Der Rückrundenstart der Kreisliga A, Staffel 1, sorgt für Aufregung: Münster-Trainer tritt überraschend zurück, ein Ex-Profi trifft vierfach und in Weilimdorf fehlt der Schiedsrichter.
Der Rückrundenstart der Kreisliga A, Staffel 1, sorgt bereits für reichlich Gesprächsstoff. In Münster schmeißt der Trainer kurzfristig hin, Türkspor angelt sich einen Ex-Profi, der direkt vierfach trifft, SportKulturs spielender Co-Trainer schießt schon jetzt das „Tor des Monats“, und ein Schiedsrichter taucht nicht auf.
SSV Zuffenhausen – TSV Münster 0:7
Den großen Knall gab es beim Tabellenzweiten kurz vor dem Rückrundenstart. Spielleiter und Cheftrainer Uwe Braun erklärte am vergangenen Mittwoch seinen sofortigen Rücktritt. „Es war für uns schon überraschend, dass er so kurzfristig zurücktritt“, sagt der Abteilungsleiter Benjamin Beck. Man sei davon ausgegangen, dass er trotz mehrerer schwelender Unstimmigkeiten zwischen ihm und der Vereinsführung noch bis zum Saisonende weitermache. Uwe Braun selbst wollte sich zu seinem Rücktritt nicht äußern: „Ich bin noch bis zum 30. Juni beim TSV Münster angestellt und bislang nur freigestellt, deshalb möchte ich dazu lieber schweigen.“ Wichtig seien ihm die Mannschaft und deren Leistung, sagt er abschließend.
Diese zeigte auch ohne den bisherigen Cheftrainer unter der Anleitung von Jugendleiter Michael Bodendörfer und dem Trainer der zweiten Mannschaft, Angelo Nigro, eine tadellose Leistung. In die Karten spielte Münster, dass Zuffenhausens Torhüter Marc Schuhmacher bereits in der 11. Minute die rote Karte sah. Der Schlussmann hatte Fabiano Gugjolli nach einem langen Ball rund 25 Meter vor seinem Tor abgeräumt. „Sehr unglückliche Situation, aus unserer Sicht aber berechtigt“, sagt Beck. Anschließend bestätigte Winterneuzugang Denis Skarlatidis (zuvor VfL Waiblingen, Kreisliga B Rems/Murr/Hall) mit drei Toren seine guten Eindrücke aus der Vorbereitung. „In der ersten Hälfte hat es uns Zuffenhausen noch schwer gemacht, in der zweiten Hälfte haben sie nicht aufgesteckt und dadurch aber mehr Räume ermöglicht“, berichtet Beck.
Vorerst übernehmen Michael Bodendörfer und Angelo Nigro gemeinsam mit den beiden Kapitänen Daniel Weiß und Marco Kreidl das Training. „Für uns geht es in der Saison noch um etwas, deshalb schauen wir, wie und wann wir einen neuen Trainer verpflichten können“, sagt Beck. Aufgrund der Kurzfristigkeit gebe es jedoch noch einige Fragezeichen.
Tore: 1:0 Skarlatidis (26.), 2:0 Gugjolli (50.), 3:0 Alkan (64.), 4:0 Skarlatidis (68.), 5:0 Gugjolli (77.), 6:0 Schwarz (81.), 7:0 Skarlatidis (83.).
Besonderes: Rote Karte für Schumacher (Zuffenhausen/11., Notbremse).
Sportvg Feuerbach – OFK Beograd Stuttgart 2:3
Gelungener Einstand für Beograds neuen Spielertrainer Ratko Milic. Nach dem Rücktritt von Sasa Aleksic nach dem Ende der Hinrunde hatte der bisherige Co-Trainer in der Winterpause übernommen. Im ersten Spiel als Cheftrainer konnte Milic den 3:2-Sieg im Topspiel gegen Absteiger Feuerbach feiern. „Ein verdienter Arbeitssieg“, urteilt Milic. Man habe gemerkt, dass die Feuerbacher motiviert waren, den Tabellenführer zu schlagen und es ihnen deshalb schwer gemacht habe. „Wir waren dennoch dominant und haben das Spiel gemacht“, berichtet Milic. Gegen Ende habe man die Gastgeber mit individuellen Fehlern selbst noch einmal herangebracht. „Da haben wir etwas geschlafen“, ärgert sich der Beograd-Trainer.
