Fußball-Kreisliga A, Staffel 1 Stuttgart/Böblingen Nach Kampfansage: Beograd geht gegen Türkspor unter

Traf gegen Beograd doppelt und steuerte eine Vorlage bei: Daniel Bosnjak (links), hier im Spiel gegen den ASV Botnang am dritten Spieltag. Foto: Günter Bergmann

OFK kommt unter die Räder und kritisiert den Gegner, die Botnanger beweisen Comeback-Qualitäten und ein Prager Spieler definiert den Begriff „Super-Joker“ neu.

Sport: Dominik Grill (grd)

Das brisante Spitzenspiel zwischen Türkspor Stuttgart und Beograd Stuttgart stellte unter Beweis: Nicht immer ist das Glück mit den Mutigen. Derweil ist der Höhenflug des Überraschungsteams aus Weilimdorf gestoppt und der SV Prag darf sich bei einem Doppeltorschützen bedanken, der gar nicht hätte spielen sollen. Der Blick auf die Begegnungen des elften Spieltags der Kreisliga A, Staffel 1, Stuttgart/Böblingen.

 

Türkspor Stuttgart – OFK Beograd 6:2

Das Imperium schlägt zurück! Hatten die Beograder und wohl so manch einer in der Liga noch einen OFK-Sieg gegen den Liga-Dominator gewittert, demonstrierte Türkspor einmal mehr die eigene Übermacht. Mit sechs Toren in 65 Minuten wurden die Gäste demontiert, die beiden späten Gegentreffer waren nur noch Ergebniskosmetik. Vor dem Spiel hatte Beograd selbstbewusst angekündigt, auf Sieg zu spielen – eine Kampfansage, die das eigene Team noch zusätzlich angestachelt habe, bestätigte Türkspor-Trainer Memik Erdogan: „Das Spiel war eine Antwort an Beograd und an die ganze Liga.“ Man merke, dass das Team immer mehr zu einer Einheit werde, den Gegner habe man mit „viel Herz weggefegt.“ Laut Erdogan hätte das Spiel sogar zweistellig ausgehen müssen, trotzdem zollte er den Gästen Respekt: „Beograd hat sehr starke Spieler und auch ein gutes Kurzpassspiel.“ Dem Ansturm in Rot war man an diesem Tag aber nicht gewachsen.

Die andere Seite zeigte sich nach der Niederlage ernüchtert, überrascht von der Qualität des Gegners war man aber laut eigener Aussage nicht – trotz des selbstbewussten Auftretens nach dem vorigen Spieltag. Vielmehr sah Bojan Nikolic, Trainer der Beograder, eigene Schwächen in den ersten 45 Minuten: „In der ersten Halbzeit hat die Mannschaft nur 50 Prozent gezeigt, so schlecht haben wir schon lange nicht mehr gekickt.“ Mit einem 0:4 ging es in die Kabinen, die Mannschaft zahlte ordentlich Lehrgeld. „Wir haben viele junge Spieler, den Jungs fehlt es ein bisschen an Erfahrung und wir hatten zuviel Respekt vor dem Gegner.“ Nur an der eigenen Leistung wollte er die Niederlage aber nicht festmachen: „Der Schiedsrichter hat 80 zu 20 für Türkspor gepfiffen und der Gegner hat sehr schmutzig gespielt.“ Nach dem Schock über die Niederlage müsse man sich sammeln, trotzdem blickt Nikolic mit Zuversicht auf den „schweren nächsten Gegner“, den TV89 Zuffenhausen.

Tore: 1:0 Damir Bosnjak (15.), 2:0 Daniel Bosnjak (25.), 3:0 Vrabac (30.), 4:0 Daniel Bosnjak (38.), 5:0 Colaklar (55.), 6:0 Akcan (65.), 6:1 Rangelov (71.), 6:2 Sijakovic (88.).

Besonderes: –

MTV Stuttgart II – TB Untertürkheim 2:3

Warum müssen Fußballtore aber auch so gleich aussehen? Der MTV und der TBU lieferten sich ein unterhaltsames Eigentorfestival, beide Mannschaften steuerten ihren Obulus bei. Der glückliche Sieger kam aus Untertürkheim. Die einzigen Gegentore legte man sich selbst ins Netz, die Heimelf kam dann aber doch noch zum Torerfolg, allerdings vice versa: Seco Ndong traf unglücklich in den eigenen Kasten zum 1:2 für die Gäste (70.). TBU-Trainer Ivo Ilijasevic blieb aber vor allem der 1:0-Gegentreffer in Erinnerung, als sein Keeper Marcel Janik den Ball nach Einwurf durch die Hände rutschen ließ und ins eigene Netz lenkte: „Es ist das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe“, sagte der Coach.

