Fußball-Bezirksliga Topspiel auch Gipfeltreffen zweier Knipser

Wer von den beiden Toptorjägern hat am Sonntag Grund zum Jubeln? Aristidis Perhanidis (links) und der TSV Plattenhardt oder Behar Hasanaj und die Spvgg Cannstatt? Foto: Günter Bergmann

Der Tabellenführer TSV Plattenhardt kann am Sonntag im Spitzenspiel beim Tabellenzweiten Spvgg Cannstatt bereits für eine meisterliche Vorentscheidung sorgen.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Dann müsse man eben die Tore auf mehrere Schultern verteilen. So lautet ein häufig genannter Satz von Trainern in Saisonvorschauen, wenn sie ihren Toptorjäger verloren haben. Freilich, der Wunschgedanke der Übungsleiter entpuppt sich in den meisten Fällen auf dem Feld als Luftschloss. Jedoch gut, wer sich darüber nicht den Kopf zerbrechen muss, einen Akteur mit eingebauter Torgarantie in seinen Reihen hat. So wie beispielsweise Slobodan Markovic vom Bezirksliga-Spitzenreiter TSV Plattenhardt und sein Trainer-Pendant Christopher Eisenhardt vom Vize Spvgg Cannstatt. An diesem Sonntag (15 Uhr) treffen die beiden Teams in Cannstatt zum möglicherweise vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen aufeinander. Beide Trainer hoffen dabei einmal mehr auf ihre zuverlässigen Torlieferanten Behar Hasanaj (Cannstatt) und Aristidis Perhanidis (Plattenhardt). Doch was haben sich die beiden Goalgetter für die Partie vorgenommen, welche Erwartungen haben sie an das Gipfeltreffen?

 

Die Ausgangslage ist klar. Hasanaj und die Seinen müssen gewinnen, um den Rückstand auf das Filderteam auf einen Punkt zu minimieren – und im Anschluss ihre Hausaufgaben in den dann restlichen drei Begegnungen möglichst fehlerfrei erledigen sowie gleichzeitig auf einen weiteren Plattenhardter Ausrutscher hoffen. Dass es noch einmal spannend werden wird, damit rechnet der gegnerische 29-Tore-Mann Aristidis Perhanidis (28 Spiele) indes nicht. Dieser glaubt fest an sein Team und geht mit einer großen Portion Optimismus ins Gipfelspiel. „Wir machen das zu 100 Prozent, gewinnen mit 4:0“, sagt er mit kesser Lippe.

Woher kommt die unbändige Zuversicht? Einerseits aus der Erfahrung anderer Topspiele der Saison. Denn auch der vormalige Zweite, die Spvgg Holzgerlingen, wollte den Plattenhardtern unlängst im Heimspiel die Grenzen aufzeigen. Der Schuss ging völlig nach hinten los, dem Spitzenreiter gelang ein 8:0-Kantersieg, garniert mit zwei Perhanidis-Treffern. „Wir waren damals auf den Punkt fit, und auch nun merkt man allen die Spannung und die Vorfreude auf die nahe Entscheidung an“, weiß der Filder-Knipser und ergänzt: Damals wie auch am Sonntag verfüge sein TSV über bessere Einzelspieler und deutlich mehr Erfahrung, was letztlich den entscheidenden Unterschied ausmachen werde.

In puncto individueller Klasse und Spielstärke sieht auch der Cannstatter Torjäger den Klassenprimus vorn. Für ihn und sein Team sprächen dagegen „Kampf, Leidenschaft und Einsatz“, sagt Hasanaj, dessen Zähler aktuell bei 26 Toren aus 29 Spielen steht. Die Mannschaft ist laut der Cannstatter Nummer zehn ein eingeschworener Haufen, die durch den im Winter gekommenen Coach Eisenhardt „noch mehr an Positivität“ gewonnen hat. Die Spvgg geht ebenfalls mit viel Selbstvertrauen ins Gipfeltreffen. Sechs Siege aus den vergangenen acht niederlagenlosen Partien stehen auf dem Zettel. Und dennoch bläst man an der Hofener Straße nicht zum bedingungslosen Angriff, sieht das mögliche Entscheidungsspiel gelassen – zumindest nach außen hin. Sicherlich könne man auch Plattenhardt besiegen, konstatiert Hasanaj, aber man stehe nicht so unter Druck wie der Gegner. Man habe jetzt schon mehr erreicht als erwartet. Oder anders ausgedrückt: „Das Cannstatter Umfeld ist mit dem zufrieden, was wir bereits abgeliefert haben.“

Dementsprechend unterscheiden sich die beiden je 30-jährigen Torjäger, die sich nur von den Spielen kennen, auch in ihren persönlichen Zielsetzungen. Klar, beide wünschen sich einen Sieg. Perhanidis, der als Lagerist arbeitet, könnte sich diesen jedoch mit „zwei, drei“ eigenen Toren vorstellen. Für den in der Produktion tätigen Hasanaj stehe der Mannschaftserfolg generell im Vordergrund – mit oder ohne eigenem Treffer, das sei egal.

Zweifelsohne haben die beiden Goalgetter ihre Vorzüge im Abschluss. Nur der Vaihinger Fabijan Krpan liegt mit 35 Treffern vor dem Duo. Zudem sagt Plattenhardts Coach über seinen treffsichersten Akteur: „Sehr gutes Spielverständnis, starker linker Fuß, stark im Eins-gegen-Eins, ein Akteur, der Spiele entscheidet.“ Auch Cannstatts Coach Eisenhardt schwärmt von seinem Knipser: „Ballsicher, enormes Tempo mit Ball, große Dynamik, immer hungrig, gepaart mit einem super Teamgeist.“ Letzteres zeigt sich bei dem Cannstatter, aber auch bei dem Plattenhardter an der Lieferstatistik: Hasanaj hat 27, Perhanidis 21 Tore vorbereitet. Im Umkehrschwung hat Hasanaj sozusagen keinen „bevorzugten Tore-Zulieferer“, während Perhanidis besonders von den Vorlagen von Pierre Eiberger und seinem Sturmpartner Ekrem Servi (21 Tore) profitiere. Mit Letzteren harmoniere er perfekt, man lege sich gegenseitig die Bälle auf.

Das Hinspiel endete 4:1 für den Tabellenführer. Perhanidis tauchte zweimal in der Torschützenliste auf, Hasanaj gar nicht. Am Sonntag könnten beide Trainer durchaus auf die Tore ihrer Knipser verzichten und das Verteilen auf mehrere Schultern unterschreiben – sofern ihr Team den Platz als Sieger verlässt.

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