Fußball-Kreisliga A, Staffel 1 Stuttgart/Böblingen Die Hoffnung stirbt zuletzt: Sillenbuch II feiert ersten Saisonsieg
Das Tabellenschlusslicht beendet seine schwarze Serie und im Spitzenduell präsentiert sich der ASV Botnang 2.0 saisontypisch.
Das Tabellenschlusslicht beendet seine schwarze Serie und im Spitzenduell präsentiert sich der ASV Botnang 2.0 saisontypisch.
Nach der Sillenbucher Wiederauferstehung verkürzt der Tabellenletzte den Rückstand zum Relegationsplatz auf vier Punkte, während sich das Duo Türkspor-Botnang an der Spitze absetzt. Der Blick auf die Begegnungen des 12. Spieltags der Kreisliga A, Staffel 1, Stuttgart/Böblingen.
Totgesagte leben länger! Nach zuletzt zehn Niederlagen in Serie und überhaupt nur einem Punkt in der bisherigen Saison (1:1 gegen den SV Prag am ersten Spieltag), dürften so manche das Tabellenschlusslicht längst abgeschrieben haben. Jetzt also senden die Sillenbucher das so wichtige Lebenszeichen im Abstiegskampf, rücken bis auf zwei Zähler an die SG Untertürkheim und die Zazenhausener auf den Plätzen 14 und 15 heran (beide punktgleich). Necmi Keskin ist die Erleichterung anzumerken: „In dieser Woche trainiert es sich einfacher“, sagte der glückliche Coach der zweiten Sillenbucher Garde, „für die Moral war das sehr wichtig.“ Der Sieg beim Kellernachbarn aus Zazenhausen sei auch in der Höhe verdient gewesen, Keskin gibt aber zu: „Zazenhausen war bisher unser schwächster Gegner.“
Auf der anderen Seite steht die Erkenntnis, dass die eigenen Probleme tiefgreifende sind. „Der Neustart im Sommer hat nicht funktioniert“, sagte ein konsternierter Armando Traini, Coach der Gäste. Vor der Saison hatte es bei den beiden Zazenhausener Mannschaften einen großen Umbruch gegeben, das Problem laut Traini: „Der Kader ist einfach zu dünn, wir müssen in der Winterpause etwas tun.“ Das Spiel gegen Sillenbuch offenbarte aber auch Mentalitätsprobleme. „Einigen Spielern ist der Ernst der Lage nicht klar“, mahnte Traini an, „es ist nicht aussichtslos, aber wir müssen die Einstellung ändern.“
Tore: 1:0 Meyding (23.), 1:1 Frank (26.), 2:1 Cimino (35.), 2:2 Hepfer (55.), 3:2 Cimino (62.), 4:2 Schuler (70.), 5:2 Weiskopf (81.), 5:3 Camkerten (90.).
Besonderes: –
Wer im Spitzenspiel des 12. Spieltages auf feine Spielzüge und spielerischen Hochglanz gehofft hatte, dürfte enttäuscht worden sein. Stattdessen hatte die Partie vor allem eines im Repertoire: Ganz viel Kampf. Zwei Platzverweise und ein Foulelfmeter unterstreichen den leidenschaftlichen, hitzigen Charakter der Begegnung. Auch Erhan Atici, Trainer der Zuffenhausener, konstatierte: „Es war kein Fußball, es war Mentalität und Willenskraft.“ Genau in diesen Tugenden könne seine Mannschaft noch so manches vom Gegner lernen, sagte er und zeigte sich als fairer Verlierer: „Botnang hat uns den Schneid abgekauft und verdient gewonnen.“
Auch der gegnerische Coach Alexander Schweizer sprach von einer Partie, die weniger vom Spielerischen und mehr vom leidenschaftlichen Einsatz lebte – und damit quasi sinnbildlich steht für den ASV Botnang der Saison 24/25. Im Sommer hatte man durch mehrere hochkarätige Abgänge vor allem in der Offensive Federn gelassen, die Torfabrik der letzten Jahre musste sich neu erfinden. „Wir kommen noch mehr über den Zusammenhalt und die Kampfbereitschaft“, beschreibt der Trainer sein generalüberholtes Team, „wir schießen zwar weniger Tore als früher, stehen aber dafür hinten besser“. So auch gegen die Zuffenhausener, die in den vorigen drei Partien aus allen Rohren feuerten (16:3 Tore), gegen die Botnanger aber nur per Elfer zum Erfolg kamen (75.).
