Die Saison in der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen ist beendet. Alle Teams haben sich in die verdiente Sommerpause verabschiedet. Ein Blick auf die großen und kleinen Geschichten der zurückliegenden Runde.
Der Titel-Dreikampf
Insgesamt sechs verschiedene Spitzenreiter hatte die Staffel 2 der Kreisliga A in dieser Saison. Doch schon ab dem 14. Spieltag wurde aus dem Meisterschaftsrennen ein Dreikampf, den sich der TSV Jahn Büsnau, der Bezirksliga-Absteiger SV Sillenbuch und der Aufsteiger SV Hoffeld lieferten. Zum Ende der Saison schien dem Bezirkspokalsieger Büsnau die Luft auszugehen. Nach den beiden Niederlagen in den Spitzenspielen gegen Sillenbuch (1:2) und Hoffeld (2:4) war die Meisterschaft schon fast futsch. Nur, weil die beiden selbst noch einmal strauchelten, bogen die drei Mannschaften zum spannenden Showdown am letzten Spieltag ein. Büsnau ging mit 62 Punkten auf Rang eins in den letzten Spieltag, gefolgt von den beiden punktgleichen Verfolgern. Dass der finale Dreikampf letztlich platzte und die Büsnauer kampflos Meister wurden, hatte einen tragischen Hintergrund (siehe „Die große Trauer“).
„Wir waren insgesamt die konstanteste Mannschaft, auch wenn wir aus den Spitzenspielen gegen Sillenbuch und Hoffeld nur zwei von möglichen zwölf Punkten geholt haben“, sagt der Spielertrainer Dominik Lenhardt.
Die Enttäuschung, den direkten Wiederaufstieg verpasst zu haben, hält sich bei den Sillenbuchern jedoch in Grenzen. „Natürlich wäre mehr drin gewesen. Aber dazu gehören eine konstantere Leistung und weniger Verletzungen. Die anderen beiden Mannschaften waren im Endspurt einfach besser“, sagte Abteilungsleiter Hans-Georg Spies.
Das Überraschungsteam
Sie hatte vor der Saison keiner auf dem Zettel und plötzlich hatte der Aufsteiger SV Hoffeld nach einem berauschenden 4:2-Sieg gegen den TSV Jahn Büsnau die Meisterschaft selbst in der Hand. Dass daraus am Ende doch nichts wurde und in der Relegation eine bittere 2:6-Niederlage gegen den SV Nufringen blieb, trübt nur wenig über die sensationelle Runde des überraschenden Vizemeisters hinweg. „Es hat nicht sollen sein“, sagt der Trainer Grigorios Dimoulatos über das verlorene Relegationsspiel, bei dem mehrere Leistungsträger wie Top-Torjäger Peter Güth, Ex-Bundesliga-Profi Marc Stein und Verteidiger Edward Azeta gefehlt hatten.
Als Schlüssel zum Erfolg hat Dimoulatos eine einfache Antwort: die Mannschaft. Nur weil die Spieler diszipliniert die Vorgaben des ambitionierten Trainers angenommen und umgesetzt haben, war ein solcher Erfolg möglich, sagt er. Hinzu kamen einzelne herausragende Spieler wie eben Angreifer Güth oder der Italiener Giovanni Calvano. Der ehemalige Jugendspieler der SSC Neapel spielte während seines Auslandssemesters einige Monate für den Degerlocher Stadtteilclub und zeigte seine enorme Qualität.
„Die Leistung, die wir erbracht haben, zu wiederholen wird die größte Herausforderung“, blickt Dimoulatos auf die kommende Saison. „Die anderen Mannschaften wissen jetzt Bescheid und werden uns nicht mehr unterschätzen“, sagt er weiter. Zumal mit Peter Güth der beste Stürmer den Club verlässt (siehe „Die wechselnden Torjäger“).
