Fußball-Bezirksliga Stuttgart Zwei Trainerrücktritte als doppelter Paukenschlag

Raus beim SC Stammheim: Andreas Eschenbach. Foto: Archiv Günter Bergmann

Der SC Stammheim und der GFV Ermis Metanastis brauchen überraschend neue Coaches – im einen Fall in Folge eines internen Eklats. Derweil setzt der MTV Stuttgart im Spitzenspiel ein Ausrufezeichen.

Aufstiegskampf, Abstiegskampf – als wäre es damit auf der saisonalen Zielgeraden nicht schon Dramatik genug. Sieben Spieltage vor Rundenschluss erlebt die Stuttgarter Fußball-Bezirksliga nun obendrein einen doppelten personellen Paukenschlag: Zwei Mannschaften stehen plötzlich ohne Trainer da. Andreas Eschenbach beim SC Stammheim, Konstantinos Katsiamitas bei Ermis Metanastis Stuttgart – beide zurückgetreten, beide raus. Und, was die Sache noch brisanter macht: im einen Fall das Ergebnis eines internen Eklats. So rückt das sportliche Geschehen vom Sonntag in den Hintergrund. Jenes sieht den MTV Stuttgart als großen Gewinner. Mit einem klaren Sieg im Spitzenspiel in Vaihingen hat der zuletzt auf Formsuche befindliche Tabellenführer einen wichtigen Schritt in Richtung Meistertitel getan.

 

SC Stammheim – Spvgg Cannstatt

Die Schlagzeilen gehören diesmal jedoch vor allem dem ersten Verfolger, dem SC Stammheim. Der kann seit der vergangenen Woche für sich einen Platz im Kuriositätenkabinett reklamieren – worauf die Verantwortlichen im Emerholz freilich gern verzichtet hätten. Tabellenzweiter, bestes Rückrundenteam, zudem den Einzug ins Pokalfinale geschafft, und dennoch hat der Trainer nun das Handtuch geworfen. Eine solche Konstellation dürfte fürwahr branchenweiten Seltenheitswert haben. Doch sah Andreas Eschenbach nach eigener Aussage „keine Perspektive mehr für eine weitere Zusammenarbeit“. „Die rote Linie war überschritten. Und man hat ja auch eigene Prinzipien“, sagt der 50-Jährige.

Was passiert ist? Darüber will keine der betroffenen Seiten ins Detail gehen. Der Tenor: keine schmutzige Wäsche waschen, nichts für die Öffentlichkeit. Wie aus dem Hintergrund zu hören ist, soll es jedoch bereits am vorherigen Spieltag rund um das 0:0 in Untertürkheim zu einem heftigen Disput gekommen sein. Die Beteiligten: der Kapitän Matthias Kassaye und Eschenbach. Der Streitpunkt: die taktische Ausrichtung der Mannschaft. Eschenbach sah damit offenbar eine nicht tolerierbare Einmischung in den einem Trainer eigenen Hoheitsbereich. Als aber daraufhin die von ihm erwarteten Konsequenzen von Vereinsseite ausblieben, zog er sie selbst. Unausgesprochenes Motto: wenn nicht der Spieler, dann ich. Rücktritt, selbst gewählter Abpfiff nach nur zehn Monaten im Amt. Mit dem Coach geht sein Assistent Holger Lung. Beide waren erst zum Saisonbeginn beim Landesliga-Absteiger eingestiegen.

Freilich, durchklingen lässt Eschenbach, dass der aktuelle Vorfall nicht der einzige Beweggrund für seine jetzige Entscheidung ist. Schon zuvor, so die Kunde aus dem Umfeld, habe es mitunter innerbetrieblich geknirscht. Allemal zu denken gegeben hat Eschenbach, dass die Abteilungsleitung mit ihm nach wie vor keine Gespräche zur nächsten Saison aufgenommen hatte – dies zu einem Zeitpunkt, an dem man andernorts bereits am Kaderfeinschliff ist.

Nachfolgersuche „auf Hochtouren“

Rainer Schwalb, eben Abteilungschef, spricht indes von „Differenzen“, die aus seiner Sicht „durchaus ausräumbar gewesen wären“. Dass Eschenbach nun so reagiert hat? „Unnötig, aber wir akzeptieren das“, sagt Schwalb. Inzwischen laufe die Suche nach Ersatz auf Hochtouren. Dabei schwebt den Stammheimern fürs Erste eine Interimslösung vor. Die Trainingseinheiten bestreitet die Mannschaft einstweilen in Selbstregie, mit Tobias Oesterwinter als Anleiter. Das Coaching an der Seitenlinie übernahm am Sonntag aushilfsweise Torsten Richter, Ex-Trainer der eigenen „Zweiten“.

