Fußball: Fair-Play Der Musberger Kapitän reagiert besonnen

Karl Nirschl sprang Michaela Adam (links) zur Seite und bekam dafür vom Bundesliga-Schiedsrichter Martin Petersen (rechts) die Fair-Play-Urkunde überreicht. Foto: Günter Bergmann

Der B-Jugend-Fußballer Karl Nirschl ist Fair-Play-Sieger des Monats Oktober. In einer aufgeheizten Atmosphäre beruhigte er die Gemüter.

Es sind für gewöhnlich die großen Fußball-Arenen Deutschlands und Europas, in denen Martin Petersen anzutreffen ist. Vor Wochenfrist war der Stuttgarter Bundesliga-Schiedsrichter jedoch zu Gast beim TSV Musberg. Der Anlass war ein freudiger: Er zeichnete Karl Nirschl, den Kapitän der B-Jugend des TSV Musberg aus, wurde dieser doch vom Württembergischen Fußballverband (WFV) als Fair-Play-Sieger des Monats ausgewählt.

 

Was war passiert? Im B-Junioren-Pokalspiel zwischen dem TSV Musberg und dem Gastgeber TSV Leinfelden kam es zu mehreren strittigen Entscheidungen, die insbesondere von außerhalb des Spielfeldes heftig kritisiert wurden. Es ging soweit, dass ein Zuschauer lautstark die Schiedsrichterin Michaela Adam attackierte. Zu viel des Guten für Nirschl. Er ging auf die Beteiligten zu, stellte sich zwischen besagten Zuschauer und die Schiedsrichterin. „Es war eine Grenze überschritten. Da war es mir wichtig, dazwischenzugehen und die Situation zu klären, damit es nicht ausartet“, sagte Nirschl. Sein Einschreiten rief auch den Leinfeldener Spielführer auf den Plan, der unterstützend zur Hilfe eilte und dazu beitrug, die Wogen zu glätten. „Du hast in einem emotionalen Moment einen kühlen Kopf bewahrt und dich vorbildlich verhalten“, lobte Bundesliga-Referee Petersen den Musberger Nachwuchskicker.

Ein großes Dankeschön für die Rückendeckung gab es auch von Schiedsrichterin Adam, die es sich nicht nehmen ließ, bei der Ehrung dabei zu sein. „Es war ein heißes Spiel. Bei Entscheidungen, die du nicht nachvollziehen konntest, hast du mich nicht angeschrien, sondern nachgefragt“, sagte sie zu dem 15-Jährigen. So ein Verhalten habe sie in dieser Altersklasse bisher selten erlebt.

Nirschl weiß selbst, dass Emotionen zum Fußball dazugehören und auch sein eigener Puls manchmal hochschlagen kann. „In intensiven Begegnungen neige ich ebenfalls zu impulsiveren Reaktionen“, gab der Nachwuchskicker zu, der beispielsweise in der anschließenden Ligapartie mit Gelb-Rot bestraft wurde. Die Situation im Pokalspiel habe er jedoch früh wahrgenommen und entschieden, einzugreifen. „In solchen Momenten stehen Schiedsrichter stark im Mittelpunkt und werden durch die Zuschauer zusätzlich unter Druck gesetzt“, sagt Nirschl. Aus seiner Sicht können Spieler in vergleichbaren Situationen unterstützend handeln, indem sie früh das Gespräch suchen und so weitere Störungen vermeiden. In der Partie belohnten sich der Kapitän und seine Mitspieler übrigens mit einem 3:0-Sieg.

Neben der Urkunde erhielt Nirschl vom WFV einen Rucksack, ein Fair-Play-Handtuch und eine Mütze. Zudem wurde er mit zwei Eintrittskarten für ein Profispiel im Verbandsgebiet belohnt. Wofür er die Tickets nutzen will? Na klar, für eine Partie des VfB Stuttgart, vorzugsweise das Heimspiel gegen den FC Bayern München am 6. Dezember.

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