Es ist so weit: Am morgigen Sonntag, 1. September, rollt der Ball wieder in der Kreisliga A. Neben einem regen Transfergeschehen hat sich in diesem Sommer auch organisatorisch einiges getan. Die Bezirksreform ist vollzogen, aus dem Bezirk Stuttgart wird Stuttgart/Böblingen, die Böblinger Teams spielen – mit einer Ausnahme – in der neuen dritten Staffel der Kreisliga A. Die Staffel 1 hat sich indes vergrößert: statt den 15 Teams der vergangenen Saison laufen wieder 16 Mannschaften auf. Damit feiert auch die Relegation ihr Comeback. In altbekannter Manier spielt der Tabellenzweite um den Aufstieg. Im Normalfall gibt es vier Direktabsteiger, der Fünftletzte geht in die Relegation. Einzige Ausnahme: Falls aus der Landesliga kein Team aus dem Bezirk Stuttgart/Böblingen absteigt, reduziert sich die Zahl der Direktabsteiger auf drei.
Sechs neue Teams stehen in dieser Saison in der A-1-Staffel: Mit dem MTV Stuttgart II, der SG Weilimdorf und dem SV Prag Stuttgart wollen sich drei Aufsteiger beweisen. Hinzu kommt der Quereinsteiger aus der Staffel 2, der SV Sillenbuch II, sowie die zwei Absteiger Türkspor Stuttgart und die SG Untertürkheim.
Nachdem der Vorjahres-Überflieger Croatia Stuttgart mit 27 Siegen und nur einem Unentschieden in 28 Spielen durch die Staffel 1 gewalzt war, erwartet die Liga eine deutlich ausgeglichenere Saison 2024/25. Bei einer Umfrage unserer Zeitung unter allen 16 Mannschaften – Mehrfachnennungen waren möglich – landeten drei Mannschaften dicht beieinander: Der TV89 Zuffenhausen und Türkspor Stuttgart erhielten beide neun Stimmen, zum Topfavorit unter den Topfavoriten avanciert der ASV Botnang, dessen Name elfmal fiel.
Schaffen es die Nord-Stuttgarter in der kommenden Saison, den Ruf als „Vizekusen“ der Liga abzulegen, nachdem man in den vergangenen drei Jahren immer auf dem zweiten Platz landete? Trainer Alexander Schweizer kann jedenfalls auf eine hervorragend eingespielte Mannschaft bauen, die im Sommer punktuell verstärkt wurde. Das eigene Saisonziel lautet Aufstieg, etwas anderes könne er seinen Jungs auch nicht sagen, so Schweizer.
Ähnliche (inoffizielle Ambitionen) trotz völlig verschiedener Vorzeichen dürfte man bei Türkspor hegen. Der Absteiger will sofort wieder zurück in die Bezirksliga, untermauert werden die Ansprüche von einem regelrechten Rundumschlag auf dem Transfermarkt: 21 neue Spieler, darunter die Bosnjak-Brüder Damir und Daniel, die von Croatia Stuttgart zurückgekehrt sind, und Offensivkünstler Ugur Capar von Calcio Leinfelden-Echterdingen. Umso mehr überrascht das bescheidene Saisonziel, von dem auch Trainer Memik Erdogan spricht: „Wir wollen einfach schönen Fußball spielen.“ Intern dürfte aber alles andere als der direkte Wiederaufstieg als Enttäuschung gewertet werden – Imagepolitur hin oder her.
Auch beim TV89 Zuffenhausen, der auf neun Nennungen kommt, zählt man Türkspor zu den Favoriten auf den Titel. „Ich kann die schwer einschätzen, aber so wie der Verein dieses Jahr wieder Spieler geholt hat, werden die ganz oben dabei sein“, sagt der Coach Yavuz Tepegöz. In die eigene Topfavoritenrolle will man sich bei den Zuffenhausenern ungern drängen lassen, aber: „Wenn alle fit sind, können wir mit unserem Kader schon ganz oben mitspielen“, so der 43-Jährige. So lautet auch das eigene Saisonziel Aufstieg.
Abgesehen von den großen Drei dürften zwei Mannschaften zu den Geheimfavoriten zählen: Der Name OFK Beograd Stuttgart fällt bei den Meistertipps zweimal, PSV Stuttgart einmal. Besonders die Serben haben sich mit einigen Hochkarätern verstärkt, unter anderem kam Bogdan Rangelov, ehemaliger Regionalligaspieler und einstiger Sturmpartner von Luka Jovic, heute in den Diensten des AC Mailand. Spielleiter Aleksandar Rogic gibt sich dementsprechend selbstbewusst, sagt über die drei Topfavoriten: „Qualitativ sind sie sicher nicht besser besetzt als wir.“
Doch auch mit dem „ewigen Dritten“, dem PSV Stuttgart, muss immer gerechnet werden, allein wegen der Erfahrung im Spiel um die ersten Plätze. Selbst ordnet sich die Truppe von Trainer Nikolai Pozorski innerhalb eben jener ein: Top vier ist das Saisonziel, als Meisterfavoriten hat man Türkspor und TV89 Zuffenhausen auf dem Zettel.
Die kommende Saison in der Kreisliga A, Staffel 1, dürfte also außergewöhnlich spannend werden. Gut möglich, dass sich die Top 3 einen heißen Kampf um den Aufstieg liefern – ein absoluter Dominator vom Kaliber Croatia Stuttgart scheint sich bisher jedenfalls noch nicht abzuzeichnen.