Auf dem Rasen war den Nord-Stuttgartern von den Turbulenzen nichts anzumerken. Mit einem 5:3-Sieg gegen die Spvgg Cannstatt festigten sie den von ihnen belegten Relegationsrang. Zum Mann des Tages avancierte Noah Lindhorst: Er traf dreifach. Schwalbs Kommentar: „Man hat deutlich gesehen, dass alle richtig Bock aufs Gewinnen haben. Wir ziehen das jetzt durch.“

Gleiches wird wohl auch der Gegner tun müssen – obschon bei ihm inzwischen manch einer froh wäre, wäre das Saisonende bereits erreicht. Bitter für die ohnehin schon vom Verletzungspech geplagten Cannstatter: In Marco Schulz, Mehdi Diab und Alexander Grigoras erwischte es drei weitere Spieler. Alle drei gingen wegen muskulärer Probleme vorzeitig vom Platz.

TSV Uhlbach – GFV Ermis Metanastis Stuttgart

Doch sind das vergleichsweise kleine Probleme gegenüber jenen anderer. Beispiel GFV Ermis Metanastis Stuttgart. Nicht nur, dass für die Griechen mit der 1:3-Niederlage im Kellerduell beim TSV Uhlbach der freie Fall anhält – mit nur drei Punkten sind sie das zweitschlechteste Team der Rückrunde. Und nicht nur, dass der Verein für die nächste Saison nach wie vor keine neue fußballerische Heimat gefunden hat, nachdem die SportKultur Stuttgart den Vertrag wegen „Eigenbedarf“ der Anlage in Wangen gekündigt hat. Zudem, ja, beklagt nun auch der Tabellenzehnte eine Trainerbaustelle. Konstantinos Katsiamitas hat sein Amt aus sportlichen Gründen niedergelegt.

„Wir konnten ihn überreden, zumindest die Partie in der Vorwoche noch zu coachen, aber zu mehr nicht“, sagt der Abteilungsleiter Aki Antoniadis. Katsiamitas war zuerst Spieler bei Ermis, ehe er vor zwei Spielzeiten zum Trainer aufstieg. Einen ähnlichen Weg beschreitet nun der Mittelfeldkicker Joannis Papakostas – er hat übernommen. Ob nur kurzzeitig, ob bis zum Saisonende oder darüber hinaus, gelte es noch zu klären, voraussichtlich am kommenden Donnerstag. Da tagt der Ermis-Vorstand.

Spielt die Mannschaft so weiter wie am Sonntag, dürfte der Weg in die Kreisliga führen. Seit dem Verlust des Torjägers Georgios Zygkeridis (zurück nach Griechenland) und des Abwehrchefs Christos Siaminos (Kreuzbandriss) geht es bergab. Demgegenüber schöpft man beim aktuellen Kontrahenten Uhlbach neue Hoffnung, auch wenn der Sieg stellenweise glücklich gewesen sei, wie der Spielertrainer Stefan Schullehner sagt. Glücksmoment Nummer eins war der Führungstreffer von Felix Beeg – eine Flanke wurde länger und länger landete im Netz. Glücksmoment Nummer zwei war eine laut Schullehner „sensationelle Parade von unserem Torhüter Malte Klein, der den Ball aus dem Winkel fischte“. Damit verhinderte er den 2:3-Anschlusstreffer.

SV Vaihingen – MTV Stuttgart

Was die Tabelle insgesamt betrifft, bleibt indes wie erwähnt der MTV Stuttgart das Maß der Dinge. Jener schickte am Sonntag Grüße an all jene, die zuletzt spekuliert haben mögen, das Hinrunden-Überteam könnte noch ernsthaft ins Trudeln kommen. Nach der zeitweiligen Formsuche von zuletzt meldeten der Trainer Björn Lorer und die Seinen sich eindrucksvoll zurück. Ein 4:1 beim seinerseits eigentlich gerade formstarken Dritten SV Vaihingen – das ist dann durchaus ein Statement. Oder, um es mit Lorer zu sagen: „Sehr überzeugend. Das war wieder wie in der ersten Saisonhälfte.“ Und das, obwohl der Topscorer fehlte. Raphael Hahn war beruflich verhindert.

