Fußball-Bezirksliga vor dem Start Drei Titelfavoriten in der Torrausch-Liga

Schluss mit Pause. Vom Wochenende an geht es im Fußballbezirk Stuttgart/Böblingen wieder um Punkte. Foto: imago/foto2press

Aufstieg, Abstieg, Teilnehmerfeld, Torjäger: Wir blicken vor dem Beginn am Wochenende auf die Ausgangslage – und einen Trainer, der befürchtet, dass die anderen keine Ahnung haben.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Wenn das mal kein Appetithappen gewesen ist. 1429 (!) Tore, im Schnitt 42 pro Spieltag und fast fünf in jeder einzelnen Partie. Eine Staffel im Trefferrausch – so hat sich die Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen in ihrer vergangenen Premierensaison präsentiert. Es waren am Ende Zahlen, bei denen selbst ein Kane, Guirassy oder Schick neidisch werden könnten.

 

Umso gespannter darf man nun auf die Fortsetzung sein. Vom Wochenende an gilt: Bühne frei für den zweiten Akt. Nach fast drei Monaten Punktspielpause startet das von 18 auf 16 Mannschaften geschrumpfte Teilnehmerfeld in die neue Runde. Den Auftakt dürfen bereits am Freitagabend (18 Uhr) zwei der insgesamt vier Aufsteiger machen. Der TSV Dagersheim und der TSV Jahn Büsnau bestreiten das Eröffnungsspiel, ehe am Sonntag die anderen Teams nachziehen werden. Was vorab umtreibt, sind die üblichen Fragen: Wer sind die Favoriten? Wer muss im Tabellenkeller bangen? Wie sind diesmal die Modalitäten? Ein Überblick.

Aufstieg

Darf man den Beteiligten glauben, wird es ein höchst interessantes Titelrennen. Denn unter den Meistertipps tauchen gleicht acht verschiedene Namen auf. Die meisten Stimmen hat in einer Umfrage unserer Zeitung bei den Vereinen der amtierende Vize erhalten: Elf Konkurrenten trauen der Spvgg Holzgerlingen zu, diesmal an der Reihe zu sein, nachdem die Torfabrik schlechthin ihre Aufstiegshoffnungen zuletzt in der zweiten Relegationsrunde begraben musste. In der Liga hatten die Schönbuchstädter allein 124-mal eingenetzt – so viel zum Thema Trefferflut. Nun gehen sie allerdings mit einem Handicap in ihren nächsten Versuch. Ihr bislang bester Schütze, Julius Hamm, fällt aufgrund einer Schulteroperation voraussichtlich für die komplette Hinserie aus.

Kaum weniger hoch gewettet treten der Landesliga-Absteiger TV Darmsheim (sieben Stimmen) und der SV Bonlanden (sechs Stimmen) an – auch wenn dessen Trainer Carmine Napolitano diesem Votum nicht viel abgewinnen kann. „Ich könnte ja jetzt sagen: Die haben alle keine Ahnung. Aber damit würde ich mir wahrscheinlich keine Freunde machen“, sagt er und lacht. Mehr als ein etwaiger tabellarischer Höhenflug beschäftigt Napolitano die momentan unbefriedigende Personalsituation seines Teams. Mit seiner eigenen Prognose tanzt er aus der Reihe. Jene lautet: SV Vaihingen, sein Ex-Verein. Der hat zwar seinerseits den Topscorer Fabijan Krpan verloren, hegt unter neuem Trainer und mit neuer Spielphilosophie aber durchaus auch selbst Ambitionen.

Trainer und Torjäger

Insgesamt haben sechs Vereine der Staffel in diesem Sommer Trainerwechsel hinter sich gebracht. Neu dabei sind als Chefs in ihren Clubs außer Tim Schumann in Vaihingen: Damian Nagler (Spvgg Cannstatt), Christopher Eisenhardt (TSV Musberg), Josip Radeljic (Croatia Stuttgart), das Duo Björn Holz/Matthias Mang (SV Rohrau) sowie Sascha Blessing als Teil eines Trios beim TV Echterdingen II.

Groß ist der Aderlass unter den Torjägern. Nicht nur der Vaihinger Krpan (zum TSV Plattenhardt) ist weg, auch noch drei andere aus den Top fünf des letztjährigen Ballermann-Rankings sind raus, namentlich Aristidis Perhanidis (Aufstieg mit Plattenhardt), Dorde Smiljic (zum FC Esslingen) und Behar Hasanaj (zum TSV Münchingen). Der einzig Verbliebene ist der erwähnte, dafür aber langzeitverletzte Holzgerlinger Hamm. Es gilt für die Spitzenpositionen der Schützenliste also neue Namen zu finden.

Teilnehmerfeld

Für die Stuttgart/Filder-Teams ist die vergangene Saison eine verlustreiche Schlacht geworden. Zur Neugründung der Liga hatten sie noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit gestellt. Zwölf Startplätze für sie, sechs Qualifikanten aus dem Kreis Böblingen. Nun, nur ein Jahr später? Gleichstand: 8:8.

Läuft Böblingen den Stuttgartern den Rang ab? Wiegt die dortige Ärmelhochkrempel-Mentalität mehr als hiesige Ballfertigkeit? Für den Bezirkschef Michael Spörer steht eines jedenfalls fest: „Im jetzigen Konstrukt kann sich keiner mehr Schwächephasen erlauben. Du musst volle Kanne durchspielen.“ Allemal zugenommen habe in der Liga die Qualität.

Abstieg

Gute Kunde dennoch für alle Bangenden: In dieser Saison entschärft sich die Situation auf den Kellertreppen des Klassements – anders als zuletzt, als es am Ende die Rekordzahl von sieben (!) Absteigern gab und einem TSV Münster selbst 44 Punkte nicht zur Rettung reichten. Hiernach ist die Sollstärke mit nur 16 statt der bisherigen 18 Mannschaften erreicht. Und so wird es diesmal im günstigsten Fall nur zwei Direktabsteiger geben, im theoretischen schlechtesten fünf. Mit jedem Stuttgart/Böblingen-Absteiger aus der Landesliga erhöht sich die Ausgangszahl zwei entsprechend.

Auch das könnte man dann einen Appetithappen nennen. Die Chancen auf den Klassenverbleib sind deutlich gestiegen.

Die zu den 16 Teams erschienenen Vorschauen

Spvgg Cannstatt

SV Vaihingen

SV Bonlanden

TV Echterdingen II

Croatia Stuttgart

TSV Musberg

ASV Botnang

TSV Jahn Büsnau

Die acht Kreis-Böblingen-Mannschaften

Der 1. Spieltag

Freitag, 29. August
TSV Dagersheim – TSV Jahn Büsnau (18 Uhr)

Sonntag, 31. August
TV Echterdingen II – Spvgg Cannstatt (13 Uhr); SV Nufringen – TSV Musberg, Spvgg Holzgerlingen – TV Darmsheim, SV Bonlanden – ASV Botnang, VfL Oberjettingen – SV Vaihingen, SV Deckenpfronn – Croatia Stuttgart, SV Rohrau – VfL Herrenberg (alle 15 Uhr)

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