Fußball-Kreisliga A, Staffel 1 Kabinen-Klau und ein Trainer schäumt vor Wut

Nicht nur auf dem Platz ist am vergangenen Spieltag in der A-1-Liga viel passiert, sondern auch abseits. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Aus dem Titeldreikampf wird nach erneutem Türkspor-Patzer ein Zweikampf und ein schon abgestiegen geglaubtes Team ist plötzlich zweitbeste Rückrundmannschaft.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Am 18. Spieltag der Kreisliga A, Staffel 1, Stuttgart/Böblingen gab es nicht nur besondere Tore und Überraschungen auf dem Platz, sondern für die Spieler des TV89 Zuffenhausen auch eine böse Überraschung nach der Partie.

 

SV Prag Stuttgart – Türkspor Stuttgart 6:3

Wie, Prag – Türkspor 6:3? Verwundert rieben sich wohl viele die Augen beim Blick auf die Ergebnisliste vom Sonntag. Zumal der Tabellenelfte aus Prag in der Vorwoche gegen die SG West eine 1:7-Packung hinnehmen musste und nun den Tabellendritten resultatstechnisch klar besiegt und damit das ambitionierte Team vom Neckarpark wohl aus dem Aufstiegsrennen gekegelt hat. Auf Platz zwei hat Türkspor acht, auf eins gar zehn Punkte Rückstand. „Wir brauchen in unserer derzeitigen Verfassung nicht nach vorne schauen“, sagt Türkspor-Coach Memik Erdogan, vielmehr gelte es, schnellstmöglich wieder in die Spur zu finden. Ähnlich wie beim Vorwochen-3:3 gegen Uhlbach habe sein Team den Gegner wieder beim Toreschießen unterstützt, grundsätzlich zu viele Fehler gemacht, weiß Erdogan.

Prags Trainer Dominik Bruder war durchaus überrascht vom Ergebnis. Jedoch: „Mein Team war sehr fokussiert und bereit, viel Laufaufwand zu betreiben, was gegen solch eine Offensivkraft auch notwendig ist“, sagt er. Was aber keineswegs heißt, dass sich die Gastgeber nur aufs Toreverhindern beschränkt haben. „Wir haben uns nicht versteckt, sind mit langen und zweiten Bällen immer wieder durchgekommen.“ Und waren unheimlich effizient im Abschluss. Allen voran der Prager Spieler des Tages, Kapitän und Torjäger Otis Raiser, der den Dreierpack schnürte und dessen zweiter Treffer zur eigenen 3:2-Führung „bei Türkspor Spuren hinterlassen hat“. Unter anderem traf der Dreierpacker per verwandeltem Foulelfmeter und markierte ein Traumtor – „ein herrlicher Seitfallzieher“, lobt sein Coach. Zudem trafen Henri Rösch sowie Leopold Schöwitz. Für Letzteren war es das Premierentor in dieser Spielzeit.

Tore: 0:1 Korkmaz (5.), 1:1 Rösch (28.), 1:2 Korkmaz (31.), 2:2 Raiser (38./Foulelfmeter), 3:2 Raiser (55.), 4:2 Raiser (71.), 5:2 Biljeskovic (48./Eigentor), 6:2 Schöwitz (69.), 6:3 Miftari (85.).

Besonderes: –

TSV Uhlbach – OFK Beograd Stuttgart 2:3

Uhlbachs Spielertrainer Joshua Menger war mit dem Auftritt seiner Götzenberg-Kicker „sehr zufrieden und auch stolz, wie wir dem Tabellenführer lange Paroli geboten haben“, sagt er. Dass aus dem möglichen Punkt aber nichts wurde, habe einen speziellen Grund. Der da heißt: Nikola Lakovic. Seines Zeichens Beograd-Stürmer und seit der Uhlbach-Partie bester Schütze der Liga. Er erzielte alle drei Gästetreffer, bringt es nun auf 25 Saisonbuden. „Ein Unterschiedsspieler, den man gerne in seinen Reihen hat“, sagt Menger anerkennend. So einen Mann müsse man 90 Minuten im Auge behalten, leider sei dies, auch aufgrund seiner Klasse, nur 80 Minuten gelungen. Menger selbst glänzte mit einem Dribbling und erfolgreichem Abschluss zur Führung nach 15 Minuten, Ogayo Shawn Travis gelang nach 67 Minuten der Ausgleich, ehe Lakovic seinen dritten Streich folgen ließ.