Die rote Karte für den Botnanger Mittelfeldspieler Yulii Pavlik (81.) beschrieb Atici indes so: „Unser Außenverteidiger hat den Gegner abgelaufen, dabei kam es zu einem Gerangel, und Pavlik schlug in Richtung des Spielers.“ Getroffen habe er sein Gegenüber nicht, da aber die Intention genügt, wurde er folgerichtig vom Platz gestellt. Von einer unfairen Partie wollten beide Trainer aber nicht reden, am Ende war es vor allem eines: Ein Spitzenspiel in Sachen Leidenschaft.
Tore: 0:1 Essers (7.), 0:2 Kamberi (25.), 1:2 Surasi Hamld (75./Foulelfmeter).
Besonderes: Gelb-rote Karte für Hachenbruch wegen Meckerns und einer Schwalbe (81./Zuffenhausen), rote Karte für Pavlik wegen Tätlichkeit (83./Botnang).
Im Duell der Tabellennachbarn wurde eine kuriose Szene in der 29. Minute zum Wendepunkt: MTV-Abwehrmann Stanislaw Pirozhenko rettete in bester Torwartmanier per Hand auf der Linie, sah die rote Karte. Den Strafstoß versenkte Dennis Klose zum 1:0 für den PSV. „Das war der Gamechanger“, sagte Heimcoach Damian Nagler, der zuvor eine ausgeglichene Partie mit nur leichten Vorteilen seiner Elf sah. Danach sei der Bann gebrochen gewesen, der starke Klose steuerte noch zwei weitere Treffer bei, ist mit jetzt neun Saisontoren bester Torschütze beim PSV. „In Summe geht das Ergebnis in Ordnung“, sagte ein größtenteils zufriedener Trainer, stellte aber nochmals klar: „Kriegsentscheidend war der Platzverweis, keine Ahnung, wie es sonst gelaufen wäre.“
Tore: 1:0 Klose (29./Handelfmeter), 2:0 Klose (41.), 3:0 Nimigean (42.), 4:0 Klose (52.).
Besonderes: Rote Karte für Pirozhenko wegen Handspiels (29./MTV II).
Was die Gegner angeht, kommt es aktuell knüppeldick für die Zuffenhausener. Nach den Spielen gegen Türkspor und den SSV Zuffenhausen, die beide verloren gingen, waren am 12. Spieltag die Beograder zu Gast. Die Partie brauchte seine Anlaufzeit, bis zur Pause stand es lediglich 1:0 für die Gäste. Doch Mitte der zweiten Halbzeit brachen alle Dämme und es folgte eine packende halbe Stunde bester Fußballunterhaltung inklusive fünf Treffern.
TV89-Coach Yavuz Tepegöz sah eine deutliche Leistungssteigerung seiner Elf – vor allem in Sachen Mentalität. Hatte er zuvor wiederholt die Blauäugigkeit des Teams kritisiert, war man dieses Mal gegen abgezockte Beograder gewappnet: „Der Gegner war sehr unangenehm, aber wir haben das gut weggesteckt.“ Insgesamt sei das Spiel sehr offen gewesen, beide Mannschaften hätten gewinnen können. Auf dem Platz gab es keinen Sieger, für Tepegöz waren am Ende die Zuschauer die Gewinner: „Das Spiel hatte eine schöne Härte und viele Tore, es war sehr unterhaltsam.“ Bitter für Zuffenhausen: Torwart Guiseppe Petteruti zog sich in einem harten Zweikampf einen Haarriss im Unterarm zu, wird voraussichtlich für die restlichen drei Spiele der Hinrunde ausfallen.
Bei den Beogradern zeigte man sich enttäuscht über das Ergebnis, hatte aber auch vom Gegner mehr erwartet – trotz des Unentschiedens: „Sie sind nicht so gut wie wir gedacht haben“, sagte Gäste-Coach Bojan Nikolic. Das Problem sei die eigene Chancenverwertung gewesen: „Es ist wie immer im Fußball: Wenn du viele Dinger vergibst, kassierst du das Tor.“ Der Plan vor dem Spiel war, mit drei Punkten nach Hause zu fahren – und die wären Nikolic zufolge auch im Nachhinein verdient gewesen. Wichtig sei es, im nächsten Spiel gegen eine starke Weilimdorfer Mannschaft wieder in die Erfolgspur zu kommen.