Statt nach diesem bitteren Rückschlag und 0:1-Pausenrückstand aufzustecken, nutzte Ilijasevic die Situation und sprach dem Team in der Halbzeit ins Gewissen: „Marcel hat uns in der Saison immer wieder gerettet, jetzt müssen wir ihm etwas zurückgeben.“ Habe man in der ersten Halbzeit noch verdient hintengelegen, zeigte die Mannschaft danach ein anderes Gesicht und drehte das Spiel. Am Ende stand laut dem Coach ein verdienter Sieg zu Buche samt eines Last-Minute-Treffers durch TBU-Mann Marvin Wolf (89.) – auch wenn der im eigenen Netz landete.

Tore: 1:0 Janik (38., Eigentor), 1:1 Puppa (54.), 1:2 Ndong (70., Eigentor), 1:3 Vukic (88.), 2:3 Wolf (89. Eigentor).

Besonderes: –

ASV Botnang – PSV Stuttgart 3:2

Das packende Duell zwischen dem Tabellen-Vize und dem 13. der Staffel flößte dem Botnanger Trainer, Alexander Schweizer, gehörig Respekt vor dem Gegner ein – und verlangte seiner Elf alles ab, was sie in Sachen „Comeback-Qualitäten“ zu bieten hat. „Es war krass, wie Klose und Nimigean da vorne performt haben“, sagte Schweizer über das Offensivduo des PSV, „wir haben es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, die zwei zu verteidigen.“ Folgerichtig ging es nach Treffern der beiden mit einem 1:2-Rückstand in die Kabinen, danach schaltete der ASV einen Gang hoch und drehte innerhalb weniger Minuten das Spiel. „Spielerisch war es von uns kein Sahnetag, aber es war auch Wahnsinn, was der PSV für einen Aufwand betrieben hat“, sagte Schweizer, der nicht am Lob für den Gegner sparte: „Nach Türkspor war es das zweitschwerste Spiel bisher.“

Nicht das erste Mal, dass die Leistung des PSV in höchsten Tönen gelobt wird, Coach Damian Nagler scheint es allmählich nicht mehr zu hören können: „Wir brauchen Punkte, keine Komplimente“, sagte ein sichtlich bedienter Trainer. „Das sind nicht die Punkte, die wir holen müssen, aber wenn man 2:0 führt, ist das natürlich sehr bitter.“ Dass es im Tabellenkeller manchmal wie verhext zugeht, ist ja nichts neues im Fußball, auch Nagler ist schon länger mit dem Phänomen auf Tuchfühlung: „Wenn du unten drin bist, kassierst du immer wieder so dumme Dinger.“ Hinten bekomme seine Elf zu einfache Gegentore, vorne agiere man zu kompliziert, beschrieb er das Problem, dass sich durch die Saison ziehe. Gegen den kommenden Gegner, den MTV, ist er trotzdem optimistisch – es bleibt keine andere Wahl: „Beide Mannschaften sind zum Siegen verdammt.“

Tore: 0:1 Nimigean (15.), 0:2 Klose (34.), 1:2 Kamberi (44.), 2:2 Ilhan (57.), 3:2 Kamberi (58.).

Besonderes: –

SSV Zuffenhausen – TV89 Zuffenhausen 6:1

Im Zuffenhausen-Derby stellte der SSV auf eindrucksvolle Art und Weise klar, wer das Sagen im Bezirk hat: Mit 6:1 überrollte der neue Platzhirsch den TV89, SSV-Trainer Erhan Atici war begeistert: „Es war ein Feuerwerk, es hat alles geklappt.“ Zum Mann des Spiels avancierte Abdul Hakem Surasi Hamld, der einen Dreierpack schnürte und auf mittlerweile zehn Saisontore kommt. Der Stürmer habe großen Anteil an der bärenstarken Saison – mit der nach dem Umbruch im Sommer nicht zu rechnen war. „Das hat keiner erwartet, aber als Trainer träumt man natürlich immer“, sagte ein hochzufriedener Atici. Aktuell rangiert das zweite Überraschungsteam der Staffel – neben der SG Weilimdorf – auf dem dritten Platz, im kommenden Spiel geht es im Spitzenduell gegen den Tabellennachbarn ASV Botnang.

