Fußball im Kreis Böblingen Ein bisschen Schnee und Kälte, und schon spielt kaum einer mehr – warum?

Verschneit und vereist: Die Verletzungsgefahr auf dem Kunstrasen an der S-Bahn-Haltestelle Goldberg wäre für SV Böblingen und VfL Sindelfingen einfach zu groß gewesen. Foto: SVB

Schnee und frostige Temperaturen – schon fallen etliche Fußballspiele im Kreis Böblingen aus. Das liegt nicht etwa an der Kälteempfindlichkeit der Kicker, sondern hat plausible Gründe.

Die eisigen Temperaturen und erste kleinere Schneefälle haben für einige Absagen bei Fußballspielen im Kreis Böblingen über diverse Klassen hinweg gesorgt. Bei diesen Witterungsbedingungen half es auch nicht, theoretisch auf einem modernen Kunstrasen kicken zu können.

 

Mit als erstes erwischte die Kälte in derLandesliga, Staffel II, das heiß erwartete Derby zwischen der SV Böblingen und dem VfL Sindelfingen. Nach einer offiziellen Platzbegehung fällte der Staffelleiter das Urteil, das Lokalduell aufgrund des Verletzungsrisikos vorerst abzublasen. Ganz nach dem Motto: Vorsicht ist besser als Nachsicht. „Du musst halt aufpassen, dass du nicht in die Situation kommst, anzufangen und dann zu merken, dass es eigentlich nicht geht. Sonst bleibst du auf den Kosten sitzen“, begrüßt SVB-Trainer Thomas Siegmund diese Entscheidung. Beispielsweise bei FC Esslingen gegen SF Schwäbisch Hall in der Verbandsliga war es tatsächlich der Fall, dass die Partie abgebrochen werden musste.„Es ist also im Interesse vieler, wenn rechtzeitig abgesagt wird“, so Siegmund.

SV Böblingen gegen VfL Sindelfingen ist eines der ersten Opfer

Auf das letzte Drittel des eigenen Kunstrasens an der S-Bahn-Haltestelle Goldberg fällt aufgrund der hohen Häuser daneben grundsätzlich wenig Sonne. „Da war es schon sehr eisig und schneebedeckt“, erklärt der Böblinger Coach. Der Vorteil sei, dass der VfL Sindelfingen als Nachbar ganz in der Nähe ist und man damit sicher einen günstigen Nachholtermin unter der Woche findet. „Bei Gegnern von weiter weg, die sich den halben Tag freinehmen müssten, wäre das schwieriger“, so Siegmund.

So ein Fall ist der SV Waldhausen, der beim TSV Ehningen hätte antreten sollen. Auch auf der Schalkwiese gab es eine offizielle Platzbegehung, auch dort wurde recht schnell entschieden, kein Risiko einzugehen. „Die Seite des Kunstrasens mit den Auswechselbänken war verschneit und vereist“, erklärt Trainer Johannes Pfeiffer. „Durch die Feuchtigkeit im Granulat und die Minustemperaturen war außerdem nicht klar, ob noch mehr zufriert. Da wäre die Gefahr, dass sich jemand verletzt, einfach zu groß.“

75 Prozent des Platzes seien durchaus frei gewesen. Das Problem war das restliche, schattige Viertel, an das kaum Sonne rankommt. Der Zeitaufwand, dieses eventuell mit warmem Wasser freizubekommen, wäre immens hoch gewesen. Genau das wäre aber nötig geworden, wie Co-Trainer Manuel Schaitel bemerkte, als er sich das Feld zum Zeitpunkt des eigentlich geplanten Anpfiffs noch einmal anschaute. Also auch hier alles richtig gemacht.

Das findet auch Pfeiffer, möchte aber nicht in der Haut des Staffelleiters stecken: „Eigentlich kann man bei der Entscheidung nur verlieren. So wie es jetzt ist, fragen die Leute, warum man nicht einfach spielt. Aber wenn man spielt und sich dann jemand verletzt, würde die Frage heißen, warum das nicht abgesagt wurde.“ Er findet es auf jeden Fall fair gegenüber den Waldhausenern, einen möglichen Ausfall schon einen Tag zuvor zu erörtern. „Die haben ja anderthalb Stunden Anfahrt. Da ist es gut, rechtzeitig zu wissen, dass sie die nicht antreten müssen.“

In der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen fiel am Samstag das Gäuderby SV Rohrau gegen SV Nufringen aus. „Wir haben am Donnerstag auf unserem Kunstrasen trainiert und den Schnee platt getreten“, erzählt SVR-Trainer Matthias Mang. Dieser sei gefroren, es hätten sich Eisklumpen gebildet – und geschmolzen war das Ganze auch bis Sonntagmittag nicht. „Ich war dann beim Spiel des TV Darmsheim gegen den TSV Dagersheim. Dort hieß es, man habe den Schnee am Freitag gebürstet“, berichtet Mang und schränkt zugleich ein: „Wenn wir das ebenfalls gemacht hätten, hätten wir auch das Granulat abgetragen. Zudem wäre die Verletzungsgefahr zu groß gewesen.“

Der Platzwart habe deswegen den Daumen gesenkt, auch der Staffelleiter sei vor Ort gewesen. „Wir hätten gerne gespielt“, versichert der Coach. „Ich glaube, den Nufringern kam die Absage mehr entgegen, weil bei ihnen unter anderem Timo Tropsch fehlt.“ Möglicherweise wird die Partie am 22. Februar nachgeholt, also eine Woche vor Beginn der regulären Rückrunde.

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