Richtig geärgert hat sich dagegen dessen Gegenüber Sven Damnig. „Die Niederlage nervt mich“, sagt der Feuerbach-Coach. Das Ergebnis spiegle nicht das wider, was seine Mannschaft auf dem Platz gezeigt habe. „Wir nehmen viel aus dem Spiel mit, darauf können wir aufbauen“, sagt Damnig. Man habe gesehen, wie viel Potenzial in der Mannschaft stecke. Verbessern müsse man zum einen die Kommunikation. Dies zeigte sich, als Nikola Lakovic clever einen Elfmeter provozierte und der Feuerbacher Verteidiger nicht ausreichend vor dem anstürmenden Angreifer gewarnt wurde. Zum anderen den Abschluss. Mit besserer Präzision sei insbesondere in der Schlussphase, als sich die Gastgeber trotz 1:3-Rückstand nicht aufgaben, mehr als ein Tor drin gewesen, berichtet Damnig.
Tore: 0:1 Buzdum (17.), 1:1 Pranjic (52.), 1:2 Lakovic (69., Foulelfmeter), 1:3 Burazor (83.), 2:3 Onuoha (87.).
Besonderes: –
TSV Mühlhausen – Türkspor Stuttgart 1:4
Der Top-Transfer des Tabellendritten Türkspor sticht sofort – und wie. Shkemb Miftari schoss seinen neuen Club in seinem ersten Einsatz mit vier Treffern quasi im Alleingang zum 4:1-Auswärtssieg. Der 32-jährige Angreifer spielte in der Jugend beim VfB Stuttgart, später für den Stadtrivalen Stuttgarter Kickers sogar in der 3. Liga. Nach Stationen unter anderem in der Ober-, Verbands- und Landesliga bei Vereinen wie Waldhof Mannheim, Calcio Leinfelden-Echterdingen, FC Schalke 04 II, den Stuttgarter Kickers, SV Fellbach, SV Böblingen, Türkspor Neckarsulm und GSV Maichingen, spielte er zuletzt für den Enz-Murr Bezirksligisten AKV B.G. Ludwigsburg. Seit dem Winter also Kreisliga A beim Türkspor Stuttgart. „Er wollte bei uns spielen und mit meinen Spielern zusammenspielen, die er teilweise noch von früher kennt“, erklärt Türkspor-Trainer Memik Erdogan den Wechsel. Und Miftari fügte sich direkt nahtlos ein. „Wir sind echt zufrieden mit ihm“, sagt Erdogan. Das 1:0 erzielte der Stürmer aus dem Stand aus 18 Metern. Bei seinen Toren zwei und drei blieb er frei vor dem Tor eiskalt. Seinen vierten Treffer erzielte Miftari mit einem Lupfer über Mühlhausens Torhüter Christian Tadic. „Insgesamt war es ein souveränes Spiel von uns“, sagt Erdogan.
Auch Mühlhausens Trainer Armend Mehmeti ist erstaunt über die individuelle Klasse, die Türkspor damit in seinen Reihen hat: „Das hat mit A-Klasse nichts zu tun“, sagt er anerkennend. Ein solches Team sei kein Maßstab für seine Mannschaft. „So gern wir es wollen, aber mit solchen Teams können wir uns nicht messen“, sagt Mehmeti. Abgesehen vom Ergebnis ist er deshalb zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Defensiv habe seine Mannschaft ab der Mittellinie guten Zugriff gehabt und sei taktisch diszipliniert gewesen. Nach vorne hätten sie dennoch ansehnlichen Fußball gespielt. „Das macht Mut und gibt Selbstvertrauen für die anstehenden Spiele“, blickt Mehmeti voraus.
Tore: 0:1 Miftari (25.), 0:2 Miftari (36.), 0:3 Miftari (84.), 1:3 Elqayem (90.), 1:4 Miftari (90.+1).
Besonderes: Bylykbashi (Mühlhausen) schießt Foulelfmeter neben das Tor (53.).
