Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1 Acht auf einen Streich – Türkspor schockt zum Start die Konkurrenz

Erdem Akcan (rechts) traf bei seinem Comeback für Türkspor Stuttgart gleich viermal. Foto: Günter Bergmann

Während der Bezirksliga-Absteiger und auch der ASV Botnang torreich beginnen, patzt der Dritte aus dem Trio der Meisterschaftsfavoriten. Ein Rückkehrer trifft gleich vierfach, und ein anderer Spieler wartet mit einem rekordverdächtigen Hattrick auf.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Egal, auf welchen Platz man geschaut hat, die Hitze war zum Saisonauftakt am Sonntag in der Staffel 1 der Kreisliga A ein großes Thema. Denn in der prallen Sonne auf staubtrockenem Kunstrasen Fußball zu spielen, das kann schnell ungemütlich werden. Wer eine holprige Vorbereitung hinter sich hatte, bekam das direkt zu spüren. Das erste dicke Ausrufezeichen kommt indes von Türkspor Stuttgart. Der Bezirksliga-Absteiger hat mit einem Acht-Tore-Spektakel gleich die Tabellenführung übernommen. Ein Blick auf alle Begegnungen.

 

Türkspor Stuttgart – PSV Stuttgart 8:0 (3:0)

Sie wollen „einfach schönen Fußball spielen“. Das hatten die Verantwortlichen bei Türkspor Stuttgart in der Vorausschau auf die Saison immer wieder betont. „Phasenweise hat das schon ganz gut geklappt“, sagt der Trainer Memik Erdogan nach dem ersten Spiel, was angesichts des 8:0-Kantersiegs über den durchaus ambitionierten PSV Stuttgart wie die Untertreibung des Jahres klingt. Der Rückkehrer Erdem Akcan traf zum Einstand direkt viermal und hatte so wesentlichen Anteil an diesem ersten Statement des Bezirksliga-Absteigers.

„Wir haben unsere Chancen genutzt“, analysiert Erdogan nüchtern. „Aber ich bin spielerisch nicht mit den gesamten 90 Minuten zufrieden.“ Das sei am ersten Spieltag allerdings ganz normal, wichtig seien vor allem die Punkte. Euphorie soll bei Türkspor so früh in der Saison noch nicht aufkommen, Gedanken um irgendwelche Saisonziele mache sich in der Mannschaft niemand. „Wir wissen den Sieg einzuordnen. Es war nur das erste Spiel“, sagt Erdogan.

Der Gegner vom Polizeisportverein hat die Top vier als Saisonziel ausgegeben, dementsprechend müsste nach der deftigen Klatsche der Frust eigentlich groß sein. Doch auch der Gästetrainer Nikolai Pozorski will das Ergebnis nicht zu hoch hängen. „Türkspor hat eine sehr gute Mannschaft und war in der ersten Halbzeit wahnsinnig effektiv“, sagt er. „Wenn du bei der Hitze mal hinten liegst, wird es einfach verdammt schwer.“ Zudem verschoss Dennis Klose kurz vor der Pause auch noch einen Elfmeter für den Dritten der vergangenen Saison – das hat laut Pozorski „zum Tag gepasst, aber ich mache ihm keinen Vorwurf“. Es sei eine Niederlage, die einen aufhorchen lasse, sagt der Trainer, und vor allem: „Sie muss ein Ausrutscher bleiben.“

Tore: 1:0 Erdem Akcan (5.), 2:0 Enes Korkmaz (23.), 3:0 Akcan (35.), 4:0 Korkmaz (50.), 5:0 Ugur Capar (53.), 6:0 Akcan (58.), 7:0 Erdal Koyuncu (60.), 8:0 Akcan (74).

Besonderes: Halis Özcan (Türkspor) wehrt Foulelfmeter von Dennis Klose ab (43.).

