FCE-Abwehrspieler Felix Frenz setzt sich durch und trifft in der 5. Minute der Nachspielzeit zum 4:5-Anschluss , das Tor bringt den Esslingern aber nichts mehr ein. Foto: Michael Treutner
Fußball-Verbandsligist FC Esslingen braucht ein Wunder, der TSV Deizisau trauert Platz eins in der KLA hinterher – und der TV Nellingen spielt „zwischen Genie und Wahnsinn“.
Eine Fußballsaison ist selten ein gerader Lauf ins Ziel. Da gibt es Stolpersteine, plötzlichen Gegenwind – und manchmal rutscht einem kurz vor Schluss doch noch der sicher geglaubte Boden unter den Füßen weg.
FC Esslingen braucht nach 4:5-Niederlage ein Wunder
„Gespielt wird eine ganze Saison – und in der Endabrechnung zählt meistens nicht das letzte oder vorletzte Spiel“, sagt Thomas Schuler, Spielleiter des TSV RSK Esslingen, treffend dazu. Am eigenen Leib erleben das derzeit die Verbandsliga-Fußballer des FC Esslingen, die nach einer schwachen Hinrunde zwar alle Kräfte mobilisierten und durch eine Serie von sechs ungeschlagenen Spielen neue Hoffnung schöpften. Nach der 4:5-Niederlage im Kellerduell gegen den FSV Waiblingen brauchen die Esslinger aber ein kleines Wunder, um den Klassenverbleib noch zu schaffen.
Die Kicker des TSV Denkendorf IIbejubeln den Aufstieg in die Kreisliga A. Foto: Michael Treutner
Trotz allem Frust wurde aber auch gejubelt – und vor allem die Familie Köstle hatte Spaß an diesem Sonntag. Denn der TSV Denkendorf II machte durch den 2:1-Sieg beim TSV Köngen II in der Kreisliga B 2 den Meistertitel sowie den Aufstieg in die Kreisliga A klar. Darüber freute sich das Denkendorfer Brüder-Trainergespann Thorsten und Marc Köstle – ebenso wie Marcs Sohn Louis auf dem Rasen. Freude herrschte aber auch beim anderen Sohn Fynn Köstle, Keeper des Landesliga-Zweiten TSV Köngen, der mit seinem Team – dieses Mal von der Bank aus – den 2:1-Sieg beim TSV Bernhausen miterlebte.
Verbandsliga
Es wäre ohnehin eng geworden, nach der 4:5-Niederlage im Kellerduell gegen den FSV Waiblingen wird es für den FC Esslingen in Sachen Klassenverbleib nun aber noch enger. Was Trainer Dominik Eitel besonders frustrierte: Bereits zum vierten Mal in dieser Saison beendete der FCE ein Spiel in Unterzahl. Wobei „beendete“ in diesem Fall nicht ganz der richtige Begriff ist: Nach Ben Düdders Platzverweis bereits in der 5. Minute blieben inklusive Nachspielzeit rund 90 Minuten mit einem Mann weniger. „Da ist alles über den Haufen geworfen“, sagte Eitel. Mit Blick auf die mittlerweile 74 Gegentore – den zweitschlechtesten Wert der Liga – rechnete er zudem vor, dass die Bilanz ohne die Unterzahl-Spiele „ganz normal“ sei.
Landesliga
Der Elfte FV Neuhausen zog sich zuletzt durch zwei souveräne Siege aus dem Sumpf der unteren Tabellenhälfte heraus, kam nun nach der 1:2-Niederlage beim Tabellennachbarn SC Geislingen aber wieder ins Straucheln. Die Neuhausener haben zwar noch fünf Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsrang, müssen ihre Schwankungen aber in den Griff bekommen.
„Von Spiel zu Spiel zu denken, ist nach wie vor das Beste“, sagt Trainer Denis Egger vom FV Plochingen. Er weiß, dass es für den Drittletzten nach wie vor „knüppelhart“ wird, den Klassenverbleib zu schaffen – die Ausgangslage hat sich durch den 7:2-Sieg gegen Schlusslicht SC Geislingen II aber verbessert. Der Rückstand auf den schwächelnden TSV Berkheim auf dem Relegationsplatz beträgt nur noch einen Punkt. „Wir sind wieder dabei“, sagt Egger. Ihn freute vor allem, „dass wir mal wieder Tore geschossen haben“. Es ist noch alles offen – und es könnte sogar auf einen Showdown am letzten Spieltag am 6. Juni gegen den punkt- und torverhältnisgleichen TSV Jesingen hinauslaufen.
Dabei sprechen auch die Berkheimer noch ein Wörtchen mit, denn im Moment stehen Plochingen und Jesingen auf einem direkten Abstiegsplatz. Die Berkheimer hätten ihrerseits in der Heimpartie gegen den Zweiten 1. FC Heiningen gerne Punkte mitgenommen, am Ende unterlagen sie dem Favoriten aber deutlich mit 1:5.
