VfB Stuttgart Stadion: große Wunschliste wurde abgespeckt

Blick auf die Haupttribüne mit den Presseplätzen (oben) Foto: Manfred Storck

Infos über den Umbau der Mercedes-Benz-Arena zur EM 2024 sind beim Stühlerücken im Aufsichtsrat verloren gegangen. Das hat für Ärger gesorgt.

Stuttgart - Auf Seite vier ihrer sechsseitigen Pressemittelung zum Haushaltsentwurf, versteckt zwischen Kitabetreuung und ÖPNV-Zuschüssen, haben OB Fritz Kuhn (Grüne) und Kämmerer Thomas Fuhrmann (CDU) 20 Millionen Euro für die „Weiterentwicklung der Mercedes-Benz-Arena“ aufgeführt. Erst auf Nachfrage rückte Fuhrmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadion Neckarpark GmbH & Co. KG, damit heraus, dass darunter die Modernisierung des Stadions anlässlich der EM 2024 zu verstehen sei.

 

Ergänzend teilte er mit, dass der Umbau nicht nur 20, sondern rund 65 Millionen Euro kosten dürfte und darin vom VfB Stuttgart im Umfang von 22,5 Millionen zu finanzierende „Wünsche und Anregungen“ enthalten seien. Damit ist eine Vergrößerung des Businessbereichs auf der Haupttribüne gemeint.

Die erste Neinstimme ist schon sicher

Das neue Aufsichtsratsmitglied Luigi Pantisano bemerkte in einer Mitteilung seines Linksbündnisses zum Haushaltsentwurf, er sei schon seit Juli im Amt, müsse aber von diesem Vorhaben aus der Zeitung erfahren. Das sei kein guter Umgang. Er könne deshalb dem Vorschlag nicht zustimmen. Neu im Aufsichtsrat ist auch CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Auch ihm sind die Pläne nicht bekannt.

Schuld daran ist wie häufig fehlende Kommunikation. Der Unionsvertreter im alten Aufsichtsrat, der unlängst ausgeschiedene Stadtrat Joachim Rudolf, hat zwar in der Sitzung am 28. Juni gefehlt und damit den „Bericht zum Sachstand Machbarkeitsstudie Ertüchtigung Mercedes-Benz-Arena für EM 2024“ verpasst. Aber auf der Tagesordnung stand das Thema. Er hätte seinen Chef also informieren können. Auch Pantisanos Ex-Fraktionskollege Christian Walter hatte zugehört. Er nahm offenbar das Stadiongeheimwissen mit in seine neue Puls-Fraktion. Geschäftsführer Martin Rau (für die Stadt) und Stefan Heim (für den VfB) hatten in der Sitzung vom Rundgang mit DFB-Delegierten berichtet, deren Umbauwünsche vor allem auf die Haupttribüne abzielten, die in wesentlichen Teilen aus dem Jahr 1974 stammt. So brauche man etwa mehr Schiedsrichterumkleiden – früher waren es drei Personen, heute sechs. Der VfB hat deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, wie die Arena ertüchtigt und der VIP-Bereich verschönert werden könnte. Bürgermeister Fuhrmann unterteilte die Kosten in Blöcke für allgemeine Instandhaltungen, für Vorgaben der UEFA sowie für die Wünsche des VfB. Diese gelte es, in ein „angemessenes Verhältnis zu setzen“. Der Abstieg des Vereins sei „nicht ganz die optimale Voraussetzung, finanzielle Wünsche anzumelden“, stellte Fuhrmann klar. Es sei deshalb „besonders wichtig, alle Details sauber darzustellen, um Argumentationsschwierigkeiten vorzubeugen“.

Modernisierung vor der OB-Wahl schwierig

Ex-Grünen-Stadtrat Benjamin Lauber betonte, der Abstieg des VfB werde die Mittelbeantragung ebenso wenig erleichtern wie die OB-Wahl 2020 und dass man es mit einem neu gewählten Gemeinderat zu tun bekomme. Der Frage nach den Kosten wich Geschäftsführer Heim aus – man bleibe in einem „wirtschaftlich sinnvollen Rahmen“. Mittlerweile soll aber die Modernisierung der Haupttribüne teurer werden als der Umbau in ein reines Fußballstadion. Aber je moderner das Stadion und je vorzeigbarer der Hospitality-Bereich, desto eher seien die Fußballverbände bereit, gleich mehrere Spiele nach Stuttgart zu vergeben, sagte Heim.

Das Konzept zu erarbeiten sei anspruchsvoll, da es bekanntlich keine Garantie für ein VfB-Erstligaszenario gebe, erklärte Rau. Heute weiß man, dass der VfB eine Million Euro mehr Pacht bezahlen müsste. Der Geschäftsführer verwies ehrfurchtsvoll auf Football-Stadien in den USA, die bis zu einer Milliarde kosteten. Das sei hier undenkbar, er habe deshalb eine „erste große Wunschliste“ deutlich „abspecken“ lassen. Die Maßnahmen seien sinnvoll und gut erklärbar, allerdings schwieriger darzustellen. Ziel sei nun ein positiver Ratsbeschluss. „Mögliche Kritik aus der Öffentlichkeit“, so der Appell von Martin Rau in der Sitzung, gelte es „gemeinsam auszuhalten“.

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