Fußball-Kreisliga A, Staffel 2 Ein Sechserpacker und einige Trainerwechsel
Der SV Hoffeld fertigt den SV HNK Slaven Stuttgart ab und springt auf den Relegationsrang. Bei den Sportfreunden Stuttgart steigt ein ehemaliger Kickers-Spieler ein.
Der SV Hoffeld fertigt den SV HNK Slaven Stuttgart ab und springt auf den Relegationsrang. Bei den Sportfreunden Stuttgart steigt ein ehemaliger Kickers-Spieler ein.
Die Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen steuert auf einen extrem spannenden letzten Spieltag zu. Der Tabellenführer TSV Jahn Büsnau nimmt die Hürde FV Germania Degerloch, der Verfolger SV Hoffeld bessert seine Tordifferenz auf und der SV Sillenbuch gewinnt souverän. Damit geht der TSV Jahn Büsnau nur mit einem Zähler Vorsprung vor den beiden punktgleichen Verfolgern in die letzte Saisonwoche.
Der TSV Jahn Büsnau wurde schnell zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Genauer gesagt nach 21 Minuten. Denn plötzlich lag der Bezirkspokal-Sieger mit 0:2 gegen den FV Germania Degerloch hinten. „Wir wussten, es wird kein Selbstläufer, aber wir brauchen scheinbar immer diesen Weckruf“, sagt Dominik Lenhardt, Spielertrainer des TSV Jahn Büsnau. Noah Azizu Anaba kurz vor und Sebastian Lenhardt kurz nach der Pause trafen dann zum zwischenzeitlichen 2:2. Martin Laasch Quiros schockte die Büsnauer mit dem dritten Treffer der Gastgeber abermals. Dass es eine Weile brauchte, bis die Gäste abermals ausglichen, lag hauptsächlich an deren Unvermögen vor dem Tor. Marc Hetzel traf bei seiner Rückkehr nach längerer Verletzungspause dann mit einem direkten Freistoß. „Seine Qualität ist brutal“, lobt Dominik Lenhardt. Kapitän Sebastian Lenhardt traf kurz darauf zum 4:3-Sieg. Erlösend war der Treffer und der Sieg jedoch nicht. Die Stimmung beim Spitzenreiter war aufgrund des nervenaufreibenden Spiels eher gedrückt. „Normalerweise wird man dafür bestraft, so viele Chancen zu vergeben, diesmal ist es immerhin gut gegangen“, sagt Dominik Lenhardt. Sein Team geht mit der besten Ausgangsposition in das abschließende Spiel gegen die Spvgg Möhringen. „Wir gehen mit vollem Fokus in das Spiel. Ich bin guter Dinger, dass wir es endlich schaffen können“, sagt der Coach. Dann wird die ganze Last wohl endlich abfallen.
Abgefallen ist die Last nach dem gesicherten Klassenverbleib bei den Gastgebern schon in der vergangenen Woche. Befreit aufspielend, konnten sie so den Tabellenführer etwas ärgern. „Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gezeigt, gegen Ende ging uns dann etwas die Kraft aus“, sagt Claudio Marques. Der 34-Jährige ging als Co-Trainer in die Saison, im Winter übernahm er dann immer mehr Verantwortung und stieg zum gleichberechtigten Trainer auf. In der kommenden Saison wird er die Mannschaft mit einem anderen Co-Trainer übernehmen, der bisherige Cheftrainer Christian Bernhagen steigt berufsbedingt aus.
Tore: 1:0 Sachweh (16.), 2:0 Marvin Kuhn (21.), 2:1 Azizu Anaba (44.), 2:2 Sebastian Lenhardt (46., Foulelfmeter), 3:2 Laasch Quiros (63.), 3:3 Hetzel (81.), 3:4 Sebastian Lenhardt (86.).