TSV Weilimdorf II – TV 89 Zuffenhausen 2:2
Ein Unentschieden, das sich für Weilimdorf wie ein Sieg anfühlte, für Zuffenhausen jedoch wie eine Niederlage. In der sechsten Minute der Nachspielzeit gelang den Gastgebern der Lucky Punch. Ein Freistoß von Chrysowalandis Kugiumtzidis kurz nach der Mittellinie sei irgendwie ins Tor gefallen, berichtet Weilimdorfs Trainer Jürgen Zeyer. „Das Unentschieden ist im Endeffekt berechtigt, qualitativ war das Spiel eher dünn“, sagt Zeyer. Alle Tore fielen nach Standards. Gustave Parfait Bruno Ripert Njoya hatte Weilimdorf II mit einem Foulelfmeter in Führung gebracht. Nach einem Eckstoß sprang der Ball Erdem Erarslan zum Ausgleich auf den Oberschenkel. Alexander Iatan schoss dann aus 35 Metern einen Freistoß in den Winkel. Die tief stehende Sonne hatte Torhüter Nabil Khalifa Qiouami die Sicht erschwert. Qiouami hatte in der 30. Minute Sunny Simone ersetzt, der sich am Knöchel verletzt hatte. Simone, eigentlich Ersatzkeeper im Verbandsliga-Team, sollte eigentlich bei der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammeln, nun droht er länger auszufallen.
Auch für Zuffenhausen Trainer Umut Yürük geht das Unentschieden angesichts des kämpferischen Auftritts beider Teams in Ordnung. „Wenn wir uns ein bisschen cleverer anstellen, dann gehen wir mit zwei Punkten mehr aus dem Spiel“, sagt der Coach.
Großes Lob gab es von allen Seiten für Hermann Schäfer. Der bereits 70-jährige Schiedsrichter war kurzfristig eingesprungen, weil der ursprünglich angesetzte Unparteiische krankheitsbedingt nicht erschien. Schäfer hatte zuvor die Kreisliga-B-Partie des ASV Botnang II gegen SV HNK Slaven Stuttgart geleitet. Zuffenhausens Jugendleiter Christian Bauer hatte seinen Schiedsrichterkollegen kontaktiert, der sich kurzerhand bereit erklärte, auch dieses Spiel zu pfeifen.
Tore: 1:0 Ripert Njoya (35., Foulelfmeter), 1:1 Erarslan (40.), 1:2 Iatan (47.), 2:2 Kugiumtzidis (90.+6).
Besonders: –
TB Untertürkheim – SG Weilimdorf 3:2
Überraschung zum Rückrundenauftakt: Das bisherige Schlusslicht aus Untertürkheim hat den Tabellenvierten niedergerungen und mit 3:2 besiegt. „Unterm Strich war es aber ein glücklicher Sieg“, räumt der Trainer des TB Untertürkheim, Michael Kienzle, ein. Aufgrund der klareren Torchancen hätte das Spiel eher zu Gunsten der Gäste aus Weilimdorf ausgehen können. So aber stehen die Untertürkheimer als glückliche Gewinner da. „Es war wichtig, dass wir die Rückrunde mit einem Sieg starten, damit die Aufholjagd für den Klassenverbleib realistischer wird“, sagt Kienzle. Die drei Punkte seien dabei auch wichtig für die Moral der Mannschaft und für das Vereinsumfeld.
Die Untertürkheimer waren auf ihrem Platz früh mit 2:0 in Führung gegangen, hatten dann aber den Anschlusstreffer kassiert. In der zweiten Hälfte waren die Wilimdorfer spielerisch klar überlegen, nutzten ihre Torchancen, bis auf den zwischenzeitlichen Ausgleich, jedoch nicht. Fünf Minuten vor Schluss war dann Robin Wittmann aufmerksamer und erlief einen Querschläger der Weilimdorfer Verteidigung. Mit hohem Tempo zog der Winterneuzugang vom Lokalrivalen SG Untertürkheim in Richtung Tor und schloss wuchtig ins kurze Eck zum 3:2-Siegtreffer ab. „Das macht Mut für die Rückrunde, aber am Ende wird zusammengezählt“, sagt Kienzle. Mit dem Sieg gaben die Untertürkheimer die Rote Laterne an den SC Stammheim ab.
Tore: 1:0 Wolf (6.), 2:0 Andoe (12.), 2:1 Gaxherri (26., Foulelfmeter), 2:2 Ataman (53.), 3:2 Wittmann (85.).
