Fußball: Kreisliga A, Staffel 1 Türkspor will sich neu erfinden
Saisonvorschau, Teil drei: Türkspor Stuttgart, TSV Uhlbach und SportKultur Stuttgart. Eine neue Ära bei Türkspor? Indes gibt es bei Uhlbach und dem Aufsteiger Unruhe an der Seitenlinie.
Saisonvorschau, Teil drei: Türkspor Stuttgart, TSV Uhlbach und SportKultur Stuttgart. Eine neue Ära bei Türkspor? Indes gibt es bei Uhlbach und dem Aufsteiger Unruhe an der Seitenlinie.
Der Anpfiff rückt näher, die Spannung steigt: Am 31. August rollt der Ball in der Staffel 1 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen erstmals wieder. Bis dahin nehmen wir die 16 Mannschaften genauer unter die Lupe. Welche Veränderungen hat der Transfersommer gebracht, wie verlief die Vorbereitung und mit welchen Ambitionen gehen die Teams an den Start? Heute in unserem dritten Teil: Türkspor Stuttgart, TSV Uhlbach und SportKultur Stuttgart.
Ein neues Türkspor? In den vergangenen Jahren als Chaotenhaufen verschrien, bei dem ein Kadertotalumbruch auf den nächsten folgt, soll künftig alles anders werden. Schon in der abgelaufenen Saison hatte Trainer Memik Erdogan betont: „Das ist das alte Türkspor. Das sind nicht mehr wir.“ Vielmehr liege der Fokus inzwischen auf nachhaltiger Vereinsarbeit. Ein Blick auf die Neuzugänge des aktuellen Transfersommers verrät: Fünf der neun Neuen sind 23 Jahre oder jünger. „Wir wollen verstärkt auf die Jugend setzen“, unterstreicht Erdogan.
Stichwort personeller Dammbruch: Nachdem das Team in der abgelaufenen Saison auf der Zielgeraden an der direkten Bezirksliga-Rückkehr gescheitert war, haben 14 Spieler den Verein verlassen – darunter mit Haris Vrabac, Fatih Kalkan, Philip Hodak und Erdem Akcan zentrale Säulen des Teams. Letzterer steuerte in der vergangenen Saison 26 Treffer bei und wechselt als Türkspors Toptorjäger zurück zum direkten Konkurrenten SSV Zuffenhausen.
Erdogan betont aber: „Der Mannschaftskern ist zusammengeblieben – das erste Mal seit langem, das freut mich besonders.“ Zum innersten Kreis zählen neben Daniel und Damir Bosnjak auch das Verbandsliga-erfahrene Mittelfeldass Ugur Capar sowie Mehdi Diab und Ali Delgir. Sie alle bleiben dem Team erhalten – Daniel Bosnjak wird aber frühestens nach der Winterpause ins Geschehen eingreifen. In der vergangenen Saison noch zum besten Spieler der Hinrunde gekürt, riss er sich im Rückspiel gegen den TSV Uhlbach das Kreuzband.
Mit Blick auf die Neuzugänge sticht im Gegensatz zu vergangenen Jahren nur eine Personalie mit deutlich höherklassiger Erfahrung hervor: Alper Arslan, der bereits mehrere Jahre für Türkspor spielte, ist zurückgekehrt. Aus der Jugend des VfB stammend, kickte er bereits in der Oberliga. „Er ist offensiv überall einsetzbar und kann alles am Ball“, beschreibt Erdogan den 27-Jährigen.
Nach dem neuerlichen Teilumbruch ist der Coach guter Dinge: „Die Jungs, die uns verlassen haben, waren zwar insgesamt abgezockter, aber die jüngeren Spieler sind fitter und belastbarer.“ Das Saisonziel lautet indes genauso tiefstapelnd wie vergangenes Jahr: „schönen Fußball spielen.“ Damals walzte das Team im Anschluss furios durch die Staffel, kam erst nach der Winterpause aus dem Tritt – die Konkurrenz dürfte also gewarnt sein.
