Am zehnten Spieltag marschieren die Top Fünf, angeführt von Spitzenreiter Türkspor, im Gleichschritt. Genauso wenig (tabellarische) Bewegung herrscht im Tabellenkeller, wobei hier vielmehr von „Gleichstand“ anstatt von „Gleichschritt“ die Rede sein sollte: Alle vier Kellerkinder verlieren ihre Duelle deutlich. Der Blick auf die jüngsten Begegnungen in der Kreisliga A, Staffel 1.
SG Weilimdorf – TV Zazenhausen 4:0
Das Überraschungsteam der Liga setzt seinen Lauf fort! Mit dem vierten Sieg in Folge hat der Aufsteiger nicht nur längst die eigene Ligatauglichkeit bewiesen, sondern nimmt mittlerweile die Spitzenplätze ins Visier. Innerhalb von vier Spieltagen stürmte man von Platz elf auf den jetzt fünften Rang, im Bezirkspokal wurde nebenbei die Spvgg Cannstatt geschlagen, der Drittplatzierte in der Bezirksliga. SG-Trainer Philipp Baltsios bestätigt: „Wir kommen immer mehr ins Rollen.“ Man habe die anfängliche Blauäugikeit abgelegt und sei in der Liga angekommen. Zu Gute kommt dem Team der breite Kader, der die aktuelle Krankheitswelle gut verkrafte.
Nach zuletzt engen Siegen gelang gegen das Kellerkind aus Zazenhausen ein deutliches Ergebnis – das innerhalb weniger Minuten und erst in der Schlussphase zustande kam. „Am Ende haben wir die Chancen genutzt, die wir vorher vergeben haben“, sagte Baltsios, der einen dominanten Auftritt samt verdientem Sieg seiner Mannschaft sah.
Im Gegensatz zur SG trifft die erwähnte Krankheitswelle bei den Zazenhausenern auf eine knappe Belegschaft. „Wir sind zu dünn besetzt, das merken wir jetzt“, sagte Trainer Armando Traini, der ob der prekären Lage selbst kurz vor einem Comeback auf dem Platz stand. Das Outfit lag schon in der Kabine bereit, stattdessen sprang dann aber Co-Trainer Dennis Menner ein. Für den „kompletten Blackout“ seines Teams, als man spät die deutliche Niederlage kassierte, gebe es aber keine Ausreden: „In fünf Minuten drei Tore zu kriegen, das geht nicht“, so Traini, der von einem engen Spiel und zu hoch ausgefallenem Sieg der SG sprach. Sein Fazit: „Das ist so ein Jahr, da muss man einfach durch.“
Tore: 1:0 Dietzhausen (32.), 2:0 Dietzhausen (77.), 3:0 Marinovic (82.), 4:0 Schmidt (83./Eigentor).
Besonderes: –
TV89 Zuffenhausen – Türkspor Stuttgart 1:4
Doppelte Türkspor-Haue für die Heimelf innerhalb weniger Tage! Unter der Woche flog man mit 0:4 aus dem Bezirkspokal, in der Liga hieß die Gäste-Elf wieder Türkspor, wieder kassierte man vier Tore. Yavuz Tepegöz, Coach der Zuffenhausener, war trotzdem zufrieden: „Wir haben verdient verloren, haben uns aber sehr gut verkauft“, so der Übungsleiter, der sich wie schon am vorigen Spieltag erneut selbst einwechselte, um – selbst angeschlagen – die Grippeausfälle zu kompensieren. Auch in Anbetracht der Umstände war er stolz auf sein Team, wusste die Niederlage gegen einen starken Gegner realistisch einzuordnen: „Türkspor ist einfach eine Übermacht, vor allem Daniel Bosnjak ist viel zu gut für die Kreisliga.“
Die beiden roten Karten konnte er nicht ganz nachvollziehen. Zunächst wurde Türkspors Mahmut Fehimli wegen Meckerns vom Platz gestellt, dann traf es den eigenen Mittelfeldakteur Alan Pfitzner, der sich bei einem Einwurf gegen einen im Weg stehenden Zuschauer Platz verschaffen wollte. „Die Linie des Schiedsrichters war ein bisschen seltsam“, so der TV89-Coach.