Tore: 0:1 Rangelov (20.), 1:1 Tabar (72.), 2:1 Mavinga (78.), 2:2 Lakovic (88.), 3:2 Sorgic (89.), 3:3 Samardzic (90.+3).
Besonderes: –
Auf Lewandowskis Spuren: In den neun Minuten zwischen der 35. und 44. Minute spielte Maximilian Duss wie im Rausch. Drei Tore erzielte der Prager Mittelfeldmann, seine ersten in dieser Saison. „In den Spielen zuvor hat es bei ihm vor dem Tor einfach nicht geklappt, jetzt ist der Knoten geplatzt“, sagte Frederik Bruder, Trainer der Prager, über seinen Schützling. Danach war die Messe gelesen, spät erhöhte Silas Siller noch auf 5:1 (89.). Der PSV fuhr damit den dritten Sieg in Folge ein und findet sich mittlerweile auf Platz fünf wieder. Entsprechend zufrieden war Bruder nach dem Spiel, auch wenn man in der zweiten Halbzeit die ein oder andere Tugend aus den ersten 45 Minuten habe vermissen lassen. „Wir haben uns danach ein wenig ausgeruht, das müssen wir in Zukunft besser machen“, sagte Bruder.
Bei den Untertürkheimern haderte Trainer Christos Kolokotronis mit der eigenen Abgezocktheit – hinten wie vorne. „Es ist unser Leiden seit Sommer: Wir fangen uns innerhalb kürzester Zeit zwei, drei Tore“, beschwerte er sich über das Verhalten seiner Mannschaft, als Duss auf der anderen Seite „on fire“ war. Gleichzeitig stimme die eigene Chancenverwertung nicht: „Es kann nicht sein, dass wir vor dem Tor fünf, sechs Hundertprozentige vergeben.“ Es brauche mehr Qualität in der Offensive, die Vereinsverantwortlichen wüssten bereits Bescheid. „Im Winter müssen Offensivspieler kommen, sonst schaffen wir es da unten nicht raus“, stellte Kolokotronis klar.
Tore: 1:0 Raiser (17.), 1:1 Güven (28.), 2:1 Duss (35.), 3:1 Duss (38.), 4:1 Duss (44.), 5:1 Siller (89.).
Besonderes: –
Es ist wie so oft im Fußball: Das Unentschieden ist ein Ergebnis, das weder den Untertürkheimern noch den Mühlhausenern besonders viel bringt, mit dem aber beide Seiten irgendwie leben können. Heim-Coach Ivo Ilijasevic sprach von einem durchwachsenen Spiel und zwei Gesichtern, die seine Mannschaft zeigte: „Die erste Halbzeit war sehr schlecht von uns, nach der Pause haben es die Jungs besser gemacht.“
Man habe mehr Druck nach vorne entwickelt und energischer gespielt, am Ende fehlte es aber am letzten Pass. Für den Wandel im eigenen Spiel dürfte wie schon in der vorigen Partie auch Ilijasevic’ Kabinenansprache gesorgt haben. Gegen den MTV II hatte er den Spielern ins Gewissen geredet, „aber dieses Mal war es eher lautstark“, meinte er lachend. Unterm Strich war er nicht unzufrieden mit der eigenen Leistung und der Punkteteilung.