Besonderes: –
SC Stammheim – SportKultur Stuttgart 1:4
Direkt am ersten Tag des März hat Stefan Schullehner bereits das Tor des Monats geschossen, davon ist SportKultur-Trainer Ender Mermer überzeugt. Sein spielender Co-Trainer traf nach dem 1:2 direkt vom Anstoßpunkt aus ins gegnerische Tor und sorgte damit nicht nur für offene Münder, sondern auch für die Entscheidung im Kellerduell. „Das war eine Sensation“, freut sich Mermer. Zuvor hatte Schullehner zwei Tore vorbereitet. Vor dem 1:0 wurde er gefoult, das 2:0 resultierte aus einer Flanke des erfahrenen Innenverteidigers. „Er war der überragende Mann“, berichtet Mermer. Insgesamt sei es ein guter Auftakt des Tabellen-14. gewesen und ein verdienter Sieg. „Wir haben unsere gute Vorbereitung damit bestätigt“, sagt der Trainer.
Die Stammheimer hingegen haben den Rückrundenstart in den Sand gesetzt und sind auf den letzten Platz abgerutscht.
Tore: 0:1 Dos Santos Cedeno (33., Foulelfmeter), 0:2 Tweneboa (36.), 1:2 Tzoulouchitze (80.), 1:3 Schullehner (81.), 1:4 Dos Santos Cedeno (90. +3).
Besonderes: –
TSV Uhlbach – SG West 2:1
Der TSV Uhlbach hat sich für die 0:5-Klatsche im letzten Spiel vor der Winterpause revanchiert und die SG West im Rückspiel mit 2:1 besiegt. Mehr noch: Die Uhlbacher zogen damit in der Tabelle wieder an den West-Stuttgartern vorbei auf Platz neun. „Wir haben uns gut auf deren Spiel eingestellt, deshalb hatte West nur wenig Durchschlagskraft“, sagt der Spielertrainer des TSV Uhlbach Joshua Menger. Sein Team ging nach einem Eckball früh in Führung, Menger selbst erhöhte dann aus dem Spiel heraus auf 2:0. Der Gegentreffer fiel wiederum aus einem Eckball. „Ich sehe es als Neustart und guten Start in die Rückrunde“, sagt Menger zum Sieg.
Bei der SG West herrscht nach der Niederlage Ernüchterung. „Man geht immer mit einer großen Hoffnung in die ersten Spiele nach einer Pause“, sagt Spielertrainer Benedikt Goos. Die Seinen seien für die fehlende Konsequenz im letzten Drittel bestraft worden. „Das 2:0 war der Genickbruch für uns. Danach war es nur ein Anrennen ohne Plan von uns“, sagt Goos. Den eigenen Treffer bezeichnet er deshalb auch als „glücklich“ und erklärt Uhlbach zum verdienten Sieger: „Sie wollten es einfach mehr.“
Tore: 1:0 Pilchowski (14.), 2:0 Menger (56.), 2:1 Henke (81.).
Besonderes: –
SV Prag – TV Zazenhausen 1:2
Stefan Schuon hat ein glückliches Händchen bewiesen. Der Trainer des TV Zazenhausen wechselte mit Tim Walter den Siegtorschützen ein. „Das hat er sehr gut gemacht“, lobt Schuon den Schützen zum 2:1. Walter hatte einen langen Ball erlaufen und im Eins-gegen-Eins mit Prags Schlussmann Michael Brunner zum Führungstreffer eingeschoben. „Da hatte die Viererkette von Prag nicht richtig aufgepasst“, sagt Schuon. Zuvor waren die Gastgeber mit ihrem ersten Schuss in Führung gegangen. In der 28. Minute hatte Lucas Berger ausgeglichen, ehe Walter eine Viertelstunde vor Schluss den Siegtreffer erzielte. „Es war ein echt ordentlicher Kick, beide Mannschaften waren ziemlich gleichstark. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir verdient gewonnen haben“, sagt der Trainer des TV Zazenhausen.
Zazenhausen bleibt zwar Zwölfter, stockt sein Punktekonto damit aber auf 15 Zähler auf. Der SV Prag rutscht dagegen vom zehnten auf den elften Rang.
Tore: 1:0 Raiser (10.), 1:1 Berger (28.), 1:2 Walter (76.).
Besonderes: –