Der Aufstiegs-Relegation befindet sich für den TSV Heimerdingen vor dem Spiel an diesem Sonntag (15 Uhr) bei Aramäer Heilbronn noch in Reichweite – doch mit nur fünf Punkten aus den vergangenen fünf Partien könnte die Lage viel besser sein. Fußball-Chef Uwe Sippel hat dennoch ein klitzekleines Fünkchen Hoffnung, dass es noch was werden könnte mit Rang zwei.
Herr Sippel, die TSV-Fußballer sind eine Wundertüte – überlegene Siege und un- nötige Punktverluste wechseln sich ab.
Wir befinden uns irgendwie zwischen Baum und Borke. Klar trauert man den vergebenen Chancen nach, natürlich ist es schade, dass es fünf Punkte auf Platz zwei sind und wir es einfach nicht schaffen, die Spiele erfolgreich zu gestalten – dann kann man auch keinen Anspruch nach oben erheben.
Wenn es nicht läuft wie erhofft – würden Sie in die Kabine stürmen wie es Präsident Jean Löring bei Fortuna Köln 1999 gemacht hat und den Trainer in der Halbzeit feuern?
Ich bin seit 30 Jahren dabei und halte mich aus dem Sportlichen total raus und bleibe im Hintergrund – ich bin praktisch so gut wie nie während eines Spiels in der Kabine. Natürlich rede ich mit den Spielern, bin auch kritisch, aber in sportlichen Dingen bin ich nicht der Ansprechpartner, sondern der Trainer.
Fällt Ihnen die Zurückhaltung manchmal schwer?
Nein, der Trainer ist mit seinem Team der sportliche Chef, die Abteilungsleitung ist dafür da, möglichst ideale Bedingungen zu schaffen für Trainer und Mannschaft. Selbstverständlich tausche ich mich regelmäßig mit dem Trainer über sportliche Belange aus.
Wenn es nicht mehr passt, wären Sie aber derjenige, der die Reißleine zieht.
Am Ende des Tages bin ich sicherlich derjenige, der die Entscheidung überbringt – in der Entscheidungsfindung sind wir zu dritt in der Abteilungsleitung. Ich bin kein Einzelgänger, sondern ein Teamplayer – ich bilde mir nicht ein, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte. Ich höre andere Meinungen und bilde mir erst dann ein Urteil, ob ein Trainer die Aufgaben noch erfüllt. Ich weiß nicht, wie gut Sie die Historie des TSV kennen, aber in den letzten 30 Jahren werden sie nicht viele Trainerentlassungen finden.
So gut wie keine Trainerentlassung beim TSV
Wann hatten Sie zuletzt eine?
Ich muss wirklich überlegen, dass ich nichts Falsches sage. Lassen wir die ersten zehn Jahre außen vor, als wir in der Kreisliga B gespielt haben, da waren wir froh, dass wir einen Trainer hatten. Wenn ich mich recht erinnere, gab es das nur ein einziges Mal.
Lag es daran, dass die Abteilung die jeweiligen Trainer sehr sorgfältig ausgewählt hat? Oder daran, dass der TSV vor einer womöglich teuren Kündigung lieber Abstand genommen hat?
Ich will über Details nicht reden, aber wir haben eine entsprechende Gestaltung der Trainerverträge, die das im Grunde nicht nötig macht. Mir wäre es am liebsten, man könnte das regeln wie früher und sagen: Ein Mann, ein Wort – und wenn sich eine neue Situation ergibt, setzt man sich an einen Tisch und redet miteinander. Es ist wie in einer Partnerschaft: Wenn einer in der Zusammenarbeit unzufrieden ist, fruchtet sie nicht. Da ist es besser, man schaut sich in die Augen und geht anständig auseinander.
Sind Verträge mit den Spielern komplizierter?
Nein. Es gibt keine. Wir haben keine Vertragsspieler. Moment, einen haben wir, aber das hat einen verbandsrechtlichen Hintergrund. Alles andere halte ich für nicht praktikabel – was sollen wir als Verein tun, wenn ein Spieler nicht mehr will. An den Ohren herziehen können wir ihn nicht.
Die Verbandsliga ist eine Herausforderung
Nur wenn beide Seiten zufrieden sind, harmoniert die Partnerschaft.
Es ist ein Vertrauensverhältnis. Den Status, dass man sich auf uns verlassen kann, haben wir uns über Jahre erarbeitet – die Spieler kicken ja nicht bei uns, weil wir so einen tollen Rasenplatz haben und einen neuen Kunstrasen bekommen. Es gibt Aufwandsentschädigungen, und ich kenne keinen Spieler, der sich über uns beklagt hätte. Wir wirtschaften solide und halten unsere Zusagen ein.
Gab es in 20 Jahren nie Zwist mit einem Spieler? Das kann ich kaum glauben.
In 20 Jahren sammelt man viele Erfahrungen, lassen Sie es mich so beschreiben: Wir haben immer eine Lösung gefunden. Ich muss wegen keinem Spieler die Straßenseite wechseln, wenn er mir entgegenkommt, genauso muss sich kein Spieler vor mir verstecken. Das Zusammenkommen ist das eine, das Zusammensein das andere – und die wahre Kunst erfolgt in der Trennung. Aber wir müssen stets sehen: Es ist ein Hobby, es ist Amateursport auf ordentlichem Niveau.
Funktioniert das Modell des TSV Heimerdingen in der Verbandsliga?
Wir sind an die Grenzen des Möglichen gestoßen in der Verbandsliga aus unterschiedlichen Gründen. Diese Liga ist eine wirtschaftliche und organisatorische Herausforderung. Das geht schon damit los, dass wir bei Auswärtsspielen weite Tagesfahrten haben, was in der Landesliga an einem Nachmittag zu absolvieren ist. Abgesehen davon trifft man sportlich auf ganz andere Kaliber – es steckt ein gewisser finanzieller Aufwand dahinter, einen konkurrenzfähigen Kader aufzubauen.
Planen Sie derzeit zweigleisig?
Unser Fokus der Planung lag und liegt auf der Landesliga. Aber klar ist auch, sollten wir den Sprung schaffen, werden wir die Herausforderung annehmen. Keine Frage.
Fünf Punkte sind in vier Spielen aufzuholen. Wie schätzen Sie die Chance ein?
Ich bin ein sehr realistischer Mensch und befürchte, es wird wohl nichts mehr mit Platz zwei werden. Wir haben zuletzt zu viele Punkten liegen gelassen, um realistisch noch dran zu glauben. Aber ich würde mich so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten: Wenn wir zwölf Punkte holen, wäre es vorstellbar. Ob es realistisch ist ...