Fußball-Eredivisie in Holland Raul Paula aus Böblingen lebt seinen Traum vom Profi beim NAC Breda

Schon wieder voll drin in der Vorbereitung auf die neue Saison: Die angestammte Position des Böblingers Raul Paula (Bildmitte beim Schuss) ist das offensive Mittelfeld. Foto: Imago/DeFodi Images

Raul Paula aus Böblingen hat erreicht, wovon viele träumen – er ist Fußballprofi. Beim NAC Breda in der Eredivisie, der ersten Liga in Holland, ist er zuständig für Tore und Vorlagen.

An das Debüt für seinen neuen Verein kann sich Raul Paula noch gut erinnern. Elf Monate ist das jetzt her. Aufsteiger NAC Breda trifft am zweiten Spieltag 24/25 in der holländischen Eredivisie auf das große Ajax Amsterdam. Seit Mitte der zweiten Halbzeit darf auch der Böblinger auf dem Platz mitmischen. Kurz vor Schluss steht es unentschieden, dann gibt es Freistoß für sein Team. Er schnappt sich das Leder und zirkelt es genau auf den Kopf eines Mitspielers, der das Ding zum späten 2:1 einköpft. Das Stadion explodiert, denn es ist der erste Sieg seit mehr als zwei Jahrzehnten gegen diesen ruhmreichen Traditionsklub. „Ich bin nicht so der emotionale Typ, auch wenn dieser Moment natürlich sehr schön war“, erzählt der inzwischen 21-Jährige, ehe er ganz pragmatisch hinzufügt: „Aber meine Aufgabe sind nun mal Vorlagen und Tore.“

 

Die lieferte er zu Beginn seiner Laufbahn als Steppke für den GSV Maichingen und die SV Böblingen. In der U11 ging er zu den Stuttgarter Kickers, ehe er in der U14 dem Ruf des Nachbarn VfB Stuttgart folgte, wo er alle Jugenden durchlief. Zwei Jahre lang kickte er dort auch bei den Aktiven in der zweiten Mannschaft und stieg mit dieser in die 3. Liga auf. „Ich wollte aber voll in den Profibereich einsteigen“, erklärt er, warum er nach dieser Zeit bei den Roten aus Cannstatt einen Wechsel anstrebte.

Umso glücklicher war er, als das Angebot ins Haus flatterte, im niederländischen Oberhaus aufzulaufen. Von seinem hierzulande nicht ganz so bekannten Klub dort hatte er als Fan der internationalen Szene bereits gehört. „Ich bin jemand, der sich informiert, und habe mir deshalb gleich noch ein paar Highlight-Videos angeschaut“, berichtet Raul Paula. Was er sah, gefiel ihm ziemlich gut. Nach konstruktiven Gesprächen stand bald fest, dass er den Zwei-Jahres-Vertrag unterschreiben würde.

Raul Paula (in Weiß) hofft auf eine verletzungsfreie Saison und will sich noch steigern. Foto: Imago/DeFodi Images

Mit der Eingewöhnung in seinem neuen Zuhause hatte er weder sportlich und kulturell, noch menschlich und sprachlich Probleme. „Das lief alles sehr schnell“ nickt er. Holländisch und Deutsch seien gar nicht so unterschiedlich, „man versteht auf Anhieb einige Sachen, im Restaurant kann man beispielsweise die Speisekarte ganz leicht lesen.“. Und im Training wird sowieso Englisch gesprochen, wofür das Vokabular ausreichte, das er in der Schule gelernt hatte.

Obwohl es eine Umstellung war, nun allein zu wohnen, empfand er nie Heimweh. „Meine Eltern kommen mich regelmäßig besuchen, also ist das gar nicht so dramatisch“, begründet er. Die Spielweise bei NAC Breda sei zwar anders als beim VfB Stuttgart II und es gehe gefühlt um noch mehr, weil es Profis sind, „aber Fußball ist Fußball“, musste er das Rad für sich nicht neu erfinden.

So fällt das Fazit seiner ersten Saison insgesamt positiv aus. Die Truppe schaffte den Klassenerhalt mit ordentlichem Vorsprung und lief auf Rang 15 ins Ziel ein. „Davor gibt es aber noch 14 weitere Plätze“, weiß Raul Paula, dass es immer besser geht. „Auch von mir persönlich geht mehr. Da bin ich selbstkritisch“, betont er. Allerdings ist der offensive Mittelfeldmann stolz darauf, dass er sich durchsetzen konnte und auch auf ihm zunächst fremden Positionen das Vertrauen erhielt. „Wenn ich fit war, habe ich viel gespielt“, meint er zufrieden.

Was allerdings nicht immer der Fall war. Ein Ödem im Knie und eine Knochenprellung, setzten ihn relativ früh für sechs Wochen außer Gefecht, danach lief er lange mit Schmerzen auf. Zum Jahreswechsel hin war eine Meniskus-OP allerdings unumgänglich, die Reha führte er in München mit einem Athletiktrainer durch, mit dem er schon zuvor zusammengearbeitet hatte. Im Saisonendspurt konnte der Böblinger dann wieder mitmischen und dabei helfen, das Abstiegsgespenst endgültig zu verscheuchen.

Nun hofft er auf eine verletzungsfreie Saison in der Eredivisie, die am 8. August mit der Partie bei Feyenoord Rotterdam losgeht. Wieder so ein ruhmreicher Traditionsklub. Vielleicht ja wieder mit einem schönen Moment in Form einer Torvorlage von Raul Paula.

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