Fußball-Historie: Serie Ein Mann mit Qualitäten und Kanten

Michael Kotz hat sich früher als Fußballer mit vollen Einsatz eingebracht, und ebenso engagiert ist der 59-Jährige in seinen Ehrenämtern. Foto: Eva Herschmann
Michael Kotz hat sich früher als Fußballer mit vollen Einsatz eingebracht, und ebenso engagiert ist der 59-Jährige in seinen Ehrenämtern. Foto: Eva Herschmann

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir stellen in dieser Serie Akteure vor, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Michael Kotz, 59, der in allen drei großen Fellbacher Sportvereinen Spuren hinterlassen hat.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Schmiden - Bevor Michael Kotz von seiner Vergangenheit als Fußballer erzählt, muss er erst nach den Vorräten schauen. Der Wirtschaftsführer der Fußballabteilung des TV Oeffingen will wissen, was er von den Getränken im Lager in der neuen Saison noch verkaufen kann. „Das Weizenbier ist abgelaufen. Und es sollte möglichst schnell viel Limonade getrunken werden, die läuft im August aus“, sagt der 59-Jährige. Als Michael Kotz Fußball gespielt hat, hat er aus anderen Gründen – ungeachtet von Verfallsdaten – dem Rundenstart entgegengeschaut. „Ich war halt mit vollem Einsatz auf dem Platz. Es war sicher nicht immer leicht mit mir.“

Als C-Jugendlicher wurde der Schmidener, der beim Turn- und Sportverein mit dem Fußball begann, in die württembergische Auswahl berufen, in der damals auch ein gewisser Günther Schäfer vom TSV Neustadt spielte. „Nach dem Training oder nach Spielen, als meine Kumpels und ich schon eine Zigarette geraucht und Bier getrunken haben, hat der Günther immer noch trainiert. Das Ergebnis ist bekannt: Er hat es zum VfB Stuttgart als Profi geschafft, ich zum TV Oeffingen“, sagt der Monteur für Ableseeinrichtungen.

Michael Kotz hat in Fellbach überall Fußball gespielt

Als sein älterer Bruder Jürgen Kotz Mitte der 70er-Jahre vom TSV Schmiden zum TVOe gewechselt war, sei noch ein Aufschrei durch die Reihen der Lokalpatrioten gegangen, erzählt Michael Kotz. „Das war damals ein mittleres Drama. Als ich dann 1982 den gleichen Weg gegangen bin, war das schon lange nicht mehr so schlimm.“ Und Michael Kotz ist in seiner Fußballerlaufbahn auch zwischen den Nachbarn hin- und hergependelt und später auch noch eine Weile bei der Ü-32-Mannschaft des SV Fellbach gelandet.

Eine wichtige Rolle im Leben des Schmideners spielte und spielt die Oeffinger Familie Bren. Mit Michael Bren, heute Leiter der Fußballabteilung, ist Michael Kotz schon lange befreundet. Dessen ältere Brüder, die mittlerweile verstorbenen Karlheinz Bren und Wolfgang Bren waren damals Abteilungsleiter und Spielleiter beim TVOe und wollten den ballbegabten Kumpel ihres kleinen Bruders vom Bezirksligisten TSV Schmiden auf den Tennwengert locken. „Als Wolfgang Bren das erste Mal anrief, das war im Jahr 1981, habe ich noch nein gesagt. Schließlich haben die Oeffinger seinerzeit in der Kreisliga B gespielt, und der TSV war in der Bezirksliga. Aber ich hab’ ihm gesagt, dass er, wenn er möchte, im nächsten Jahr gern noch mal anrufen kann. Das hat er auch tatsächlich getan“, sagt Michael Kotz, der nach einem Jahr in der ersten Mannschaft von Schmiden dann doch zum TV Oeffingen wechselte.

Dass die Oeffinger Fußballer von der Kreisliga B in die Kreisliga A aufgestiegen waren, habe die Entscheidung ebenso beeinflusst wie einige Personalien, erzählt er. „Mit mir kamen damals zu Beginn der Saison 1982/1983 Helmut Lober als Spielertrainer und Martin Schneider – und mit uns kam der Erfolg nach Oeffingen“, sagt Michael Kotz augenzwinkernd. Obwohl er erst 20 Jahre alt war, wurde der Schmidener zum Stammspieler im Mittelfeld und trug seinen Teil dazu bei, dass die Mannschaft 1984 schon wieder aufstieg. „Wir hatten eine Klassemannschaft mit Lober, Schneider, Klaus Meister, Michael Kurzenberger oder Stefan Lösch.“

Vor einem Spiel war er auch mal lange in einer Disco

Die Erfolgsgeschichte des TVOe ging in der Bezirksliga weiter. Nach nur einer Saison, in der die Mannschaft ungeschlagen blieb, feierte das Team 1985 den Aufstieg in die Landesliga. Michael Kotz wurde auch damals seinem Ruf als eigenwilliger Spieler gerecht. Vor einer Begegnung im Verbandspokal hatte er mit Freunden in einer Waiblinger Disco die Nacht durchgefeiert. „Helmut Lober, der überall seine Spione hatte, erfuhr davon und wollte mich erst nicht spielen lassen. Ich sei um 3 Uhr heimgekommen, hat er gesagt, und ich habe geantwortet: Trainer, das stimmt nicht, es war halb fünf.“

Als der TVOe unter Trainer Rainhard Kuzaj in der Saison 1990/1991 in die Bezirksliga abgestiegen war, kehrte Michael Kotz zum TSV Schmiden zurück, der mit seinem Trainer Rainer Weinle den Aufstieg in die Landesliga anstrebte. „Wir waren die Favoriten, aber wir haben es nicht gepackt, obwohl wir ein gutes Team hatten mit Frank Weinle, Stefan Lösch und mir.“ Der Rückkehrer verließ nach dem verpassten Aufstieg den TSV auch schon wieder und spielte fortan in der zweiten Mannschaft des TVOe. „Wir sind dreimal Reserve-Meister geworden“, sagt Michael Kotz. Nicht ganz so erfolgreich war sein Einsatz bei den Seniorenfußballern. „Die damals Verantwortlichen in der Oeffinger AH-Leitung haben Uwe Kraft und mich aus der Mannschaft verbannt, weil wir unbequem waren“, sagt er lachend.

Jetzt ist er Wirtschaftsführer der Oeffinger Fußballer

Für den ersten Verbund galt der Bann nicht. Uwe Kraft als Trainer und Michael Kotz als Spielleiter und rechte Hand kamen in der Saison 1995/1996 und stiegen mit dem Team in die Landesliga auf. Jochen Pflüger hatte Michael Kotz nebenbei als Akteur für die SVF-Senioren aktiviert. In der Liga kam der Schmidener nicht zum Einsatz, aber in einigen Freundschaftsspielen. Bei Heimspielen der ersten Mannschaft des SVF half er im Max-Graser-Stadion noch im Verkauf mit – bis der TVOe vor zwei Jahren einen Wirtschaftsführer suchte und in Michael Kotz fand.




Unsere Empfehlung für Sie