Besonderes: –
Neben der Freude über den deutlichen Sieg hatte der Trainer des SV Hoffeld, Grigorios Dimoulatos, auch Mitleid mit dem SV HNK Slaven Stuttgart. Die Kroaten waren nur mit einem Rumpfaufgebot angetreten und chancenlos unterlegen. Spätestens nach dem Dosenöffner von Peter Güth in der 17. Minute kamen die Gäste nicht mehr hinterher. „Auf der anderen Seite muss ich natürlich schauen, was für meine Mannschaft das Beste ist“, sagt Dimoulatos. Und das waren definitiv Tore. Denn mit dem Torspektakel, bei dem sich der zuvor mehrere Wochen verletzte Torjäger Peter Güth mit sechs eigenen Treffern und vier Vorlagen eindrucksvoll im Saisonendspurt zurückmeldete, verbesserte der Aufsteiger seine Tordifferenz enorm und zieht abermals am SV Sillenbuch vorbei auf Platz zwei. Zumindest die Relegation haben die Hoffelder damit in der eigenen Hand und den direkten Aufstieg mit nur einem Punkt weniger weiter im Blick. „Erst mal müssen wir gegen Ermis unsere Hausaufgaben machen“, sagt Dimoulatos. „Egal wie es kommt, die Saison war so oder so ein Erfolg“, fügt er an. Den Aufsteiger, der zwischenzeitlich an der Tabellenspitze thronte, hatte vor der Saison keiner auf dem Zettel.
Im Gegensatz zum SV HNK Slaven Stuttgart, den so mancher Konkurrent vor der Saison als Aufstiegskandidaten gehandelt hatte. Die Saison geriet aber zu einem völligen Desaster. Nach dem neunten Platz zur Winterpause verließen zahlreiche Spieler, darunter Leistungsträger wie die Hussein-Familie um Zakaria, Bilal, Moussa und Sami den Verein. Es folgte ein beispielloser Fall ohne einen Sieg in diesem Kalenderjahr. Die heftige Klatsche in Hoffeld besiegelte am Sonntag letztlich den Abstieg des SV HNK Slaven Stuttgart in die Kreisliga B. „Es war abzusehen, deshalb hält sich der Schmerz in Grenzen“, sagt der Präsident Kristian Kera. Nach dem großen Umbruch im Winter folgt nun ein weiterer. „Uns werden viele Spieler verlassen, weil wir uns von manchen auch bewusst entledigen wollen“, kündigt er an. Mehrere talentierte Neuzugänge hätten bereits ihr Ja-Wort dem im Fasenenhof beheimateten Club gegeben. Die Namen wollte Kera jedoch noch nicht nennen. Nur: „Wir werden versuchen, im nächsten Jahr wieder in die Kreisliga A aufzusteigen.“ Dass die Seinen mit der Arbeitsverweigerung so massiv ins Aufstiegsrennen eingegriffen haben, tue ihm leid. „Das wollten wir nicht und war definitiv keine Absicht. Dafür haben wir uns unter anderem bei Sillenbuch entschuldigt“, sagt Kera.
Tore: 1:0 Güth (17.), 2:0 Güth (20.), 3:0 Güth (23.), 4:0 Spahr (26.), 5:0 Issa (31.), 6:0 Güth (40.), 7:0 Younis (53., Foulelfmeter), 8:0 Younis (56.), 9:0 Güth (62.), 10:0 Younis (65., Foulelfmeter), 11:0 Güth (74.), 12:0 Janle (76.), 13:0 Ade (78.), 14:0 Younis (81.), 15:0 Younis (82.).
Besonderes: Patrik Salihu (Slaven) pariert Foulelfmeter von Ade (86.).
Beim SV Sillenbuch dachte man zunächst an einen Fehler, als man vom Endergebnis in Hoffeld gehört hatte. „Es wurde dann aber schnell klar, dass es tatsächlich so war“, berichtet der Co-Trainer Nico Hering. Die Sillenbucher rutschten damit trotz des eigenen Sieges auf den dritten Platz ab und sind damit am kommenden Sonntag mehr denn je auf Schützenhilfe angewiesen. „Die Hoffnung ist nicht hoch, dass noch was passiert. Wir wollen unsere Aufgabe gegen die Sportfreunde erledigen“, sagt Hering.
Erledigt hatten die Sillenbucher ihre Aufgabe gegen den GFV Ermis Metanastis Stuttgart unspektakulär, aber abgeklärt. In der zweiten Hälfte steigerte sich das Team und ging nach 63 Minuten durch Julien Boll in Führung. Nach der Roten Karte für Christos Siaminos schwanden bei den Gästen die Kräfte und der Bezirksliga-Absteiger legte drei weitere Treffer in der Schlussphase nach.
Tore: 1:0 Boll (63.), 2:0 Gerber (86.), 3:0 Harder (89.), 4:0 Boll (90. +2).
Besonderes: Rote Karte für Siaminos (Ermis/83., Tätlichkeit).
