Fußball-Bezirkspokal: Endspieltag Fünfmal Finale – darunter als Höhepunkt ein Bielefeld-Duell

Wer holt diesmal den „Pott“? Bei den Männern wird aus Stuttgarter Sicht ein Nachfolger für den SC Stammheim gesucht. Foto: Archiv/Günter Bergmann

In Herrenberg finden an diesem Donnerstag die Pokalendspiele des neuen Fußballbezirks statt. Bei den Männern kommt es zu einer Außenseiter-Begegnung.

Der Bezirkschef Michael Spörer erwartet „ein wahres Fußballfest“, mithin „den Höhepunkt der Saison“. Für die aktiv Beteiligten ist derweil die Lust groß, es nun dem VfB Stuttgart nachzutun. Männer, Frauen, Junioren – an diesem Donnerstag steigt im Herrenberger Volksbankstadion der Pokalfinalspieltag des neuen Bezirks Stuttgart/Böblingen. Heißt: fünf Endspiele im Paket. Fünfmal Showdown im Kampf um den jeweiligen „Pott“. Den abschließenden Hauptprogrammpunkt bildet dabei ein unerwartetes Außenseiterduell.

 

Männer: TSV Kuppingen – TSV Jahn Büsnau (18.30 Uhr)

Da soll noch mal einer mit Bielefeld kommen. Was auf der großen Bühne geht, geht auf hiesiger Ebene gleich doppelt. Kuppingen gegen Büsnau? Wer vor der Saison auf diese Finalpaarung gewettet hätte, hätte wohl reich werden können. Es handelt sich um das quasi zweifache Bielefeld. Zwei A-Kreisligisten, zwei krasse Außenseiter des Wettbewerbs. Dass im Endspiel kein Bezirksligist steht, hat es in den vergangenen 30 Jahren der Vorgängerkonkurrenz des Bezirks Stuttgart nur ein einziges Mal gegeben. Damals , anno 2014, behauptete sich der zwischenzeitlich abgestürzte TSV Bernhausen gegen den 1. FC Lauchhau-Lauchäcker mit 3:0.

Heuer nun also erneut das große Favoritensterben. Wobei zumindest die Büsnauer zu jenem nicht einmal einen Beitrag leisten mussten. Die anderen waren so freundlich, dies für sie zu erledigen. „Losglück gehört dann halt auch dazu“, sagt Ralf Lenhardt, der sportliche Leiter des Vereins, zur Tatsache, dass den Seinen in allen bisherigen sieben Runden die dicken Brocken erspart geblieben sind. Darin, bis zum Ende durchgekommen zu sein, sieht er dennoch „eine tolle Leistung des Teams“. Eine, der am jetzigen Christi-Himmelfahrt-Tag die krönende Zugabe folgen soll. Auch wenn die aktuelle Begegnung nicht so wirklich in den eigenen Fahrplan passt.

Gezwungen sind die Büsnauer zu einem gewissen Spagat. So hurra- und prestigeträchtig dieses Pokalthema ist – „dass die Meisterschaft absoluten Vorrang hat“, daraus macht Lenhardt keinen Hehl. In der Punkterunde haben die Jahn-Kicker als Tabellenführer der Kreisliga-A-Staffel 2 die große Chance zum erstmaligen Aufstieg in die Bezirksliga. Nur drei Tage später, am Sonntag, steht für sie beim FV Germania Degerloch ein Schlüsselspiel auf dem Programm, nachdem sie zuletzt eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebten. Insgesamt 16 Spieltage lang auf Platz eins, dann nach zwei Niederlagen in den Gipfelduellen plötzlich hintendran, nun doch wieder vorn. Die Hoffnung aufs Double ist befeuert.

