Fußball-Kreisliga A, Staffel 1 Ex-Profi kämpferisch: „Ich will aufsteigen und die Torschützen-Krone“
Der Ex-Profi Shkemb Miftari spricht über sein Engagement in der Kreisliga A bei Türkspor Stuttgart und den besten Trainer seiner Karriere.
Der Ex-Profi Shkemb Miftari spricht über sein Engagement in der Kreisliga A bei Türkspor Stuttgart und den besten Trainer seiner Karriere.
Für Überraschungen sind die Fußballer von Türkspor Stuttgart immer gut – sowohl positiv als auch negativ. Nun hat der Club vom Neckarpark wieder für Schlagzeilen gesorgt, den Ex-Profi Shkemb Miftari verpflichtet – und hofft auf dessen Tore im Aufstiegsrennen. „Ich kann in jedem Spiel treffen“, sagt der 32-Jährige, ehemalige Drittliga-Spieler der Stuttgarter Kickers.
Herr Miftari, Sie sind der Wintertransfer schlechthin in der Kreisliga A. Wussten Sie vor Ihrem Wechsel überhaupt schon, wo die fußballerische Heimat von Türkspor Stuttgart ist?
Es war mir bewusst, dass es die Anlage hinter dem VfB-Stadion ist. Auch deshalb, weil ich vor sieben, acht Jahren schon mit dem Verein in Kontakt stand. Damals kam ein Gang in die Niederungen des Amateurfußballs für mich aber noch nicht in Frage, schließlich habe ich da noch vom Fußball gelebt.
In der Vergangenheit war Türkspor bekannt dafür, dass es auch dort etwas zu verdienen gibt. War der finanzielle Aspekt ein Grund für den Wechsel?
Nein, ums Geld geht es mir nicht mehr, anders als wie gesagt noch vor einigen Jahren. Ich habe einen guten Job, und Fußball ist für mich nur noch reines Hobby. Ich habe bei Türkspor zugesagt, weil ich dort einige alte Weggefährten wieder getroffen habe. Zum Beispiel Ugur Capar und Josip Biljeskovic, die ich noch aus meiner Zeit bei Calcio Leinfelden-Echterdingen kenne, oder auch Abdullah Sener, mit dem ich einst bei den Stuttgarter Kickers gespielt habe.
Sie haben also lange Zeit ihren Lebensunterhalt mit Fußball bestritten.
Ja, ich war Profi und habe aber in den vergangenen vier Jahren zudem als Clubmanager in einem Fitnessstudio gearbeitet. Seit September beziehungsweise diesem Schuljahr bin ich Sportlehrer an einer Gemeinschaftsschule im Kreis Böblingen. Das macht mir riesigen Spaß.
Und als Kicker nun also Türkspor, Kreisliga A. Ihre bisherige Bilanz: zwei Spiele, fünf Tore – zufrieden?
Von meiner Qualität her hätten es schon mehr Buden sein können. In jedem Spiel vier Tore wäre möglich gewesen. Also ist noch Luft nach oben.
Ihr Mannschaftskamerad Emir Dogansoy führt die A-1-Schützenliste mit 23 Treffern an. Holen Sie ihn noch ein?
Tatsächlich habe ich mir das vorgenommen. Ich habe ihm auch schon die Ansage gemacht, dass ich ihn noch einholen werde, zumal ich in jedem der restlichen 13 Spiele treffen kann. Natürlich möchte ich auch noch die Liga-Torschützen-Krone holen, doch intern der beste Schütze zu sein, wäre auch schon ganz gut. Das ist auch deshalb realistisch, weil Emir zwar ein junger Spieler mit viel Potenzial ist, aber verletzt war und jetzt erst wieder das Training aufnimmt. Dementsprechend habe ich noch einen Puffer.
Ihre persönlichen Ziele sind also klar, doch was wollen Sie mit Türkspor erreichen? Durch das aktuelle 3:3 gegen Uhlbach hat es das Team verpasst, den aktuellen Ausrutscher von Spitzenreiter Beograd zu nutzen und bis auf fünf Punkte zum Klassenprimus aufzuschließen.
Ja, das war ärgerlich. Wir hatten tatsächlich nicht unseren besten Tag. Viele Fehlpässe von uns, und die Geilheit auf Tore hat gefehlt. Müde und träge hat das Team gewirkt, wobei rund 90 Prozent, ich nicht, fasten. Deshalb fehlt die Energie. Aber klar, wir wollen aufsteigen. 13 Spiele stehen noch aus und wir wollen alle gewinnen. Zudem spielen wir noch gegen die beiden führenden Mannschaften Beograd und Münster, und die duellieren sich auch noch. Da ist alles noch möglich.
Einst dritte Liga, nun Kreisliga A. Wie bereiten Sie sich vor beziehungsweise gehen Sie in die Spiele, schließlich ist die Qualität der Gegenspieler doch um einiges schlechter?
Ich kenne meine Qualitäten, weiß, dass ich, auch weil die Gegenspieler eben schwächer sind als bei meinen bisherigen Stationen, immer treffen kann und Tore auch von mir verlangt werden. Druck verspüre ich dennoch nicht. Ich gehe gelöst in die Partien.
Zurückblickend, was waren die Highlights in ihrer Karriere?
Ein Highlight war sicherlich die Anfrage vom FC Bayern München. Der Vater von Mats Hummels und der Ex-Profi Michael Tarnat waren damals für die A-Jugend verantwortlich. Ich und mein damaliger Berater Maurizio Gaudino hatten aber andere Pläne. Ich wollte zu Lazio Rom, hatte auch einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen. Der Kontrakt kam aber nicht zustande, weil ich, obwohl in Bayern geboren, damals noch keine deutsche Staatsbürgerschaft hatte und der Kosovo kein Mitglied der EU ist. Die Höchstgrenze an Nicht-EU-Spielern war schon erreicht. Dann bin ich zum VfB unter Tayfun Korkut. Für mich bis heute der beste Coach, den ich je gehabt habe. Zudem war es einfach toll, das Trikot von Vereinen wie den Kickers, Wolfsburg oder Schalke zu tragen.
Was hätten Sie im Rückblick anders machen sollen?
Ich war bei den Kickers in der dritten Liga und einer von sechs Stürmern. Als junger Spieler hatte ich wenig Einsatzzeiten, hätte aber ausharren sollen, anstatt gleich in die Regionalliga zu Waldhof Mannheim zu wechseln. Vielleicht hätte ich mich bei den Kickers über kurz oder lang doch durchgesetzt.