Die Hinrunde war über weite Strecken spannend, nahm dann aber einen überraschenden Verlauf. Eine Zwischenbilanz mit Blick unter anderem auf das Titelrennen sowie den Abstiegskampf.

Titelrennen Noch nach zehn Spieltagen kündigte sich ein spannender Kampf von mindestens vier Mannschaften um den Halbzeitmeistertitel an. Türkspor Stuttgart thronte damals punktgleich vor Beograd Stuttgart auf Platz eins, mit einem Drei-Punkte-Abstand folgten der TSV Münster und der Bezirksliga-Absteiger Sportvg Feuerbach. Dahinter mit jeweils sechs Punkten Rückstand auf das Spitzenduo waren die SG Weilimdorf und der TV 89 Zuffenhausen platziert. Rund fünf Wochen und fünf Spieltage später stellt sich die Situation aber ganz anders dar. Zur Winterpause führt der OFK Beograd, der mit 13 neuen Akteuren in die Saison ging, die Tabelle mit einem Fünf-Punkte-Polster vor dem TSV Münster an. Bereits acht Punkte Abstand hat Türkspor, elf die SG Weilimdorf, zwölf gar Feuerbach, das es auf Platz fünf verschlagen hat. Der TV 89 Zuffenhausen ist noch weiter zurück in seinem Fall beträgt die Lücke nach ganz vorne mittlerweile 16 Punkte.

 

Abgestürzte Titelaspiranten Wie gesagt, die Sportvg Feuerbach ist auf Platz fünf abgestürzt, mit einem „Sicherheitsabstand“ von zwölf Punkten. Dabei war der Club, der erstmals seit dem 47-jährigen Bestehen des jetzigen Klassensystems unterhalb der Bezirksliga sein fußballerisches Glück sucht, für die Konkurrenz der Titelaspirant Nummer eins, wenn auch der eigene neue Coach Sven Damnig die Erwartungen dämpfte. Nach einem Abstieg müsse man sich erst finden, zudem sei man so oder so der Gejagte, sagte Damnig vor dem Rundenstart, das mache die Sache doppelt schwer. Er sollte Recht behalten. Die Seinen haben sich noch nicht stabilisiert und hatten immer mal wieder mit Schwächeperioden zu kämpfen, weshalb der Titel kein Thema mehr für die Kicker vom Wilhelm-Braun-Park sein dürfte. Auch der zweite vermeintliche Favorit, der Vorjahresdritte SSV Zuffenhausen, erfüllte zu keiner Zeit die Erwartungen, steht mit 25 Zählern und Platz sieben im Niemandsland. Und der Dritte im Bunde, Türkspor Stuttgart, war lange auf Kurs, gar Tabellenführer, um dann an den letzten fünf Spieltagen des Kalenderjahrs gegenüber dem jetzigen Ersten Beograd acht Punkte zu verlieren.

Und was war mit dem aktuellen Spitzenreiter? Dieser erfüllt zumindest die Erwartungen eines geringen Teils der Konkurrenz. Beograd war vor der Saison auf den Tippzetteln neben anderen an vierter Stelle gefolgt.

Schießbude der Liga In der Bezirksliga hatte man diesen Titel (in der Endabrechnung 210 Gegentore) schon inne, in der aktuellen Kreisliga-A-Spielzeit ereilt den SC Stammheim das gleiche Schicksal. 89 Tore kassierte das Team von Trainer Stefan Diesing bislang in 15 Partien. Das sind im Schnitt fast sechs Frustrationsmomente pro Spiel und ähnlich viele wie zum gleichen Zeitpunkt in der Vorsaison. Da waren es 91 Gegentore. Der Unterschied: Damals hatten die Nord-Stuttgarter keinen Zähler und waren Letzter. Nun stehen sieben Punkte und der vorletzte Rang zu Buche. Die Lage ist nicht so hoffnungslos wie im vergangenen Jahr; der Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz beträgt nur fünf Zähler.

Überraschungsteam Der TSV Weilimdorf II ist nicht nur die einzige zweite Mannschaft der Staffel, sondern hat bislang mit Platz sechs und 26 Punkten positiv überrascht und den Klassenverbleib schon so gut wie in der Tasche. Das war auch die Zielsetzung der Mannschaft um den Meistertrainer Jürgen Zeyer. Beim bislang letzten Weilimdorfer Kreisliga-A-Versuch vor zwei Jahren war auf den Aufstieg der sofortige, nahezu chancenlose Absturz zurück in den Amateurfußball-Keller gefolgt.

Diesmal läuft es ungleich besser, wenn auch nicht immer geräuschlos. So mussten sich die Nord-Stuttgarter teils Klagen der Gegner anhören, sie würden sich ja immer wieder Verstärkung aus dem eigenen Verbandsliga-Team holen. „Den Ärger kann ich verstehen, aber nicht den Vorwurf“, sagt Zeyer. „Wir nutzen unsere Möglichkeiten, so wie andere Teams ihre Möglichkeiten nutzen.“ Zudem setze man in erster Linie Spieler ein, die in der Verbandsliga kaum Einsatzzeiten bekommen.

