Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1 Abstiegskrimi in Untertürkheim und Grüße aus China

Der TV Zazenhausen mit Kapitän Nico Meyer (links) lieferte sich mit der SG Untertürkheim ein packendes Duell. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Während der Trainer in Fernost weilt, beendet die SG West den Höhenflug des PSV Stuttgart. Derweil kocht in einem Kellerduell der Abstiegskampf – samt zweier Platzverweise und eines Last-Minute-Treffers.

Sport: Dominik Grill (grd)

Im Rahmen eines abgespeckten 22. Spieltages trafen die Mannschaften der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1, bereits am Karsamstag aufeinander. Die Partien Türkspor Stuttgart – TSV Uhlbach und OFK Beograd – TSV Mühlhausen wurden in den Mai verschoben. Der Blick auf die restlichen Begegnungen.

 

SV Prag – ASV Botnang 1:6

Der ASV Botnang gibt sich beim taumelnden SV Prag keine Blöße und fährt ein standesgemäßes Ergebnis ein. „Es war ein gemütlicher Wochenendkick“, beschreibt Alexander Schweizer, Coach der Botnanger, die Begegnung. Für seinen Geschmack sogar etwas zu gemütlich: „Ich war froh, dass es beim 4:0 doch noch etwas sportlichere Züge angenommen hat“, sagt er über den Auftritt seiner Mannschaft, die bereits nach 18 Minuten mit 3:0 in Führung lag. Auch wenn jenes 4:0 durch Daniel Schweizer der Deckel auf eine einseitige Partie gewesen sein dürfte, habe die Mannschaft noch einmal spielerisch einen Gang zugelegt. Am Ende brachten es sechs verschiedene Torschützen auf den Spielberichtsbogen – neben Kapitän Daniel Schweizer traf auch dessen Stellvertreter Mirlind Kamberi. Beide Personalien sorgten bereits unter der Woche für positive Nachrichten: Auch in der kommenden Saison werden sie für den ASV Botnang auflaufen, wie ihr Trainer bekannt gab.

Auf der anderen Seite bauen die Prager unfreiwillig ihre Sieglos-Serie auf nunmehr sechs Partien aus. In der Liga rutscht die Mannschaft von Trainer Frederik Bruder immer weiter ab, ist mit 26 Punkten und Platz Elf mittlerweile im Abstiegskampf angekommen. Hatten die Prager zuvor ein 4:4 gegen den SSV Zuffenhausen erzielt, war gegen den Favoriten aus Botnang dieses Mal nichts zu holen. „Wir sind nicht unbedingt unzufrieden mit der Art wie wir Fußball spielen, aber der Druck wird natürlich größer“, konstatiert Bruder und fügt an: „Wir müssen eben auch mal mit weniger spielerischen Mitteln den Sieg holen.“

Tore: 0:1 Aouini (8.), 0:2 Kamberi (14.), 0:3 Arich (19.), 0:4 Schweizer (52.), 1:4 Ruoff (72.), 1:5 Ceesay (76.), 1:6 Ilhan (82.).

Besonderes: –

SG West – PSV Stuttgart 4:2

Der Höhenflug des PSV ist vorerst gestoppt. Nach zuletzt vier Siegen setzte es gegen die SG West eine – aus des Trainers Sicht – mehr als vermeidbare Niederlage. „Eigentlich hätten wir den Gegner mit 3:0 in die Halbzeit schicken müssen“, hadert Avdo Smajic, der seit seiner Übernahme des Trainerpostens im Winter der Mannschaft neues Leben eingehaucht hat. Das gegnerische Spiel beschreibt er so: „Ein langer Abschlag des Torwarts und hoffen, dass bei uns einer pennt.“ Diesen Gefallen habe seine Elf den West-Stuttgartern gleich drei Mal getan. Doch nicht nur an der eigenen, individuellen Konzentriertheit, auch am gegnerischen Torwart sei Smajic’ Elf ein ums andere Mal gescheitert: „Eric Maier war der beste Mann von SG West“, ist sich der Coach sicher, „unglaublich, was der alles rausgeholt hat.“ In Abwesenheit der Offensiv-Entdeckung der Rückrunde, Tobias Gaycken (sieben Tore in fünf Spielen), stand am Ende die Erkenntnis: „Vielleicht dachten sich bei uns manche, wir marschieren jetzt durch die Liga und uns passiert nichts. Aber das ist ein Lernprozess.“

Bei der SG West sendet Trainer Benedikt Goos derweil Urlaubsgrüße aus dem fernen China. Begeistert von dem günstigen Leben, der Sauberkeit und den zahlreichen Millionenmetropolen im Land der Mitte, ist die Nachricht vom Sieg seines Teams dennoch durchgedrungen. „Das ist natürlich ein Top-Ergebnis gegen eine Mannschaft, die ja gerade etwas Aufwind hat“, zeigt sich der Coach zufrieden und führt aus: „Wir haben nominell ohne Stürmer oder Flügelspieler gespielt und trotzdem vier Tore erzielt.“ Durch den neuerlichen Sieg verfüge sein Team über einen guten Puffer, müsse in der Tabelle hoffentlich nicht mehr nach hinten schauen – und kann Goos beruhigt die letzten Tage in Fernost genießen, bevor er im nächsten Spiel wieder selbst an der Seitenlinie steht.

