Fußball-EM 2024 Busfahrer Manfred – auch in Stuttgart ganz vorne beim Fanmarsch

Daumen hoch von Busfahrer Manfred für den Fanmarsch durch Stuttgart. Foto: STZN/Florian Dürr

Der 62-jährige Manfred ist auch beim Fanmarsch der Deutschen in Stuttgart mit seinem Doppeldecker vorausgefahren. Den DFB-Nationalteams folgt er quer durch Europa. Wegen der Höchstgeschwindigkeit seines Oldtimers auch mal mit viertägiger Anreise.

Manfred nimmt die Spitzenposition ein, als sich am Mittwoch der Fanmarsch der deutschen Anhänger durch Stuttgart in Gang setzt. Nicht als Anschreier mit Megafon, nein, als Busfahrer mit seinem Doppeldecker. Dem 62-Jährigen gehört der Oldtimer, Baujahr 1960, in den Farben Schwarz-Rot-Gold gehalten und mit Bildern von mehreren deutschen Nationalspielern und -spielerinnen versehen.

 

Seit 2006 fährt Manfred bei Fanmärschen des DFB-Fanclubs voran. So wie am Mittwoch, als er in vorderster Reihe vor tausenden Fans den Deutschland-Doppeldecker vom Stadtgarten bis an die Stuttgarter Arena lenkt – zum EM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn (2:0).

Der DFB hat Manfred vor der Heim-WM 2006 kontaktiert

Viel Zeit bleibt dem 62-Jährigen nicht, um sich in der Landeshauptstadt umzuschauen, am Donnerstagmorgen geht es bereits weiter nach Frankfurt. Dort trifft die deutsche Mannschaft im letzten Gruppenspiel an diesem Sonntag auf die Schweiz (21 Uhr). Einen Moment nimmt er sich aber Zeit – und berichtet von seinen Erinnerungen an Reisen quer durch Europa. Seit dem Sommermärchen bei der Heim-WM im eigenen Land folgt er den DFB-Nationalteams – Herren und Damen – zu jedem Länderspiel.

Der DFB habe ihn damals vor dem WM-Start kontaktiert. Manfred aus dem bayerischen Pfaffenhofen an der Ilm war bekannt mit seiner Agentur, die Oldtimer vermietet. „Sie wollten einen Eyecatcher für den Fanclub“, sagt der 62-Jährige. Und was bietet sich da besser an als ein englischer Doppeldecker mit offenem Dach? Fahrzeuge dieser Art dienen schließlich auch Meisterteams immer wieder für eine Fahrt durch ihre Stadt. So richtig fußballverrückt war Manfred eigentlich nicht, aber heute sagt er: „Ich bin da so reingewachsen.“

Vier Tage unterwegs bis zur Frauen-EM 2022 nach London

Die Liebe zu den Oldtimern aber trägt der Mann mit Bart, Hut und mehreren dicken Silberringen um den Fingern schon lange in sich: Neun englische Doppeldecker-Busse besitzt er, insgesamt zählt sein Fuhrpark 21 Fahrzeuge, „alles Oldtimer“, sagt Manfred. Seit 30 Jahren vermietet er die historischen Hingucker.

Der Deutschland-Doppeldecker verbringt aber wohl die meiste Zeit auf den Straßen Europas. Mit dem 150-PS-Bus hat Manfred mehrere europäische Metropolen besucht: London, Paris, Amsterdam, Mailand, Wien. An die Reise in die englische Hauptstadt für die Frauen-Europameisterschaft 2022 kann sich der 62-Jährige besonders gut erinnern: Vier Tage war er damals unterwegs. Eine schnellere Anreise ist allein technisch kaum möglich: Auf eine Höchstgeschwindigkeit von 65 bis 67 km/h bringt es der Doppeldecker.

Fanmarsch durch Stuttgart hat auch Nationalspieler beeindruckt

Gerade noch genug, um immerhin auf den Autobahnen fahren zu dürfen (mindestens 60 km/h). Etwa 350 Kilometer schaffe er am Tag, sagt Manfred. Eine der größten Herausforderungen ist sicher, dabei nicht einzuschlafen – oder wie es der 62-Jährige scherzhaft ausdrückt: „Ich kann unterwegs Blumen pflücken.“ Beim Fanmarsch am Mittwoch tuckerte er gar mit Schrittgeschwindigkeit durch Stuttgart. Zwei Stunden dauerte es bis die deutschen Fans am Stadion in Bad Cannstatt ankamen. Es war das Einstimmen auf das verflixte zweite Gruppenspiel gegen die Ungarn.

Der Fanmarsch hatte auch die deutschen Nationalspieler, selbst die erfahrensten, beeindruckt, wie Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Spiel berichtete. Mit Erfolg: Von der Euphorie getragen, stürmte die deutsche Mannschaft zu einem souveränen 2:0-Sieg – und wird nun von vielen Experten als Titelfavorit eingestuft.

Eine Deutschland-Tour wie nach dem WM-Gewinn 2014?

Sollte es tatsächlich mit dem EM-Triumph klappen, kann sich Manfred wohl auch wieder auf eine Deutschland-Tour mit seinem Doppeldecker einstellen. So haben sie es damals nach dem WM-Gewinn 2014 gemacht, berichtet er: Ein Jahr danach fuhr Manfred mit seinem Oldtimer in knapp 70 Orte in der Bundesrepublik, um den originalen WM-Pokal zu präsentieren. Die deutschen Fans hätten nichts dagegen, wenn Manfred bald mit seinem Doppeldecker in ihrer Stadt erscheint – dann mit EM-Pokal.

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