Paukenschlag beim Spitzenreiter Beograd Stuttgart führt die Tabelle an, dennoch hat der Erfolgstrainer Sasa Aleksic nach dem letzten Hinrunden-Spieltag überraschend hingeworfen. „Ich hatte keine Unterstützung vom Management, betrachte Fußball stets professionell, auch wenn es sich hier um eine Amateurliga handelt. Leider hat man das im Management nicht so gesehen“, begründet Aleksic seinen Entschluss. Überrascht von der Entscheidung? „Jein“, antwortet Beograds Spielleiter Aleksandar Rogic. Vom Zeitpunkt her und nach einer so guten Hinrunde schon. Dass Aleksic und Beograd alsbald getrennte Wege gehen würden, damit habe er aber gerechnet. „Allerdings erst zum Saisonende.“ Denn Aleksic, der im Sommer das Beograd-Team übernahm, habe nicht das „Selbstverständnis, das es in der Kreisliga A braucht“, so Rogic und meint damit: „Er hat einen zu hohen Anspruch, konnte sich mit den Bedingungen in der Kreisliga nicht anfreunden.“ Der Coach ist also weg, der Puls bei Rogic dennoch weiterhin im gesunden Bereich. Die Mannschaft sei intakt. Es gebe keinen Grund zur Panik, auch nicht bei der Trainersuche. Denn diese muss gar nicht mehr stattfinden. Der bisherige Co-Trainer Ratko Milic steigt nun zum Chef auf.

Ungelernter Quereinsteiger Als sich in der Partie beim SSV Zuffenhausen Fabio La Torre, der Stammtorhüter des Aufsteigers Sportkultur Stuttgart, nach 35 Minuten verletzte, schlug die unverhoffte Stunde von Alessio Toscano. Der 21-Jährige sprang mangels Alternativen kurzerhand ein. Dabei ist dieser weder Fußballer geschweige denn Torhüter, sondern Dualer Student und Fitnesstrainer im Verein. Seine Bilanz bei der 0:4-Niederlage: drei Gegentore, aber auch zwei Mega-Saves.

Fünf gegen den Abstieg Neun Punkte beträgt der Abstand zum Elften TSV Uhlbach bereits. So deutet vieles darauf hin, dass die fünf dahinter platzierten Teams die Stand jetzt drei Absteiger und den Releganten unter sich ausmachen. Sprich: der TV Zazenhausen (zwölf Punkte), der TSV Mühlhausen (elf), die Sportkultur Stuttgart (acht), der SC Stammheim (sieben) und das Schlusslicht TB Untertürkheim (vier). Im schlechtesten Fall werden sogar vier Teams direkt absteigen müssen und der Fünftletzte in der Relegation um den Klassenverbleib kämpfen.

Vierfaches Hurra von der Bank Joker-Tore sind keine Seltenheit im Fußball. Dass aber gleich vier Tore von drei verschiedenen Nachrückern erzielt werden, durchaus. Verantwortlich dafür zeichnet Uhlbachs Spielertrainer Joshua Menger. Dieser brachte beim 0:1-Rückstand gegen die Sportkultur nach 58 Minuten Janitz Wörner Alvarez in die Partie, fünf Minuten später seinen Trainer-Vorgänger Tim Wagner und auch noch sich selbst. Alle drei genannten Bankspieler sorgten für Tore zum letztendlichen 4:1-Sieg der Götzenberg-Kicker. Menger schnürte einen Doppelpack.

Ballermänner Emir Dogansoy führt die Liste der Liga-Ballermänner an. Der Angreifer, im Sommer vom B-Ligisten Stuttgarter Sportclub an den Neckarpark zu Türkspor Stuttgart gewechselt, erzielte bei 14 Einsätzen 23 Tore und betätigte sich darüber hinaus siebenmal als Vorlagengeber. Nicht weiter verwunderlich, dass der 23-Jährige für Furore sorgt. Er hat Qualität, hat das bereits in der Saison 2021/22 unter Beweis gestellt, als er beim damaligen Verbandsligisten VfB Neckarrems 21 Spiele bestritt und zweimal einnetzte.

Jeweils 19 Tore haben bislang Marin Pranjic (13 Spiele) von der Sportvg Feuerbach und Nikola Lakovic (15 Spiele) vom Spitzenreiter OFK Beograd Stuttgart erzielt. Letzterer hat damit aktuell schon fast so oft eingenetzt wie in der gesamten Vorsaison. Da waren es von ihm 21 Tore in 30 Spielen gewesen.

