeller Substanz und Erfahrung noch letztlich überforderter Serienverlierer, sind die „Veilchen“ eine Klasse tiefer zur perspektivträchtigen Staffelattraktion gereift. Seit Ende September haben sie kein Spiel mehr abgegeben. Zuletzt reihte sich ein Schützenfest an das andere. Was Agatic gemeint hatte mit seiner Vorgabe „Spaß am Fußball haben“, dürfte unter den rund 400 Zuschauern spätestens an diesem Spieltag einem jeden klar geworden sein.

Dagegen ist das schon seit Rundenbeginn um den Titelfavoriten Plattenhardt kreisende Aber genährt: viel individuelle Klasse, ja – aber auch ein Team? „Wir müssen dahin kommen, dass wir uns auf dem Platz gegenseitig helfen und dass jeder Verantwortung übernimmt“, fordert Blessing eine eigentliche Banalität, wissend aber, dass das dann auch ein Mentalitäts- und Charakterthema ist. Ein bedenkliches Bild gab im Derby vor allem seine Verteidigung ab. Defensiv wirkten die Gäste, als hätten sie die bevorstehende Zeitumstellung verpennt. Elf Mann, die noch nach der Schlummertaste auf dem Wecker suchen, während der Gegner bereits beim Frühsport ist.

Vier Bernhausener Torschüsse, viermal drin

Entschieden war die Begegnung praktisch schon nach 20 Minuten. Bis dahin galt: vier Bernhausener Torschüsse, viermal drin. Julijan Milos mit zwei satten Versuchen von der Strafraumkante (5./6.), Werner Hottmann per Abstauber (18.) sowie Oliver Lujic sehenswert aus der Distanz (20.) legten vor. Letzterer dürfte freilich auch selten so ungehindert Maß nehmen haben können wie in diesem Fall. Dann, später, machten Mahir Ege nach einer Milos-Ecke (41.) sowie der eingewechselte Lukas Walz nach einem Turboangriff über drei Stationen (76.) das halbe Dutzend voll – und nebenbei die bitterböse Revanche für das Hinspiel-1:5 perfekt. Als Triebfedern erwiesen sich durchgängig die n Außen Henry Alber und Ivan Matanovic sowie der Spielmacher Filip Jordacevic.

Plattenhardter Hoffnung keimte nur kurzzeitig auf, als Aristidis Perhanidis einen Freistoß direkt verwandelte (14.). Ansonsten? Fatih Özkahraman, der Führende der Schützenliste, blieb ohne jede Toraktion – nicht zuletzt, weil Toraktionen Torvorlagen vorausgesetzt hätten. Die gab es jedoch so gut wie nicht.

Bonlanden als lachender Dritter?

Bleibt die Frage, was das nun fürs Aufstiegsrennen heißt. Für jenes merkt Agatic mit einem erneuten Grinsen an: „Schauen wir einfach mal.“ Laut ihm weiterhin „nur von Spiel zu Spiel“. Und inzwischen natürlich auch von Bernhausener Seite auf die Tabelle. In der hat Agatics Rasselbande einen zwischenzeitlichen Elf-Punkte-Rückstand auf null gebracht. Wie gesagt: nur noch drei Tore Unterschied. Zumindest bis Montag. Da kann es erst einmal einen lachenden Dritten geben. Dem SV Bonlanden reicht gegen die SG Untertürkheim ein Remis, um seinerseits die Spitze zu übernehmen – was für den Plattenhardter Coach Blessing an einem aber eh nichts mehr änderte. Für ihn steht auch so schon fest: „Ostern ist versaut. Das Wort Meisterschaft nehme ich bis auf Weiteres nicht mehr in den Mund.“

Die auf den Rängen rechnenden eigenen Fans sahen ebenfalls nicht so aus, als ob.

TSV Bernhausen: Livancic – Lombardo (79. Khader), Ege, Meinlschmidt, Frenzel Medina – Lujic – Alber (79. Milic), Jordacevic (84. Christiansen), Milos (46. Schaschinek), Matanovic – Hottmann (73. Walz).

TSV Plattenhardt: Grbic – Sefer (70. Vöhl), Gyselincks (46. Tsiolakidis), Göcer, Köhler (77. Hofacker) – Perhanidis, Gümüssu, Stannull (60. Rippler), Albayrak (46. Hörz) – Blazek, Özkahraman.

Statistik zum Spiel

Tore
1:0 Milos (5.), 2:0 Milos (6.), 2:1 Perhanidis (14.), 3:1 Hottmann (18.), 4:1 Lujic (20.), 5:1 Ege (41.), 6:1 Walz (76.)

Besonderes
Gelb-Rot für Gümüssu (Plattenhardt, 90.+3)

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