Zugänge: Patrick Coimbra (PSV Stuttgart), Khaled Genc (TV89 Zuffenhausen), Alper Arslan (TSV Heimerdingen), Onur Kutlu (SSV Zuffenhausen), Can Camkerten (TV Zazenhausen), Farzad Akbari, Emre Tüter, Elmedin Sovtic, Emir Dogansoy (alle Stuttgarter SC).
Abgänge: Nader Khalil (VFB Obertürkheim), Haris Vrabac (FV Dersimspor Ludwigsburg), Philipp Wildermuth, Michael Stahlmann, Onur Colaklar (alle SKV Palästina), Zinar Akinci (VFL Stuttgart), Mustafa Koyun (SV Rot Weiss Wittlich), Fatih Kalkan, Denis Skarlatidis (beide VFL Waiblingen), Patryk Ferraro (Viktoria Backnang), Mahmut Fehimli (pausiert), Philip Hodak (TSV Harthausen), Fatih Özkahraman (nun Trainer bei Türkspor Nürtingen), Erdem Akcan (SSV Zuffenhausen).
Trainer: Memik Erdogan (seit Juli 2024).
Saisonziel: schönen Fußball spielen (Platzierung in der vergangenen Saison: 2.).
Meistertipp: SSV Zuffenhausen, Spvgg Feuerbach, OFK Beograd, SG Weilimdorf.
Auftaktspiel: zuhause gegen den SV Prag (Sonntag, 31. August, 15 Uhr).
Kurz vor dem Auftakt bei OFK Beograd (Sonntag, 15 Uhr) haben die Uhlbacher in Joshua Menger endlich den Trainer gefunden, mit dem sie in die neue Saison gehen wollen. Der 25-Jährige kickte bereits in der abgelaufenen Spielzeit für das Team vom Götzenberg und wird künftig als Spielertrainer fungieren. Zuvor hatte die T-Frage für reichlich Wirrwarr gesorgt.
Nach dem schon länger feststehenden, berufsbedingten Aus von Tim Wagner an der Seitenlinie machten sich die Verantwortlichen zum Ende der zurückliegenden Saison auf die Suche nach einem Nachfolger und wurden im Trainerduo Daniel Denk und Harry Wolters fündig. Nur sechs Wochen später war die Zusammenarbeit auch schon wieder beendet. „Wir haben gemerkt, dass wir in unseren Auffassungen einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen“, begründet Spielleiter Harald Gottinger das flotte Aus. Jetzt also Menger als interne Lösung. Klar ist: „Eine ruhige Vorbereitung sieht anders aus“, gibt Gottinger zu.
Indes wurde die spielende Belegschaft einer radikalen Verjüngungskur unterzogen – 13 der 15 Neuzugänge sind unter 20 Jahre alt. Es mag auch im Naturell des Vereins liegen, der so konsequent auf den heimischen Nachwuchs setzt, wie kaum ein anderes Team in der Staffel: Alleine zehn der Newcomer wurden aus der eigenen Jugend rekrutiert. „Es sind gute Jungs und das Potenzial für die erste Mannschaft ist bei dem ein oder anderen da“, sagt Gottinger. Er weiß aber auch: Die Abgänge werden nicht einfach zu kompensieren sein.
Neben Tim Wagner, der schon in der vergangenen Rückrunde die Fußballschuhe als Aktiver an den Nagel gehängt hat, wiegen vor allem zwei Personalien schwer: „Mit Malte Klein und Noah Pilchowski haben wir unseren besten Torwart und unseren Topscorer verloren“, hadert Gottinger. Beide haben die Chance ergriffen, in der Berzirksliga zu spielen. „Qualitativ haben wir Ader gelassen, es wird eine schwierige Saison“, sagt der Verantwortliche. „Aber die Stimmung auf dem Platz ist gut, und wir sind fähig, die Liga zu halten.“
Zugänge: Lenis Eboni, Max Haussecker (beide Junioren SV Fellbach), Malte Sponer, Florian Singe, Matija Skrobonja, Tim Bahr, Robert Lung, Felix Just, Lukas Sonnleitner, Tim Kraft, Tobias König, Mahdi Muradi (alle eigene Junioren), Janitz Wörner-Alvarez, Johannes Kurrle (beide zurück aus Australien), Taysir Derwisch (TSV Neckartailfingen).