Armend Mehmeti, Trainer der Mühlhausener, schloss sich mit Vorbehalten an: „Das 0:0 geht mehr oder weniger in Ordnung.“ Zwar habe man mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen gehabt, „aber wenn du die Tore nicht machst, kannst du nicht gewinnen“, fügte er an. Insgesamt war der Coach mit der Leistung seiner Elf zufrieden, die vor allem in der Verteidigung sehr diszipliniert gespielt habe. Statt sich über die Null vorne zu ärgern, freute er sich darüber, dass eben jene im zweiten Spiel in Folge hinten stand. Sein humorvolles Fazit zum Spiel: „Qualitativ war es nicht sehr hochwertig.“
Tore: –
Besonderes: –
Der Spitzenreiter eilt weiter von Sieg zu Sieg, setzte sich verdient gegen die SG Weilimdorf durch. Dabei streute die Heimelf in der ersten Halbzeit der eigentlich gut geölten Türkspor-Maschine ordentlich Sand ins Getriebe: 2:2 hieß es nach 45 Minuten, trotz zweimaliger Gäste-Führung. „Wir haben es spannender gemacht als nötig, in der ersten Halbzeit hätten wir fünf oder sechs Tore machen können“, sagte Memik Erdogan, Übungsleiter des Tabellenführers, der gegen die SG eine Premiere in seiner Trainerkarriere erlebte: Erstmals in sieben Jahren sah er die gelbe Karte, nachdem er den Schiedsrichter über die Vorteil-Regel habe belehren wollen.
Nach der Pause besorgten Daniel Bosnjak und schließlich Denis Skarlatidis per direktem Freistoß den 2:4-Endstand, danach habe man die Partie kontrolliert runtergespielt. Am Ende hatte Erdogan trotzdem Lob für den Gegner übrig: „Weilimdorf war besser als unsere letzten Gegner, man hat gemerkt, wie stark sie daheim sind.“
Auf der anderen Seite stand ein Trainer, der das Ergebnis realistisch einzuordnen wusste: „Nach einer Niederlage ist man nie zufrieden, aber das sind nicht die Spiele, die wir gewinnen müssen“, sagte Philip Baltsios von der SG Weilimdorf. Mit Blick auf vergangene Gegner des Spitzenreiters konstatierte er: „Wir haben uns nicht abschlachten lassen, für unsere Möglichkeiten haben wir das Maximale rausgeholt.“ Um gegen Türkspor zu punkten, brauche es die beste Elf und den perfekten Tag, beides habe man nicht gehabt. Sein Fazit: „Türkspor hat verdient gewonnen, die sind einfach eine Klasse besser.“
Tore: 0:1 Vrabac (5.), 1:1 Marinovic (23.), 1:2 Capar (29.), 2:2 Nedos (38.), 2:3 Daniel Bosnjak (52.), 2:4 Skarlatidis (58.).
Besonderes: –
Als „klassisches Unentschieden-Spiel“ bezeichnete Tim Wagner, Coach der Uhlbacher, die Partie gegen die SG West. Dass es dann doch anders kam, hatte er seinem Stürmer Noah Pilchowski zu verdanken, der einen Ausflug des gegnerischen Torhüters nutzte und den Ball zum späten Siegtreffer ins Tor lupfte. „Insgesamt waren beide Mannschaften auf dem selben Niveau“, führte der Trainer aus, „ein Unentschieden wäre gerecht gewesen.“
So habe es auch bei den Schiedsrichter-Fehlentscheidungen 1:1 gestanden: Das vermeintliche Tor des Gegners zum 2:1 habe der Unparteiische wohl fälschlicherweise wegen einer Abseitsposition zurückgepfiffen, in der ersten Halbzeit war dagegen den Uhlbachern ein Elfmeterpfiff verweigert worden. Am Ende sind aber die drei Punkte in der Tasche, der Trend bei den Gästen zeigt nach oben: „Nach fünf Niederlagen zwei Siege in Folge, was will man mehr“, sagte ein glücklicher Wagner.
Umso bitterer war die Gemütslage bei der Heimelf und deren Trainer Benedikt Goos – zumindest direkt nach dem Spiel: „Ich war schon sehr, sehr sauer und extrem gefrustet“, ärgerte er sich über die „zerfahrene Leistung“ des Schiedsrichters. Mit etwas Abstand gab er sich dann aber doch versöhnlich: „Wir sind alle Amateure, da passieren Fehler auf allen Seiten.“ Am Referee wollte er die Niederlage ohnehin nicht festmachen, kritisierte stattdessen die eigene Schlafmützigkeit zu Spielbeginn. Zum vierten Mal in Folge kassierte man ein Gegentor in den ersten 15 Minuten, gegen die Uhlbacher Frühaufsteher brauchte es nur deren drei.
Tore: 0:1 Thöne (3.), 1:1 Klausmann (17.), 1:2 Pilchowski (85.).
Besonderes: –