Fußball-EM 2024 Ausländische Fans machen den Wasen in Stuttgart zum „EM-Campingplatz“

Diese Fangruppe will zu allen EM-Spielen der dänischen Nationalmannschaft reisen. Foto: STZN/Florian Dürr

Auf dem Wasengelände trifft man in diesen Tagen Fußball-Fans aus Schottland, Dänemark oder Slowenien. Für die EM sind sie mit ihren Wohnmobilen nach Stuttgart gereist. Ein Schotte richtet sich mit einer Ansage an Stuttgarter Wirte.

Es ist wie eine kleine Reise durch Europa in Stuttgart: Schotten, Dänen, Slowenen, Österreicher campen in diesen Tagen auf dem weitläufigen Wasengelände. Für die Fußball-EM haben sie den weiten Weg in die Landeshauptstadt auf sich genommen. Und wer sich in die Nähe der Wohnmobile mit den ausländischen Kennzeichen begibt, wird herzlich empfangen: Slowenen, die einem traditionelles slowenisches Gebäck anbieten, Österreicher, die das Bier bereits öffnen, bevor man richtig sitzt. Und Schotten, die einem Whiskey einschenken – was auch sonst?

 

Von den schottischen Highlands über die Niederlande bis nach Stuttgart

Die Atmosphäre ist prächtig auf dem eingezäunten Gelände, in unmittelbarer Nähe zur Stuttgarter Arena, wo an diesem Mittwochabend die deutsche Mannschaft die Ungarn empfängt. Musik tönt aus den Boxen eines Wohnmobils, manche singen mit, es wird gelacht und getrunken – vor allem Bier. Die Dänen haben eine Biergarnitur vor ihrem Camper aufgebaut, andere die klassischen Campingstühle, wie man sie kennt – Trinkhalterung inklusive. Eins wird klar: Wer noch nicht im EM-Fieber ist, sieht sich hier einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt.

Die beiden Gruppen der Slowenen und Schotten, die sich mit ihren Fahrzeugen direkt nebeneinander gestellt haben, posieren für das Foto gemeinsam mit ihren jeweiligen Flaggen, machen Späße auf Englisch, teilen sich slowenisches Gebäck und schottischen Whiskey. Die drei Schotten kamen aus den Highlands bis nach Stuttgart. Erst mit dem Wohnmobil nach Newcastle, von dort weiter mit der Fähre in Richtung Niederlande und schließlich ins EM-Gastgeberland.

Schotte mit Ansage an Stuttgarter Wirte

Alle drei Gruppenspiele ihres Teams wollen sie hier in Deutschland verfolgen. Das Wohnmobil lassen sie in Stuttgart stehen, fahren mit dem Zug nach Köln, wo an diesem Mittwochabend die schottische Auswahl im zweiten Gruppenspiel auf die Schweiz trifft (21 Uhr). Für das letzte Gruppenspiel am Sonntag gegen Ungarn kehren sie dann wieder in die Landeshauptstadt zurück.

„Dann können wir trinken“, sagt Tom, ein bärtiger, großgewachsener Mann mit tätowierten Armen. Für ihren Durst sind die Schotten schließlich bekannt. Deshalb macht der 37-Jährige bereits jetzt eine Ansage an alle Stuttgarter Wirte, wenn er und seine Landsmänner am Wochenende in der Stadt unterwegs sind. Eine Situation wie kürzlich, als die Dänen das Bier im Biergarten leer tranken (wir berichteten), wollen die Schotten nicht. „Wir brauchen viel kühles Bier und viele Kellner, damit die Warteschlangen kurz bleiben“, fordert Tom.

„This campsite sucks“, schimpft eine Dänin

Das Warten aufs Bier in Deutschland ist ein echtes Thema hier: Auf der anderen Seite des eingezäunten Geländes beschweren sich dänische Fans, dass sie etwa 45 Minuten für ein Bier im Stadion warten mussten, ebenso im Biergarten. „Es kommt einem so vor, als sei Deutschland total überrascht, dass jetzt EM ist“, sagt Jeannette und ergänzt hämisch „Surprise, surprise.“ Auch von ihrem Stellplatz sind sie wenig begeistert, es gebe nur kaltes Wasser in den Containern mit den Sanitäranlagen, 580 Euro zahlen sie zu viert für vier Tage.

„This campsite sucks“, schimpft die Dänin und zeigt über den Platz. Außer nacktem Asphalt ist hier nichts zu sehen, es gibt sicher Campingplätze mit schöneren Aussichten. Etwa der wenige hundert Meter entfernt direkt am Neckar im Grünen. Aber dort gab es offenbar keinen Platz mehr. Es wird aber nicht nur gemeckert, das deutsche Bier schmeckt den Dänen: „We like german beer – and Döner Kebap“, sagt Peter, der auf einer der Bierbänke Platz genommen hat. Nicht weit entfernt von hier hätten sie einen guten Döner-Imbiss gefunden.

Ein Hobby, das wie eine Droge wirkt

Alle Partien der dänischen Nationalmannschaft verfolgt die Gruppe in den Stadien – „wir nehmen auch das Finale mit, wenn es möglich ist“, sagt Jeannette mit nicht ganz ernst gemeintem Unterton. Zwei Wochen Urlaub haben sie beantragt, aber wenn es die Dänen bis in die K.-o.-Phase schaffen sollten, dann wird verlängert. Seit mehr als 20 Jahren reist Jeannette dem dänischen Nationalteam hinterher – ob Nations League oder wie jetzt bei der EM.

Dem Rausch durch eine Droge komme dieses Hobby nahe – und es sei ziemlich teuer. „Aber ich habe in Dänemark kein Auto, ich rauche nicht, ich reise lieber“, sagt sie. Am liebsten erinnert sich Jeannette an den EM-Sieg der Dänen im Jahr 1992. „Das war magisch“, sagt sie. Ein erneuter Triumph deutet sich bisher aber nicht an, das erste Gruppenspiel endete 1:1 gegen Slowenien. „Can we have Musiala, please?“, fragt Jeannette lachend.

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