Fußball-Historie: Serie Dieter Reichmann: Ein Sportlerleben für einen Verein

Bei der Einweihung des Max-Graser-Stadions im Jahr 1983  hat Dieter Reichmann für den SV Fellbach gegen die Mannschaft der Alt-Internationalen gekickt. Foto: Eva Herschmann
Bei der Einweihung des Max-Graser-Stadions im Jahr 1983 hat Dieter Reichmann für den SV Fellbach gegen die Mannschaft der Alt-Internationalen gekickt. Foto: Eva Herschmann

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir wollen in dieser Serie Akteure vorstellen, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Dieter Reichmann, 57, der von Jugend an beim SV Fellbach gespielt hat.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)

Fellbach - Ein Blick aus dem Augenwinkel genügt Rolf-Dieter Hess. Schon vom Eingang zum Sportzentrum Fellbach Südwest aus hat er erkannt, wer vor den Umkleidekabinen auf der Bank sitzt. „Legende“ kommt es wie aus der Pistole geschossen aus seinem Mund in Richtung Dieter Reichmann. Der 57-Jährige zählt bei den Fußballern des SV Fellbach zu den Ausnahmeerscheinungen. Schon deshalb, weil er sein gesamtes Fußballerleben lang das Trikot des SVF getragen hat. Obwohl Dieter Reichmann, der am 21. April seinen 58. Geburtstag feiert, womöglich, zu Höherem berufen gewesen wäre.

Hätte, wäre, wenn. Von Spekulationen will Dieter Reichmann nichts wissen. Es habe während seiner aktiven Zeit schon immer wieder mal Angebote gegeben, auch von höherklassigen Vereinen, welche, daran kann er sich nicht mehr erinnern, erzählt er. „Ich habe mir die nicht mal richtig angehört. Der Gedanke, aus Fellbach wegzugehen, kam mir einfach nie.“ Innerhalb der Liga zu wechseln, gar zum damaligen Konkurrenten und Nachbarn Spvgg Rommelshausen, wäre gar nicht gegangen, erklärt Dieter Reichmann augenzwinkernd. „Vielleicht hätte ich höher spielen können. Aber da ich es nicht probiert habe, kann ich nicht sagen, ob ich es geschafft hätte. Weiter oben muss man schließlich auf einiges verzichten.“ Über das, was hätte sein können, mache er sich keine Gedanken, sagt Dieter Reichmann. „Andere haben es probiert wie Dieter Stadler, der war unser Mittelstürmer in der ersten Mannschaft und ist 1983 in die Oberliga zum VfL Kirchheim gewechselt. Der kann sagen, er hat es geschafft.“

Dieter Reichmann war schon als E-Jugendlicher beim SVF

Für Dieter Reichmann war und ist das Max-Graser-Stadion an der Esslinger Straße das Epizentrum seines Fußballkosmos. Dass seine Treue zum Verein ein bisschen aus der Zeit gefallen ist, weiß er. „Heute haben Jugendliche oft schon zig Vereinswechsel hinter sich. Ich hab mit Jochen Pflüger seit der E-Jugend zusammengespielt. Ausnahme war die eine Saison, in der er bei der Spvgg Rommelshausen fremdgegangen ist.“ Dieter Reichmann hingegen schlug irgendwann im Jahr 1972 als E-Jugendlicher seinen ersten Pass für den SVF und seinen letzten rund 25 Jahre später für die Fellbacher Senioren – in einer Mannschaft mit Jochen Pflüger, Klaus Zinser, Klaus Meister, Thomas Lösch, Peter Hocker oder Florian Peifer. „Meine Mitspieler haben mir einen goldenen Schuh zum Abschied geschenkt.“ Zwischendurch hatte Dieter Reichmann nur ein paar Monate pausiert. „Das war in der Saison 1985/1986, in der wir aus der Landesliga abgestiegen sind. Aber als Roland Sandmeyer Trainer wurde, war ich wieder da und habe dann auch zum schlechten Ausgang der Runde beigetragen. Ich habe viele Großchancen nicht verwerten können.“

Während seines Engagements in der ersten Mannschaft des SVF spielte er bis zur Landesliga. „In der Saison 1983/1984 haben wir den Aufstieg in die Verbandsliga verspielt. Wir haben daheim gegen unseren direkten Konkurrenten Germania Bietigheim im siebtletzten Spiel der Runde 3:2 gewonnen. Aber danach dachten wir, das könnten wir diesmal schaffen, leider haben wir es in den letzten Partien aus den Händen gegeben.“ Dass der SV Fellbach überhaupt so weit vorne mitspielte, hatte das Team aber auch seinen Toren zu verdanken. „Wir hatten damals eine sehr gute Mannschaft mit Thomas Lösch, Jochen Pflüger, Robert Kellermann, Fromund Hoffmann, Reiner Alhaus oder Marc Schlotterbeck“, sagt Dieter Reichmann. Doch das Team aus Bietigheim stieg in die Verbandsliga auf.

Der 57-Jährige engagiert sich im Freundeskreis der Fußballer

Sportlich erfolgreiche Zeiten auf dem Rasen erlebte Dieter Reichmann auch als Jugendlicher und als Seniorenfußballer. Mit Fellbachs C-Jugendlichen spielte er gegen den Nachwuchs des VfB Stuttgart um den Bezirksmeistertitel, und der SVF gewann mit 4:3 – auch dank eines Treffers von Dieter Reichmann. Mit den B-Junioren stieg er in die Verbandsstaffel auf. Viele Jahre später, 1993 und 1994, wurde Dieter Reichmann mit der Ü-30-Vertretung des Vereins dann zweimal württembergischer Seniorenmeister. Dazwischen gab es neben vielen Ligaspielen auch besondere Partien, etwa im Jahr 1983. Zur Einweihung des Max-Graser-Stadions spielte der SV Fellbach gegen die Alt-Internationalen mit Uli Hoeneß, Wolfgang Overath und Günter Netzer. Die Promi-Fußballer gewannen mit 8:1, den Ehrentreffer für den SVF erzielte Dieter Reichmanns Sturmpartner Dieter Stadler.

Seit seinem Abschied vom aktiven Fußballsport engagiert sich Dieter Reichmann im Ehrenamt für den SV Fellbach. Von 1993 bis 1997 war er Spielleiter des ersten Verbunds, begleitete so auch den Trainer Heinz Hahn. Und seitdem sich im Oktober 1999 der Freundeskreis formiert hat, gehört er als stellvertretender Vorsitzender dazu – an der Seite des Vorsitzenden Siegfried Fleischmann und des Kassiers Joachim Heß. Und natürlich ist Dieter Reichmann bei Heimspielen des SVF dabei. Dass diese wegen der Coronakrise ausgesetzte Saison zu Ende gespielt werden kann, glaubt er nicht. „Wir stehen nicht auf einem Abstiegsplatz, sind also zurecht auch nächste Saison in der Verbandsliga.“ Er wird das, was da kommen mag, wie stets wieder als Zuschauer verfolgen.




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