Fußball-Bezirksliga Trotz Trainerzweifel – ASV Botnang mit irrem Last-Minute-Sieg

Ein verrücktes Spiel mit Gefühlsachterbahn vor allem in den letzten Minuten erlebte Erik Strube mit dem ASV Botnang. Foto: Archiv Günter Bergmann

In der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen zweifelt ein Trainer an seiner Objektivität und hält ein Team den Plan seines Coaches nicht ein – mit Erfolg.

Nachdem in der Vorwoche gleich vier Mannschaften punktgleich die Tabelle in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen angeführt haben, hat sich die Zahl nach dem 13. Spieltag wieder auf ein Team reduziert. Der Landesliga-Absteiger TV Darmsheim war als einzige Mannschaft aus dem Kreis besagter „Top-Vier“ erfolgreich und hat sich die Tabellenführung zurückerobert. Derweil hat der SV Vaihingen die Gunst der Stunde genutzt und sich auf Platz zwei vorgearbeitet.

 

TSV Jahn Büsnau – Croatia Stuttgart

Die Zeit an der Tabellenspitze hielt für den Aufsteiger TSV Jahn Büsnau gerade einmal eine Woche. Die überraschende 1:3-Niederlage gegen das Kellerkind Croatia Stuttgart bedeutete zudem die erste Heimpleite seit dem 11. Mai diesen Jahres. Damals noch in der Kreisliga A, überließ das Team von Trainer Dominik Lehnhardt der Konkurrenz, in besagtem Fall dem SV Hoffeld beim 2:4, letztmals die Punkte. Danach folgten ligaübergreifend sieben Heimerfolge. Dass aktuell ausgerechnet das kroatische Team den Spielverderber gibt, ist für dessen Trainer Niki Oroz nicht überraschend. „Wir sind so etwas wie der Favoritenschreck, haben Cannstatt und Darmsheim auch schon Remis abgetrotzt“, sagt er. Für Oroz war es das sechste Spiel unter seiner Leitung, der erste Sieg und insgesamt Punkt Nummer acht. Zwar steht sein Team immer noch auf einem Abstiegsplatz, aber sein Spielsystem greife immer besser, die Spieler seien nun fit und vor allem der Kader allmählich wieder komplett. So verstärkte Gelb-Rot-Rückkehrer Mihael Stajduhar wieder die Abwehr, Routinier Duje Tokic stand nach seinem Kurzeinsatz gegen Vaihingen nun in der Startelf und stellte seine Gefahr unter Beweis. Er markierte das 1:0 und 3:0, zwischendurch traf Robert Maric. Die Gäste erzielten den Dreierpack binnen zehn Minuten.

Für die laut Büsnaus Coach Lenhardt unnötige Niederlage und den Sturz von der Spitze sei man selbst verantwortlich. „Klar überlegen, viele Chancen fahrlässig ausgelassen und die Gegentore praktisch auf dem Silbertablette serviert“, ärgert er sich. Häufig versuchten die Gastgeber den Spielaufbau über Torhüter Elias Aisenbrey, was gefährlich war und vor allem beim 0:2 ins Auge ging. Aisenbrey spielte den Ball Maric in die Füße, der nur noch ins verwaiste Tor schieben musste. Beim 0:3 patzte Innenverteidiger Omar Aboulazm. Des Trainers Bruder Sebastian sorgte per verwandeltem Foulelfmeter wenigstens noch für den Ehrentreffer.

Spvgg Cannstatt – SV Bonlanden

Ebenfalls gepatzt aus dem Kreis der vormals „Top-Vier“ hat die Spvgg Cannstatt. Nach dem 1:1 im Heimspiel gegen den SV Bonlanden haperte es bei Damian Nagler an der Objektivität. Subjektiv betrachtet seien es zwei verlorene Punkte gewesen, sagt der Spvgg-Trainer. Nach Rücksprache mit seinem Umfeld sagt er schmunzelnd: „Die haben alle gesagt, das geht in Ordnung, ich habe mich wohl getäuscht.“ Eine „klare Überlegenheit in Hälfte eins“ verbunden mit zwei vergebenen Hochkarätern jeweils von Marvin Haller und kurz nach der Pause von Aimar Lizoain Garayoa sorgten bei ihm für Zwiespalt in Sachen Spielausgang. „Einmal klatschte der Ball gegen den Pfosten, zweimal hat der Bonlandener Torhüter sensationell gehalten, das ist eine Rakete“, gibts ein Lob von fachmännischer Seite an Schlussmann Luca Wiedmann. Der Cannstatter Coach selbst verstand das Handwerk mit dem Ballfangen nämlich bestens, spielte einst unter anderem für die Kickers in der A-Jugend-Bundesliga. Danach sei das Pendel in Richtung Bonlanden ausgeschlagen. Dies bestätigt auch deren Coach Carmine Napolitano bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Er war fünf Jahre lang Trainer an der Hofener Straße, ehe er unmittelbar vor Beginn der Spielzeit 2024/25 nach einem Disput das Handtuch warf. „Es war ein fröhliches Hallo, mit einer Steigerung meines Teams im zweiten Abschnitt, weshalb das Remis gerecht war“, sagt Napolitano. Die Seinen hatten aber ihrerseits auch Großchancen zum Sieg. Die Hausherren-Führung aus der 38. Minute durch Valon Ala egalisierte Giancarlo Pinna (52.), ehe Agonis Berisha zweimal aussichtsreich in Rafael Busic seinen Meister fand. Unter anderem parierte er einen Foulelfmeter des Bonlandener Torjägers.