Senai Tasfaldet, der zusammen mit Goos das Trainer-Gespann bei der SG West bildet, und selbst vor Ort war, sagt über das Spiel: „In den ersten 15 Minuten sind wir geschwommen, konnten uns aber auf unseren überragenden Torwart verlassen.“ Nach etwa 25 Minuten habe sich die eigene Defensive stabilisiert und „quasi keine zwingenden Chancen mehr zugelassen.“ Unterm Strich stünden laut Tasfaldet „Big Points“ und ein verdienter Sieg zu Buche.

Tore: 1:0 Blaser (40.), 2:0 Kienle (48.), 2:1 Seyfried (56.), 3:1 Kienle (60./Foulelfmeter), 4:1 Blaser (74.), 4:2 Mulalic (86.).

Besonderes:

SG Weilimdorf – MTV Stuttgart II 1:2

Der MTV II sendet ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf! Das 2:1 gegen die SG Weilimdorf bedeutet den so wichtigen Sieg nach zuletzt vier Niederlagen in Serie. Lovis Kobasic erzielte die frühe 1:0-Führung für die Kräherwald-Elf gegen die favorisierten Gastgeber. Der Winterneuzugang vom TV Echterdingen II kommt damit auf sieben Torbeteiligungen in fünf Spielen. „Wir haben zuletzt viele Spiele unglücklich verloren, dabei wissen wir, dass wir jedem Gegner Paroli bieten können“, sagt der spielende Co-Trainer David Forderer, „aber dieses Mal haben wir das auch gezeigt.“ Sei die erste Halbzeit noch an Weilimdorf gegangen, sah er die Seinen vor allem in Hälfte zwei am Drücker, konstatiert: „Der Gegner hat sich, glaube ich, etwas verausgabt. Wir hätten noch höher gewinnen können.“

In Bezug auf die Kaderplanungen für die kommende Saison spricht Forderer von einer schwierigen Situation: „Wir wissen nicht in welcher Liga wir spielen werden, auch wenn es gerade eher nach Kreisliga B aussieht.“ Folgende Spieler hätten aber bereits zugesagt – unabhängig von der künftigen Klassenzugehörigkeit: Jonas Forderer, Kai Schwägerl, Foday Ceesay, Erik Enke, Sedric Cirzel, Max Rodenbüsch und Rainer Schwarz. „Wir haben natürlich noch Hoffnung auf den Klassenerhalt, aber wenn wir absteigen, sind die Jungs bereit, die Suppe wieder auszulöffeln“, sagt Forderer.

Für die ebenfalls kriselnden Weilimdorfer ist es indes die fünfte Niederlage in Folge – einschließlich des Bezirkspokal-Aus’ gegen den TSV Jahn Büsnau. „Bei uns ist der Wurm drin“, muss auch Trainer Philip Baltsios feststellen. „Mehrere Leistungsträger sind gerade verletzt oder im Formtief. Der Relegationsplatz rückt immer näher.“ Gegen den MTV habe seine Mannschaft zwar mehr Chancen gehabt als der Gegner „aber insgesamt viel zu wenig gemacht. Und Vieles klappt offensiv gerade einfach nicht.“ Die Weisung ist klar: „Wir müssen begreifen, dass wir unter Zugzwang stehen, wieder zu gewinnen“, sagt Baltsios.

Tore: 0:1 Lovis Kobasic (8.), 1:1 Janik (20.), 1:2 Schwägerl (55.).

Besonderes: –

TV89 Zuffenhausen – TB Untertürkheim 5:2

„Normalerweise brauchen meine Jungs ja 14 Chancen für ein Tor“, scherzt ein gut gelaunter Yavuz Tepegöz, „aber scheinbar haben sie das Toreschießen gelernt.“ Der Coach der Zuffenhausener war selbst überrascht, wie abgezockt die Seinen vor dem gegnerischen Tor auftraten – in den vergangenen Wochen und Monaten hatte er ebenjene Chancenverwertung immer wieder als mangelhaft kritisiert. Gegen den TB Untertürkheim waren nicht einmal zwei Minuten auf der Uhr, als es im gegnerischen Kasten bereits klingelte: Marko Sorgic erzielte die frühe Führung. Der Zuffenhausener Toptorjäger steht bei nunmehr 13 Saisontreffern. Ein Sonderlob holte sich aber ein anderer Spieler ab: „Alan Pfitzner war für mich der ‚Man of the Match’“, sagt Tepegöz über den 25-Jährigen, der wie Sorgic zwei Tore erzielte und dessen 5:1 vorbereitete. Unterm Strich sah der Trainer einen verdienten, souveränen Sieg seiner Mannschaft.

