Zur Fußball-Europameisterschaft, die an diesem Freitag startet, werden allein in den Stadien rund 2,7 Millionen Gäste aus aller Welt erwartet und viele weitere Millionen auf den Fanmeilen der Städte. Rund um und während des vierwöchigen Turniers wird der Reiseverkehr gewaltig zunehmen, und der umweltschonende Schienenverkehr soll dabei im Mittelpunkt stehen. Das Bundesverkehrsministerium hat nun ein „Nationales Mobilitätskonzept“ vorgestellt, das für möglichst reibungslose An- und Abreisen sorgen soll.
„Alle Verkehrsträger bereiten sich akribisch und im guten Zusammenspiel für den starken Zustrom auf die gastgebenden Städte und ihre Stadien vor“, betont Staatssekretär Oliver Luksic. Während der gesamten EM werde man die Kapazitäten auf Schiene, Straße und in der Luft deutlich erweitern, damit alle Fans sicher und zuverlässig ans Ziel kommen. Es werde mehr Züge und Sonderflüge geben und weniger Baustellen auf den Bundesstraßen.
Die Bahn soll Verkehrsträger Nummer eins sein
Die bundeseigene Deutsche Bahn AG soll dabei „Verkehrsträger Nummer eins“ sein, so Luksic. Allerdings könnte der Ansturm für noch mehr Betriebsprobleme und massive Verspätungen sorgen als ohnehin schon, fürchten Kritiker. Bisher hat die Bahn bereits mehr als 100 000 Fantickets verkauft, außerdem rund 25 000 Fanbahncards und mehr als 4 000 Interrail-Pässe. Wer Eintrittskarten für die Europameisterschaft besitzt, kann bereits seit Januar ermäßigte Bahntickets für die Hin- und Rückreise innerhalb Deutschlands erwerben, die 29 € (2. Klasse) und 39 € (1. Klasse) kosten.
Die Bahn will zur EM täglich 14 Sonderzüge einsetzen und den Fahrplan ausweiten. Pro Tag sollen fast 10 000 zusätzliche Sitzplätze in den ICE und Intercity-Zügen angeboten werden. Allerdings bleibt weiterhin offen, ob alle Züge fahren. Die Bahngewerkschaft EVG und Bahn-Betriebsräte haben weiterhin Bedenken, dass die bereitgestellten Sicherheitskräfte in Zügen und an Bahnhöfen nicht ausreichen. Hinter den Kulissen gibt es weiterhin strittige Debatten, ob und wann Züge gestoppt werden, falls sich mitfahrende Fans nicht benehmen und die Situation auszuarten droht.
900 zusätzliche Sicherheitskräfte – zu wenige laut EVG
Führende Arbeitnehmervertreter hatten nach einem Krisentreffen von Konzernchef Richard Lutz „durchdachte Konzepte“ gefordert. Die Sicherheitsmaßnahmen für die Beschäftigten in Zügen, Bussen und an Bahnhöfen müssten nachhaltig verbessert werden, nicht nur zur EM-Zeit. „Gewalt und Übergriffe gegen Mitarbeiter nehmen zu“, betonte EVG-Vize Kristian Loroch nach dem Treffen. Nötig seien viel mehr Sicherheitskräfte, in Zügen und an Bahnhöfen müsse „die dauerhafte Doppelbesetzung zum Standard werden“. Bahn-Chef Lutz habe für die EM-Zeit nur 900 zusätzliche Sicherheitskräfte zugesagt.
Das Verkehrsministerium erklärt, es werde einen ständigen Informationsaustausch zum Thema Sicherheit geben. Die Stabsstelle Krisen und Sicherheit werde während des Turniers rund um die Uhr besetzt sein und sich permanent mit dem Innenministerium und dem eigens eingerichteten International Police Cooperation Center (IPCC) austauschen, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Spiele zu garantieren.
Auch der Autoverkehr soll während der EM fließen können. Die Autobahn GmbH des Bundes reduziere Baustellen und optimiere die Verkehrsführung im Umkreis von 50 Kilometern zu den EM-Städten, so das Ministerium. Das Störfallmanagement soll verbessert, der Verkehr falls nötig rasch über Alternativrouten umgeleitet werden. Vor Turnierbeginn würden zudem Fahrbahnmarkierungen und Beschilderungen erneuert sowie Wartungen und Instandsetzungen von Straßenanlagen erledigt.
609 Sonderflüge in der Gruppenphase
Am Himmel wird der Verkehr auch wachsen. Für die Gruppenphase sind von der Flughafenkoordination Deutschland Slots für 609 Sonderflüge für Fans, Teams und Verbände koordiniert worden, so das Ministerium. Weitere werden bis zum Endspiel am 14. Juli folgen. In jeder der drei für die Spiele festgelegten Regionen soll mindestens ein Flughafen rund um die Uhr in Betrieb sein. Eine generelle Aufhebung von Nachtflugverboten sei aber nicht vorgesehen, wird betont. Über die Ausnahmen werde von den Landesluftfahrtbehörden entschieden.