Fußball-EM 2024 in Stuttgart Ohne ihn kein Fanfest – Thomas Pollak, der Herr der EM für Stuttgart

Alles für Stuttgart: Thomas Pollak Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Thomas Pollak ist verantwortlich für die Fanfeste in der Stadt. Seit sechs Jahren laufen die Vorbereitungen, bald ist es so weit – endlich. „Es wird Zeit, dass es losgeht“, sagt Pollak. Er spricht vielen Fans aus der Seele.

Die Fußballliebe klebt an Thomas Pollaks Schuh. Er jongliert einmal, zweimal, kickt den Ball dann hoch in seine Hände. Fußballliebe, so heißt tatsächlich der offizielle Ball der EM 2024. Und man kommt ins Grübeln, ob es tatsächlich einen Berufszweig gibt, der bescheuerte Namen für Ikea-Möbel und Adidas-Bälle entwirft?

 

Dagegen ist doch der Titel Gesamtprojektleiter sehr nüchtern und klingt nach deutschem Organisationswesen. Gesamtprojektleiter der Euro 2024 für Stuttgart darf sich Thomas Pollak nennen, um im Jargon der Fußballliebe zu bleiben, er ist der Herr der EM im Schwäbischen. Ein kleines Containerdorf haben sie ihm und seiner Mannschaft auf den Wasen gebaut, gleich neben die Büros der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, bei der Pollak seit deren Gründung 2005 angestellt ist.

Als Blechschlosser begonnen

Pollak hat Blechschlosser gelernt bei Werner + Pfleiderer in Feuerbach, und er hat sich dieses solide schwäbische Handwerker-Tugend bewahrt, nur nicht zuviel Aufhebens um sich selbst zu machen und sich kurz und knapp auszudrücken. So fasst er seinen Auftrag prägnant zusammen: „Wir sorgen dafür, dass am 13. Juni alles zur rechten Zeit am rechten Ort ist.“ Am 13. Juni beginnt das Fanfest auf dem Schlossplatz mit einem Konzert. Von diesem Tag an beginnt die EM in Stuttgart und endet mit der Übertragung des Finales am Sonntag, 14. Juli. Wenn dann auf dem Schlossplatz, dem Karlsplatz, dem Schillerplatz und dem Marktplatz Fußball geschaut und gefeiert wird, dann sind das die Früchte von sechs Jahren Arbeit. Seit Deutschland 2018 den Zuschlag bekommen hat, „bereiten wir uns vor“. 2021 ging es „dann richtig los“. Die Stadt erteilte ihrer Tochter in.Stuttgart den Auftrag „sich um alles zu kümmern“.

Alles heißt das Konzept zu entwickeln, das Programm, es umzusetzen, Leinwände, Zäune, Bühnen zu besorgen, die Gastro auszuschreiben, mit der Euro GmbH und deren Chef Philipp Lahm zu verhandeln und sich auszutauschen, sich abzustimmen mit den Verantwortlichen für Verkehr und Sicherheit und dem Lenkungskreis mit OB, Finanz- und Ordnungsbürgermeister sowie dem VfB Stuttgart.

Sprecher aller Städte

Und als wäre das nicht genug, ist Pollak auch noch Sprecher aller zehn Gastgeberstädte. Da gilt es dann gemeinsame Probleme zu identifizieren und Lösungen zu suchen. Wie etwa die Verhandlungen mit der Gema zu führen und einen Rahmenvertrag zu verhandeln, damit die Rechte für die Musik bei den Fanfesten pauschal abgegolten ist. Oder zu klären, wer die Kosten für das Kombiticket trägt. In diesem Fall der Europäische Fußballverband Uefa als Veranstalter – und nicht die Städte. Wer weiß, dass die Sportverbände ihre Einnahmen so hartnäckig verteidigen wie die Nibelungen ihren Schatz, ahnt wie zäh solche Verhandlungen sind.

Lieber Bälle streichen als Gras fressen

Doch Pollak hat vor allem eines: „Viel Spaß.“ Sein Lebensweg zeigt denn auch, harte Arbeit hat er nicht gescheut. Als Blechschlosser hat er Backöfen für Bahlsen gebaut, dann Industriekaufmann gelernt und berufsbegleitend studiert. Dreimal die Woche nach der Arbeit, samstags waren Prüfungen. 1993 kam er zur Leichtathletik-WM zur Messegesellschaft, wurde Assistent von Messechef Klaus-Dieter Heldmann, arbeitete bei Easy-Ticket, war mit der Sanierung der Schleyerhalle und dem Umbau des Stadions in eine Fußballarena befasst. Damit war er angekommen, und nun ist er für eine EM verantwortlich. „Die erste Woche wird es ruckelig“, glaub er, „aber sein fester Vorsatz ist: „Alles genießen!“ Er ist sich sicher, dass ihm dies gelingen wird, denn „Fußball ist immer mein Thema gewesen.“ Schon als Bub hat er beim SGV Freiberg-Mönchfeld gekickt. Da ließ er allerdings lieber andere schuften. „Ich war ein Schönspieler“, sagt er und lacht, „grätschen kann ich nicht: Ich hatte immer das sauberste Trikot!“

Der Spielmacher

Eher Hansi Müller als Karl-Heinz-Förster. Der Spielmacher. Gar keine so schlechte Beschreibung seiner Tätigkeit. Da passt doch die Fußballliebe ganz gut dazu. Eine runde Sache.

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