TV Zazenhausen – ASV Botnang 1:4 (0:1)

Zu den großen Aufstiegsfavoriten zählt in diesem Jahr auch der ASV Botnang. Und im Auswärtsspiel beim TV Zazenhausen wurde der amtierende Vizemeister seiner Rolle mit einem 4:1-Sieg auch direkt gerecht. „Wir hatten einen klaren Matchplan und haben den bis zur Trinkpause um die 70. Minute auch sehr gut umgesetzt“, analysiert der Trainer Alexander Schweizer. 4:0 führten die Botnanger zu diesem Zeitpunkt, danach habe sich allerdings ein wenig der Schlendrian eingeschlichen. „Mit dem Ergebnis im Rücken und bei der Hitze haben es wir ein wenig auslaufen lassen“, sagt Schweizer – prompt erzielte der Gegner noch den Ehrentreffer.

Nicht nur deshalb sah der Zazenhausener Trainer Armando Traini ein durchaus ordentliches Spiel seiner Mannschaft: „Gerade in der ersten Halbzeit haben wir es wirklich gut gemacht, waren eigentlich nur eine Sekunde lang unaufmerksam“, sagt er. Eine Sekunde, die Botnangs Mirlind Kamberi allerdings reichte, um in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den Führungstreffer zu erzielen. Direkt nach Wiederanpfiff kassierte Zazenhausen das zweite Gegentor, „dann haben sich bei dem Wetter unsere Fitnessdefizite besonders ausgewirkt; die Kräfte haben nachgelassen“, sagt Traini.

Lob von ihm für die Botnanger Gäste: „Wenn wir die Schnittstellen mal offen gelassen haben, dann haben sie die Bälle genau da reingespielt. Das macht in dieser Liga auch nicht jeder so gut – sie zählen nicht umsonst zu den Favoriten.“

Tore: 0:1 Mirlind Kamberi (45.+3), 0:2 Luca Huber (48.), 0:3 Luca Huber (61.), 0:4 Daniel Schweizer (64.), 1:4 Sinan Serce (86.).

Besonderes: –

TV 89 Zuffenhausen – TSV Mühlhausen 1:2 (0:0)

Ebenfalls zum Kreis der Favoriten gehört eigentlich der TV 89 Zuffenhausen. Im Gegensatz zu den übrigen Aufstiegsaspiranten starteten die Nord-Stuttgarter allerdings mit einer überraschenden Niederlage in die Saison. Von einem Dämpfer will der Trainer Yavuz Tepegöz trotzdem nicht sprechen: „Wir haben gut gespielt; bis auf das Ergebnis war das eine saubere Mannschaftsleistung.“ Neben seinen eigenen Spielern hat Tepegöz auch viel Lob für den Gegner übrig. „Mühlhausen hat das gut gemacht, sie haben stark verteidigt und waren vorne sehr effizient.“ Worte, die der Gästecoach Armend Mehmeti dankend annimmt. „Eigentlich spare ich nach Siegen lieber mit Lob“, sagt er. „Aber heute kann ich mich kaum zurückhalten. Ich bin wirklich hochzufrieden und stolz.“ Seine Mannschaft habe gezeigt, dass es nicht einfach ist, sie zu schlagen.

Auch in Zuffenhausen war die Hitze ein großes Thema: „Die Temperaturen waren heftig, dadurch ist der Sieg noch höher zu bewerten“, sagt Mehmeti, und auch Tepegöz sah ein Spiel, in dem „alle 22 Mann auf dem Platz am Anschlag“ waren. „Ich glaube, ich habe noch nie in einem Spiel so viele Kisten Sprudel verballert.“

Tore: 0:1 Fabio Walz (47.), 1:1 Marko Sorgic (68.), 1:2 Ahmad Nasser (71.).

Besonderes: –

OFK Beograd Stuttgart – TB Untertürkheim 4:0 (1:0)

Was ist Beograd in dieser Saison zuzutrauen? Es war eine schwierige Frage vor dem Start. Der Ex-Bezirksligist hat gleich 14 neue Spieler geholt, darunter in Bogdan Rangelov einen ehemaligen Regionalliga-Kicker. Der war beim klaren 4:0-Sieg gegen Untertürkheim zwar nicht selbst erfolgreich, bereitete aber zwei Treffer mustergültig per Eckball vor. „Dass wir die Qualität haben, um vorne mitzuspielen, wissen wir“, sagt der Spielleiter Aleksandar Rogic. „Und wir haben sie diesmal auf den Platz gebracht.“ Dabei waren die Seinen allerdings auf ein Eigentor als Dosenöffner angewiesen. „Das war unglücklich; davor war das Unentschieden leistungsgerecht“, sagt der Untertürkheimer Trainer Ivo Ilijasevic. „Und auch danach hatten wir noch unsere Chancen. Erst nach dem 0:2 wurde es schwierig.“