Auf der anderen Seite zeigte sich TV89-Trainer Yavuz Tepegöz als fairer Verlierer: „Respekt an den SSV, wir haben verdient verloren, es hätte auch noch höher ausgehen können.“ Auch der Saisonverlauf des TV89 dürfte bei dem einen oder anderen für Verblüffung sorgen – im negativen Sinne. Nach der nunmehr dritten Pleite in Folge findet man sich im Niemandsland der Tabelle wieder (8. Platz). Wie schon zuvor habe es – neben einem gebeutelten Kader – an der Leidenschaft gefehlt, die Mannschaft zeige zu wenig Biss. Tepegöz nahm die Situation trotzdem mit einer Prise Humor: „Vielleicht müssen die Jungs mal vier Wochen Kampfsport machen, damit sie mal mit Ellenbogen raus spielen.“

Tore: 1:0 Lechner (3., Eigentor), 2:0 Surasi Hamld (10.), 2:1 Yürük (23., Foulelfmeter), 3:1 Surasi Hamld (45.), 4:1 Banseka (46.), 5:1 Dursun (68.), 6:1 Surasi Hamld (85.).

Besonderes: –

TV Zazenhausen – SV Prag 2:3

Manchmal sind es die kleinen Geschichten rund um den Fußball, die das schönste Spiel der Welt so unterhaltsam machen – egal ob Champions-League oder Kreisliga A. Alexander Radebach, Mittelfeldspieler des SV Prag, hatte für die Partie gegen Zazenhausen eigentlich abgesagt, weil er es nicht rechtzeitig zum Spiel schaffen würde und – wenn überhaupt – nur als Zuschauer. Stattdessen traf er in letzter Sekunde zum Anpfiff ein, schnappte sich die Schuhe vom verletzten Keeper und die Hose des Trainers der zweiten Mannschaft und wurde in der 62. Minute eingewechselt. Prompt erzielte er seine beiden ersten Saisontore und sicherte Prag den Sieg. Der sei laut SVP-Trainer Frederik Bruder nicht unverdient gewesen, der aber auch betonte: „Über ein Unentschieden hätten wir uns auch nicht beschwert.“ In einem „wilderen Spiel, mit vielen Chancen auf beiden Seiten“ durfte er sich am Ende bei seinem Superjoker bedanken.

Statt netter Anekdoten sind bei den Zazenhausenern Durchhalteparolen angesagt: „Mund abputzen, wieder aufstehen, immer weitermachen – was man halt so alles sagt“, zitiert Coach Armando Traini das Abstiegskampf-Wörterbuch. Über die eigene Leistung sagte er: „Wir haben alles reingeschmissen, wir waren deutlich besser als der Gegner.“ Wie schon nach den vergangenen Spielen herrscht Ratlosigkeit. „Ich kann es mir nicht erklären, vielleicht ist es ein bisschen Kopfsache und das Spielglück ist nicht auf unserer Seite.“ Wieder einmal habe man sich für eine starke Leistung nicht belohnt, steckt weiterhin im Tabellenkeller fest. Eben jene Team-Performance mache aber trotzdem Hoffnung: „Wir sind in den meisten Spielen nicht weit weg vom Niveau der Gegner, sondern mindestens auf Augenhöhe.“

Tore: 1:0 Camkerten (28.), 1:1 Raiser (29.), 1:2 Radebach (76.), 2:2 Kurtovic (80.), 2:3 Radebach (85.).

Besonderes: –

TSV Uhlbach – SV Sillenbuch II 2:0

Nach zuletzt fünf verlorenen Partien gelang den Uhlbachern die langersehnte Wende, zum Aufbaugegner wurde einmal mehr das Tabellenschlusslicht aus Sillenbuch. TSV-Trainer Tim Wagner fiel ein Stein vom Herzen: „Die drei Punkte sind auch für mich befreiend, weil man als Trainer natürlich immer den Kopf hinhalten muss.“ Er zeigte sich zufrieden mit der Leistung seiner Elf, nach seinem Geschmack hätte das Ergebnis auch noch höher ausfallen können, er stellte aber auch klar: „Wenn du nicht hinten reinrutschen willst, musst du gegen die Mannschaften, die hinter dir stehen gewinnen, es war also ein Pflichtsieg.“ Mit Blick auf die kommenden Gegner, die sich im nahen Tabellenumfeld befinden, – unter anderem geht es gegen die SG West und den TB Untertürkheim – soll aus dem Sieg gegen die Sillenbucher eine nachhaltige Trendwende werden.

