Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der TSV Plattenhardt kehrt in die Landesliga zurück. Foto: Günter Bergmann
Der Titelfavorit macht sein Meisterstück. Derweil haben Croatia Stuttgart und wohl auch die Spvgg Cannstatt neue Trainer – und schockt den Tabellenzweiten der Ausfall des Torjägers.
Wer tags darauf mit dem größeren Kater aufgewacht ist, lässt sich schwer sagen. Fakt ist: nach dem Pokalcoup des VfB Stuttgart gilt seit diesem Wochenende auch beim TSV Plattenhardt „Party-Time!!!“. Jubel, Trubel, Heiterkeit nicht nur am Wasen, sondern ebenso im Weilerhau. Anders als in der letztlich bitteren vergangenen Saison hat der dortige große Titelfavorit heuer nichts mehr anbrennen lassen: Er hat gleich seinen ersten von drei Matchbällen zum Meistertitel in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen genutzt. Damit kehren die Filderstädter nach zwei Jahren in die Landesliga zurück – und zwei Spieltage vor Punktrundenschluss bleiben in der Staffel lediglich noch zwei Dinge zu klären.
Zum einen: Wer schafft es in die Aufstiegsrelegation? Die Spvgg Cannstatt oder die Spvgg Holzgerlingen? Zum anderen: Wer muss respektive darf in die Extraschicht auf der anderen Seite des Klassements, jene gegen den Abstieg? Hierfür sind realistisch betrachtet noch vier Mannschaften in der Verlosung: VfL Oberjettingen, TSV Musberg und Türkischer SV Herrenberg sowie der TSV Münster, der allerdings ein finales Wunder bräuchte. Für eine fünfte, den derzeit Tabellenneunten VfL Herrenberg, müsste schon alles schief gehen, wenn auch er noch involviert werden sollte.
TSV Plattenhardt – TSV Musberg
In puncto Feiern hat einstweilen der TSV Plattenhardt den Maßstab gesetzt. Während sich der erst am Mittag aus Berlin zurückgekehrte Fußballchef Sascha Krammer bereits gegen „halb elf etwas müde“ aufs heimische Sofa verabschiedete, bewiesen seine Kicker auch abseits des Rasens gute Kondition. Die Aufstiegssause auf dem eigenen Sportgelände ging dem Vernehmen nach bis in die frühen Morgenstunden. Nach dem vorangegangenen 6:2-Sieg gegen den TSV Musberg, der an der Tabellenspitze die Verhältnis endgültig klärte, brach sich eine Mischung aus Freude und Erleichterung Bahn. „Der Druck war die ganze Saison über groß“, weiß Krammer. Und auch die latente Angst vor einem erneuten Scheitern. Nun sei von allen Beteiligten viel Ballast abgefallen. Landesliga, wir kommen! Endlich. Im zweiten Anlauf steigen die Plattenhardter zum vierten Mal nach 1998, 2007 und 2020 in jene Spielklasse auf, die dann schon weitaus mehr dem Selbstverständnis ihres Vereins entspricht.
Nervös war am Sonntag lediglich der Beginn. Dann verabreichte Aristidis Perhanidis den Seinen bereits in der ersten Hälfte Baldriantropfen. Er erzielte mit zwei satten Flachschüssen seine Saisontreffer 31 und 32 . Und als nach der Pause Danijel Zugac mit einem sehenswerten 25-Meter-Heber auf 3:0 erhöhte, war klar: An diesem Nachmittag ist es tatsächlich so weit. Alle fertig machen zum Jubeln. Beim Abpfiff standen die Drei-Liter-Gläser schon befüllt griffbereit. Lieber Bier? Oder lieber Spezi? Dem Trainer Slobodan Markovic wurde die Wahl abgenommen. Seine Spieler Zugac, Kevin Pein und Kristian Grbic schlüpften in die Lausbubenrolle und kippten ihm beides über den Kopf.
Kein Entkommen für den Trainer Slobodan Markovic bei der Bierdusche. Foto: Günter Bergmann
Fortsetzen soll sich der Partymarathon über zumindest zwei weitere Stationen. Den Meisterwimpel werden Markovic und Co. in zwei Wochen am letzten Spieltag erhalten, dann gegen die Sportvg Feuerbach erneut zuhause, ehe es für den Großteil des Teams Ende Juni auf die obligatorische Reise geht: Malle, klar, ist gebucht. Bis dahin wollen die Abteilungsverantwortlichen dann auch mit der Kaderplanung durch sein. Nach dem Torjäger Fabijan Krpan vom Staffelrivalen SV Vaihingen steht inzwischen ein zweiter Neuzugang fest: Othniel Boketsu (19, Angriff) wechselt von den A-Junioren des FC Esslingen zurück zu seinem Ex-Verein. Nun hoffen die Plattenhardter wie berichtet noch auf die Zusagen von Denis Lübke (32, Abwehr, 1. Göppinger SV) und Georgios Kaligiannidis (26, offensive Außenbahn, FV Neuhausen). Zerschlagen hat sich derweil eine Verpflichtung von Luis Miguel Pereira Almeida (29, Außenbahn). Den Noch-Tübinger zieht es stattdessen zum FC Esslingen.
