Fußball Bezirksliga Wahnsinn: SV Leonberg/Eltingen macht mit neun Mann aus 1:3 ein 3:3

Der Ball ist im Tor des TSV Merklingen: Patrik Hofmann rettet mit dem 3:3 in der Nachspielzeit einen kaum mehr für möglich gehaltenen Punkt für den SV Leonberg/Eltingen. Foto: Andreas Gorr

Das Derby zwischen dem SV Leonberg/Eltingen und dem TSV Merklingen bietet Aufregung pur: Der Primus biegt mit neun Mann in der Nachspielzeit ein 1:3 zu einem 3:3.

Ein Derby der Extra-Klasse lieferten sich der SV Leonberg/Eltingen und der TSV Merklingen. Am Ende stand ein 3:3 (0:1), mit dem der Tabellenführer besser leben kann als die abstiegsbedrohten Gäste. „Ich bin maximal enttäuscht, wir hätten den Sieg verdient gehabt“, meinte Merklingens Interimscoach Thorsten Talmon, dessen Team in der ersten Halbzeit leidenschaftlich verteidigte und nur wenige Chancen des Tabellenführers zuließ.

 

Die Gastgeber hatten zwar mehr Ballbesitz, doch die Merklinger nutzten in der 36. Minute eine ihrer zwei Möglichkeiten in der ersten Hälfte zur Führung: Nach einem tiefen Ball in die Gasse versenkte Ioannis Savvoulidis die flache Hereingabe ins lange Eck zum 0:1. „Da sind wir viel zu hoch gestanden“, monierte SV-Trainer Robert Gitschier, dem es in der Halbzeit gelang, seine Mannschaft ordentlich wachzurütteln.

SV-Kapitän Marco Seufert (li.) sah wegen Meckerns kurz vor Schluss Gelb-Rot. Foto: Andreas Gorr

In der zweiten Hälfte dauerte es nur sechs Minuten, ehe Patrick Hofmann nach einem Eckball im zweiten Anlauf zum 1:1 traf. „Danach hätte die Partie kippen können, da haben wir eine ganze Zeit lang leiden müssen“, kommentierte TSV-Coach Talmon die Chancen der Gastgeber. Doch SV-Kapitän Marco Seufert schoss aus acht Metern über die Latte, und für den eingewechselten Florian Hofmann wurde in seiner ersten Aktion der Winkel zu spitz. „In der Phase war Merklingen eigentlich mausetot“, stellte Gitschier fest.

Doch eine Szene in der 82. Minute sorgte für einen kompletten Turnaround: Zunächst sah der bereits verwarnte Jona Trefz wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte. Der folgende Freistoß landete bei Savvoulidis, dessen Hereingabe Dzanan Mehicevic zu seinem 16. Saisontor nutzte. „Das war ein doppelter Nackenschlag für uns“, räumte Gitschier ein.

Kaum zu halten war Patrik Hofmann (li.) von TSV-Gegenspieler Denis Krak. Foto: Andreas Gorr

Es kam noch schlimmer: Drei Minuten später verlor der kurz zuvor eingewechselte Mathias Falch an der Mittellinie den Ball, TSV-Rechtsverteidiger Jakob Wehl schnappte sich die Kugel und umspielte sämtliche Gegner einschließlich SV-Schlussmann Kim Witte – 1:3. Und dann steuerte das Derby auf sein dramatisches Finale zu: In der 90. Minute fand der Ball nach einer Ecke den Weg an vielen Köpfen vorbei bis zu Florian Hofmann, der zum 2:3 einköpfte.

Konsterniert: TSV-Trainer Thorsten Talmon (li.) mit Kai Woischiski Foto: Andreas Gorr

Doch das vermeintliche Momentum schien gestört zu werden, als die Gastgeber in der Nachspielzeit mit dem ebenfalls bereits verwarnten Kapitän Seufert nach Meckerns einen zweiten Akteur mit Gelb-Rot verloren und nur noch zu neunt waren. Sekunden später nutzte Patrik Hofmann eine unübersichtliche Situation im Merklinger Strafraum und traf mit seinem 16. Saisontreffer tatsächlich zum 3:3. „Das war wieder eine grandiose moralische Leistung“, lobte Gitschier, der allerdings just im Spitzenspiel nächsten Sonntag beim TV Aldingen improvisieren muss: Neben den gesperrten Seufert und Trefz fällt auch Marvin Boateng mit einer Muskelverletzung aus. Aldingen bestreitet am Donnerstag zuvor das Wiederholungsspiel gegen TASV Hessigheim.

Spvgg Renningen verpasst wichtige Punkte

Tief im Abstiegskampf steckt die Spvgg Renningen, die im Heimspiel gegen den FSV 08 Bietigheim-Bissingen II eine gute Partie lieferte, wegen der mangelnden Chancenverwertung aber 1:2 (1:0) unterlag und damit die 17. Saisonniederlage hinnehmen musste. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt vier Spiele vor Saisonende sechs Punkte, auf den ersten Nichtabstiegsplatz neun Zähler, da die Teams unmittelbar davor beide punkteten. „Wir haben uns wieder einmal selbst um den Lohn gebracht“, haderte Co-Trainer Kostas Mitroglou.

Die Gastgeber setzten die Bietigheimer Oberliga-Reserve unter Druck und hatten mehrere Möglichkeiten zur Führung. Für die sorgte in der 26. Minute Noa Geiger, der nach einem tiefen Lauf von Kaan Ekmen dessen Flanke per Kopf zum 1:0 verwertete. Geiger vergab zu Beginn der zweiten Hälfte die Riesenchance zum 2:0, als er allein auf den Gäste-Torhüter zulief, sein Pass auf den mitgelaufenen Felix Dietrich jedoch misslang.

Noa Geiger (li.) erzielte die Führung für die Spvgg Renningen. Foto: Andreas Gorr

Der FSV II zeigte sich enorm effektiv: Nach einer knappen Stunde stieg Jean Louis Bikoi bei einem Eckball höher als ein Spvgg-Verteidiger und traf per Kopf zum 1:1. In der 77. Minute kam Berin Kardumovic nach einer Hereingabe an den Ball, da sich Renningens Schlussmann und ein Verteidiger nicht einig waren, und erzielte den 1:2-Siegtreffer. Robin Haaße, der im Strafraum frei über das Tor schoss, und Cedric Wurmbrand, der einen Kopfball aus aussichtsreicher Distanz direkt in die Arme von FSV-Keeper Lukas Röser köpfte, vergaben die Möglichkeiten zum Ausgleich. Nach dem Schlusspfiff sah Röser nach einer Beleidigung noch die Rote Karte.

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