„Gut erholt und die richtige Reaktion nach der Niederlage gegen Mühlhausen gezeigt“, sagt indes Beograds Trainer Ratko Milic. Gleichwohl sich sein Team das Leben selbst schwer gemacht habe. „Bis zur Pause müssen wir die Sache schon entscheiden, haben viele klare Chancen ausgelassen, was sich zum Glück nicht gerächt hat.“ Und was sagt Milic zu seinem Torjäger. „Vier Möglichkeiten, drei Tore – das ist doch selbstredend, oder?“

Tore: 1:0 Menger (15.), 1:1 Lakovic (31.), 1:2 Lakovic (37.), 2:2 Ogayo (67.), 2:3 Lakovic (81.).

Besonderes:

TSV Weilimdorf II – TSV Münster 1:2

Durchatmen beim TSV Münster, der durch den knappen, aber „glücklichen Sieg“, wie Abteilungsleiter Benjamin Beck einräumt, Spitzenreiter Beograd bis auf zwei Zähler auf den Fersen bleibt. Glücklich deshalb, weil „die Anfangsphase zwar uns gehörte, die Gastgeber aber dann stärker wurden und vor allem gegen Ende der Partie dem Ausgleich näher waren als wir dem 3:1“.

Ähnlich sieht es Weilimdorfs Coach Jürgen Zeyer: „Ein gutes Spiel von uns gegen den bislang besten Gegner im Jahr 2026, jedoch fehlt uns aktuell im letzten Drittel die Kaltschnäuzigkeit, weshalb aus dem verdienten Punkt nichts wurde.“ Angefangen hat die Partie äußerst schlecht für die Hausherren. Nach 20 Minuten lagen die Kicker von der Giebelstraße nach Toren von Marko Sorgic (16.) und Fabiano Gugjolli mit 0:2 zurück. Beide Tore resultierten aus Eckbällen, wobei Sorgic gar direkt verwandelte. Wie gesagt, dann kamen die Gastgeber besser auf und markierten noch vor der Pause durch Fatih Mert den Anschlusstreffer. Am nächsten dem Ausgleich kam der Tabellensechste ab der 67. Minute – Münsters Sorgic sah nach wiederholtem Foulspiel die Ampelkarte, der Tabellenzweite war fortan in Unterzahl. „Chancen waren da, aber wir haben sie eben nicht gemacht“, sagt Zeyer, dem es leid tut, dass „sich mein Team für das starke Spiel nicht belohnt hat“. Leid tut es ihm auch für seinen Angreifer Fadel Boukari. Dieser musste in der Vorwoche gegen die SportKultur verletzt vom Platz. Nun hat sich der Verdacht bestätigt: Kreuzbandriss, Saisonaus.

Derweil tritt Münsters Interimscoach Michael Bodendörfer mit drei Siegen aus drei Partien von der Seitenlinie ab. Grund: „Voraussichtlich präsentieren wir Ende der Woche einen neuen Coach“, sagt Beck.

Tore: 0:1 Sorgic (16.), 0:2 Gugjolli (20.), 1:2 Mert (35.).

Besonderes: Gelb-Rot für Münsters Sorgic (67.).

SportKultur Stuttgart – TV89 Zuffenhausen 2:4

Der Ärger war nach der Partie groß – sowohl beim Sieger als auch beim Verlierer. Beim Sieger aus Zuffenhausen, weil „aus unserer Kabine, die nicht abschließbar war, Taschen ausgeleert waren und Dinge wie Fußballschuhe geklaut wurden“, sagt TVZ-Trainer Umut Yürük. Zum Glück habe man vor der Partie alle Wertsachen eingesammelt.

Beim Verlierer SportKultur hatte Trainer Ender Mermer einen mega dicken Hals. Grund: die Seinen hätten vor allem in Hälfte eins sechs, sieben Hochkaräter liegengelassen und höher als nur mit 2:1 zur Pause führen müssen – es trafen Christopher Renan Dos Santos Cedeno (33.), Richard Sonnengrün, für die Gäste Harun Kuzu. Doch nicht die Tatsache, dass seine Offensivspieler versagten, brachte den SportKultur-Coach auf die Palme. Vielmehr, wie sie versagten. „Teilweise absoluter Slapstick mit der fehlenden Ernsthaftigkeit und unglaublichen Faxen vor dem Tor, anstatt zu versuchen, konzentriert abzuschließen“, schimpft Mermer. Folgenlos will er das nicht durchgehen lassen. Für diese Woche kündigt er noch Gespräche mit den „Übeltätern“ an und droht mit Konsequenzen. „Wer das dann immer noch nicht kapiert, der ist fehl am Platz, kann gehen.“

Zuffenhausens Coach Yürük sah die Gäste in Hälfte eins auch besser, wenn auch nicht so deutlich wie sein Übungsleiterkollege. Anders dann nach der Pause. „Da haben wir uns als Team präsentiert, jeder hat sich für den anderen eingesetzt und letztlich haben wir auch verdient gewonnen“, sagt Yürük. Für Mermer war der Ausgleich nach 70 Minuten von Gästeakteur Anil Ilkhan der Knackpunkt der Partie. Danach sei sein Team in sich zusammengebrochen, hätten die Gäste noch höher gewinnen können. Zu deren 4:2-Erfolg steuerten Anwar Moutot und Sergio Mavinga die beiden letzten Tore bei.

