Fußball-Bezirksliga Stuttgart Wer holt die Kanone: Phantom oder Freistoßexperte?

Sie stehen mit jeweils 18 Treffern an der Spitze der Torschützenliste: Feuerbachs Ali Karsli (links) und Plattenhardts Fatih Özkahraman. Foto: Archiv Günter Bergmann

Feuerbachs Ali Karsli und Plattenhardts Fatih Özkahraman sind bislang die Treffsichersten in der Fußball-Bezirksliga. Beide stehen vor Veränderungen.

Beim direkten Aufeinandertreffen am 12. November vergangenen Jahres zeigten weder Ali Karsli von der Sportvg Feuerbach noch Fatih Özkahraman vom TSV Plattenhardt ihre Kernkompetenz. Die beiden Bezirksliga-Torjäger gingen im direkten Duell leer aus, also ohne eigenen Treffer vom Platz. Immerhin: Karsli hatte dennoch Grund zum Jubeln, er gewann mit Feuerbach 2:1 und „ich habe wenigstens einen Assist beigesteuert“, sagt er. Nach Abschluss der Hinrunde haben aber Özkahraman und Plattenhardt als Spitzenreiter die Nase vorn, während der Sportvg-Topscorer mit seiner Mannschaft fünf Punkte zurück auf Platz vier rangiert. In einer Sache sind die beiden Stürmer aber gleich auf: Mit jeweils 18 Treffern führen sie gemeinsam zur Halbzeit die Schützenliste in der Stuttgarter Bezirksliga an. Grund genug, die beiden Einnetzexperten näher vorzustellen.

 

In Sachen Fußball ist Ali Karsli ein viel beschäftigter Mann. In Feuerbach tritt dieser seit der vergangenen Runde mit einer Gastspielerlaubnis an, sein Stammverein ist aber gleichzeitig sein Heimatclub: der SV Königshofen, aktuell Neunter in der Landesliga Odenwald. Für diesen schlüpfte er in der aktuellen Saison für sechs Spiele in die Kickstiefel, traf dabei fünfmal. 13 Auftritte kamen im Sportvg-Trikot dazu, mit seiner Ausbeute von 18 Toren bei den Nord-Stuttgartern ist er aber nur bedingt zufrieden. Er nehme sich immer mehr Tore als Einsätze vor, sagt der 31-jährige Karsli. Dieses Ziel habe er zwar erreicht, aber es hätten aufgrund der Chancen, darunter drei verschossene Elfmeter, „mindestens 20 sein können“. Wobei gerade das Verhalten vor dem Gehäuse seine Stärke sei. „Habe ich im Strafraum den Ball auf meinem starken linken Fuß, dann wird es für jeden Torhüter gefährlich“, sagt er selbstbewusst. Gleichwohl sieht sich der zweitbeste Bezirksliga-Schütze der Vorsaison mit 24 Treffern als eher „lauffaul, aber dafür unheimlich spritzig“ an.

Karsli ist zum zweiten Mal in Feuerbach

Zum Studieren kam Karsli 2012 von Königshofen, zehn Kilometer von Bad Mergentheim entfernt, nach Stuttgart. 2016 schloss er sein Informationslogistik-Studium ab. Während dieser Zeit lernte er im Wohnheim seine spätere Ehefrau Elif kennen, mit der er seit Sommer 2021 verheiratet ist. Vor knapp einem Jahr kam Sohn Elian auf die Welt. Bis zur Schwangerschaft seiner Frau fuhr Karsli immer freitags zum Training nach Königshofen, sonntags ging er für den Landesligisten auf Torejagd. Aus besagten familiären Gründen beschloss er kürzer zu treten und sich nach einem Verein in Stuttgart umzuschauen. Großartig suchen musste er nicht.