Der Abstiegskampf
Von Anfang an war der TSV Dagersheim II chancenlos. Woche für Woche holte sich der Aufsteiger eine Packung ab. In der Endtabelle stehen lediglich zwei Punkte und 26:141 Tore. Kein einziger Sieg gelang den Böblingern in den 28 Spielen. Bereits nach dem 23. Spieltag stand der Tabellenletzte als Absteiger fest.
Auch der TV 89 Zuffenhausen II war schnell abgeschlagen, hielt sportlich jedoch häufig gut mit. Der Abstieg als Vorletzter war für den Aufsteiger dennoch nicht zu verhindern. Als Dritter im Bunde muss den Gang in die niedrigste Stuttgarter Spielklasse der SV HNK Slaven Stuttgart antreten. Dem Abstieg ging ein beispielloser Absturz voraus (siehe nächster Punkt)
Ebenfalls überraschend bis zum Schluss hing der TSV Heumaden lange im Tabellenkeller fest. Die Mannschaft war nach dem respektablen siebten Platz in der vorherigen Saison sogar als einer der Meisterschaftskandidaten gehandelt worden. Viele Verletzungen brachten das Team jedoch früh in der Saison aus dem Tritt. Mit einem starken Schlussspurt und fünf Siegen in den letzten sieben Spielen rettete sich die Mannschaft von Trainer Adnan Shakir Mannan und Akim Linke noch in die Relegation. Dort behaupteten sich die Heumadener mit Siegen gegen den TSV Birkach und TSV Musberg II und spielen auch in der kommenden Saison in der Kreisliga A2.
Dort treffen sie wieder auf ihre diesjährigen Abstiegskonkurrenten FV Germania Degerloch, Spvgg Möhringen und Sportfreunde Stuttgart. Sie alle schafften mit teils starken Leistungen zum Saisonende den direkten Klassenerhalt. „Für uns lief die Saison wie erwartet. In der Rückrunde wurde es immer besser. In der kommenden Saison wollen wir schon von Anfang an defensiv besser stehen und offensiv gefährlicher sein“, sagt Möhringens Trainer Tobias Fuchs.
Der große Absturz
„Wir haben den Kader in der Breite deutlich verstärkt. Ich traue uns zu, dass wir bis zum Ende um den Meistertitel mitspielen können“, sagte der Vereinspräsident des SV HNK Slaven Stuttgart, Kristian Kera, noch vor der Saison. Und tatsächlich waren die Kroaten nach dem ersten Spieltag Tabellenführer. Zur Winterpause war das Team von Trainer Igor Kantar aber nur noch Neunter und das Team flog komplett auseinander. Elf Spieler verließen den Verein. Im Gegenzug kamen zehn neue Spieler – letztlich fiel der Umbruch während der Runde zu groß aus. „Wir haben es nicht geschafft, so viele Spieler zu integrieren“, sagt Kera. Es passte nichts mehr zusammen und das Team gewann kein einziges Spiel mehr in der Rückrunde. „Dann hat man es auch einfach nicht verdient, drin zu bleiben“, stellt Kera klar. In der Kreisliga B soll jetzt der Neustart gelingen. „Wir werden die ganzen Derbys vermissen. Wir haben in den zwei Jahren auch sehr viele freundschaftliche Kontakte geknüpft. Wir kommen aber wieder“, sagt er.
Die Trainerwechsel
Nur ein Coach musste während der laufenden Runde seinen Hut nehmen – und das freiwillig. Anfang Oktober trat Christopher Eisenhardt nach einem schwachen Saisonstart und der überraschenden 2:3-Heimniederlage gegen den TV 89 Zuffenhausen II beim FSV Waldebene Stuttgart-Ost zurück. Die Bilanz des ambitionierten Trainers nach sechs Spielen war ernüchternd: zwei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen. Eisenhardt heuerte danach beim Bezirksligisten SpVgg Cannstatt an, in der kommenden Saison wird er Coach bei dessen Ligakonkurrenten TSV Musberg. Sein Nachfolger beim FSV Waldebene Ost, Yavuz-Selim Demir, stabilisierte das Team und führte es nach einer zwischenzeitlichen Siegesserie auf Platz acht. Trotzdem geht es für ihn in der kommenden Saison nicht weiter. Mit Rocco Cesarano, zuvor sechs Jahre beim Bezirksligisten Sportvg Feuerbach, soll ein Neuanfang gelingen.