Derweil bedauert SportKultur-Abteilungsleiter Samuel Fernandes den Vorfall in der Gästekabine und klärt auf, warum diese nicht abschließbar ist. „Es tut uns leid und wir haben den Vorfall an unsere Geschäftsführung weitergegeben. Leider können wir die Türe zur Umkleide noch nicht schließen, weil wir auf eine neue Schließanlage warten.“

Tore: 0:1 Kuzu (30.), 1:1 Dos Santos Cedeno (33.), 2:1 Sonnengrün (35.), 2:2 Ilkhan (70.), 2:3 Anwar Moutot (75.) 2:4 Mavinga (85.).

Besonderes:

SSV Zuffenhausen – SG West 4:1

„Diese Liga ist schon komisch“, sagt Nevzat Dursun. Der Zuffenhausener Spielertrainer meint damit die Ergebnisse im Allgemeinen. „In der Vorwoche verlieren wir gegen Zazenhausen und West fegt Prag mit 7:1 vom Platz. Nun gewinnt Prag gegen Türkspor und wir recht problemlos gegen West“, wundert sich Dursun. Wobei er einen verdienten Sieg der Seinen gesehen hat, auch, weil die Grundtugenden des Fußballes – anders als in der Vorwoche – auf den Platz gebracht wurden. „Nach Ballverlust wurde schnell von allen umgeschaltet, in der Vorwochen war stehenbleiben mit gleichgültigem Abwinken angesagt.“ Zudem fand Zuffenhausen auch seine spielerische Linie wieder. Die Tore, erzielt von Maximilian Käb, Dennis Klose, Winterneuzugang Zeynel Kavraz (gekommen von der SportKultur) mit seinem Premierentreffer sowie Oktay Yilmaz, seien in ihrer Entstehung „schön und gewollt“ gewesen.

Auf der einen Seite waren die fußballerischen Tugenden vorhanden, auf der anderen ganz und gar nicht, wie sich der privat verhinderte West-Spielertrainer Benedikt Goss hat erzählen lassen: „Ein verdienter Zuffenhausener Sieg, wir dachten wohl nach dem klaren Erfolg der Vorwoche wird die Partie zum Selbstläufer, haben den Willen und die Einsatzbereitschaft vermissen lassen.“ Immerhin, das schönste Tor des Tages erzielte der Westler Moritz Hofmann zum 1:2-Anschlusstreffer kurz vor der Pause. Bezeichnend per Freistoß, sagt Goos, denn spielerisch, so habe er sich berichten lassen, sei bei seiner Mannschaft wenig bis gar nichts zusammengelaufen.

Auch vom Elfmeterpunkt aus hat es bei den Gästen nicht gepasst. Beim Stand von 1:4 hatte Noah Blaser die Chance zum Verkürzen, scheiterte aber an Schlussmann Marjan Tomasic – dieser parierte bereits in der Vorwoche einen Strafstoß.

Tore: 1:0 Käb (10.), 2:0 Klose (28.), 2:1 Hofmann (45.), 3:1 Kavraz (48.), 4:1 Yilmaz (53.).

Besonderes: Wests Blaser scheitert mit Foulelfmeter an Tomasic (60.).

Sportvg Feuerbach – TB Untertürkheim 2:2

Während sich Feuerbachs Coach Sven Damnig über „eine Vielzahl ausgelassener Hochkaräter“ ärgert, sah TBU-Kapitän Marvin Wolf die Gastgeber zwar „spielerisch besser und mit einem Chancenplus, jedoch haben wir uns den Punkt aufgrund unserer kämpferischer Leistung verdient“. Verdient auch deshalb, weil die Gehrenwald-Kicker nach einem 0:2-Rückstand „ins Spiel zurückgefunden haben“, so Wolf. SGU-Winterzugang Robin Wittmann schnürte den Doppelpack in der 45. und 53. Minute.