Den Abstiegskampf spannend gehalten hat derweil der TSV Denkendorf, der beim Zwölften 1. FC Frickenhausen – zwei Punkte mehr als Berkheim – 1:1 spielte. „Es war ein gerechtes Remis. Frickenhausen hat besser begonnen und wir sind nach dem Gegentor erst aufgewacht. Wir haben zwar ein gutes Auswärtsspiel gemacht, hadern aber etwas mit unserer Chancenverwertung“, erzählt Denkendorfs spielender Co-Trainer Georgios Natsis und ergänzt: „Für uns war es dennoch ein wertvoller Punkt, weil wir unsere Platzierung festigten und den Gegner auf Abstand hielten. Ein Wermutstropfen war aber die Verletzung von Alessandro Nicastro, der sich voraussichtlich das Kreuzband gerissen hat.“
Mit den Geschehnissen ganz unten hat der Vierte TSV RSK Esslingen schon lange nichts mehr zu tun. Spielleiter Schuler richtet aber auch den Blick auf die Teams aus der Region. Schuler rechnet damit, dass Jesingen „aufgrund des einfacheren Restprogramms den Klassenverbleib schaffen wird, zumal die Plochinger noch bei uns ranmüssen“. Dennoch sagt er: „Man wünscht es dem FVP sowie Berkheim natürlich, dass sie drinbleiben.“ Die Esslinger selbst gewannen beim VfL Kirchheim mit 3:1 und freuten sich darüber, die Top-Fünf-Platzierung gesichert zu haben. „Wir kamen auf dem Kirchheimer Rasenplatz, der à la bonheur war, schwer ins Spiel, übernahmen nach einer Viertelstunde aber die Kontrolle. Nachdem die Kirchheimer aufgrund einer Notbremse die rote Karte erhielten und in Unterzahl spielten, schafften wir es in Hälfte zwei, unser Konterspiel noch einmal anzukurbeln, und siegten verdient“, erzählt Schuler.
Kreisliga A
Wie schnell sich die Tabellenlage ändern kann, zeigte sich auch am vergangenen, torreichen Kreisliga-A-Spieltag, an dem es 58 Treffer gab. Fünf davon fielen in der Begegnung des TSV Deizisau, der dem ASV Aichwald mit 1:4 unterlag, von Platz eins auf Rang zwei abrutschte – und nun dem neuen Spitzenreiter TV Unterboihingen hinterherlaufen muss. Die Unterboihinger bezwangen den Achten VfB Reichenbach mit 5:2 und führen die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung auf den TSV an. „Wir haben die Tabellenführung verloren, weil wir einfach zu viele Leichtsinnsfehler gemacht und die Aichwalder zum Toreschießen eingeladen haben. Spielerisch waren wir zwar überlegen, aber wir haben zu viele falsche Entscheidungen getroffen“, resümierte Deizisaus Spielleiter Thomas Stiehl und fügte mit einem leichten Murren hinzu: „Das Momentum liegt bei den Unterboihingern – und wir gratulieren ihnen zur Meisterschaft, die verdient wäre, weil sie in den wichtigen Spielen siegreich waren. Vom Gejagten wurden wir nun zum Jäger und müssen auf Ausrutscher hoffen.“
Auf Patzer der beiden vorderen Teams hofft indes auch der Dritte TSV Wernau, der den FV Neuhausen II mit 5:2 besiegte und mit 50 Punkten – zwei weniger als Deizisau – ebenfalls noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitreden möchte. In der Verlosung um die vorderen Ränge ist auch noch die TSG Esslingen (Rang vier) mit 49 Zählern, die beim TSV Notzingen mit 5:1 gewann.
Platz fünf belegt der TV Nellingen, der zwar nach oben keine Chance mehr hat, nach dem deutlichen 8:1-Erfolg gegen den Vorletzten SG Eintracht Sirnau aber wichtige Erkenntnisse mitnahm. „Es zeichnet sich leider über die ganze Saison ab, dass wir zwischen Genie und Wahnsinn spielen. Wir haben die Sirnauer, die eigentlich gut mitgehalten haben, komplett überrollt und waren gut drauf. Es ist aber schade, dass wir das so nicht die ganze Saison auf den Platz bekommen haben“, sagt TVN-Spieler Felix Gentner und ergänzt: „Dennoch nehmen wir ein gutes Gefühl für das kommende Spiel am Donnerstag um 19 Uhr beim VfBR mit. Das Hinspiel war spannend und endete 2:2. Auch wenn die Reichenbacher etwas eingebrochen sind, wird es ein schweres Spiel werden.“ Die Sirnauer haben indes weiterhin fünf Punkte Rückstand auf Abstiegsrelegationsplatz 14, den der FVN II belegt, und brauchen im Saisonendspurt ein Wunder.
Lockere Stimmung herrschte derweil beim TB Ruit, der gegen Schlusslicht FV Plochingen II einen 10:2-Kantersieg feierte. „Es war ein mehr als ungefährdeter Heimsieg, der uns einen Schritt in Richtung Klassenverbleib gebracht hat. Mich wurmen nur die zwei Gegentore, aber das ist Meckern auf hohem Niveau“, sagt TBR-Kapitän Dirk Schimmele.
Kreisliga B
Während der TSV Denkendorf II in der Staffel 2 bereits souverän den Meistertitel in der Tasche hat, ist auch der Spitzenreiter der B 1, der TSVW Esslingen, auf dem besten Weg in die Kreisliga A. Der TSVW gewann gegen den SC Altbach II mit 4:1, hat acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten TSV Baltmannsweiler und kann am kommenden Spieltag den Aufstieg klarmachen.
Die Baltmannsweilerer siegten indes mit 10:1 bei der SGM Mettingen/Westcity United Esslingen FC, kämpfen aber noch mit dem zwei Punkte dahinter liegenden GFV Odyssia Esslingen um Relegationsplatz zwei. Odyssia hielt mit einem 2:1-Sieg beim TSV Berkheim II Anschluss.