Ebenfalls nicht in die nächste Saison geht Fabio Criscuolo bei den Sportfreunden Stuttgart. Der städtische Mitarbeiter kehrt zum FSV Waiblingen zurück und übernimmt dort die zweite Mannschaft. „Die Wege waren für mich auf Dauer einfach zu weit“, sagte Criscuolo. Seine neue Aufgabe ist wieder näher an seinem Wohnort. Sein Nachfolger wird kein Unbekannter: Alexander „Sascha“ Malchow heuert bei den Sportfreunden an. Der ehemalige Kickers-Spieler war bis 2023 sieben Jahre lang Trainer des Ligakonkurrenten und Platznachbarn FV Germania Degerloch.
Beim KV Plieningen möchte David Gzim eine Fußballpause machen und stellte deshalb seinen Posten als Cheftrainer zur Verfügung. Ersetzen wird ihn Nikolai Pozorski. Der 30-Jährige trainierte zuletzt den PSV Stuttgart. Zuvor betreute er die zweite Mannschaft der Frauen des VfB Stuttgart.
Jetmir Fetai wird indes in der kommenden Saison beim GFV Ermis Metanastis auf der Trainerbank sitzen. Fetai war mehrere Jahre Trainer der U 23 des Oberligisten FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Er folgt auf das bisherige Trainerduo Dimostenis Demos und Kiriakos Stoitsis.
Beim FV Germania Degerloch gibt es nur eine kleinere Änderung. Der bisherige Cheftrainer Christian Bernhagen zog sich beruflich bedingt schon während der laufenden Saison immer mehr zurück, weshalb sein bisheriger Co-Trainer Claudio Marques erst zum gleichberechtigten Trainer aufstieg und in der kommenden Saison nun alleinig das Ruder übernimmt. Bernhagen steigt hingegen aus.
Die wechselnden Torjäger
Das einfachste Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen, sind Tore. Und dass Cedric Hornung Tore schießen kann, das weiß wohl jeder, der sich auch nur oberflächlich mit der Kreisliga A 2 beschäftigt, nicht erst seit dieser Saison. Wie im vergangenen Jahr wurde der Angreifer des TSV Jahn Büsnau Torschützenkönig der Staffel. 31 Treffer steuerte er zur Meisterschaft bei. In der kommenden Saison läuft er jedoch nicht mehr im Büsnauer Dress auf. Statt Bezirksliga heißt es für ihn zurück in die Landesliga bei seinem ehemaligen Verein SV Böblingen.
Was aber wäre gewesen, wenn Peter Güth wegen seines Praktikums in München dem SV Hoffeld nicht ein paarmal gefehlt hätte? „Wenn er alle Spiele gespielt hätte, wäre er vermutlich Torschützenkönig geworden“, sagt dessen Trainer Dimoulatos. Der verdiente Lohn für den Youngster: Der 27-Tore-Mann wechselt zur kommenden Saison zum FV Neuhausen und damit ebenfalls in die Landesliga. „Peter hat in den letzten drei Saisons abgeliefert, er hat es sich verdient, sein Können auf einem höheren Level unter Beweis stellen zu dürfen“, sagt Dimoulatos.
Der Spielabbruch
Begonnen hatte das Gipfelduell zwischen dem GFV Ermis Metanastis Stuttgart und dem SV Sillenbuch schon kurios, ehe es ein unrühmliches Ende nahm. Angepfiffen wurde die Partie auf der Waldebene Ost mit 50 Minuten Verspätung. Der Grund: Während der Platzprüfung wurde dem Schiedsrichter seine Tasche mitsamt Sportausrüstung aus der Kabine geklaut. Los ging es dann trotzdem, da ein Ersatzspieler des GFV Ermis Metanastis Stuttgart zufälligerweise ebenfalls Schuhgröße 46 trägt und seine Treter leihweise zur Verfügung stellte.