Doch aufs Knipsen verstehen sich im Bedarfsfall dann offensichtlich auch die anderen. Emin Dougarmagi, Daniel Rudolph, der Hahn-Stellvertreter Vanja Lukic und Dominik Hug veredelten mit ihren Treffern einen Auftritt, der weitgehend nach einem Strickmuster verlief: Pressing, Balleroberung, überfallartiger Gegenzug. „Die waren kräftiger, aggressiver, schneller als wir. Man hat gesehen, dass das einfach eine super Mannschaft ist“, sagt der Vaihinger spielende sportliche Leiter Benjamin Schiffner. Betonung auf „Mannschaft“. Zumindest für ihn steht spätestens seit Sonntag endgültig fest: „Die wird keiner mehr stoppen.“

Die Vaihinger ihrerseits wollen dann in der nächsten Saison weiter nach vorne schielen, wobei die wichtigste Personalie noch einer Klärung harrt. Die Gretchenfrage: ein neuer Trainer dann auch am Schwarzbach, so wie notgedrungen bei den Kollegen aus Stammheim und bei Ermis? Oder die Beförderung des aktuellen Interimscoachs Jeremiah Geywitz zum Dauercoach? Mit abhängen wird es davon, was Geywitz selber will. Die Tendenz geht dahin, dass der 30-Jährige im Sommer auf seinen vorherigen Co-Trainerposten zurückkehren wird – unter welchem neuen Chef dann auch immer. Zeitliche Gründe, nachdem er gerade zum ersten Mal Vater geworden ist. „Ich denke, er wird deshalb eher wieder im Hintergrund arbeiten wollen“, sagt Schiffner.

TSV Plattenhardt II – TSV Musberg

Unterdessen sind beim designierten Absteiger TSV Plattenhardt II für den Übungsleiterposten die Würfel gefallen. Inzwischen fix: Slobodan Markovic macht weiter, dann auch in der Kreisliga A. An seinem Ja-Wort vermochten auch die aktuell unschönen Umstände nichts zu ändern. Zum einen brach sich der Torjäger Mark Hörz die rechte Hand – gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Saisonaus für ihn. Zum anderen war Markovics Aufgebot beim 2:5 gegen den TSV Musberg am Ende chancenlos.

Letzterer etabliert sich nach seiner holprigen Hinserie als Mannschaft der Stunde. Mittlerweile steht der eigene Zähler bei fünf Pflichtspielsiegen in Serie, womit die zwischenzeitlichen Abstiegssorgen zwar noch nicht final gebannt sind, doch sieht die Musberger Fußballwelt wieder um einiges freundlicher aus. Und: „Jetzt folgt ein richtig geiler Monat für uns“, schätzt der Trainer Valentin Haug. Die Eckdaten: in der Liga die Chance, vollends sichere Verhältnisse zu schaffen, und dann ja am 18. Mai mit dem Pokalfinale im eigenen Stadion noch der große Saisonhöhepunkt.

Für den Spielhöhepunkt zeichnete einstweilen Ruben Pinheiro Martins verantwortlich: Sein Treffer, aus 25 Metern mit Karacho in die Dreiangel, hatte „Tor-des-Monats“- Qualität.

Croatia Stuttgart – Sportvg Feuerbach

Immer dünner wird die Luft hingegen für die Sportvg Feuerbach nach der 0:2-Niederlage beim Sportplatznachbarn Croatia Stuttgart. Umgezogen hat sich das Team in den eigenen vier Wänden, dann führte der kurze Weg rüber zum benachbarten FC Feuerbach, wo das kroatische Team seine Spiele austrägt. Für den Sportvg-Coach Rocco Cesarano also Derby-Charakter, wobei sein Team diesen Charakter 65 Minuten sehr gut angenommen, dann aber den roten Faden verloren habe – geschuldet auch der Stärke des Gegners. Gehe man die einzelnen Mannschaftsteile durch, „war für mich Croatia das beste Team, gegen das wir in dieser Runde gespielt haben“, sagt Cesarano. Auch den bislang besten Spieler sah der Feuerbach-Trainer beim Gegner: Duje Tokic. „Der war überall, ständig unterwegs. Ich glaube, der läuft immer noch.“

Tokic trug sich ebenso in die Torjägerliste ein wie Filip Bungic. So ist Tabellenplatz zehn, der nach jetzigem Stand der Relegationsrang wäre, für Croatia nur noch vier Punkte entfernt. Der Co-Trainer Branimir Bresic attestiert den Seinen „ein erneut gutes Spiel mit starker Zweikampfführung, aber wieder schlampiger Chancenverwertung“. Am kommenden Sonntag geht es zu Ermis – ein weiteres Schlüsselspiel.

SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – TSV Rohr

Ein solches hatte an diesem Spieltag auch der Aufsteiger SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – und machte mit einem 4:2 gegen den TSV Rohr seinen Sieghattrick perfekt. „Es hat zwar etwas gedauert, aber immerhin haben wir nun neun Zähler am Stück eingefahren“, sagt der Trainer Maximilian Uhlenberg. Dabei habe man sich das Leben aktuell selbst schwer gemacht, im Abschluss teilweise zu ungenau gezielt. Selbst ein Elfmeter fand erst über Umwege den Weg ins Ziel. Simon Golla scheiterte am glänzend reagierenden Schlussmann Daniel Jocic, ehe Robin Köberle im Nachschuss zur Entscheidung traf. Für ihn war es das zweite Tor der Partie.

Auf der Gegenseite schüttelt indes der Abteilungsleiter Holger Schroeder den Kopf ob der Launenhaftigkeit seines Teams. Tatenlos und gönnerhaft in Hälfte eins, plötzlich voll im Spiel und engagiert in Hälfte zwei, so fasst er das Geschehen zusammen. Sauer stieß ihm der erwähnte erst gehaltene Strafstoß, aber dann doch im Tor befindliche Ball auf. Seine Spieler hätten staunend und angewurzelt zugeschaut. „Keiner griff ein, stattdessen traf der ABV-Akteur aus spitzem Winkel“, moniert Schroeder. Aus der Glückseligkeit sechster Platz vor dem Spieltag sei nun wieder die Realität Abstiegskampf geworden. Das Team brauche „anscheinend die Spannung“.

Die Statistik zum Spieltag

SC Stammheim – Spvgg Cannstatt 5:3. Tore: 1:0 Christian Schwalb (19.), 2:0 Marco Schwalb (24.), 3:0 Lindhorst (31.), 3:1 Carvalho Pinheiro (35.), 3:2 Gullmann (40.), 4:2 Lindhorst (50.), 5:2 Lindhorst (74.), 5:3 Lurz (75., Foulelfmeter). Besonderes: –

SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – TSV Rohr 4:2. Tore: 1:0 Bzullak (20.), 2:0 Köberle (25.), 3:0 Lachnit (45.), 3:1 Seker (50.), 3:2 Hatt (75.), 4:2 Köberle (80.). Besonderes: Jocic (Rohr) wehrt Foulelfmeter von Golla ab, worauf Köberle im Nachschuss trifft; Gelb-Rot für Jennert (Rohr, 90.)

TSV Plattenhardt II – TSV Musberg 2:5. Tore: 1:0 Bühler (18.), 1:1 Uhlmann (33.), 1:2 Rath (54.), 1:3 Straub (61., Eigen- tor), 1:4 Simon (65.), 1:5 Pinheiro Martins (79.), 2:5 Neumann (86.). Besonderes: –

SV Vaihingen – MTV Stuttgart 1:4. Tore: 0:1 Dougarmagi (28.), 0:2 Rudolph (41.), 0:3 Lukic (47.), 1:3 Schiffner (77.), 1:4 Dominik Hug (82.). Besonderes: –

TSV Uhlbach – GFV Ermis Metanastis Stuttgart 3:1. Tore: 1:0 Beeg (10.), 2:0 Beeg (19.), 2:1 Karastergios (25.), 3:1 Kaiser (30.). Besonderes: Gelb-Rot für Nedos (Ermis Metanastis, 90.+5)

Croatia Stuttgart – Sportvg Feuerbach 2:0. Tore: 1:0 Bun- gic (79.), 2:0 Tokic (81.). Besonderes: rote Karte für Gehring (Feuerbach, 84./Notbremse).

Türkspor Stuttgart – SG Untertürkheim verlegt. Neuer Termin: Mittwoch, 10. Mai.

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