Eines zur Sicherheit vorneweg: Nein, wir haben noch nicht 1. April. Jener ist erst am Samstag. Folglich handelt ist sich hier auch um keinen Aprilscherz – wenngleich es in den Reihen des Fußball-Bezirksligisten SV Vaihingen manch einem gerade so vorkommen mag. Tabellenplatz vier, die beste Saison seit dem Landesliga-Abstieg vor neun Jahren. Und was passiert? Seit Mitte dieser Woche steht der Filderclub ohne seinen Trainer da. Sattelwechsel quasi bei vollem Galopp: Thomas Siegmund verabschiedet sich mit sofortiger Wirkung zurück zu seinem Vorgängerverein.
Zielrichtung SV Böblingen, Landesliga-Staffel 3 – dorthin, wo Siegmund bereits bis Sommer 2020 für dreieinhalb Jahre Trainer war. An alter Schaffensstätte soll der 32-Jährige nun zum Retter avancieren. Elf Spiele vor Saisonschluss steht den Kreisstädtern im Abstiegskampf das Wasser bis zum Hals. Eine Situation, in der sich die Böblinger Verantwortlichen offenbar an die noch guten Zeiten erinnerten. Unter Siegmund brachten sie es vor vier Jahren noch zur Vizemeisterschaft.
„Eine Herzensangelegenheit“
In dieser Woche ging dann alles ganz schnell. Am Montag erreichte Siegmund die Anfrage, ob er sich eine Rückkehr vorstellen könnte. Ein Hilferuf in der Not. Am Dienstag informierte der Trainer die Vaihinger über seinen Wechselwunsch. Noch am selben Tag stimmten die Verantwortlichen am Schwarzbach zu. „Es ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Da wollten wir ihm keine Steine in den Weg legen“, sagt der sportliche Leiter Benjamin Schiffner – und betont: „Keine Sache im Bösen. Alles ganz entspannt.“ Am guten Verhältnis ändere dies nichts. Ein Umstand, der die eigene Einwilligung trotz laufenden Vertrags einerseits einfacher gemacht haben dürfte: Für die Vaihinger selbst geht es in dieser Saison um nichts Entscheidendes mehr. Sowohl nach ganz vorne in der Tabelle als auch zum Gefahrenbereich ist der Punkteabstand groß. Andererseits war die Zusammenarbeit mit Siegmund eigentlich nicht bloß als Zwischenepisode geplant, sondern als langfristiges Projekt mit Nachhaltigkeit. Nun hat das Miteinander gerade einmal neun Monate lang gewährt.
Geywitz tritt Nachfolge an
Kurios: Vorstellen könnte sich Schiffner sogar, dass Siegmund zur neuen Saison dann die Rückkehr von der Rückkehr vollziehen wird, also wiederum sein Comeback in Vaihingen gibt. Nein, auch das kein Aprilscherz. Wie realistisch das ist, bleibt freilich abzuwarten. Einstweilen tritt bei den Vaihingern der bisherige Co-Trainer Jeremiah Geywitz die Nachfolge an, unterstützt von Schiffner. Jener übernimmt zusätzlich zu seinen Aufgaben als sportlicher Leiter und Spieler den Job des Assistenzcoachs. Ihren Einstand in neuen Rollen haben Geywitz und Schiffner am Sonntag (15 Uhr) mit dem Heimspiel gegen die Sportvg Feuerbach.
Siegmund selbst war bis zur Fertigstellung dieses Artikels für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In Böblingen beerbt er das Gespann Mario Estasi (früher TV Echterdingen) und Daniel Fredel. Jenes war ebenfalls erst seit Saisonbeginn im Amt.