Auf der anderen Seite schloss sich der spielende Co-Trainer Fatih Kalkan, der Memik Erdogan vertrat, Tepegöz’ Meinung an: „Der Schiedsrichter war ein wenig überfordert.“ Am Anfang sei das Spiel noch etwas hitzig gewesen, vielleicht wegen der vorausgegangenen Pokalpartie, am Ende hätten sich aber alle die Hand gegeben. Spielerisch sah Kalkan einen guten Auftritt seiner Elf: „Wir haben den Gegner den Qualitätsunterschied merken lassen und es souverän runtergespielt.“ Man sei bereit für das anstehende Spitzenspiel gegen die ebenfalls hochkarätig besetzten Beograder – auch weil man bereits Nachforschungen angestellt habe: „Beograd hat direkt auf dem Platz daneben gespielt, da hab’ ich ein paar Minuten zugeschaut“, meinte Kalkan augenzwinkernd.
Tore: 0:1 Damir Bosnjak (8.), 0:2 Delgir (23.), 0:3 Vrabac (36.), 1:3 Yürük (39.), 1:4 Akcan (75.)
Besonderes: Rote Karte wegen Meckerns für Fehimli (55./Türkspor), rote Karte für Pfitzner wegen Tätlichkeit gegenüber einem Zuschauer (78./Zuffenhausen).
OFK Beograd – SG Untertürkheim 4:0
Der Serbien-Express kommt ins Rollen! Nach einem holprigen Saisonstart, der den eigenen Aufstiegsambitionen nicht gerecht wurde, zeigen sich die Beograder pünktlich zum Topspiel gegen Türkspor in bestechender Form. OFK-Trainer Bojan Nikolic bestätigt: „Wir werden immer besser.“ Das klingt fast wie eine Drohung gegenüber der Liga – auch in Richtung Spitzenreiter? „Unser Ziel ist es Türkspor zu bremsen, wir wollen die Punkte nach Zuffenhausen holen“, sagte der Coach über das Spiel am kommenden Sonntag. Die Stimmung sei so gut wie noch nie im Team und Türkspor habe schon im Pokalspiel gegen TV89 Zuffenhausen Schwächen gezeigt.
Gegen die SGU ließ man hinten überhaupt nichts anbrennen und in der Offensive sorgten der überragende Bogdan Rangelov (ein Tor, drei Vorlagen) und Nikola Marko Sijakovic (zwei Tore) für klare Verhältnisse. Wie stark die Beograder zur Zeit auftreten, unterstrich Gäste-Coach Christos Kolokotronis: „Für mich sind sie gegen Türkspor der Favorit.“
In Anbetracht der übermächtigen Truppe aus Zuffenhausen machte er seiner Mannschaft keine großen Vorwürfe: „OFK ist eine super technische Mannschaft und war klar überlegen.“ Die eigene Chancenlosigkeit verdeutlichte der nächste Satz: „Wenn du kein einziges Mal aufs Tor schießt, gibt es nicht viel mehr zu sagen“, so der Coach, der aber optimistisch auf die nächsten Spiele blickt: „Das sind vier, fünf Gegner auf Augenhöhe, da müssen neun bis zehn Punkte her.“
Tore: 1:0 Sijakovic (28.), 2:0 Rangelov (43.), 3:0 Burazor (51.). 4:0 Sijakovic (58.).
Besonderes: –
SV Sillenbuch II – TSV Mühlhausen 3:7
Es gibt Fußballspiele, bei denen sich so manche Beteiligten fragen dürften, ob da irgendetwas dem Pausentee beigemischt wurde. In der ersten Halbzeit demontierten die Mühlhausener die zweite Sillenbucher Garde, mit einem 4:0 ging es in die Kabinen, danach waren die Gäste aber kaum wiederzuerkennen. Entsprechend gespalten ist die Gefühlslage auch bei TSV-Coach Armend Mehmeti: „In der ersten Halbzeit war es nicht nur ein einfacher Klassenunterschied, wir waren zwei Klassen besser“, die zweite Hälfte dagegen habe ihn „richtig sauer gemacht.“
Lethargisch und überheblich habe man gespielt, “die Mannschaft dachte, es brennt nichts mehr an“, so Mehmeti. Knapp wurde es ganz offensichtlich nicht mehr, zu groß war der herausgeschossene Vorsprung. Nach Toren hieß es in der zweiten Hälfte aber 3:3 – auch weil die Sillenbucher bewiesen, dass noch Leben im Tabellenschlusslicht steckt.
