Fußball-Kreisliga A, Staffel 1 Einst Buchwald und Löw, heute Kreisliga

Jürgen Zeyer hat nach Ende seiner beruflichen Laufbahn eine zweite Karriere als Fußballtrainer eingeschlagen. Foto: Pressefoto Rudel

Jürgen Zeyer wurde als Trainer-Späteinsteiger zum Aufstiegscoach beim TSV Weilimdorf II. In anderer Rolle hat er auch das Profigeschäft schon kennen gelernt.

Sport: Dominik Grill (grd)

Als Jürgen Zeyer 2018 beim Fußball-Kreisliga-B-Club ASV Aichwald II seinen ersten Trainerposten übernahm, trat er in prominente Fußstapfen. Mehr als 20 Jahre zuvor hatte dort auch ein gewisser Domenico Tedesco seine Trainerkarriere begonnen – der spätere Bundesliga-Coach von RB Leipzig und Schalke 04. Während der gebürtige Italiener jüngst José Mourinho bei Fenerbahçe Istanbul beerbt hat, ist Zeyer dem Amateursport treu geblieben. Seine aktuelle Station: der TSV Weilimdorf II in der Kreisliga A Stuttgart/Böblingen. Jedoch: Auf reichlich Erfahrung mit dem Profisport bringt es auch er, wenngleich aus anderer Rolle.

 

Der heute 63-Jährige machte erst mit Mitte 50 seine C-Lizenz – ein Vorhaben, das der Fußballbegeisterte seit vielen Jahren gehegt hatte. Dann aber tatsächlich an der Seitenlinie zu stehen? War überhaupt nicht der Plan, wie er zugibt. „Ich wollte einfach mehr über das Thema lernen“, sagt Zeyer. Denn der Sport ist schon immer zentraler Bestandteil seines Lebens. Mit zehn Jahren kam er als Jugendkicker zum erwähnten ASV Aichwald, für den er über 400 Spiele absolvierte. Zudem arbeitete er jahrelang als Sportjournalist bei der Stuttgarter Zeitung. „Den Großteil meiner Berufslaufbahn habe ich mit Fußball meine Familie ernährt“, erzählt der inzwischen jeweils zweifache Vater und Großvater.

Dass er nun doch, nach Ende seiner beruflichen Karriere, am Sportplatz Kommandos gibt? In Aichwald kam damals eines zum anderen, und mittlerweile hat er Gefallen daran gefunden. „Trainer zu sein, das heißt Menschenarbeit“, sagt Zeyer. „Das ist die Herausforderung, aber auch der Reiz.“ Vom Schurwald wechselte er zum TSV Köngen II und heuerte schließlich zu Beginn der vergangenen Saison beim damaligen Absteiger TSV Weilimdorf II in der Kreisliga B an. Die Mannschaft feierte mit ihm den direkten Wiederaufstieg – oder, wie der Coach lachend betont: „Trotz mir.“ Zeyer war klar: „Wenn ich mit diesem Team nicht aufsteige, kann ich nicht Trainer bleiben; die Truppe ist viel zu gut.“

Unter anderem hat er mehrere höherklassig erfahrene Spieler dabei, die auch im Verbandsliga-Kader der ersten Garde gelistet sind respektive waren, allen voran Anthony Raheem und Fadel Boukari – ein Umstand, der immer wieder für Kritik seitens der Gegner sorgt. Stichwort Wettbewerbsverzerrung. „Den Ärger kann ich verstehen, aber nicht den Vorwurf“, sagt Zeyer. „Wir nutzen unsere Möglichkeiten, so wie andere Teams ihre Möglichkeiten nutzen.“ Zudem setze man in erster Linie Spieler ein, die in der Verbandsliga kaum Einsatzzeiten bekommen. „Wir wollen, dass sie im Verein bleiben“, begründet der Coach.

Das aktuelle Ziel für Zeyers Zweite, die an diesem Sonntag (14.30 Uhr) auswärts beim SC Stammheim spielt: „Wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft mehr sein und uns in der Liga etablieren.“ Sportlich ist der Aufsteiger auf einem guten Weg. Aktuell belegt er den achten Tabellenplatz. „Wenn wir in den letzten drei Spielen vor der Winterpause punkten, war es eine überragende Hinrunde“, konstatiert Zeyer.

Blickt der Trainer-Späteinsteiger auf seine Karriere als Sportreporter zurück, werden viele Erinnerungen wach. „Ich hatte damals die Telefonnummern von Fredi Bobic, Guido Buchwald, Jogi Löw“, erzählt er. „Das war ein ganz anderer Kontakt als heute.“ Zwei Aufstiege der Stuttgarter Kickers erlebte er hautnah mit, berichtete zudem vom deutschen Triumph bei der EM 1996 in England. Besonders denkwürdig: VfB-Star Krassimir Balakov und der berüchtigte Kopfstoß auf dem Flug nach Stockholm. Der Leidtragende war ein Reporter-Kollege von Zeyer, der vom Europapokalendspiel der Pokalsieger 1998 berichten sollte. Stattdessen sprang der Aichwalder ein und machte sich als Ersatz auf den Weg nach Schweden, von wo er die 0:1-Niederlage des VfB gegen den FC Chelsea in Zeitungszeilen fasste. „Bizarr und unvergessen“, sagt Zeyer.

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