In der Spielzeit 2016/17 hatte er bereits einen kurzen Gastauftritt in Feuerbach – mit bleibendem Eindruck. Drei Spiele, zwei Tore. Zugleich wurde er mit 32 Treffern aus 28 Spielen auch Torschützenkönig in der Landesliga Odenwald. „Es hat mir damals in Feuerbach sehr gut gefallen, deshalb war der Club die erste Adresse.“ Sportvg-Trainer Rocco Cesarano nahm den 1,78 Meter großen Stürmer mit Kusshand, bezeichnet diesen „als charakterlich überragenden Typen“, und schwärmt von dessen fußballerischen Qualitäten: „Oft hat man das Gefühl, Ali ist gar nicht da, wirkt wie ein Phantom, um dann urplötzlich am richtigen Ort aufzutauchen und die wichtigen Buden zu erzielen.“

Mit dem Team will Karsli, der in der Automobilbranche tätig ist, mindestens den vierten Platz halten. „Die Top fünf war mein persönliches Ziel, nun ist sogar mehr drin.“ Und was den Zweikampf mit Fatih Özkahraman um die Bezirksliga-Torjägerkanone betrifft, hat der Feuerbacher Ballermann bis vor kurzem ein Kopf-an Kopf-Rennen bis zum Saisonende erwartet. Doch nun gibt’s Neuigkeiten, die die Familie Karsli freuen, die Sportvg Feuerbach weniger. Eigentlich wollte er erst Ende dieser Spielzeit zurück in die Nähe von Königshofen, „doch nun hat sich früher eine interessante Wohnung ergeben, sodass wir bereits zum 1. März umziehen“. Ganz raus ist er in Feuerbach aber nicht. Sein Stammverein spiele oft samstags, „da werde ich gelegentlich dann auch sonntags für Feuerbach auflaufen können“.

Ist das Rennen um die Torjägerkanone entschieden?

Ist der Weg zur Bezirksliga-Torjägerkanone, die jährlich von unserer Redaktion verliehen wird, also frei für Fatih Özkahraman? „Ich will oben stehen“, sagt der Plattenhardter. „Mit 35 Jahren wäre das die Kirsche auf der Torte.“ 30 Treffer will er am Saisonende mindestens erzielt haben, es fehlen demnach zwölf weitere. Seine bisherige Bestleistung: 28 Tore in der Saison 2018/19 für die TSV Oberensingen in der Landesliga. In diese Spielklasse will der Stürmer unbedingt zurück. „Bei einem Nicht-Aufstieg werde ich den Verein verlassen“, lässt er aufhorchen. Nach nur einer Spielzeit (zuvor JC Donzdorf) schon wieder Schluss? Nicht unbedingt, Özkahraman geht fest vom Titel aus. Sein Ziel ist es darüber hinaus, „meine fußballerische Laufbahn in Plattenhardt abzuschließen“. Ihm gefällt es gut beim Filderclub.

Ein bis zwei Jahre Minimum plant der Projektleiter im technischen Gebäudemanagement ein. Derzeit befindet er sich im Umzug von Nürtingen nach Reichenbach, zunächst steht aber eine Operation an. Eine Verletzung etwa? Nein, seit Jahren hat Özkahraman Atemprobleme, weshalb die Nase unters Messer kommt. Teile der Vorbereitung wird er voraussichtlich verpassen, beim Rückrundenstart am 17. März sollte er jedoch wieder auf dem Feld stehen – notfalls mit Schutzmaske.

Özkahraman will Kontrahenten nach Plattenhardt lotsen

Der Vater zweier Töchter ist eine Kämpfernatur, weshalb ihn seine Mitspieler zum Kapitän wählten. Dieses Vertrauen „imponiert einem“, gesteht der Neuner. Özkahraman kennt indes seine Führungsqualitäten. „Ich reiße mir den Arsch für die Mannschaft auf“, sagt er. „Im Training ziehe ich alle mit, werde auch mal laut.“

Eben dies schätzt sein Trainer am Routinier. „Er geht voran, bringt Erfahrung und Ehrgeiz ein. Das zählt mehr als die ganzen Tore“, lobt Sascha Blessing und fügt an: „Zudem hat Fatih eine sehr feine Schusstechnik, die ich selten so gesehen habe. Dadurch wird jeder Freistoß gefährlich.“

Ob sich der Plattenhardter Coach künftig über einen Top-Doppelsturm freuen darf? Özkahraman hält viel auf seinen Kontrahenten um die Torjägerkanone. „Er ist menschlich ein sehr angenehmer Junge“, sagt der 35-Jährige über Ali Karsli, und das nach nur einem kurzen Plausch nach der eingangs erwähnten direkten Spielbegegnung damals im November. Zeit genug aber, dem Feuerbacher ein Angebot zu machen: Im Aufstiegsfall solle Karsli per Zweitspielrecht in der Landesliga für die Filderstädter auflaufen. Doch da macht vermutlich zunächst schon einmal der Umzug einen Strich durch die Rechnung.

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