Nachdem der letzte notwendige Punkt für den Ligaverbleib eingesammelt war, verkündete Fabio Criscuolo seiner Mannschaft seinen Abschied. Der Trainer der Sportfreunde Stuttgart hatte bereits vor drei Wochen das Angebot des Vereins abgelehnt und darüber nun auch seine Spieler in Kenntnis gesetzt. „Die Wege waren für mich auf Dauer einfach zu weit. Eigentlich wollte ich ein Jahr Pause machen, aber dann hat sich in der Nähe meiner Heimat eine Option ergeben“, berichtet Criscuolo. Der städtische Mitarbeiter kehrt zum FSV Waiblingen zurück und übernimmt dort die zweite Mannschaft, die eventuell in der kommenden Saison in der Bezirksliga antritt. „Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen“, sagt Criscoulo. Sein Nachfolger wird kein Unbekannter: Alexander „Sascha“ Malchow heuert bei den Sportfreunden an. Der ehemalige Kickers-Spieler war bis 2023 sieben Jahre lang Trainer des Ligakonkurrenten und Platznachbarn FV Germania Degerloch. „Wenn er bereit ist, dann war für uns klar, dass wir mit niemand anderem sprechen müssen“, berichtet der spielende Abteilungsleiter Reinhard Bohne.
Nicht nur die Sportfreunde können mit dem Punkt gut leben, sondern auch deren Gegenüber. „Wir hätten gerne mehr gehabt, aber am Ende des Tages ist die Punkteteilung okay“, sagt Erdinc Cakir. Das bereits seit Wochen gesicherte Team fand gegen die leidenschaftlich verteidigten Gäste kein Vorbeikommen. Ihr letztes Heimspiel haben die Stettener Urgesteine Denis Dast und Swen Schraitle bestritten, sie hören wie Jakob Wucherer nach dieser Saison auf.
Tore: 1:0 Burghardt (21.), 1:1 Odera (30.).
Besonderes: Rote Karte für Bega (Stetten/34., grobes Foulspiel); Gelb-Rot für Younis (Sportfreunde/53.) und Bohne (Sportfreunde/65.).
Tobias Fuchs ließ mit seinen Spielern nach dem feststehenden Klassenerhalt den Abend noch gemeinsam ausklingen. „Wir haben es noch ein bisschen genossen“, berichtet der Trainer Fuchs. Zuvor mussten die Gastgeber lange zittern, ehe sie durch einen Konter dank Maximilian Braun den Sack zumachten. Nach dem Anschlusstreffer von Andre Videria Texeira waren die Gäste in der zweiten Hälfte lange dem Ausgleich nahe, konnten wie so oft in der Saison ihre Chancen jedoch nicht nutzen. Zuvor hatten Tim Breitung und Nils Munz mit einer abgerutschten Flanke die Möhringer in Führung gebracht. „Nächste Woche wollen wir zum Abschluss noch ein kleiner Stolperstein für Büsnau sein“, kündigt Fuchs an.
Die Zuffenhausener hatten schon seit Wochen keine Chance mehr auf den Klassenverbleib, verabschieden sich aber mit erhobenem Haupt aus der Liga. „In der nächsten Saison starten wir dann von neu“, sagt deren Trainer Marc Bäuerle. Die Kreisliga B soll dafür genutzt werden, jungen Spielern für die erste Mannschaft eine Plattform zu geben. Das Team verlassen werden deshalb die älteren Spieler um Pantelis Doumtsis und Maurizio Celico. Zudem hängt Nico Kolb nach 13 Jahren beim TV Zuffenhausen mit 28 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel. Weitere Abgänge können hinzukommen, je nachdem, wen der neue Trainer der „Ersten“, Umut Yürük, in seinem Kader möchte.
Tore: 1:0 Breitung (29.), 2:0 Munz (43.), 2:1 Teixeira (45. +2), 3:1 Braun (83.).
Besonderes: Gelb-Rot für Flemming (Zuffenhausen/82.); Eisen verschießt Foulelfmeter (Zuffenhausen/90. +4).