Vom bisherigen Kader bleiben alle Stammkräfte. Abgänge sind Stand jetzt nur Devrim Sefer (Ziel unbekannt) und Alperen Albayrak. Letzterer steigt beim Neckar/Fils-Bezirksligisten Türkspor Nürtingen als spielender Co-Trainer seines vormaligen Plattenhardter Teamkollegen Fatih Özkahraman ein. Noch am Überlegen sind die Youngster Willy Vöhl, Tizian Beinschrodt und Tom Eichhorn, ob sie den Weg weiter mitgehen. In dieser Saison kamen sie kaum über Kurzeinsätze hinaus.
Musberger verlieren ihren Senkrechtstarter
Demgegenüber wird der TSV Musberg seinen Jugend-forsch-Senkrechstarter wohl verlieren. Marius Nita (15 Saisontore) ist auf dem Sprung zum Nachbarn und Verbandsliga-Absteiger TV Echterdingen. Der Gäste-Kommentar zur aktuellen Begegnung? „Gratulation, ein verdienter Aufstieg“, sagt Denis Kühnle, eine Hälfte des gleichfalls scheidenden Trainergespanns vom Turnerweg. Die eigenen Hoffnungen auf eine Überraschung waren vorab schon geschrumpft – in den VfB-Pokalreisenden Lukas Zug und Dennis Zschorsch fehlten zwei der wichtigsten Spieler. Der Fokus geht nun aufs nächste Wochenende: Dann steigt für den Tabellenelften das vorgezogene Quasi-Endspiel um den Klassenverbleib, nämlich im direkten Duell mit dem Mitbewerber Türkischer SV Herrenberg. Ein Remis reicht, um definitiv auch 2025/2026 Bezirksligist zu sein. Bei einer Niederlage hingegen ginge das Zittern erst richtig los.
Türkischer SV Herrenberg – Spvgg Cannstatt
Zuvor können sich die Musberger ein Stück weit bei ihrem künftigen Coach bedanken. Jener, Christopher Eisenhardt, leistete mit seinem Noch-Verein Spvgg Cannstatt Schützenhilfe. Dito mit einem 6:2 beendeten die Neckarstädter das jüngste türkische Herrenberger Hoch. „Wenn es schlecht gelaufen wäre, hätte ich doppelt verkackt“, weiß Eisenhardt. So hat er mit den Seinen auch im höchst persönlich eigenen Sinne zweifach Gutes getan – zum einen für Musberg, zum anderen mit seiner Sieger-Elf vom Sonntag dahingehend, dass diese als Tabellenzweiter in der Poleposition um die Relegationsteilnahme verweilt. Auch im Cannstatter Fall zeichnet sich somit ein Showdown mit dem größten direkten Rivalen ab: Zum Liga-Abschluss am 7. Juni führt der Terminplan dramaturgisch perfekt just nach Holzgerlingen.
Für den Sieger dieser Begegnung dürfte das Spieljahr dann in die Verlängerung gehen, und zwar mit Auftakt am 14. Juni gegen den Vizemeister der Bezirksliga Ostwürttemberg. In Frage kommen noch der FV Sontheim/Brenz und der SV Neresheim. Der Spielort steht noch nicht fest, wird aber in jedem Fall im Bezirk Stuttgart/Böblingen sein.
Bitter für die Spvgg Cannstatt: Der Torjäger Behar Hasanaj hat zum dritten Mal einen Nasenbeinbruch. Foto: Günter Bergmann
Bis dahin beziehungsweise sogar darüber hinaus müssen die Cannstatter mit einem personellen Handicap klar kommen. Das vor Wochenfrist verlorene Gipfelduell mit dem Nun-Meister Plattenhardt hat ins Kontor geschlagen. Für die Rotsünder liegen die Strafen vor: drei Spiele Auszeit für Carsten Bauer, gar sieben Spiele Pause für Mal Hasaj. Aber noch schlimmer: Der nach seiner Ampelkarte nun eigentlich wieder einsatzberechtigte Torjäger Behar Hasanaj ist ebenfalls weiter raus. Der Grund: ein Nasenbeinbruch, der schon dritte seiner Karriere.
Immerhin zwei personell positive Nachrichten gibt es indes auch. So wartete der Verein schon an diesem Sonntag mit einem Überraschungsneuzugang auf. Gestatten: Mohamed Pulad Zangana. Der ehemalige Schwäbisch Haller Verbandsliga-Kicker debütierte als Einwechselspieler. Bilanz: prompt drei Torbeteiligungen. Hinter sich hat der 26-Jährige eine mehrjährige Fußballpause. Eisenhardts Einschätzung: „Schnell, dribbelstark – wenn er regelmäßig trainiert, ist das ein richtig Guter.“
Und, vor allem: Offenbar fündig geworden sind die Cannstatter auf ihrer Suche nach einem Eisenhardt-Nachfolger. Offiziell bestätigen wollen sie zwar noch nichts. Aber es deutet alles auf Damian Nagler hin. Der 37-Jährige ist momentan noch beim TSV Deizisau unter Vertrag. Zuvor war er beim PSV Stuttgart und kurzzeitig beim Landesligisten TV Pflugfelden engagiert.