Die Gäste haben ihre niederlagenlose Serie auf acht ausgebaut. Jedoch gab’s zuletzt viermal in Folge eine Punkteteilung. „Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen oder ärgern soll“, sagt Napolitano.

TV Echterdingen II – Spvgg Holzgerlingen

Letzter im Vierer-Verbund der Spitzenteams war in der Vorwoche der TV Echterdingen II. Doch durch die 1:3-Heimniederlage gegen die Spvgg Holzgerlingen hinkt das Filderteam nun wieder drei Zähler hinter dem Tabellenführer her. Wie eine Woche zuvor beim 1:1 gegen Bonlanden, „hat uns erneut der Zugriff im letzten Drittel gefehlt, blieben insgesamt die klaren Chancen aus“, sagt der Trainer Sascha Blessing. Wobei die Partie für die Heimelf mit dem frühen 1:0 von Julien Boll optimal begann. Doch dann trat das ein, vor dem der Trainer die Seinen gewarnt hatte. Die Gäste nutzten ihre Standardstärke und kamen zur eigenen 2:1-Führung nach zwei Eckbällen. Der Coach will seinem Team aber keinen Vorwurf machen. „Wir sind ein körperlich kleines Team, da klappt es eben nicht immer, Standardsituationen konsequent zu verteidigen.“

SV Vaihingen – TSV Musberg

Neben dem Tabellenspitzen-Rückkehrer Darmsheim ist der SV Vaihingen der Gewinner des Spieltags. Durch den 3:0-Heimerfolg über den TSV Musberg klettert das Team auf Platz zwei. Die bislang gute Runde mit zuletzt zehn Punkten aus vier Partien sorgt „für ein enormes Selbstvertrauen und den Glauben, Spiele gewinnen zu können, auch in der Nachspielzeit “, sagt der Vaihinger Co-Trainer Marco Eichler. Letzteres war gegen Musberg gar nicht gefragt, der SVV-Auftritt sei von von Anfang bis Ende überzeugend gewesen, konstatiert Eichler. Am verdienten Hausherrensieg lässt auch Musbergs Trainer Christopher Eisenhardt keinen Zweifel. Ohne Durchschlagskraft in der Offensive und zu passiv in der Defensive, ganz anders wie im Vergleich zu den Vorwochen, beschreibt er den Auftritt seines Teams. Freilich, die erste Chance des Spiels mit Endstation am Innenpfosten habe seine Elf gehabt, letztlich seien die Gastgeber aber einfach effektiver und eiskalt im Ausnutzen von Fehlern gewesen, „die wir bei allen Gegentoren gemacht haben“. Diese markierten Maximilian Eisentraut, Marvin Dürr und Tyron Ferrari.

ASV Botnang – SV Deckenpfronn

„Purer Wahnsinn“ und „krassester Moment seit langem“ so beschreibt Alexander Schweizer den irren Last-Minute-Erfolg seines ASV Botnang im Heimspiel gegen den SV Deckenpfronn. Nach einem 70 Minuten lang überzeugenden Auftritt der Seinen und einer 2:1-Führung durch Tore von Felix Dieringer und Ari Ilhan schlug sein inneres Gefühl von siegessicher schlagartig um in bibbern, verbunden mit dem sehnsüchtigen Wunsch Richtung Schiedsrichter „endlich abzupfeifen“, konstatiert Schweizer. Aus seinen elf Botnangern wurden ab der 84. Minute nach der Ampelkarte für Darwan Hassan nämlich nur noch zehn, sechs Minuten später markierte Deckenpfronns Niklas Wunsch den Ausgleich und die Gäste-Körpersprache verriet laut Schweizer: Sie wollen jetzt auch noch den Sieg. Derweil wäre der ASV-Anleiter mit dem Remis zufrieden gewesen, beorderte seine Akteure „zum Verteidigen des 2:2 in die Defensive“. Doch Pustekuchen, diese hatten einen anderen Plan. Auch sie wollten gewinnen; und machten dies denn auch. In der dritten Minute der Nachspielzeit traf Philipp Detloff im Anschluss an einen Freistoß zum enthusiastisch bejubelten 3:2. Des Wahnsinns nicht genug: Mirlind Kamberi erhöhte noch auf 4:2.

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