Tore: 0:1 Ese (9.), 0:2 Fidler (25.), 0:3 Krewenka (27.), 0:4 Krewenka (45.+1), 1:4 Mikuletz (49.), 1:5 Bjelkić (69.), 1:6 Bjelkić (70.), 2:6 Schuler (78.), 2:7 Rück (79.), 3:7 Mikuletz (80.).
Besonderes: –
PSV Stuttgart – SSV Zuffenhausen 0:4
Als Real Madrid am Samstagabend den FC Barcelona empfing, scheiterten Mbappe und Co. an der Abseitsfalle, dem gegnerischen Torwart, an der eigenen Chancenverwertung. Mit dem Classico verglich PSV-Coach Damian Nagler auch das eigene Spiel gegen Zuffenhausen – nicht wegen zahlreicher Abseitsszenen, aber wegen dem Ergebnis und der mangelnden Treffsicherheit vor dem Tor. „Wir hatten vor allem zu Beginn richtig gute Chancen, wenn wir die nutzen, läuft das Spiel vielleicht anders“, so der Trainer, der in seinem sechsten Spiel an der PSV-Seitenlinie den ersten richtigen Dämpfer erlebte.
Vor allem aber habe man ordentlich Lehrgeld gezahlt in Sachen Mentalität und Leidenschaft: „Zuffenhausen hatte den unbedingten Willen zu gewinnen, der hat uns gefehlt“, so Nagler, der von einem „absolut verdienten Sieg“ des Tabellendritten sprach. Was er in Zukunft von seinem Team sehen will: „Kämpfen, Spucken, Beißen, Kratzen. Wir sind im Abstiegskampf, das müssen die Jungs verstehen.“
Ähnlich wie sein Kollege an der Seitenlinie blickte Erhan Atici, Coach der Zuffenhausener, auf das Spiel: „In der ersten Halbzeit gab es quasi kein Mittelfeld, beide Seiten hatten Chancen, wir haben unsere genutzt.“ Vor allem zu Beginn sei es der erwartete, starke Gegner gewesen, am Ende demonstrierten die Zuffenhausener aber die eigene Klasse und hätten laut Atici auch höher gewinnen können. Den von Nagler erwähnten Siegeswillen des SSV schreibt er unter anderem seinen Führungsspielern um Kapitän Nevzat Dursun zu. Der Teamspirit, der Atici gegen die SG Stuttgart-West noch gefehlt habe, sei immer mehr zu spüren. Umso größer ist die Vorfreude auf das anstehende Zuffenhausen-Derby gegen den TV89 – erstmals seit einigen Jahren dürfte der SSV als leichter Favorit ins Spiel gehen.
Tore: 0:1 Surasi Hamld (12.), 0:2 Özbek (33.), 0:3 Hachenbruch (36.), 0:4 Hachenbruch (48.).
