Fußball-Bundesliga Die VfB-Elf ist noch lange nicht fertig

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Die 0:2-Niederlage in Berlin zeigt, dass sich der VfB Stuttgart zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga in einer Aufbauphase befindet.

Ab ins Getümmel: der VfB-Mittelstürmer Simon Terodde springt am höchsten, doch am Ende sind die Berliner obenauf. Foto: Baumann 16 Bilder
Ab ins Getümmel: der VfB-Mittelstürmer Simon Terodde springt am höchsten, doch am Ende sind die Berliner obenauf. Foto: Baumann

Berlin - Die letzten Sekunden seines Bundesligadebüts verbrachte der Fußballlehrer Hannes Wolf nahezu bewegungs- und regungslos. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, stand der Trainer des VfB Stuttgart da. Doch schon zuvor war der Ärger über die sich anbahnende Niederlage in dem 36-Jährigen hochgekrochen, jetzt beobachtete er die Bemühungen seiner Mannschaft, das Ergebnis gegen Hertha BSC noch zu korrigieren. Nach dem 0:2 blieb dem Aufsteiger zunächst aber nur die Erkenntnis, dass den Berlinern eine durchschnittliche Leistung für den ersten Saisonsieg genügt hatte.

„Am Ende haben wir nur zwei Situationen nicht gut verteidigt“, sagt Wolf. Das Problem an diesen beiden Szenen war jedoch, dass Mathew Leckie sie zu zwei Toren nutzte. Damit zeigte sich schon zu Rundenbeginn im Olympiastadion, was der Torhüter Ron-Robert Zieler so zusammenfasst: „In der Bundesliga werden leichte Fehler schnell bestraft.“ Auf der Gegenseite offenbarte sich zudem, was die erste von der zweiten Liga weiter unterscheidet: In der Vorsaison gelang es dem VfB häufig, einen Rückstand aufzuholen und die Partie sogar noch zu drehen. Wie zum Beispiel beim 1. FC Nürnberg, als sich die Franken ähnlich effektiv präsentierten und aus zwei Aktionen zwei Treffer machten.

Gegen Mainz soll es „giftiger“ zugehen

Nun hatten die Gäste auch Möglichkeiten. Nur: weder Josip Brekalo noch Takuma Asano oder Anastasios Donis wussten daraus Kapital zu schlagen. „Wir reden hier über Nuancen“, sagt Wolf, „und wir müssen schauen, dass wir diese wieder auf unsere Seite kriegen.“ Denn der Kampf mit den Kleinigkeiten kann sich schnell zu einer großen Sache auswachsen. Bereits am Samstag, wenn der VfB den FSV Mainz 05 erwartet und es für beide Verlierer darum geht, einen Fehlstart zu vermeiden.

„Giftiger“ will der Trainer sein Team dann sehen. Wobei sich zunächst noch die Frage stellt, wie Wolfs Elf in ein paar Tagen überhaupt aussieht, da der VfB gerade ziemlich unfertig wirkt. Das liegt aber weniger am vergleichsweise niedrigen Durchschnittsalter von 24,4 Jahren gegenüber der alten Dame aus Berlin (28,2). Herthas Coach Pal Dardai bildet mit seiner eingespielten Truppe ja quasi den Gegenentwurf zu Wolf und seinen vielen Wechseln.

Doch zum Saisonstart kommt es einem fast so vor, als hätten die Stuttgarter die Vorbereitungsphase für weitere Feldversuche eigenmächtig verlängert. Mal wird dies und mal das probiert, mal hier und mal dort umgebaut. „Durch Verletzungen mussten wir um das Cottbus-Spiel herum mehrere Veränderungen vornehmen“, sagt Wolf zu den Umbaumaßnahmen nach den Ausfällen von Timo Baumgartl und Emiliano Insua – zwei Spieler, die in der vergangenen Saison zu den Stützen gezählt hatten. Und da sowohl Holger Badstuber als auch Dennis Aogo spät zum Kader gestoßen sind und weitere Verpflichtungen erwartet werden, ist der Trainer noch dabei, sich ein neues Gerüst zusammen zu stellen.

Bis zum Ende der Transferperiode will Wolf warten, ehe er den Mannschaftsrat umbesetzt. Neben dem Kapitän Christian Gentner hatten in der Rückrunde noch Simon Terodde, Timo Baumgartl und Mitch Langerak dazu gehört. Es war Wolfs Mittelachse, die Stabilität verleihen sollte, wenn es nicht läuft. Nun hütet Zieler für Langerak das Tor und die anderen müssen ihre Rollen neu definieren.

Sieben VfB-Profis debütieren in der Bundesliga

Wie Gentner, der sich offenbar daran gewöhnen muss, dass er rein- und rausrotiert wird. In Berlin bildete der 32-jährige Mittelfeldspieler gemeinsam mit dem 19-jährigen Orel Mangala die Doppelsechs. Dadurch fand sich Ebenezer Ofori auf der Bank wieder – und Dzenis Burnic erst gar nicht im Kader. Hart für die Talente, die eine Woche zuvor in der Anfangsformation gestanden hatten. Nach dem schlechten Spiel im DFB-Pokal bei Energie Cottbus wurden sie aber hinauskatapultiert.

„Genau so schnell kann es wieder anders herum gehen“, sagt Wolf, „aber ein einzelnes Spiel gibt nicht den Ausschlag für unsere Aufstellung.“ Es zählt der Gesamteindruck – und da überzeugte Mangala im Training sowie nach seiner Einwechslung in Cottbus. Der Belgier gehörte damit zu den sieben VfB-Profis (dazu Ailton, Akolo, Asano, Donis, Kaminski, Pavard), die erstmals in der Bundesliga antraten.

Doch schreckhaft zeigte sich Mangala nicht. Ebenso wenig wie Benjamin Pavard. Der 21-jährige Franzose, aufgrund seiner filigranen Ballbehandlung gerne als Bruder Leichtfuß betitelt, verlieh der Abwehr als aufmerksamer Innenverteidiger diesmal Halt. Nun soll sich im Stuttgarter Spiel aber noch der Mut in der Offensive dazu gesellen. Am besten schon gegen Mainz 05.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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