Fußball Bezirksliga Thorsten Talmon soll den TSV Merklingen retten
Nach der Trennung von Gianluca Crepaldi übernimmt der 53-Jährige Thorsten Talmon den Fußball-Bezirksligisten als Coach – die zusätzlichen Trainingseinheiten nimmt das Team gerne an.
Nach der Trennung von Gianluca Crepaldi übernimmt der 53-Jährige Thorsten Talmon den Fußball-Bezirksligisten als Coach – die zusätzlichen Trainingseinheiten nimmt das Team gerne an.
Thorsten Talmon ist ein gut beschäftigter Mann. Der 53-Jährige ist mit einer 75-Prozent-Stelle auf der Geschäftsstelle des SV Leonberg/Eltingen tätig, wo er vor allem die Kooperationen Schule/Verein und Kita/Verein verantwortet sowie sportartübergreifende Feriencamps organisiert. Seit fünf Jahren arbeitet er zudem als Regionalscout für den VfB Stuttgart.
An den Wochenenden ist er in den Bezirken Enz-Murr, Böblingen/Calw, in der Pforzheimer Gegend und im Enzkreis unterwegs, um Talente für die U-13- bis U-15-Mannschaften des Bundesligisten zu entdecken.
Trotzdem hat Thorsten Talmon einen weiteren Job angenommen. Der 53-Jährige übernimmt für die restlichen acht Saisonspiele den abstiegsbedrohten Bezirksligisten TSV Merklingen, der sich vor knapp zwei Wochen von Trainer Gianluca Crepaldi einvernehmlich getrennt hatte. „Ich habe Bock auf den Job“, nennt Thorsten Talmon als einfache Begründung und ergänzt die Fakten, die ihm dieses Engagement möglich machen: „Wir sind mit der Kaderplanung beim VfB schon sehr weit, der Arbeitsumfang ist nicht mehr so groß wie im Oktober oder im Januar“, erläutert er. Und der Fahrtaufwand hält sich für den Rutesheimer im Rahmen.
Hinzu kommt, dass der ehemalige DFB-Stützpunkttrainer eine Vergangenheit beim TSV Merklingen hat: Er war Mitglied der Mannschaft, die in der Saison 1993/94 in der Landesliga spielte und er kickte unter Trainer Holger Gresens Anfang der 2000er-Jahre als Teil des Bezirksligateams. Seine letzten Trainer-Stationen im Amateurbereich waren vor seinem Engagement als VfB-Scout der TSV Flacht von 2014 bis 2018 und anschließend zwei Spielzeiten lang die Spvgg Renningen bis zur Corona-Pandemie.
„Ich habe zuletzt viele Anfragen von verschiedenen Amateurvereinen für eine gesamte Saison bekommen. Aber das lässt sich mit meinen Jobs nicht vereinbaren“, berichtet Thorsten Talmon. In einem Projekt über zwei Monate den TSV Merklingen zum Klassenverbleib zu führen, traut er sich zeitlich zu – und hält die Aufgabe für machbar.
Den Kontakt zum Bezirk hat er nie verloren. Mit Marcel Pfeffer, Trainer der Spvgg Renningen, hat er sich regelmäßig ausgetauscht. Am Dienstag vor Ostern leitete er erstmals das Training beim TSV Merklingen. „Wir haben das Glück, dass wir bis zum ersten Spiel beim SV Kornwestheim am 27. April fast zwei Wochen Zeit haben“, sagt Talmon, der diese intensiv nutzt. Neben den Einheiten dienstags und donnerstags bat er am Karsamstag zum Training. Insgesamt absolvieren er und das Team bis zum ersten Spiel sechs Einheiten, da sich die Akteure zu einer weiteren Einheit am Freitag bereit erklärten.
Vor Ostern hatte er sich den Auftritt des SV Kornwestheim in Renningen angeschaut, da die Merklinger Partie gegen Dersim Sport Ludwigsburg abgesagt worden war. „Nach dem Spiel gegen Kornwestheim können wir nicht mehr an vielen Stellschrauben drehen, da steht eine englische Woche an“, sagt Talmon mit Blick auf die Spiele gegen den TV Aldingen und den FC Marbach.
„Alles auf links drehen“ will er in der Kürze der Zeit nicht, aber einige Ideen möchte er in Absprache mit den Spielern einbringen. „Ich muss herausfinden, wobei sich die Jungs wohlfühlen“, kündigt der neue Coach an, der einige Akteure kennt. Jakob Wehl hat er schon als Stützpunkttrainer betreut. Kein Geheimnis ist, dass Thorsten Talmon die Defensive stabilisieren will. „56 Gegentore in 22 Spielen sind definitiv zu viel“, sagt er. Dies zu ändern sei jedoch nicht nur die Aufgabe der Defensive, sondern des gesamten Teams.
Der TSV Merklingen hat in den acht übrigen Partien die Top Drei der Tabelle vor der Nase, Talmon will dennoch auf Augenhöhe agieren. Sollte nach dem letzten Saisonspiel am 7. Juni im Derby bei der Spvgg Renningen der Klassenerhalt feststehen, plant er nicht, weitere Feuerwehr-Jobs zu übernehmen, wie dies Felix Magath und Friedhelm Funkel in der Bundesliga häufig taten. Er wird sich wieder seinen eigentlichen Aufgaben beim VfB und dem SV Leonberg/Eltingen widmen.