Hurra unterdessen bei einem Team, das in dieser Saison noch nicht viel zu lachen hatte. Im 32. Spiel hat es der SC Stammheim doch noch geschafft. Mit einem 4:4 bei Croatia Stuttgart verbuchte das abgeschlagene Schlusslicht seinen ersten Punktgewinn. Nikitas Skordoulis markierte den Treffer zum späten Ausgleich. Eigentlich hatten sich die Nord-Stuttgarter schon eine Woche zuvor im „Tabellenkeller-Schlager“ gegen den Vorletzten Oberjesingen Zählbares erhofft, waren da aber noch mit 2:5 untergegangen. Nun also acht Tage später. „Die Jungs haben sich das absolut verdient. Sie haben trotz der vielen Tiefschläge immer zur Stange gehalten und weitergemacht“, sagt der Trainer Stefan Diesing.
Freude also auf der einen Seite, Peinlichkeit auf der anderen? Grundsätzlich ja, meint der Croatia-Interimscoach Branimir Bresic – und doch nein, wenn man sich die Aufstellung ansehe. Rotsperren und viele Verletzte führten dazu, dass der Kader der Gastgeber dünn war. Unter anderem musste der 44-jährige Abteilungsleiter Niki Oroz noch einmal die Kickstiefel schnüren. Indes hat sich bei Croatia so manche Personalie für die kommende Runde geklärt. Auf dem Trainerposten gibt es eine interne Lösung. Josip Radeljic, ehemalige Spieler und vor zwei Jahren Zweite-Mannschaft-Coach, übernimmt. Ihm wird in einer Doppelfunktion der aktuelle Schlussmann Mirko Perkovic assistieren. Positive Zeichen auch beim spielenden Personal: Die viel umworbenen Führungsspieler Duje Tokic und Mario Mamusa haben laut Bresic verlängert.
Bei Stammheims Coach Diesing steht die Verlängerung dagegen noch aus. Die Bereitschaft ist aber da. Bedingung: „Organisatorisch muss sich etwas ändern; darüber will ich noch mit der Vereinsführung sprechen“, sagt Diesing. Kläre sich das, dann mache er – so wie der Großteil der Mannschaft – weiter. Unabhängig davon, wie viele Gegentore sein Team in dieser Runde noch kassiert. Durch die vier vom Sonntag haben die Emerholz-Kicker die Schallmauer von 200 nun durchbrochen, stehen aktuell bei 201.
Bei der ebenfalls bereits abgestiegenen Sportvg Feuerbach war der Angreifer Hollyfild Bokilo der Mann des Tages. Zum 5:2-Heimerfolg über den Mitabsteiger SV Oberjesingen steuerte er vier Tore bei und bringt es nun auf 16 Saisontreffer. Ob der beste Talkrabben-Schütze bleibt, ist ungewiss. „Er ist sich noch nicht im Klaren, was er will“, sagt der Interimscoach und Spielleiter Kai Marquardt. Sicher dabei ist dagegen Enes Fetahi. Der A-Jugendliche gab aktuell seinen Aktiven-Einstand – und traf prompt. „Ein Talent, der uns weiterbringen wird“, so Marquardt.
Spvgg Holzgerlingen – ABV Stuttgart
Die Liga verlassen wird auch der ABV Stuttgart. Dementsprechend schmerzte die 3:5-Niederlage beim Aufstiegsrelegationsanwärter Spvgg Holzgerlingen nur noch bedingt. Vielmehr habe das Spiel Spaß gemacht, obwohl man ersatzgeschwächt angetreten sei, sagt der Kapitän und Torschütze Leon Pachonick. Unter anderem fehlte ein gelernter Torhüter. Notgedrungen zog sich der Offensivspieler Theo Jaspert das Trikot mit der Nummer eins über. Die Folge? „Er hat gut gehalten und Akzente im Spielaufbau gesetzt“, sagt Pachonick, der von einer „unheimlichen Kaltschnäuzigkeit“ der Gastgeber spricht. Die fünf anderen Stuttgart/Filder-Clubs der Staffel haben schon am Donnerstag gespielt. Hervorstechendes Ergebnis dabei: das 3:1 des TSV Münster gegen den VfL Herrenberg, womit die Mannschaft des Trainers Andreas Contino verhindert hat, dass für sie im Kampf gegen den Abstieg die Lichter bereits endgültig ausgehen. Für einen Sprung noch auf den Relegationsplatz bräuchte es nun jedoch zwei weitere Siege in Oberjettingen und gegen den ABV Stuttgart sowie zwei gleichzeitige Patzer des Türkischen SV Herrenberg – wobei jener am letzten Spieltag noch die vermeintlich leichte Pflichtaufgabe beim Tabellenvorletzten Oberjesingen hat.