Fußball in Fellbach Vom Team- zum Individualsport

Der Trainer Mark Röger bleibt hinter der Bande, wenn sein Sohn Lukas und dessen Teamgefährte Manuel Amuso üben. Foto: Eva Herschmann
Der Trainer Mark Röger bleibt hinter der Bande, wenn sein Sohn Lukas und dessen Teamgefährte Manuel Amuso üben. Foto: Eva Herschmann

Der Fußball-Nachwuchs des SV Fellbach darf im Sportzentrum Südwest mit Erlaubnis der Stadt in Zweiergruppen trainieren. Auch der TV Oeffingen will die Jugend spielen lassen.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach - Mark Röger, Trainer der E-Jugendfußballer des SV Fellbach, will seinem Sohn Lukas und dessen Teamgefährten Manuel Amuso eine neue Übung auf dem Platz zeigen. Er beordert zunächst seinen Sprössling vom Spielfeld. Denn es gibt eine Vorgabe der Stadt für das coronakonforme Ballspielen im Sportzentrum Südwest in Fellbach. Erlaubt ist, dass die Fußballer des SV Fellbach ein Individualtraining gestalten, bei dem sich maximal zwei Menschen gleichzeitig und mit nötigem Abstand auf einer Spielfeldhälfte aufhalten dürfen.

Drinnen ist nach wie vor Sport untersagt

Damit die Kugel bei den Jugendlichen überhaupt rollen kann, wird der Mannschaftssport Fußball in der Pandemie kurzerhand zum Individualsport umfunktioniert. Drinnen ist nach wie vor jeglicher Sport – mit Ausnahme des Spitzen- und des Reha-Sports – untersagt. Draußen erlaubt auch die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg für Sport und Bewegung im öffentlichen Raum, die seit dem 14. Februar in Kraft ist, „Sport auf weitläufigen öffentlichen oder privaten Sportanlagen entweder alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts“. Diese Möglichkeit hat Jörg Winternitz, der Jugendleiter der Fußballer des SVF, erkannt und bei der Stadt eine Genehmigung für individuelles Training beantragt. „Für uns geht es im Lockdown darum, die Kinder bei der Stange zu halten“, sagt der SVF-Jugendleiter.

Der Einsatz der ehrenamtlichen Betreuer beim SV Fellbach für ein bisschen Trainingsnormalität in außergewöhnlichen Zeiten ist hoch. „Solche Einheiten gehen aber eh nur mit einem kleinen Kader. Wenn man 22 Spieler hat, ist das kaum leistbar“, sagt Mark Röger, der zwölf Jungs in der E-Jugend und ein engagiertes Team hat. Er und sein Trainerkollege Alexander Hummel bieten donnerstags und samstags jeweils zwei 45-Minuten-Blöcke an. „Das gibt zusammen acht Trainingseinheiten, und so macht jeder unserer zwölf Spieler immerhin eineinhalb Einheiten in der Woche“, sagt Mark Röger.

Die Nachwuchsfußballer sind froh über das Angebot

Die Nachwuchsfußballer sind jedenfalls froh über das Angebot, weiß der Trainer. „Sie würden natürlich am liebsten richtig kicken, aber so ist es besser als gar nichts, sagen sie.“ Zumal beim Üben in den Kleingruppen ein gutes Niveau erreicht wird. „Man muss viel mehr vorbereiten, vor allem mehr technische Übungen, das bedeutet auch einen erhöhten Aufwand für Trainingsplanung“, sagt Mark Röger, der selbst bei verschiedenen Vereinen gespielt hat und seit Anfang des vergangenen Jahres Fellbacher Jung-Fußballer betreut.

Die Mehrarbeit nimmt der 52-Jährige gern in Kauf, denn er ist froh, dass er das Training überhaupt anbieten darf. „Die Kinder brauchen dringend die Bewegung. Wir Trainer sehen nämlich einen großen Unterschied zwischen denen, die während der Winterpause was gemacht haben, und denen, die nichts getan haben“, sagt der Berufsschullehrer an der Kaufmännischen Schule in Waiblingen. Der Vereinssport sei außerdem in dieser Form viel ungefährlicher, was das Infektionsrisiko anbetrifft, als beispielsweise Schulsport in einer Turnhalle, erklärt Mark Röger. „Auf dem Fußballplatz fühle ich mich trotz Corona wohl. Bei Präsenzunterricht im Klassenzimmer ist das anders.“

Die E-Jugend von Mark Röger und Alexander Hummel war mit der F-Jugend die erste, die das individuelle Training aufnahm. Jetzt sind von den Bambini bis zur C-Jugend alle dabei, auch die Mädchen der Spielgemeinschaft Fellbach/Rommelshausen. Beim TSV Schmiden ruht derweil der Spielbetrieb nicht nur in allen Hallen, im Activity, Sportforum und auch auf den Fußballplätzen. „Es ist ziemlich viel Aufwand und wenig effektiv. Wir wollen nicht jedes Schlupfloch der Corona-Verordnung nutzen“, sagt Felix Hug, der Bereichsleiter für Sportforum und Jugendsport.

Der Oeffinger Tennwengert liegt verwaist da

Der Oeffinger Tennwengert mit dem Sami-Khedira-Stadion und dem Kunstrasenplatz liegt verwaist da. Das könnte sich aber schon bald ändern. Gabriel Bieg, der Geschäftsführer des TVOe, will demnächst bei der Verwaltung wegen des individuellen Balltrainings für den Nachwuchs vorfühlen. Zuletzt war der Verein bei der Stadt auf Granit gestoßen, als er mit Hinweis auf einen erfolgreichen Eilantrag einer Studio-Betreiberin in Holzminden gegen die Schließungsverfügung sein OeFit-Fitness- und Gesundheitscenter öffnen wollte. „Grundsätzlich ist das Urteil vom Verwaltungsgericht Hannover bis jetzt nur in Niedersachsen und nicht in Baden-Württemberg anwendbar“, sagt die Pressesprecherin Sabine Laartz.

„Der Stadt sind die Hände gebunden, sie muss sich an die Vorgaben halten“, sagt Gabriel Bieg. Die Politik richte die Vereine zugrunde, sagt er und vermisst eine klare Linie. „In Hessen darf Tennis gespielt werden, drei Kilometer weiter, bei uns in Baden-Württemberg, ist es verboten.“

Mark Röger hat die Übung gezeigt und tritt hinter die Bande. Jetzt darf Junior Lukas wieder auf den Platz und spielen.




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