Besonderes: –
TB Untertürkheim – ASV Botnang 1:3
Nach dem „Favoritenschreck“, die SG Stuttgart-West, am vorigen Spieltag, konnten auch die „JoJo-Jungs“ aus Untertürkheim den ASV Botnang nicht aufhalten. In einem engen Spiel gelang es den Gästen als erster Mannschaft in dieser Saison, die Auf-und-Ab-Serie des TBU zu brechen, der erstmals zweimal in Folge verloren hat. Gäste-Trainer Alexander Schweizer zeigte sich hochzufrieden mit dem Auftritt seiner Schützlinge: „Wir haben es super gemacht, haben uns nur vor dem Tor zu wenig belohnt.“ Und das gegen einen Gegner, den Schweizer als „sehr gute Mannschaft mit brutalen Neuzugängen“ einschätzt. Mit dem sechsten Sieg in Folge unterstrichen die Botnanger die eigenen Aufstiegsambitionen, entsprechend zufrieden ist Schweizer mit der Entwicklung seiner Mannschaft:„Man merkt, wie das Team zu einer brutalen Einheit wird.“
Von einer mangelnden Botnanger Chancenverwertung war auf der anderen Seite nicht die Rede, im Gegenteil: „Wir haben den Gegner in der ersten Halbzeit eingeladen und der hat das kaltschnäuzig genutzt“, sagte TBU-Coach Ivo Ilijasevic, der selbst nicht vor Ort war, aber während des Spiels von seinem Team auf dem Laufenden gehalten wurde. Zwar sei die 2:0-Halbzeitführung der Gäste verdient gewesen, „am Ende wäre bei uns aber vielleicht ein Punkt möglich gewesen.“ Frei nach dem Motto ‚Wo Altes vergeht, kann Neues entstehen’, nimmt Ilijasevic das Ende der „JoJo-Jungs“ gelassen und sagte lachend: „Die Serie ist rum, aber vielleicht ist das die Chance für eine neue Serie, dieses Mal mit vielen Siegen.“
Tore: 0:1 Schweizer (29.), 0:2 Schweizer (37.), 1:2 Höschele (61.), 1:3 Ceesay (84.).
Besonderes: Gelb/Rote Karte für Rogalsky wegen wiederholten Foulspiels (70./Untertürkheim).
SV Prag – TSV Uhlbach 2:0
Der Trend zeigt bei den Uhlbachern weiter nach unten. Das 0:2 gegen die Prager bedeutet die fünfte Niederlage in Serie, nur Schlusslicht Sillenbuch wartet schon länger auf Punkte. Das man mit den Abstiegsplätzen noch nichts zu tun hat, verdankt der TSV dem bärenstarken Saisonbeginn – das Polster schmilzt aber. Von einem gebrauchten Tag sprach auch Coach Tim Wagner, der auf beiden Seiten kein starkes Spiel sah. Der Sieg der Heimelf sei verdient gewesen, deren Auftritt beschrieb er so: „Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss.“ Die Einstellung seines Teams empfand er als „fragwürdig“, es habe an der nötigen Motivation gefehlt: „Kreisliga ist oft Gebolze und das ist mit Laufen verbunden – wenn man das nicht macht, gewinnt der Gegner“, sagte ein ernüchterter Wagner.
Die tierische Metapher seines Kollegen wollte Frederik Bruder, Coach der Prager, nicht unterschreiben, sprach vielmehr von einer ausbaufähigen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor: „Wir haben das Spiel spannender gemacht, als es hätte sein müssen.“ Bis in die Schlussphase hatte es 0:0 gestanden, dann sorgte ein schneller Doppelschlag für den späten K.o. Über das Spiel hinweg habe man viel Ballkontrolle gehabt und den Gegner laufen lassen, „am Ende hatten wir wahrscheinlich mehr Luft als Uhlbach“, so der Prager Trainer.
Tore: 1:0 Raiser (85.), 2:0 Siller (88.).
Besonderes: –
SG Stuttgart-West – MTV Stuttgart II 2:2
Ein Ergebnis mit Seltenheitswert: Das Unentschieden zwischen der SG und dem MTV ist nicht nur das einzige des Tages, sondern auch die erste Punkteteilung der Liga seit drei Spieltagen. Mit dem Resultat konnte SG-Trainer Benedikt Goos leben, mit der Einstellung der eigenen Mannschaft aber nicht: „Es war ein gerechtes Ergebnis, aber ich bin unzufrieden mit meinem Team.“ Die zwei Gegentreffer seien vermeidbar gewesen, am Ende des Tages habe es aber vor allem am Willen gefehlt: „Mit der beherzten Leistung der letzten Spiele hätten wir gegen MTV gewinnen können“, so Goos, der mit Blick auf die kommenden Spiele von einem machbaren Restprogamm – abgesehen von Beograd – in der Hinrunde sprach: „Wir erhoffen uns einige Punkte und ein gutes Polster auf die Abstiegsplätze.“
Tore: 0:1 Regelmann (4.), 1:1 Papp (44.), 2:1 Papp (66.), 2:2 Schwägerl (74.).
Besonderes: –