Fußball-Graffitis in Stuttgart Der VfB muss Farbe bekennen

Commando-Cannstatt-Graffiti an der König-Karl-Straße. Foto: Peter Mielert

Man wüsste gerne, wie der VfB dazu steht, dass in Stuttgart immer mehr Fußball-Graffitis in seinen Farben auftauchen. Doch der Verein schweigt. Aus Sorge vor Liebesentzug der Ultras? Das wäre falsche Rücksichtnahme, kommentiert Jan Sellner.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Der VfB Stuttgart windet sich wie jemand, der fürchtet, er könnte abgestraft werden, wenn er einen Standpunkt vertritt. Warum nur? Warum distanziert sich der VfB nicht von Anhängern, die seine Farben großflächig in der Stadt versprühen. Der S-Bahn-Waggon, der am Wochenanfang zum Commando-Cannstatt-Zug umgespritzt wurde, ist nur ein Beispiel für den Boom der illegalen Fußball-Graffitis in der Stadt, wenn auch ein besonders auffälliges.

 

Warum stellt der Verein nicht klar: Wir wollen diese Form der Unterstützung nicht haben! Warum vermeidet er zu sagen: Beschränkt Euch auf Eure Choreografien in der Mercedes-Benz-Arena. Wir halten nichts von Graffiti-Aktionen außerhalb des Stadions! Schon gar nicht an S-Bahnen, weil wir Sachbeschädigungen nicht gutheißen können. Warum sucht der Verein nicht das Gespräch mit denjenigen, die in geheimer Kommandosache das Fußball-Revier markieren. Warum bemüht er sich nicht, auf die Sprayer einzuwirken?

Verein und Ultras sind eng miteinander verwoben

Ist es die Angst, die Ultras könnten sich von ihrem VfB abwenden? Das wäre eine falsche Rücksichtnahme. Auch ultrawichtige Fans müssen sich an Regeln halten, die da lauten: Im öffentlichen Raum kann nicht jeder machen, was er will und sich auf Kosten anderer Aufmerksamkeit verschaffen. Natürlich ist der VfB Stuttgart nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn seine Farben auf S-Bahnen versprüht werden. Es darf ihm aber auch nicht egal sein. Denn Verein und Ultras sind eng miteinander verwoben.

Der VfB kann sich deshalb auch nicht wegducken. Eine angemessene Haltung wäre zu sagen: Sprüht bitte weiter für den Club – aber nur vor Begeisterung und auf dafür freigegebenen Flächen! Die bisherige uneindeutige Haltung der Vereinsspitze ist nicht akzeptabel. Sie muss Klartext sprechen. Oder, um im Bild zu bleiben: Farbe bekennen!

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