Erfolgreiches sportliches Fremdgehen Hartnäckigkeit zahlt sich aus, auch wenn es sich im Fall von Niklas Wegner vom SV Prag Stuttgart um Fremdgehen sportlicher Art handelt. Als Ersatztorhüter mit Leistenproblemen auf der Bank sitzend, war ein Einsatz des 22-Jährigen gar nicht vorgesehen gewesen. „Er hat mich aber so lange bearbeitet, bis ich ihn dann doch eingewechselt habe“, sagt sein Trainer Frederik Bruder schmunzelnd. Ein weiser Entschluss: In ungewohnter Rolle als Aushilfsstürmer traf Wegner mit seinem einzigen Ballkontakt zum 2:2-Endstand gegen den TV 89 Zuffenhausen.

Aushilfskeeper trifft Der TB Untertürkheim ist bislang arg gebeutelt und Schlusslicht der Liga. Im abschließenden Spiel vor der Winterpause bei der SG Weilimdorf sah es denn auch nach einer weiteren Niederlage aus. Dann schaltete sich der Aushilfskeeper Michael Höschele, ansonsten gesetzt auf dem Feld, ins Offensivspiel mit ein und drückte in der Nachspielzeit den Ball zum 3:3-Endstand ins Netz. Wenn das kein gutes Omen ist?

Klose verpflichtet Miroslav Klose führt mit 15 Toren die ewige Schützenliste bei Weltmeisterschaften an. Auch die Kreisliga A, speziell der SSV Zuffenhausen, hat seinen Klose, Vorname Dennis. Dessen Zähler steht aktuell bei 14. Bedeutet Platz sechs in der Ligawertung. Nichts Besonderes auf den ersten Blick. Jedoch schon, wenn man weiß, dass er allein sechs seiner Treffer davon beim 9:0-Sieg über Stammheim erzielt hat. Einsame Spitze, was die Ausbeute in einem einzelnen Spiel anbelangt.

Tschüss, Trainer Bereits nach sechs Spieltagen hieß es „Tschüss, Erhan Atici“. Der ambitionierte Vorjahresdritte SSV Zuffenhausen trennte sich in Anbetracht von bis dahin nur sieben Zählern auf dem eigenen Konto von seinem Coach. Nachfolger ist seitdem Aticis Co-Trainer Nevzat Dursun. Zwei Spieltage länger war das Haltbarkeitsdatum von Ivo Ilijasevic beim TB Untertürkheim. Seine Bilanz diente aber auch nicht als Bewerbung: acht Spiele, zwei Punkte. Insgesamt sieben Jahre als Spieler und Trainer war er beim Gehrenwaldclub aktiv, die vergangenen beiden Jahre als Chefcoach. Seinem Nachfolger Michael Kienzle ist der große Wurf aber auch noch nicht gelungen. Seine Ausbeute: sieben Spiele, zwei Punkte.

Ein Spieltag voller Action Potzblitz, was war denn am sechsten Spieltag alles los – da spielte die Liga verrückt. Insgesamt neun Platzverweise gab es, viermal glatt Rot und fünfmal Gelb-Rot. Vor allem im Derby zwischen dem SSV Zuffenhausen und der Sportvg Feuerbach – Endstand 0:2 – ging es rund. Die beiden Zuffenhausener Nevzat Dursun und Sedad Köylü sahen ebenso Rot wie der Feuerbacher Jonathan Kahsay, und dessen Mitspieler Luca Lombardi musste mit Gelb-Rot früher Schluss machen. Zudem brachte der Spieltag tragische Momente mit sich. Insgesamt rückte bei den acht Partien an diesem 5. Oktober dreimal der Krankenwagen an, einmal auch in dem angesprochenem Derby.

Torreiche Runde Bis jetzt sind insgesamt 614 Tore gefallen, was einen Schnitt von 5,1 Toren pro Partie macht. Dabei waren die 16 Vereine am letzten Spieltag des Kalenderjahrs am treffsichersten. Bei den acht Begegnungen hieß es 52-mal „Tor“ – ein Schnitt von 6,5 Treffern pro Begegnung. Tore-Negativrekord war am 33. Spieltag: 33 Treffer bedeuteten rund 4,1 pro Partie.

Fair geht vor Die Fairnesstabelle wird vom Aufsteiger TSV Weilimdorf II angeführt. Dieser sah 24 Gelbe und jeweils eine Gelb-Rote und Rote Karte. Zweiter ist der TSV Münster mit 34 Gelben Karten, jedoch ohne einen einzigen Platzverweis. Dahinter der TV Zazenhausen. Dessen Spieler sahen 30-mal Gelb und ebenfalls kein einziges Mal Rot. Eine Gelb-Rote und drei weitere Gelbe Karten stehen aber noch auf dem „Negativkonto“ des Funktionärsteams von Trainer Stefan Schuon. Diese gab es jeweils für einen Offiziellen. Schlusslicht in dieser Stastik ist die Sportvg Feuerbcah. Insgesamt 53 Gelbe, davon zwei für Offizielle, sowie zwei Ampelkarten und zwei Rote Karten bedeuten Liga-Minusrekord.