Ähnlich klingt die Meinung zum Spiel bei TBU-Trainer Ivo Ilijasevic. „Wir haben verdient verloren. Dieses Mal war einfach nicht mehr drin.“ Nur „zehn bis 15 Minuten“ habe seine Elf gut mitgespielt und obendrein es dem Gegner bei drei, vier Tore „viel zu einfach gemacht“. „Es war ein gebrauchter Samstag“, zog der Coach ein kritisches Fazit. Ein kleiner Lichtblick: „Wir hatten Glück, dass die anderen im Tabellenkeller auch Punkte liegenlassen haben.“

Tore: 1:0 Sorgic (2.), 2:0 Pfitzner (24.), 2:1 Wolf (51./Foulelfmeter), 3:1 Pfitzner (57.), 4:1 Weiss (62.), 5:1 Sorgic (65.), 5:2 Balija (88.).

Besonderes: –

SG Untertürkheim – TV Zazenhausen 3:3

Nach einem Abstiegskampf-Thriller rechnete vor allem SGU-Coach Christos Kolokotronis mit der eigenen Leistung ab: „Das war unser schlechtestes Spiel der Saison.“ Nach dem mehr als ordentlichen Rückrundenauftakt, unter anderem mit Siegen über den SSV Zuffenhausen (1:0) und den TSV Mühlhausen (4:0), ist die Punkteteilung gegen den Tabellennachbarn aus Zazenhausen ein echter Stimmungsdämpfer – zumal Kolokotronis den einen Punkt noch als glücklich bewertete: „Zazenhausen hätte den Sieg verdient gehabt, weil sie die cleverere Mannschaft war und mehr Torchancen hatte.“ Dass es anders kam, hatten die Untertürkheimer Jannik Hinz zu verdanken, der in der Nachspielzeit noch zum Ausgleich traf. Zuvor hatte Teamkollege Dimitrios Fillipidis die rote Karte wegen Foulspiels gesehen. Diese hatte auch Zazenhausens Nico Friedlein beim Schiedsrichter eingefordert, der ihm dafür prompt die Ampelkarte zeigte. Kolokotronis’ Fazit zum Spiel: „In solchen wichtigen Spielen fehlt uns oft der Kopf, ich weiß auch nicht warum.“

Noch in der ersten Hälfte waren dagegen die Gäste auf bestem Wege, den dritten Dreier des Kalenderjahres einzufahren. Nach 25 Minuten führte die Truppe von Trainer Andreas Kulow dank Doppelpacker Sören Frank mit 2:0. „Ich bin hochzufrieden mit der ersten Halbzeit“, sagt der Coach, „aber wir haben es verpasst, den Sack zuzumachen.“ Durch eine aus seiner Sicht mindestens strittige Elfmeterentscheidung – den Strafstoß verwandelte Robin Wittmann von der SGU zum 1:2 – kam der Gegner aber in der zweiten Hälfte zurück ins Spiel und bereitete durch Fillipidis’ Tor zum 2:2 alles für die packende Schlussphase vor. Der anschließende, eigene Treffer von Louis Quast reichte am Ende nicht zum Sieg – und der eine Punkt im Abstiegskampf schon gar nicht. „Wir haben ein super Spiel gemacht, aber tabellarisch hilft uns das Ergebnis nicht weiter“, sagt Kulow konsterniert.

Tore: 0:1 Frank (24.), 0:2 Frank (25.), 1:2 Wittmann (63./Foulelfmeter), 2:2 Fillipidis (70.), 2:3 Quast (84.), 3:3 Hinz (90.+2).

Besonderes: gelb-rot für Friedlein (87./Zazenhausen), rote Karte für Fillipidis (88./Untertürkheim).

SV Sillenbuch II – SSV Zuffenhausen 1:4

Die Kritik des Trainergespanns scheint gefruchtet zu haben – vor allem in der ersten Halbzeit. Hatte Zuffenhausens Co-Trainer Nevzat Dursun nach dem enttäuschenden 4:4 gegen den SV Prag in der Vorwoche einigen seiner Spieler eine gewisse Überheblichkeit vorgeworfen, nahm der Tabellendritte das Schlusslicht von Beginn an Ernst: Mit 3:0 ging es in die Kabinen, dann aber stockte der Offensivmotor. „Wir waren nicht überheblich, aber wir dachten wohl, die zweite Hälfte wird so laufen wie die erste“, sagt Dursun. Trotz des Anschlusstreffers durch Medkaya Yildirim ließen die Zuffenhausener aber nichts mehr anbrennen, Voijslav Jovanovic besorgte den 4:1-Endstand. „Wir haben über 90 Minuten dominiert und hatten Spaß, den Ball laufen zu lassen“, zog der Coach ein zufriedenes Fazit und unterstrich: „Jeder hat für jeden gekämpft.“

Tore: 0:1 Özbek (15.), 0:2 Degirmenci (35.), 0:3 Yilmaz (42.), 1:3 Yildirim (76.), 1:4 Jovanovic (84.).

Besonderes: –

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