Abgänge: Andre Rathfelder, Florian Spahr, Levin Hafenrichter (alle eigene Ü30), Tim Wagner (beruflich bedingter Ausstieg), Malte Klein (TSV Denkendorf), Noah Pilchowski (TSV Schornbach).
Spielertrainer: Joshua Menger für Daniel Denk und Harry Wolter (bei beiden Ziel unbekannt).
Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 9.).
Meistertipp: SpVgg Feuerbach, TSV Münster, SSV Zuffenhausen, OFK Beograd Stuttgart.
Auftaktspiel: auswärts bei OFK Beograd (Sonntag, 31. August, 15 Uhr).
Der Aufsteiger hat eine holprige Vorbereitung hinter sich. Zwei Testspiele mussten aufgrund zahlreicher Urlaubsfahrer abgesagt werden, zudem wurden die Wangener vom Freilos in der ersten Runde des Bezirkspokals überrascht. „Hätten wir das vorher gewusst, wären wir nicht so früh in die Vorbereitung gestartet“, konstatiert Trainer Stefan Schuhllehner. Stattdessen gab er dem Team eine Woche frei.
Doch die eigentliche Nachricht, die an der Kesselstraße für einen unruhigen Sommer gesorgt haben dürfte: Ertan Bozkurt, in der vergangenen Saison als Spielertrainer noch Teil des Duos an der Seitenlinie, hat den Hut genommen.„Er war mit mehreren Dingen in der Mannschaft und im Verein unzufrieden“, deutet Schullehner an. Die Suche nach einem Ersatz laufe bereits. Allen Widrigkeiten zum Trotz bleibt der Coach aber optimistisch: „Das soll uns nicht aus der Ruhe bringen. Die paar Prozentpunkte, die uns jetzt noch fehlen, kommen mit den ersten Spielen.
Nach 14 Jahren war dem Fusionsverein als Meister der Kreisliga B, Staffel 2, in der vergangenen Saison der langersehnte Aufstieg gelungen – auf dem Weg dorthin schoss das Team um Schützenkönig und Bruder des geschiedenen Trainers, Isa Bozkurt (33 Treffer), die Liga mit satten 149 Toren kurz und klein. An der offensiven Spielweise soll sich auch im Kreisliga-Oberhaus nichts ändern. „Wir haben vorne viele sehr gute Spieler, deswegen wollen wir unseren Stil beibehalten“, kündigt Schullehner an – wohlwissend, dass sich das Team auf ein höheres Niveau einstellen muss: „Im letzten Jahr konnten wir unsere Arbeit gegen den Ball vernachlässigen. Das geht jetzt nicht mehr.“
Im Gegensatz zur Konkurrenz hat sich bei der SportKultur in diesem Transfersommer nur wenig getan. Beim einzigen externen Neuzugang handelt es sich um den Abwehrspieler Ahmet Celikkaya. Auch wenn dieser sich nach einer Muskelverletzung noch im Aufbau befindet, „erwarten wir uns sehr viel von ihm“, wie Schullehner betont. Der Blick auf den Kader verrät indes: viel Jugend, wenig Erfahrung – der Coach spricht von einer Feuertaufe. „Einige Jungs haben noch keine Ahnung, was da auf sie zukommt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Zugänge: Ahmet Celikkaya (FC Stuttgart), Christopher Dos Santos Cedeno (nach Kreuzbandriss zurück), Samuele Sciangula, Othman Biachach (beide eigene Junioren).
Abgänge: Berkant Caliskan (TV Echterdingen II), Sedat Koylü (SSV Zuffenhausen).
Trainer: Stefan Schullehner (seit August 2024).
Saisonziel: Nichtabstieg (Platzierung in der vergangenen Saison: 1. Kreisliga B, Staffel 2).
Meistertipp: Sportvg Feuerbach, TSV Münster, Türkspor Stuttgart.
Auftaktspiel: auswärts beim TV89 Zuffenhausen (Sonntag, 31. August, 15 Uhr).