So waren die Tore zwar klar verteilt, trotzdem blicken beide Mannschaften positiv auf die kommenden Wochen. „Es ist eine spannende Liga; neben den üblichen Verdächtigen dürfen sich noch einige andere Hoffnungen auf die Meisterschaft machen“, schätzt Rogic. „Umso wichtiger war es für uns, gleich da zu sein.“ Ilijasevic war nach der klaren Niederlage zwar zunächst verärgert, holt nun aber auch zur Kampfansage aus: „Wir haben gezeigt, dass wir jeder Mannschaft weh tun können. Und das werden wir in den kommenden Wochen auch tun.“

Tore: 1:0 Nicolaj Galicin (32., Eigentor), 2:0 David Lazic (67.), 3:0 Veljko Burazor (69.), Ivan Percobic (88.).

Besonderes: –

SG Untertürkheim – SSV Zuffenhausen 1:6 (0:2)

Der Abstieg aus der Bezirksliga hat die SG Untertürkheim hart getroffen – nicht zuletzt, weil gleich 15 Spieler den Verein verließen. Dementsprechend wagte vor Saisonstart auch niemand, vom direkten Wiederaufstieg zu sprechen. Dass den Neckarstädtern keine leichte Spielzeit bevorsteht, zeigte nun die 1:6-Auftaktniederlage gegen Zuffenhausen deutlich. „Wir werden hier nichts geschenkt bekommen“, bekräftigt der Sportliche Leiter Andreas Pipilikakis. „Es ist einfach ein großer Umbruch, den wir erst mal wegstecken müssen.“

Besonders heftig erwischte es die Untertürkheimer in der Phase um den Pausenpfiff, als sie innerhalb weniger Spielminuten drei Gegentore kassierten. „Zuffenhausen hat unsere Fehler böse bestraft; diese Phase war definitiv der Genickbruch für uns“, sagt Pipilikakis, der nach einer schwierigen Vorbereitung auch die Fitnessprobleme beim ein oder anderen Spieler nicht verschweigen will.

Probleme, die auch der Zuffenhausener Coach Erhan Atici bemerkte. „Sie waren irgendwann müde. Aber bei dieser brutalen Hitze war es auch klar, dass es für den schwer wird, der in Rückstand gerät“, sagt er. Seine Mannschaft habe sich nach dem vierten Tor aufs Kontern fokussiert und sei dennoch bei Spielende „ziemlich kaputt“ gewesen. „Wir freuen uns über die Punkte“, resümiert Atici. „So einen Saisonstart hätten wir uns nicht träumen lassen.“

Tore: 0:1 Jakob Lauser (8.), 0:2 Rick Hachenbruch (45.+3), 0:3 Abdul Hakem Surasi Hamld (48.), 0:4 Lauser (53.), 1:4 Dennis Wagner (62., Eigentor), 1:5 Max Weinmann (78.), 1:6 Kingsley Banseka (82.).

Besonderes: –

TSV Uhlbach – MTV Stuttgart II 3:3 (2:0)

In Uhlbach wurden die Zuschauer Zeugen der Bennet-Michel-Festspiele. Mit 0:2 lag Aufsteiger MTV Stuttgart II zur Pause schon zurück, als der Gästestürmer aufdrehte und in zehn Minuten dreimal traf. „Wir haben schon vor der Pause gut gespielt und haben uns dann noch mal auf unsere Stärken konzentriert“, sagt der MTV-Trainer Valentin Mangold. Auch vom Gegner gab es ein Lob für das Ligadebüt des Aufsteigers: „Der MTV hat eine sehr gute Spielanlage. Da haben wir ein bisschen gebraucht, um reinzukommen“, sagt der Uhlbacher Trainer Tim Wagner. Dann gelangen seinem Team zwei Tore zur erwähnten 2:0-Führung – begünstigt „durch zwei blöde individuelle Fehler von uns“, wie Mangold es zusammenfasst.