Für Damnig indes hätten sie Seinen die Gäste überhaupt nicht mehr zurück ins Spiel kommen lassen dürfen: „Bevor wir mit 2:0 in Führung gehen, beide Tore erzielte Presious Onuoha, haben wir drei Großchancen vergeben, ebenfalls viele vor dem Anschlusstreffer sowie zahlreiche in der Abschlussviertelstunde.“ Gescheitert sind die „Talkrabben“ oft am eigenen Unvermögen, aber auch an „dem ganz starken TBU-Torhüter“. Dieser heißt Luis Carlos Mendes Ferraz und auch sein Kapitän räumt ein: „Er hat ganz stark gehalten, uns in der dramatischen Endphase mehrmals den Punkt gerettet.“

Während die Feuerbacher perspektivlos auf Tabellenplatz fünf stehen, ist der Vorletzte TB Untertürkheim – man höre und staune – mit sieben Punkten das zweitbeste Rückrundenteam und nur noch drei Zähler vom Relegationsplatz entfernt.

Tore: 1:0 Onuoha (21.), 2:0 Onuoha (31.), 1:2 Wittmann (45.), 2:2 Wittmann (53.).

Besonderes:

SC Stammheim – TV Zazenhausen 1:1

„Jetzt haben wir erstmals einen Schiedsrichter deutlich über Kreisliga-Niveau und dann liefern wie solch einen Grottenkick ab“, sagt Zazenhausen-Coach Stefan Schuon. Dabei will er seiner Mannschaft nicht einmal eine fehlende Einstellung unterstellen. Die Körpersprache sei nicht verkehrt und vor dem Spiel bei allen die nötige Anspannung zu spüren gewesen. Doch am Umsetzen auf dem Feld haperte es. Trotz der frühen eigenen Führung durch Sören Frank nach sieben Minuten lief bei den Gästen „nichts zusammen“, so Schuon, sodass das Ergebnis „vollkommen gerecht war“. Das Tor zum 1:1-Endstand und den ersten Punktegewinn seit dem achten Spieltag am 19. Oktober – 4:3-Erfolg über Mühlhausen – sicherte dem Tabellenschlusslicht aus Stammheim Silvio Tsiapi mit seinem Treffer in der 16. Minute.

Der TV Zazenhausen verpasste mit dem Remis die große Chance, den Vorsprung auf den Relegationsplatz auf sieben Zähler auszubauen. Immerhin, in der Vorrunde unterlag die Schuon-Truppe noch dem Bezirksliga-Absteiger aus Stammheim und: „In der Vorrunde holten wir aus den ersten drei Spielen drei Punkte, nun sind es nach der Winterpause aus den drei Spielen sieben Punkte“, zieht Schuon doch noch etwas Positives aus dem Grottenspiel vom Sonntag.

Tore: 0:1 Frank (7.), 1:1 Tsiapi (16.).

Besonderes:

TSV Mühlhausen – SG Weilimdorf 0:1

Ein sehr intensives, gutes Spiel von beiden Seiten – darüber herrschte nach der Partie Einigkeit bei Mühlhausens Trainer Armend Mehmeti und auch Weilimdorfs Übungsleiter Tilman Janik. Dass es mit Weilimdorf einen Sieger gab, war laut Mehmeti nicht ganz unverdient. „Einen Punkt hätten wir auch verdient gehabt, doch weil Weilimdorf ganz stark gespielt hat, vor allem in Hälfte eins sehr griffig war, passt das Ergebnis schon“, erläutert Mehmeti und fügt an: unglücklich sei der Zeitpunkt des Gegentores indes gewesen, zudem habe der Gästekeeper kurz vor Schluss mit einem Monstersafe den Mühlhäuser Ausgleich verhindert. Das Tor des Tages Marke „Tor des Monats“ erzielte der eingewechselte Shawn Christiansen in der 85. Minute. Dieser nahm einen abgewehrten Ball 20 Meter vor dem Tor an und hämmerte das Spielgerät grußlos in den Winkel. Besagter Monstersafe gelang SG-Schlussmann David Lozancic gegen Mühlhausens Kapitän Arber Bylybashi. Letzterer zog aus sechs Metern ab, der Gastgeber-Anhang hatte den Torjubel schon auf den Lippen, doch „wie, keine Ahnung“, staunte Mehmeti anerkennungsvoll, brachte Lozancic noch eine Hand hin.

Nach dem Überraschungssieg in der Vorwoche gegen den Spitzenreiter Beograd bleiben die Mühlhausener auf dem 13. Platz, dem Relegationsplatz, Weilimdorf festigte Rang vier.

Tore: 0:1 Christiansen (85.).

Besonderes:

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