Zwei Spiele wird Ardi Kryeziu für den TSV Heumaden noch mindestens bestreiten, dann wird der 21-jährige Torjäger zum Bezirksligist Türkspor Nürtingen wechseln. „Den Stürmertyp Ardi Kryeziu werden wir sicherlich vermissen. Wir hatten in den letzten Jahren sehr viel Freude mit ihm“, sagt der Trainer Adnan Shakir Mannan. Mit seinen bisher 17 Saisontreffern – zwei davon am vergangenen Sonntag beim FSV Waldebene Stuttgart-Ost – hat der 21-Jährige seinem Team zumindest die Relegation ermöglicht. Diese ist für das vor der Saison hoch gehandelte Team mittlerweile unausweichlich. „Vor ein paar Wochen haben uns einige schon abgeschrieben, deshalb freuen wir uns, dort noch mal Gas geben zu können“, sagt Mannan. Beim FSV Waldebene Ost holte sich das Team mit dem 3:0-Sieg ordentlich Selbstvertrauen. „Wir sind spielerisch jetzt da, wo wir hin wollen“, freut sich der Trainer.
Auf der Waldebene gibt es dagegen einen völligen Neuanfang. Vom bisherigen Trainerduo Yavuz-Selim Demir und Leo Christ trennt sich der Verein im Sommer. Beide hatten das Team während der Saison übernommen, nachdem Christopher Eisenhardt zurückgetreten war. „Sie sind in einer schweren Zeit eingesprungen und haben das Team in ruhige Fahrwasser geführt“, sagt Christos Goulis, sportlicher Leiter des FSV Waldebene Ost. Neuer Coach wird der langjährige Feuerbacher Trainer Rocco Cesarano. Der ehemalige Bezirksliga-Coach bringt seinen Co-Trainer Deniz Kumas mit. „Ich freue mich sehr, dass wir so ein erfahrenes Trainerteam jetzt an Bord haben“, sagt Goulis zu der Verpflichtung.
Tore: 0:1 Kryeziu (38.), 0:2 Toy (47.), 0:3 Kryeziu (86.).
Besonderes: –
Für beide Mannschaften geht es in dieser Saison um nichts mehr, dennoch hadern die Plieninger mit der Niederlage. „Sehr ärgerlich, weil wir das Spiel eigentlich im Griff hatten“, sagt der Trainer David Gzim. Die Gastgeber nutzten mit drei Angriffen die Schwachstellen in der Plieninger Verteidigung aus. Mit den Treffern in der Nachspielzeit der ersten Hälfte und direkt nach der Pause verkürzten die Gäste, brachten sich jedoch abermals um den verdienten Lohn. „Den Elfmeter hätten wir definitiv verhindern müssen“, sagt Gzim. Walter Vins nutzte die Chance vom Punkt zum 4:2. Dominik Bajrami traf dann gegen die aufgerückten Gäste zum Endstand. „Das habe ich so oft auch noch nicht erlebt, aber die Niederlage hätte nicht sein müssen“, sagt der Trainer.
Nach der Saison werden Bilal und Zakaria Hussein den KV Plieningen wieder verlassen. Beide kamen im Winter gemeinsam mit ihrem Bruder Moussa vom HNK Slaven Stuttgart. Bilal soll den Neuaufbau des Türkspor Echterdingen in der Kreisliga B als Spielertrainer vorantreiben, Zakaria wird ihm als spielender Co-Trainer zur Seite stehen. Voraussichtlich wird sich dann Moussa Hussein genauso wie der langjährige Weggefährte der Familie, Benny Ansah Brown, als Spieler dem Verein anschließen.
Der MK Makdedonija Stuttgart hat die Partie genutzt, um einiges auszuprobieren und Erkenntnisse für die neue Saison zu sammeln. „Das hat gut funktioniert“, sagt der Abteilungsleiter Jan Dimitrovski. Abschließende Gespräche sollen in den kommenden Tagen geführt werden. „Warten wir es mal ab. In der nächsten Saison wollen die Jungs dann wieder den Aufstieg angreifen“, kündigt er an.
Tore: 1:0 Kolev (7.), 2:0 Mitrov (13.), 3:0 Genter (18.), 3:1 Press (45. +1), 3:2 Lucic (49.), 4:2 Vins (66., Foulelfmeter), 5:2 Bajrami (80.).
Besonderes: –
Bereits am Mittwochabend setzte sich der TV 89 Zuffenhausen II im verlegten Duell der beiden feststehenden Absteiger gegen den TSV Dagersheim II deutlich mit 5:1 durch. Die Treffer für den Tabellenvorletzten, der damit seinen vierten Saisonsieg einfahren konnte, erzielten Nico Kolb (12.), Flavio Galluccio (23. und 71.), Julian Ljubez (47.) und Manuel Hatzing (90. +2). Kennan Karayel hatte in der 16. Minute zum zwischenzeitlichen Ausgleich für den noch immer sieglosen Tabellenletzten Dagersheim getroffen.