Im zweiten Abschnitt wollte sich Uhlbach laut Trainer Wagner dann eigentlich aufs Kontern verlegen. Der dreifache Michel machte dem einen Strich durch die Rechnung. Dass es am Ende für den Aufsteiger doch nicht zum Sieg reichte, war einem Handelfmeter geschuldet, der nach Ansicht beider Trainer berechtigt war. „Nach der aktuellen Regelauslegung geht er in Ordnung, auch wenn ich kein Fan davon bin“, sagt Mangold. Und Wagner fügt an: „Ich glaube, irgendwie waren beide Mannschaften dann auch froh, als das Spiel vorbei war.“ Der offene Schlagabtausch hatte in der Hitze ordentlich Körner gekostet.

Tore: 1:0 Marc Kevin Thöne (29.), 2:0 Noah Pilchowski (45.+2), 2:1 Bennet Michel (47.), 2:2 Bennet Michel (51.), 2:3 Bennet Michel (58.), 3:3 Pilchowski (71., Handelfmeter).

Besonderes: –

SV Prag Stuttgart – SV Sillenbuch II 1:1 (0:0)

Ein 1:1 zum Saisonstart in der höheren Liga – für einen Aufsteiger eigentlich ein gutes Ergebnis. Trotzdem ist der SV-Prag-Trainer Frederik Bruder nicht ganz glücklich mit dem Resultat gegen die Reserve des SV Sillenbuch. „Wir haben spielerisch dominiert, aber unsere Torchancen wahnsinnig schlecht verwertet“, sagt Bruder. Bereits in der ersten Minute musste ein Sillenbuch-Verteidiger auf der Linie klären, auch danach habe seine Mannschaft die Partie im Griff gehabt. „Kurz nach der Pause waren wir dann einmal kurz unaufmerksam und kassieren direkt ein Tor“, berichtet Bruder. Dieses Tor von Leoluca Cimino reichte den Gästen, um immerhin ein Unentschieden mit nach Hause zu nehmen.

„Vor dem Spiel hatte ich mir mehr erhofft, aber nach diesem Spielverlauf kann ich mit dem Punkt sehr gut leben“, sagt der Sillenbucher Trainer Necmi Keskin. „Ich weiß nicht, warum, aber wir sind mit dem Wetter überhaupt nicht klargekommen“, rätselt er. „Wir waren platt, es ging nichts.“

So waren es am Ende die Prager, die das Spielfeld mit gemischten Gefühlen verließen. „Es ist ein gutes Zeichen, dass wir so in der Liga angekommen sind, dass wir spielerisch mithalten können“, fasst Bruder zusammen, hat aber auch ein wichtiges Learning für seine Aufsteiger parat: „Man darf sich in dieser Liga keine Unaufmerksamkeit leisten, es wird alles sofort bestraft.“

Tore: 0:1 Leoluca Cimino (51.), 1:1 Navid Kashefipour (68.).

Besonderes: –

SG Weilimdorf – SG Stuttgart-West 2:2 (1:0)

Auch der dritte Aufsteiger der Staffel, die SG Weilimdorf, sammelte im ersten Spiel den ersten Punkt ein. Und auch sein Trainer Philip Baltsios war nicht voll zufrieden mit dem Ausgang der Partie, denn seine Mannschaft hatte gegen die SG Stuttgart-West nach einer Stunde bereits mit 2:0 geführt. „Wenn wir zuhause mit zwei Toren führen, müssen wir das eigentlich gewinnen“, sagt Baltsios. Stattdessen kassierte Weilimdorf im direkten Gegenzug den Anschlusstreffer, ließ danach mehrere Gelegenheiten zum wohl entscheidenden dritten Tor liegen und musste kurz vor Schluss den Ausgleich hinnehmen. „Es ist mega bitter“, befindet Baltsios. „Aber wir sind eine junge Truppe, vielleicht sind wir da einfach noch zu grün hinter den Ohren.“

Tore: 1:0 Martin Schdanowitsch (20.), 2:0 Shawn Christiansen (65.), 2:1 Tobias Kienle (66.), 2:2 Nico Müller (86.).

Besonderes: –

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