Freilich: Personelle Cup-Risiken wollen die Mannen vom Adolf-Engster-Weg nicht eingehen. „Von den Angeschlagenen“, kündigt Lenhardt an, „wird wohl keiner auflaufen.“ Sie sollen stattdessen für den Liga-Endspurt fit werden. Für die Problemzone „Tor“ zeichnet sich immerhin eine Blitzlösung ab: In Anbetracht des Ausfalls beider etatmäßigen Keeper, Simon Hochschein (Bänderverletzung) und Hannan Ullah (Rotsperre), ist der Filderclub kurzfristig auf dem Transfermarkt aktiv geworden. Der zuletzt vereinslose Elias Aisenbrey (19, in der Hinrunde noch ABV Stuttgart) steht vor einem plötzlichen Debüt. Weniger Sorgen macht der Angriff: Die Büsnauer setzen auf ihre 111-Tore-Offensive dieser Saison um den 31-fachen Ligatorschützen Cedric Hornung.

Beim Gegner ragt namentlich ebenfalls ein Stürmer heraus: Andreas Poser, der spielende Co-Trainer. Der inzwischen 38-Jährige schnürte die Schuhe einst in der Verbandsliga für den VfL Sindelfingen. Vorteil der Kuppinger, die in ihrer Staffel als Neunter im tabellarischen Niemandsland stehen: Sie genießen praktisch Heimrecht. Ihr Ort ist ein Stadtteil von Herrenberg. Dem tatsächlichen Gastgeber, dem VfL Herrenberg, spuckten sie im Halbfinale in die Suppe. Im Elfmeterschießen beendeten sie dessen Träume vom „Finale dahoim“. Dies war der K. o. des auch letzten bis dahin noch im Wettbewerb befindlichen Bezirksligisten.

Frauen: Sportvg Feuerbach – TSV Grafenau (13.45 Uhr)

Wenn bei den Männern in der Bundesliga nichts am FC Bayern München vorbeiführt, dann gilt das im Bezirkspokal für die Frauen der Sportvg Feuerbach. Die „Talkrabben“ reckten am Ende der vergangenen fünf Auflagen ein jedes Mal den „Pott“ in die Höhe. Alle Gewinne waren noch im alten Bezirk Stuttgart. Nun heißt der Gegner TSV Grafenau, der 2022 in Spielgemeinschaft mit dem VfL Sindelfingen II seinerseits Pokalsieger im alten Bezirk Böblingen/Calw wurde. Nachdem das Team im Vorjahr im Endspiel mit 0:1 am SV Nufringen gescheitert ist, sei die Motivation für diesmal umso größer, sagt die Grafenauer Spielerin Yvonne Wurmbrand. Doch der Ehrgeiz der Feuerbacherinnen ist ebenso ungebremst, auch wenn deren Trainer Axel Süßlin um die Schwere der Aufgabe weiß: „Grafenau ist eine routinierte Mannschaft mit einigen ehemaligen Zweitliga-Spielerinnen“, sagt er. Nichtsdestotrotz wolle man erneut eines der Saisonziele erfüllen: eben den Pokalsieg.

Der Dritte der Regionenliga-Staffel 2 (verbessern ist nicht mehr möglich) tritt mit einem vollen Kader an. Mehr noch. „Beim Pokalfinale wollen auch diejenigen dabei sein, die sonst nicht so oft da sind“, sagt Süßlin schmunzelnd. Für Grafenau könnte der Donnerstag indes der erste Schritt zur Double-Feier werden. Am Sonntag kann das Team von Coach Steven Binder nämlich auch den Titel in der Regionenliga-Staffel 4 klarmachen und in die Landesliga aufsteigen.

Junioren

Beim Nachwuchs stehen folgende Endspiele an: C-Junioren: Spvgg Holzgerlingen – Stuttgart FC/FSV Waldebene Stuttgart-Ost (10 Uhr). B-Junioren: SGM Kuppingen/Deckenpfronn/Sulz am Eck – TSV Bernhausen (11.45 Uhr). A-Junioren: TSV Bernhausen – SG Weilimdorf (16 Uhr).

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