Fußball-Karriere Zwischen Alaba und Kreisliga
15 Jahre lang bestimmte der Fußball das Leben des Österreichers Markus Obernosterer. Der Ex-Profi beendete seine Laufbahn bei Calcio Leinfelden-Echterdingen. Was macht er nun?
15 Jahre lang bestimmte der Fußball das Leben des Österreichers Markus Obernosterer. Der Ex-Profi beendete seine Laufbahn bei Calcio Leinfelden-Echterdingen. Was macht er nun?
Wie geht es weiter, wenn sich das Profi-Dasein dem Ende neigt? Diese Frage dürften sich viele Fußballer stellen, die sich nicht auf ihren Millionen ausruhen können. Auch für Markus Obernosterer, ehemaliger Spieler der Stuttgarter Kickers und zuletzt bei Calcio Leinfelden-Echterdingen unter Vertrag, bricht mit nunmehr 35 Jahren „der Ernst des Lebens“ an. Seit vergangenem Jahr macht er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. „Ich war schon immer gut mit Zahlen“, verrät der gebürtige Österreicher. Mit dem Fußball, lange Zeit sein wichtigster Lebensinhalt, will er erst einmal nichts mehr zu tun haben. Die Liebe zu den Themen Fitness und Gesundheit ist aber geblieben. „Das ist meine Passion und da versuche ich, mir nebenher etwas aufzubauen“, sagt er.
Jetzt aber erst einmal ein „konservativer“ Job, wie Obernosterer seine kaufmännische Ausbildung bezeichnet – und das nach 15 Jahren voller Auf und Abs als Profifußballer. „Jeder, der die Chance hat, in seinen 20ern professionell zu spielen, sollte es tun“, rät er, „es war eine geile Zeit“. Geboren in Innsbruck ging sein Stern unverhofft beim Regionalligisten WSG Wattens auf. Anfangs hatte ihn dort noch ein Einriss des hinteren Kreuzbandes für acht Monate aus der Bahn geworfen, sogar von Karriereende war die Rede. Doch der Mittelfeldspieler bewies Nehmerqualitäten und meldete sich eindrucksvoll zurück: Rund 50 Scorerpunkte in eineinhalb Jahren brachte er aufs Papier – die Eintrittskarte in den deutschen Profifußball. „Das war der Karriereöffner“, ist er sich sicher. Es folgte der Wechsel zum damaligen Drittligisten VfB II, später landete er über den SV Elversberg und den 1. FC Saarbrücken bei den Stuttgarter Kickers – erst Ober-, dann Regionalliga. „Das ist Fußball: Es geht schnell nach unten, kann aber auch sofort wieder bergauf gehen“, resümiert er.
Auch in Österreichs Jugendnationalmannschaften machte Obernosterer Karriere, spielte einst sogar an der Seite eines Nationalhelden des Alpenlandes: Mit David Alaba, dem langjährigen Bayern-Profi und heutigen Spieler von Real Madrid, kämpfte er um die Qualifikation für die U-19-Europameisterschaft. „Er war damals schon genauso positiv, wie er im Fernsehen rüberkam und natürlich sehr ehrgeizig“, erinnert sich Obernosterer, dessen eigene Zeit in der Nationalmannschaft ein Jahr später beendet war. Von seinem Profifußball-Traum ließ er sich aber nicht abbringen, schob Extraschichten und stellte seine Ernährung um. Auf Partys stieß er auf Unverständnis, wenn er zum alkoholfreien Getränk griff, Urlaube musste er absagen wegen Trainingslagern. „Erst wenn man Erfolg hat, bewundern einen die Leute“, sagt er, „davor ist es einfach nur harte Arbeit“.
Nicht umsonst ist sein größtes Vorbild der für seine eiserne Disziplin bekannte Cristiano Ronaldo – für ihn war der Portugiese immer nahbarer als der große Kontrahent, Lionel Messi. „Ronaldos Erfolg ist das Produkt harter Arbeit. Messi dagegen ist von einem anderen Stern.“ Rückblickend sagt er: „In jungen Jahren ist es ein schmaler Grad zwischen Alaba und Kreisliga.“ Heute kennt er die Schattenseiten des Fußballgeschäfts, auch die jahrelange Disziplin zollte ihren Tribut. „Am Schluss war es einfach zu viel. Man muss auf vieles verzichten und auch die eigenen Prioritäten ändern sich.“
Im Alter von 33 Jahren folgte das Ende seiner Profizeit. Der nunmehr seit vier Jahren in Leinfelden-Echterdingen lebende Obernosterer schloss sich dem damaligen Verbandsligisten Calcio an. „Ich wohne nur zwei Minuten von den Goldäckern entfernt und das Team war für mich die Mannschaft mit dem größten Potenzial“, führt er aus. Aufgrund mehrerer Verletzungen kam der damals als Königstransfer titulierte Offensivspieler bei den Italo-Schwaben aber nicht mehr in Tritt, stand in eineinhalb Jahren insgesamt nur rund 150 Minuten für Calcio auf dem Platz.
„Vielleicht hätte ich meine Karriere ein, zwei Jahre früher beenden sollen“ sagt Obernosterer heute. Unterm Strich fällt sein Fazit aber positiv aus: „Ansonsten würde ich alles wieder genau so machen. Champions League ist es vielleicht nicht geworden, aber die Spiele vor tausenden Fans, daran erinnerst du dich ein Leben lang.“
Schon während seiner Karriere erkannte er: „Profi-Fußball ist ein Risikojob. Du brauchst noch ein zweites Standbein, wenn es schiefgeht.“ Sei es mit 25 Jahren noch undenkbar gewesen, eines Tages etwas Anderes als Fußball zu machen, tritt der Österreicher jetzt also in die klassische Arbeitswelt ein. Parallel strebt er eine Zukunft als Selbstständiger an, vielleicht als Personal-Trainer oder Ernährungsberater. Ob er dem Fußball endgültig Lebewohl gesagt hat? „Sag’ niemals nie. Aber jetzt brauche ich erst mal etwas Abstand.“