Fußball in Württemberg Warum in der Verbandsliga eine Rekordabsteigerzahl droht

In der württembergischen Fußball-Verbandsliga geht mehr denn je das Abstiegsgespenst um. Foto: imago/Zink

Vor dem Wiederbeginn am Wochenende müssen gut zwei Drittel der Staffel um den Klassenverbleib bangen. Einiges spricht dafür, dass der befürchtete „Wahnsinn“ Realität werden wird.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Die Kommentare der Beteiligten reichen von „brutal“ bis zu „völliger Wahnsinn“. Doch alles Klagen und Ächzen wird nichts helfen: Die württembergische Fußball-Verbandsliga steuert in diesem Spieljahr auf eine Rekordabsteigerzahl zu. Realistisch ist, dass es bis zu acht (!) Mannschaften erwischen wird, die Relegation noch nicht mit eingerechnet. Das wäre fast die halbe Staffel. Und das heißt: ab Tabellenplatz sechs beginnt vor dem Start in die zweite Saisonphase am kommenden Wochenende das Bangen um den Klassenverbleib. Aber warum ist das heuer eigentlich so, in dieser extremen Form? Und wie ermittelt sich die genaue Zahl?

 

Wer im Konstrukt den Überblick behalten will, muss ein Stück weit Rechenkünstler sein. Abhängig ist die Zahl der Absteiger davon, wie viele württembergischen Teams aus der übergeordneten Oberliga absteigen. In der Oberliga wiederum beeinflusst das Geschehen der Regionalliga, in der Regionalliga jenes der dritten Liga. Verkürzt gesagt bedeutet dies: Je schlechter es „oben“ für Starter der eigenen Region läuft, desto mehr wirkt sich dies auf die Ligen darunter aus. Theoretisch möglich ist ein Dominoeffekt von der dritten Liga bis hinunter in die Kreisliga A.

Und hiermit vom Allgemeinen zum Konkreten. Wäre bereits jetzt Schluss, ergäbe sich folgende Konstellation: Aus der dritten Liga im SSV Ulm 1846 (bereits fünf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer) ein Absteiger in die Regionalliga Südwest. Aus der Regionalliga Südwest damit vier Absteiger, darunter in der TSG Balingen und dem Schlusslicht Bahlinger SC zwei baden-württembergische Teams. Und in der Oberliga Baden-Württemberg damit vier oder fünf Absteiger (je nachdem, ob der Vizemeister sich in den Aufstiegsspielen zur Regionalliga behauptet oder nicht) – und unter diesen vier oder fünf Absteigern befänden sich Stand heute drei beziehungsweise vier Württemberger. Namentlich: SSV Reutlingen, FSV Hollenbach und FSV 08 Bietigheim-Bissingen sowie im zweiten Fall zudem der 1. FC Normannia Gmünd.

Die Verbandsliga bekäme also mächtig Zuwachs von „oben“. Das daraus resultierende Schreckensszenario: sechs beziehungsweise sieben Direktabsteiger in der eigenen Staffel. Auch der Stuttgarter Vertreter TSV Weilimdorf wäre als Tabellenzwölfter raus, während sich für den Bezirksrivalen Calcio Leinfelden-Echterdingen auf Rang acht derzeit nur noch ein Minivorsprung von einem Punkt zur K.-o.-Zone ergibt.

Klar, alles unter dem Zusatz „Stand jetzt, Stand heute“. Noch sind 15 Spieltage zu absolvieren, kann sich in den Tabellen viel verschieben. Doch Vorsicht: nicht nur zum Besseren, sondern auch zum noch Schlechteren. Die erwähnten sogar acht Absteiger drohen, wenn aus der dritten Liga neben Ulm auch der ebenfalls gefährdete 1. FC Saarbrücken in die Regionalliga Südwest absteigen sollte. Erneut Stichwort Dominoeffekt. Stichwort Kettenreaktion. Damit stünde in der Regionalliga auch der SC Freiburg II noch auf der Kippe, mit entsprechenden Auswirkungen auf tieferer Ebene.

Die Mindestzahl liegt in der Verbandsliga diese Saison bei vier Absteigern, welche allerdings nur greifen würde, wenn aus der Oberliga keine einzige württembergische Mannschaft absteigt. Zumindest dies ist in Anbetracht des momentanen Rankings sehr unwahrscheinlich. Deutlich mehr spricht dafür, dass der „Wahnsinn“ reale Formen annehmen wird. Wer unter den 17 Teilnehmern ohne Wenn und Aber auf der sicheren Seite sein will, obendrein ohne die Zusatzgefahr Relegation, muss wenigstens Achter werden. Brutal, aber wahr: ein nur einstelliger Abschlussplatz könnte am Ende zu wenig sein.

Die möglichen Fälle

Vier Absteiger
bei null württembergischen Absteigern aus der Oberliga (aufgrund des aktuellen Oberliga-Tabellenstands sehr unwahrscheinlich)

Fünf Absteiger
bei einem oder zwei württembergischen Absteigern aus der Oberliga

Sechs Absteiger
bei drei württembergischen Absteigern aus der Oberliga (einer der beiden Fälle, der nach den jetzigen Tabellenständen zutreffen würde)

Sieben Absteiger
bei vier württembergischen Absteigern aus der Oberliga (einer der beiden Fälle, der nach den jetzigen Tabellenständen zutreffen würde)

Acht Absteiger
bei fünf württembergischen Absteigern aus der Oberliga

Neun Absteiger
bei sechs württembergischen Absteigern aus der Oberliga (theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich)

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