Fußball-EM 2016 Nicht alle Flüchtlinge können Spiele sehen

Von red/lsw 

Wenn die Fußball-EM angepfiffen wird, freuen sich auch viele fußballbegeisterte Flüchtlinge auf die Spiele. In Baden-Württemberg könne sich aber nicht in allen Unterkünften die Spiele verfolgen.

Wenn von Freitag an der Ball rollt, können nicht alle Flüchtlinge in ihren Unterkünften die Spiele verfolgen. Foto: dpa
Wenn von Freitag an der Ball rollt, können nicht alle Flüchtlinge in ihren Unterkünften die Spiele verfolgen. Foto: dpa

Stuttgart - Die Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge im Land (LEA) stellen sich auf Fußballbegeisterung bei ihren Bewohnern ein - doch nicht überall werden die Spiele gezeigt. In den LEAs Meßstetten und Ellwangen wird die Übertragung vorbereitet, in Karlsruhe hat man sich dagegen entschieden.

„Für unsere Bewohner geht es um Teilhabe an diesem in Deutschland wichtigen Ereignis“, sagte der Meßstettener LEA-Leiter Frank Maier. In einem Saal, der in Zeiten mit vielen Neuankömmlingen als Unterkunft genutzt wurde, soll zur EM den Angaben zufolge eine Leinwand aufgebaut werden. Rund 100 Menschen haben dort Platz. Maier ist gespannt: „Mal sehen, für wen sie jubeln, wenn’s losgeht.“

In Ellwangen wird ebenfalls eine Halle, die in Hochzeiten für die Flüchtlingsunterbringung genutzt wurde, für Public Viewing genutzt. Auch Ehrenamtliche seien eingeladen, sagt LEA-Leiter Berthold Weiß. „Viele haben den Wunsch, auch außerhalb der Deutschkurse oder der Kleiderkammer den Kontakt zu den Flüchtlingen zu vertiefen.“ Zudem gebe es auf dem Ellwanger Marktplatz ein Public Viewing, das keinen Eintritt koste.

Gema-Gebühren zu hoch

Auch wenn die Heimatmannschaften vieler Flüchtlinge nicht vertreten sind, seien Sportereignisse für die Bewohner interessant, sagt Weiß. Das habe etwa die Champions League gezeigt. „Ein gutes Fußballspiel zieht immer, egal, ob die eigene Mannschaft beteiligt ist.“ Weil die EM-Spiele oft mit dem abendlichen Fastenbrechen während des Ramadan zusammenfielen, erwartet Weiß aber auch, dass mancher Moslem Fußball Fußball sein lässt.

In der LEA Karlsruhe wird es auch zur EM keine Fernseher und keine Leinwand geben. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe würden dafür Gema-Gebühren anfallen, weil die LEA eine öffentliche Einrichtung ist. „Das ist sehr teuer“, sagt die Pressesprecherin Irene Feilhauer. Stattdessen werden die Bewohner ihren Angaben zufolge informiert, wo sie in der Stadt Fußball schauen können. „Es ist doch eine schöne Idee, dass sie unter Leute gehen und nicht isoliert in der Einrichtung schauen.“

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