Tore: 1:0 Menger (51.), 2:0 Alvarez Wörner (89.).

Besonderes: –

SG Untertürkheim – SG Weilimdorf 1:1

Der Höhenflug des Überraschungsteams ist gestoppt – vorerst. Nach zuletzt vier Siegen in Folge rangen die Untertürkheimer mit viel Einsatz der SG Weilimdorf einen Punkt ab. Mit Blick auf die Tabelle ein unerwartetes Ergebnis, Philip Baltsios, Trainer der Gäste, betonte aber: „Ich habe sie nicht als zweitschlechteste Mannschaft der Liga wahrgenommen, sie waren hoch motiviert und das Unentschieden war unterm Strich gerecht.“ Seiner eigenen Mannschaft wollte er keine großen Vorwürfe machen, man habe eine „mittelmäßige bis ordentliche“ Leistung gezeigt, einen konkreten Kritikpunkt gibt es aber dann doch: „Wir machen im richtigen Moment nicht die Tore“, so habe man es verpasst, mit dem 2:0 den Sack zuzumachen – ein Problem, das die Mannschaft die ganze Saison über begleite.

Beim Partycrasher auf der anderen Seite zeigte sich Trainer Christos Kolokotronis umso zufriedener: „Es war ein sehr gutes Spiel, die Mannschaft hat große Moral gezeigt.“ Chancen dazu hatte sie gleich zwei große: Der erste Rückschlag war ein unglücklicher Fehler von Torwart Marcel Leo, der zum 0:1-Rückstand führte, später habe es eine zweifelhafte Rote Karte für Marc Rottmeir wegen einer Notbremse gegeben. Die Reaktion, die die Mannschaft jeweils an den Tag legte, machte Kolokotronis stolz: „Die Mannschaft hat sich nie hängen lassen und stark gekämpft.“ Der erste Zähler des „Neun-bis-zehn-Punkte-Plans“, den der Trainer für den Rest der Hinrunde ausgerufen hatte, ist also eingefahren.

Tore: 0:1 Dietzhausen (31.), 1:1 Mourzidis (61.).

Besonderes: Rote Karte für Rottmeir wegen einer Notbremse (86./Untertürkheim).

TSV Mühlhausen – SG Stuttgart-West 1:2

Im Duell der zuvor direkten Tabellennachbarn setzten sich die Gäste aus dem Stuttgarter Westen mit einem 2:1 gegen die Mühlhausener durch. Ein knapper Sieg, trotzdem sprachen beide Trainer von einem gerechten Ergebnis – kein allzu häufiges Phänomen im Fußball. Nach dem frühen 1:0 für die Heimelf und einem schwachen Start der SG, stellte deren Trainer Benedikt Goos in der Halbzeit um und zog das Momentum auf die eigene Seite. „Beim Gegner haben in der zweiten Hälfte die Kräfte nachgelassen, das haben wir ausgenutzt“, sagte Goos – und zwar in Form von Andreas Papp, der nach seinen zwei Toren gegen MTV am vorigen Spieltag erneut einen Doppelpack erzielte. „Er hat einen guten Lauf und nutzt die Chancen eiskalt“, zeigte sich der Coach zufrieden, der einen verdienten Sieg seiner Elf sah.

Dem schloss sich TSV-Trainer Armend Mehmeti an: „Wir hatten insgesamt den Punkt nicht verdient, SG West wollte den Sieg mehr als wir.“ Dabei hatte man sich schon nach sieben Minuten dank des Treffers von Jens Peringer früh auf der Siegerstraße befunden. „Wir sind stark gestartet, waren sehr diszipliniert“, sagte Mehmeti und fügte humorvoll an: „Aber das Tor hat uns nicht gut getan.“ Danach habe man das Spielen großteils eingestellt und das Zepter an West übergeben. Auch in der zweiten Hälfte habe man es nicht geschafft, an den starken Start anzuknüpfen, außerdem sei dem Team ein „glasklarer Elfmeter“ verweigert worden, als der eigene Stürmer vom gegnerischen Keeper und Abwehrspieler gleichzeitig gefoult wurde. Daran festmachen wollte er die Niederlage aber nicht: „West hat verdient gewonnen.“

Tore: 1:0 Peringer (7.), 1:1 Papp (56.), 1:2 Papp (85.).

Besonderes: –

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