Während der Partie kochten die Gemüter aufseiten der Gastgeber immer höher. Zunächst, als der Torschütze Christos Siaminos wegen einer Beleidigung offenbar des Schiedsrichters die rote Karte sah und die Mannschaften zur Beruhigung in ihre Hälften geschickt wurden. Dann, als eine Situation in der siebten Minute der Nachspielzeit das Fass aus Ermis-Sicht zum Überlaufen brachte. Dem damaligen Spitzenreiter gelang der vermeintliche 2:1-Siegtreffer, der wegen einer angeblichen Abseitsstellung jedoch nicht anerkannt wurde. Daraufhin bildete sich eine Spielertraube um den Schiedsrichter. Rafail Stavridis, Stürmer des GFV Ermis Metanastis Stuttgart, kam angerannt und rempelte den Unparteiischen an. Dieser setzte die Vorgabe des Verbandes um, die besagt: sobald ein Unparteiischer körperlich angegangen wird, wird abgebrochen.
Stavridis erhielt wegen „Unsportlichen Verhaltens und des Verschuldens eines Spielabbruchs“ eine Zehn-Spiele-Sperre, seine Mannschaft verlor das Spiel am grünen Tisch mit 0:3.
Das Nachspielzeit-Wirrwar
Das mit Spannung herbeigesehnte Spitzenspiel zwischen dem TSV Jahn Büsnau und dem Bezirksliga-Absteiger SV Sillenbuch versank im Chaos. Um die 65. Minute landete Jan Ole Sohn nach einem Foulspiel in der Luft so unglücklich, dass er sich das Sprunggelenk und Schienbein brach. In der Folge war die Partie rund 25 Minuten unterbrochen, bis der Krankenwagen den Mittelfeldspieler abtransportiert hatte. Das Spiel wurde daraufhin wieder angepfiffen und lief weitere 20 Minuten weiter. Nach den bereits gespielten 90 Minuten wollte der Schiedsrichter wegen der langen Verletzungsunterbrechung jedoch weitere 30 nachspielen lassen. Nach Diskussionen mit beiden Mannschaften brach der Schiedsrichter die Partie beim Stand von 1:1 in der Nachspielzeit ab. Nach Auffassung des Bezirkssportgerichts war dies jedoch nicht gerechtfertigt. Die Partie musste von Beginn an wiederholt werden. Die Begegnung eineinhalb Wochen danach gewann der SV Sillenbuch mit 2:1.
Die große Trauer
Es war der große Schock vor dem letzten Spieltag. Artur von Herder, Torhüter der Spvgg Möhringen, verstarb mit nur 21 Jahren aufgrund eines plötzlichen Herzstillstandes.
Auf seiner Instagram-Seite schreibt der Verein: „Artur war mehr als nur ein Teamkollege – er war ein Freund, auf den man sich immer verlassen konnte. Auf dem Platz hat er stets mit Leidenschaft, Teamgeist und Herz gespielt – und auch neben dem Spielfeld war er jemand, der mit seinem Lachen und seiner positiven Art viele von uns berührt hat. Sein plötzlicher Verlust hinterlässt eine große Lücke, die nur schwer zu füllen ist. Wir werden ihn sehr vermissen – als Teamkollege, als Freund, als Mensch.“Die Möhringer traten mit Verständnis aller betroffenen Mannschaften zum abschließenden Spieltag beim TSV Jahn Büsnau nicht mehr an und machten die Gastgeber dadurch automatisch zum Meister.
„Was die Situation noch mal gezeigt hat, dass wir einen enormen Zusammenhalt im Verein haben. Jeder hat ein Ohr für den anderen“, berichtet der Trainer Tobias Fuchs.